Schwierige Suche nach dem richtigen COVID-19-Medikament

(fast/ab) Bei schwer erkrankten COVID-19-Patienten scheint die Kombination der beiden HIV-Medikamente Lopinavir/Ritonavir keinen Effekt zu haben. Deutsche Forscher wollen nun das Malariamittel Chloroquin erproben.

20.03.2020

Eine Einmalspritze, neben der farbige Tabletten und Kapseln liegen.
© Foto: Kurmyshov / stock.adobe.com
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Fieberhaft wird derzeit nach Medikamenten gegen COVID-19 gesucht. Die Hoffnung liegt auch auf HIV-Arzneimitteln, denn bei der SARS-Pandemie 2002/2003 hatte es etwa mit der Kombination der HIV-Protease-Hemmer Lopinavir/Ritonavir Erfolge gegeben. Bei COVID-19-Patienten scheint diese Kombination nicht zu wirken: Bei schwer erkrankten Patienten aus Wuhan konnten Lopinavir/Ritonavir zusätzlich zur klinischen Standardversorgung (u. a. Sauerstoffgabe oder Antibiotikatherapie) die Zeit bis zu einer Besserung der Symptome nicht verkürzen, wie eine im New England Journal of Medicine veröffentlichte chinesische Studie zeigt.

In der Studie wurden 199 Patienten mit bestätigter SARS-CoV-2-Infektion, die klinisch behandelt werden mussten, in zwei Gruppen aufgeteilt: 99 Patienten erhielten neben der klinischen Standardversorgung Lopinavir/Ritonavir (400 mg/100 mg, 2× tgl. oral über 14 Tage), die übrigen 100 Patienten „nur“ die Standardversorgung. Im Mittel waren die Patienten 58 Jahre alt, 60 Prozent waren männlich. Das Ergebnis: Mit Lopinavir/Ritonavir dauerte es genauso lange bis zu einer klinischen Besserung der Symptome wie mit der Standardtherapie allein, und zwar im Mittel in beiden Gruppen 16 Tage.

Auch die Viruslast in Abstrichen sei in den beiden Gruppen vergleichbar gewesen, und zwar über den gesamten Untersuchungszeitraum hinweg. Die Vermehrung von SARS-CoV-2 konnte das Virustatikum also nicht verhindern. Ein numerischer Unterschied zeigte sich zwar bei der Mortalität nach 28 Tagen: Diese lag in der mit Lopinavir/Ritonavir behandelten Gruppe bei 19,2 Prozent, bei den Patienten, die die Standardtherapie erhalten hatten, dagegen bei 25 Prozent. Allerdings starben in der Lopinavir/Ritonavir-Gruppe bereits vor Gabe der ersten Dosis drei Patienten, und generell seien die Patienten, die die Standardtherapie erhielten, wohl schwerer erkrankt, sodass die Ergebnisse statistisch verzerrt seien, berichten die Forscher.

Hoffnung liegt nun auf dem Malaria-Medikament Chloroquin, das in Zellkultur eine Infektion mit SARS-CoV-2 verhindern konnte. In China soll das Medikament bereits bei COVID-19-Patienten eingesetzt worden sein, Ergebnisse sind bisher aber nicht publiziert. In der kommenden Woche soll eine Studie an der Uni Tübingen mit mild erkrankten COVID-19-Patienten starten, die mit Chloroquin behandelt werden. Die Bundesregierung hat nach Angaben von Gesundheitsminister Spahn bereits größere Mengen des Malaria-Mittels beim Pharmahersteller Bayer bestellt.

Quelle: Ärzte Zeitung

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