So helfen bittere Kräuterextrakte bei der Verdauung

Bitter schmeckende Kräuterextrakte gelten als förderlich für die Verdauung. Den molekularen Mechanismen dafür sind nun Forschende des Leibniz-Instituts für Lebensmittel-Systembiologie an der Technischen Universität München auf den Grund gegangen. Die Studie zeigt, dass spezifische Bitterrezeptoren im Magen die Säureproduktion direkt beeinflussen können.

von Kirsten Bechtold
21.05.2026


Chemie-Wissenschaftler, die Analyse der flüssigen Mischung, Kräuter-Extrakt für Parfums
© Foto: Motortion / istockphoto.com
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Im Zentrum der Untersuchung stand ein handelsübliches pflanzliches Kombinationspräparat zur Linderung von Verdauungsbeschwerden. Dieses enthält Extrakte aus neun Heilpflanzen. Es enthält die Extrakte aus neun Pflanzen: Gemeiner Wermut, Echter Salbei, Gemeine Schafgarbe, Echtes Tausendgüldenkraut, Gemeine Wegwarte, Gelber Enzian, Gemeiner Wacholder, Meisterwurz und Gewöhnlicher Löwenzahn.

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Die zentrale Forschungsfrage lautete: Aktivieren die enthaltenen Inhaltsstoffe lediglich die Geschmacksrezeptoren für Bitterstoffe im Mund oder stimulieren sie über extraorale Bitterrezeptoren im Magen auch direkt die Magensäureproduktion?

Zellbasierte Analyse: Vier Extrakte als Spitzenreiter

Mithilfe eines zellbasierten Testsystems untersuchte das Team sowohl Einzelextrakte als auch verschiedene Mischungen. Dabei zeigten sich signifikante Unterschiede in der Wirksamkeit:

  • Hohe Wirksamkeit: Extrakte aus Meisterwurz, Wacholder, Salbei und Schafgarbe steigerten die Säuresekretion der Magenzellen besonders stark.
  • Geringe Wirksamkeit: Löwenzahn und Enzian zeigten im getesteten Konzentrationsbereich (bis 300 µg/ml) keine nennenswerte Wirkung.

Auffällig war, dass die stärksten Effekte bei Extrakten mit einem besonders hohen Polyphenolgehalt auftraten.

Synergieeffekte: Die Mischung macht den Unterschied

Die Studie liefert zudem einen Beleg für das phytotherapeutische Prinzip der Synergie:

  • Die Kombination aller neun Extrakte erzielte die stärkste Stimulierung der Magensäure.
  • Eine Mischung, die nur die vier effektivsten Einzelextrakte enthielt, schnitt schwächer ab.
  • Die Kombination der fünf weniger wirksamen Extrakte zeigte kaum Effekte.

Die Forschenden schlussfolgern, dass sich erst  durch das Zusammenspiel der verschiedenen Inhaltsstoffe die volle Wirkung entfaltet. Vermutlich geschieht dies durch die zeitgleiche Aktivierung mehrerer Bitterrezeptortypen, die sich gegenseitig in ihrer Wirkung verstärken.

Fazit und Ausblick

„Unsere Ergebnisse liefern eine molekularbiologische Erklärung für die verdauungsfördernde Wirkung bitterer Kräuter“, fassen die Studienautoren zusammen. Dennoch betont Professorin Veronika Somoza, Leiterin der Arbeitsgruppe Metabolic Function & Biosignals, zur Einordnung: „Da es sich um In-vitro-Daten aus Zellkulturen handelt, müssen künftige klinische Studien bestätigen, ob diese Effekte im menschlichen Körper in gleichem Maße auftreten.“

Schon jetzt leisten die Erkenntnisse jedoch einen Beitrag zur gezielten Weiterentwicklung pflanzlicher Arzneimittel (Phytopharmaka).

Hinweis zur Finanzierung der Studie

Die Autoren erklären, dass die Studie von der Weleda AG finanziell unterstützt wurde. Der Geldgeber war weder an der Studienkonzeption noch an der Datenerhebung, -analyse und -auswertung, dem Verfassen dieses Artikels oder der Entscheidung über dessen Einreichung zur Veröffentlichung beteiligt. Zwei Coautoren (M.-R. Piqué-Borràs und G. Künstle) sind bei der Weleda AG in Arlesheim/Schweiz beschäftigt.

Quelle: Leibniz-Institut für Lebensmittel-Systembiologie / TU München

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