Tödliche Selfies

(kib) Männer suchen oft bewusst Gefahren, um mit Selfies in sozialen Medien zu glänzen, Frauen stürzen eher unfreiwillig von der Klippe. So kann man die Erkenntnisse einer Internetrecherche aus Australien etwas salopp zusammenfassen.

18.01.2024

Frau macht Selfie vor Bergpanorama
© Foto: NDStock / Getty images / iStock (Symbolbild mit Fotomodell)
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In Selfie-Unfälle an touristischen Hotspots sind Frauen inzwischen überproportional häufig verwickelt. Das zeigt eine Internetrecherche von Forscherinnen und Forschern um Dr. Samuel Cornell von der Universität in Sydney.

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Sie recherchierten konkret nach Medienberichten und wissenschaftlicher Literatur zu dem Thema. Insgesamt haben sie fünf wissenschaftliche Publikationen aus den vergangenen zwölf Jahren gefunden. Diese umfassten weltweit zusammen knapp 1.000 Selfie-bedingte Unfälle mit über 500 Todesfällen. Stürze zählten dabei zu den häufigsten Verletzungsursachen. Das mediane Alter der Betroffenen lag bei knapp 23,5 Jahren.

Männer haben noch die Nase vorn

Über alle Länder und Standorte hinweg kamen Männer häufiger zu Schaden als Frauen. Cornell und Mitarbeitende begründen dies damit, dass junge Männer zwar seltener als Frauen Selfies aufnehmen, aber generell risikoaffiner sind und sich für die Fotos und Videos eher bewusst gefährliche Situationen und Standorte aussuchen.

In der größten der fünf Analysen mit 379 Todesfällen waren 37 Prozent Touristen, ein Viertel der Opfer starb in Indien, auf den weiteren Plätzen folgten die USA und Russland. Die Hälfte stürzte dabei aus großer Höhe, 29 Prozent wurden überfahren und 14 Prozent ertranken.

In anderen Publikationen waren zum Teil über die Hälfte der Opfer Touristen, zumeist handelte es sich um inländische Reisende.

Sieben von neun Opfern waren Frauen

Bei ihrer internetbasierten Medienanalyse beschränkten sich Cornell und Mitarbeitende auf Unfälle an aquatischen Standorten in den USA und Australien, etwa Aussichtspunkten an Klippen, Wasserfällen, Flüssen, Stränden oder Seen. Solche landschaftlich besonders reizvollen Orte animieren viele Selfiefans zu riskantem Verhalten.

Insgesamt fanden die Forscherinnen und Forscher 35 Medienberichte zu zwölf Unfällen mit acht Todesfällen an wassernahen Stellen. Sieben der Unfälle ereigneten sich in Australien. Acht Beteiligte stürzten von Klippen oder Abhängen, eine Person fiel einen Wasserfall hinunter, die übrigen verunglückten an Stränden, Flüssen oder Seen.

In einem Fall waren mehrere Personen betroffen: Hier verletzte eine hohe Welle am Strand rund 100 Touristen. Von den elf Unfällen mit nur einer beteiligten Person wurde das Geschlecht in neun Fällen genannt, sieben davon waren Frauen.

Sechs der Frauen fielen von Klippen oder Steilküsten. Dies stehe in einem gewissen Kontrast zu anderen Untersuchungen, die vor allem eine Beteiligung junger Männer an Selfie-Unfällen erkannten. Ob die Fälle repräsentativ sind, lässt sich aufgrund der geringen Zahl aber kaum sagen, zudem schaffen es vor allem Todesfälle in die Medien.

„Daredevil-Stunts“ sind Sache der Männer

Dass Männer der Internetrecherche zufolge an den touristischen Hotspots eher unterrepräsentiert sind, könnte damit zusammenhängen, dass Männer ihre riskante Selfie-Manie eher an anderen Standorten und weniger mit der Absicht auf einen landschaftlich schönen Hintergrund ausleben, mutmaßen die Forscherinnen und Forscher.

Sie posten eher Aktionen wie „Daredevil-Stunts“: Hier filmen und fotografieren sich – meist Männer – bei gefährlichen Sprüngen, akrobatischen Manövern oder waghalsigen Kletteraktionen, wobei gelegentlich etwas schiefgeht.

Selfie-Sessions enden im Fluss

Eine andere Situation ergibt sich wiederum in Ländern wie Indien: Hier fallen bei Selfie-Sessions oft ganze Gruppen in den Fluss.

Quelle: springermedizin.de

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