Tipps bei Krätzmilben-Befall
- Krätze zeigt sich oft durch starken, nachts zunehmenden Juckreiz und typische Hautveränderungen an Fingern, Zehen, Achseln, Genital- und Leistenregion.
- Die Behandlung gelingt nur zuverlässig, wenn Betroffene und enge Kontaktpersonen zeitgleich und korrekt therapiert werden.
- Auch nach erfolgreicher Therapie kann Juckreiz noch Wochen anhalten; Hygiene- und Umgebungsmaßnahmen senken das Risiko einer erneuten Ansteckung.
Krätze wird durch Krätzmilben ausgelöst. Die winzigen Parasiten bohren sich in die oberste Hautschicht, legen dort Eier ab und lösen eine Immunreaktion aus. Typisch sind starker Juckreiz, kleine Knötchen, Bläschen, Pusteln oder feine, unregelmäßige Milbengänge. Besonders auffällig ist, dass der Juckreiz nachts oder bei Bettwärme zunimmt.
Epidemiologische Daten zeigen: Skabies betrifft nicht nur ältere Menschen, sondern häufig auch Jugendliche und junge Erwachsene. Grundsätzlich kann jedoch jede Altersgruppe erkranken. Die Milben bevorzugen warme Hautareale mit dünner Hornschicht – etwa die Zwischenräume von Fingern und Zehen, Achseln, Brustwarzenhof, Nabelregion, Analfalte, Leisten, Knöchel, innere Fußränder und beim Mann besonders den Penisschaft.
Häufig ist der Befund nicht eindeutig, weil Kratzen die typischen Hautveränderungen überdeckt. Auch auf dunkler Haut kann die Diagnose schwieriger sein. Bei Verdacht auf Krätze sollte ärztlich abgeklärt werden, ob es sich tatsächlich um Skabies handelt.
Warum die Symptome verzögert auftreten
Der Juckreiz entsteht durch eine verzögerte zellvermittelte Immunreaktion auf Milben, Eier und Ausscheidungen. Bei einem Erstbefall treten Beschwerden meist erst nach etwa zwei bis fünf Wochen auf. Bei erneutem Befall reagiert das Immunsystem schneller. Symptome können dann bereits nach wenigen Tagen auftreten. Charakteristisch ist der nächtlich verstärkte Juckreiz.
Erste Wahl: topische Behandlung mit Permethrin
Zur Behandlung der gewöhnlichen Skabies wird häufig 5%ige Permethrin-Creme eingesetzt. Sie wird auf die Haut aufgetragen und soll Milben zuverlässig abtöten. Entscheidend ist die korrekte Anwendung: Wird eine Hautstelle vergessen oder die Einwirkzeit verkürzt, kann die Therapie scheitern. Fachleute empfehlen häufig eine Wiederholung der Behandlung nach 7 bis 14 Tagen, um neu geschlüpfte Milben sicher zu erfassen.
Das sollten Patientinnen und Patienten wissen
Vor der Anwendung sollten stark verdickte Hornschichten und Hautschuppen entfernt werden, damit der Wirkstoff ausreichend an den Wirkort gelangt. Außerdem gilt:
- Fingernägel kürzen, damit sich Milben oder Eier nicht unter den Nägeln halten
- lückenlos eincremen – auch Hautstellen, die nicht jucken
- auf trockene und abgekühlte Haut auftragen, zum Beispiel frühestens etwa 30 Minuten nach dem Duschen
- Hände nach dem Eincremen nicht waschen (andernfalls Creme dort erneut auftragen)
- Einwirkzeit einhalten: meist 8 bis 12 Stunden, anschließend abwaschen
- Bettwäsche, Handtücher und Kleidung nach Behandlung wechseln
- engen Körperkontakt vorübergehend vermeiden
Vernachlässigte Tropenkrankheit
Krätzmilben sind 0,3 bis 0,5 mm kleine Spinnentiere (Weibchen, Männchen sind kleiner). Sie verursachen weltweit geschätzt 300 Millionen Fälle von Skabies (Parasitose). Von der WHO wird sie als vernachlässigte Tropenkrankheiten gelistet.
Alternativen: Benzylbenzoat, Crotamiton und Ivermectin
Alternativ oder bei Verdacht auf vermindertes Ansprechen auf Permethrin kann Benzylbenzoat eingesetzt werden. In einer Vergleichsstudie aus Österreich war 25%iges Benzylbenzoat Permethrin sogar überlegen.
Crotamiton ist eine weitere zugelassene topische Option. Salbe oder Lotion werden üblicherweise an mehreren aufeinanderfolgenden Tagen aufgetragen und anschließend abgewaschen.
Topisches Ivermectin ist in Deutschland zur Behandlung der Rosazea zugelassen, nicht regulär zur Skabies-Therapie. Eine Anwendung bei Krätze wäre daher off-label. Orales Ivermectin ist seit 2016 in Deutschland zur systemischen Skabies-Therapie verfügbar.
Kontaktpersonen mitbehandeln
Ein häufiger Grund für wiederkehrende Krätze ist der Ping-Pong-Effekt: Eine Person wird behandelt, steckt sich aber bei einer unbehandelten Kontaktperson erneut an. Deshalb sollten enge Kontaktpersonen (z. B. Haushaltsmitglieder) zeitgleich informiert und nach ärztlicher Empfehlung mitbehandelt werden.
Kurze Berührungen wie Händeschütteln oder eine kurze Umarmung führen in der Regel nicht zur Übertragung. Das Risiko steigt vor allem bei längerem, engem Haut-zu-Haut-Kontakt, etwa beim Kuscheln, Schlafen in einem Bett, bei Pflegehandlungen oder beim Geschlechtsverkehr.
Umgebungssanierung: Waschen, Verpacken, Absaugen
Neben der medikamentösen Behandlung sind Hygienemaßnahmen wichtig, um eine erneute Ansteckung zu vermeiden. Dabei hilft:
- waschbare Textilien wie Kleidung, Unterwäsche, Handtücher und Bettwäsche bei mindestens 50 °C waschen
- nicht Waschbares (z. B. Hausschuhe, Blutdruckmanschetten, Stofftiere) in Plastik verpacken und mindestens drei Tage trocken bei mindestens 21 Grad Celsius lagern
- Gegenstände alternativ für mindestens fünf Stunden bei etwa minus 10 Grad Celsius einfrieren
- Polstermöbel, Matratzen, Teppiche und Autositze nach längerem Hautkontakt gründlich absaugen (Filter und Beutel anschließend entsorgen)
- textile Flächen, die nicht gereinigt werden können, 48 Stunden nicht benutzen
Quelle: Ärzte Zeitung