Saisonauftakt für Eichenprozessionsspinner

Das kann bei Spaziergängern für schmerzhafte Hautprobleme und allergische Reaktionen sorgen. Warum ist das so und wie kann man sich schützen?

von Kirsten Bechtold
24.04.2026

Raupen des Nachtfalters Eichenprozessionsspinners mit sichtbaren Brennhaaren.
© Foto: creativenature.nl / stock.adobe.com
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Biologie und Verhalten des Eichenprozessionsspinners

Die Raupen des Eichenprozessionsspinners leben in Gruppen von 20 bis 30 Tieren. Gemeinsam begeben sie sich auf Nahrungssuche, wobei sie bevorzugt Eichenblätter fressen.

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Dabei bilden sie lange, charakteristische Ketten und bewegen sich wie in einer Prozession vorwärts – daher der Name. Während sie Bäume durch Lichtungs- oder Kahlfraß schädigen, sind sie für den Menschen vor allem wegen ihrer Brennhaare eine Gefahr. Diese enthalten das Nesselgift Thaumetopoein.

Gesundheitsrisiko durch Brennhaare

Ab Ende April bis Anfang Mai steigt das Gesundheitsrisiko rapide an. Mit dem dritten Larvenstadium bilden die Raupen erstmals die gefährlichen Brennhaare aus. Deren Anzahl und Länge nimmt bis zum sechsten Stadium im Juni stetig zu.

Wichtig zu wissen: Die Brennhaare besitzen mikroskopisch kleine Widerhaken. Sie setzen sich leicht in Haut und Schleimhaut fest und geben dort das Toxin frei.

Typische Folgen des Kontakts sind:

  • Hautirritationen (Raupendermatitis)
  • Augenreizungen (Konjunktivitis)
  • Atembeschwerden bis hin zu allergischen Reaktionen

Symptome erkennen

Optisch zeigen sich kleine, entzündliche rote Knötchen oder flüssigkeitsgefüllte Bläschen – meist im Gesicht, am Hals, Nacken sowie an Unterarmen und Unterschenkeln. Begleitet wird der Ausschlag von einem extrem hartnäckigen Juckreiz. Im weiteren Verlauf können sich Ekzeme bilden oder durch starkes Kratzen bakterielle Superinfektionen entstehen.

Bei Atemnot oder schweren systemischen Reaktionen (anaphylaktischer Schock) muss umgehend eine Arztpraxis oder Notaufnahme aufgesucht werden.

TIPP!

Der Deutsche Wetterdienst bietet mit dem System PHENTHAUproc Daten zur Ausbreitung des Eichenprozessionsspinners in Deutschland.

Erschwerte Diagnostik und Beratung

Da die Symptome nicht nur akut, sondern häufig auch erst Stunden oder Tage nach der Exposition auftreten, ist die Diagnose oftmals komplex. Die Abgrenzung zu Insektenstichen, infektiösen Dermatosen oder atopischen Ekzemen ist nicht immer eindeutig.

In der Beratung ist daher die gezielte Frage nach Outdooraktivitäten und indirekten Expositionsquellen (z. B. kontaminierte Kleidung, Gartenmöbel oder Haustiere) entscheidend. Wegweisend sind zudem die Saisonalität (Frühjahr/Sommer) sowie regionale Befallsmeldungen.

Therapie und Prävention

In der Regel klingen die Beschwerden von selbst ab. Zur Linderung von Juckreiz und Entzündungen helfen:

  • topische Glukokortikoide
  • kühlende Gele oder Cremes
  • Antihistaminika (topisch oder oral)

Schützende Maßnahmen

  • Meiden Sie bekannte Befallgebiete großräumig.
  • Halten Sie mindestens zehn bis 15 Meter Abstand zu befallenen Bäumen.
  • Tragen Sie geschlossene Kleidung (lange Ärmel, hoher Kragen, Halstuch zum Nackenschutz).
  • Nach einer möglichen Exposition: Duschen Sie sofort und waschen Sie die Haare.
  • Reinigen Sie potenziell kontaminierte Kleidung bei mindestens 60 Grad Celsius.

Quelle: Bundesministerium für Landwirtschaft, Ernährung und Heimat, Ärzte Zeitung

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