Statine: Weniger Nebenwirkungen als im Beipackzettel
Gesetzlich sind Arzneimittelhersteller verpflichtet, alle bekannten potenziellen Nebenwirkungen in der Packungsbeilage anzugeben. Eine Ursache-Wirkungs-Beziehung muss hierbei nicht belegt sein. Es handelt sich also vielmehr um Verdachts- und nicht um Beweisangaben. In der Praxis führen lange Nebenwirkungslisten jedoch dazu, dass viele Patientinnen oder Patienten Angst bekommen und die Therapie abbrechen oder gar nicht erst beginnen.
Vor diesem Hintergrund werteten die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler des Forschungskollektivs Cholesterol Treatment Trialists‘ Collaboration 19 placebo-kontrollierte Studien aus und untersuchten, inwieweit die im Beipackzettel enthaltenen Nebenwirkungen tatsächlich auf die Einnahme der Statinpräparate zurückzuführen war.
Diese Nebenwirkungen sind bestätigt
Statine können zu Muskelbeschwerden führen und das Diabetesrisiko leicht erhöhen. Muskelschmerzen sind allerdings dosisabhängig und verschwinden nach Absetzen der Statine.
Darüber hinaus gibt es nur für vier weitere von 66 möglichen Nebenwirkungen einen ursächlich belegbaren Zusammenhang, heißt es in einer Mitteilung des Science Media Centers Deutschland. Dies sind:
- Veränderungen der Urinzusammensetzung
- Ödeme
- abnormale Werte für Lebertransaminasen
- Abweichungen in der Leberfunktion
Diese vier Nebenwirkungen treten in der Regel gleich zu Beginn der Behandlung auftreten oder nie, erläutert Professor Oliver Weingärtner. Daher werde auch darauf hingewiesen, dass Leberwerte in den ersten Wochen nach Einnahme der Statine zu beobachten sind, führt der Kardiologe am Universitätsklinikum Jena weiter aus.
Kein ursächlicher Zusammenhang könne bei vielen anderen möglichen Nebenwirkungen wie Müdigkeit, Kopfschmerzen, Depression oder Schlafstörungen nachgewiesen werden.
Aufklärung ist wichtig
Statine gehören zu den am häufigsten verordneten Medikamenten in Deutschland und können bei zu hohen LDL-Werten auch zur Vorbeugung von Herz-Kreislauf-Erkrankungen eingesetzt werden. Unter Fachleuten besteht ein Konsens über das meist günstige Nutzen-Risiko-Verhältnis der Statine.
„Eine maßvoll und auch niedrig dosierte Statintherapie besitzt einen sehr großen lipidsenkenden Effekt, vermeidet Nebenwirkungen und verhindert das Auftreten von Infarkten oder der KHK-Progression“, erklärt Professor Stefan Blankenberg vom Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf.
Der Präsident der Deutschen Gesellschaft für Kardiologie - Herz- und Kreislaufforschung e. V. ergänzt, dass es wichtig sei, Patientinnen und Patienten gut aufzuklären und zu führen. Möglich ist bei Beschwerden eine Dosisreduktion, ein Statinwechsel oder zur Not auch der Wechsel auf andere Cholesterinsenker wie Ezetimib oder PCSK-9-Inhibitoren, so Blankenberg.
Alternativer Beipackzettel
Professor Ulrich Laufs vom Universitätsklinikum Leipzig macht in der Mitteilung auf einen alternativen Beipackzettel aufmerksam. Dieser stammt von der DACH-Gesellschaft Prävention von Herz-Kreislauf-Erkrankungen e.V. und räumt auf mit einigen Missverständnissen und Gerüchten rund um Statine, indem verschieden Aussagen rund um Statine aufgeführt und anhand von Fakten bewertet werden.
Einige Beispiele:
- „Statine verursachen häufig schwere Muskelprobleme.“ Bewertung: Stark übertrieben, aber nicht völlig falsch.
- „Statine verursachen Leberschäden.“ Bewertung: Übertrieben
- „Statine beeinträchtigen das Gedächtnis und verursachen Demenz.“ Bewertung: Nicht korrekt
- „Statine verursachen Krebs.“ Bewertung: Falsch.
- „Statine sind nicht notwendig, wenn man seinen Lebensstil ändert.“ Bewertung: Teilweise wahr, aber irreführend.
Quelle: Science Media Center