Tuberkulose: Neuer Arzneistoff-Kandidat
Die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg haben im Labor eine neue Verbindung hergestellt. Diese hemmt die Energieproduktion von Mycobacterium tuberculosis und lässt ihn absterben.
Hintergrund
Ein etabliertes Medikament gegen Tuberkulose ist Bedaquilin, das nach einem strengen Therapieschema über mehrere Monate verabreicht wird. „Bedaquilin hemmt die Aktivität der ATP-Synthase des Erregers. Das ist ein komplexes Enzym, das für die Energieproduktion in den Bakterien zuständig ist. Wird dieses Enzym ausgeschaltet, stirbt das Bakterium ab“, erklärt Dr. Adrian Richter vom Institut für Pharmazie der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg, der seit mehreren Jahren an Wirkstoffen gegen Mykobakterien forscht.
Das Problem: Es treten bereits Resistenzen gegen das Antibiotikum Bedaquilin auf, obwohl es erst seit zehn Jahren breitere Anwendung findet.
Vielversprechender Kandidat
Die Forschenden haben nun einen Wirkstoff synthetisiert, der das Potenzial hat, sogar gegen resistente Tuberkulose-Erreger eingesetzt zu werden, heißt es in der Pressemitteilung. Auch er richtet sich gegen die ATP-Synthase der Bakterien, allerdings greift er eine andere Stelle des Enzyms an als Bedaquilin. Tests sowohl an Tuberkulose-Bakterien als auch an isolierten ATP-Synthase-Enzymen der Bakterien bescheinigten dem Wirkstoffkandidaten eine hohe Wirksamkeit.
Weitere Untersuchungen hätten zudem gezeigt, dass der Wirkstoff für Säugetierzellen nicht toxisch ist und von Leberenzymen nur langsam abgebaut wird.
Weitere Forschung ist notwendig
Nach den erfolgreichen Vorarbeiten im Labor hoffen die Pharmazeutinnen und Pharmazeuten auf einen raschen Einstieg in die nächste Phase der Forschung: Versuche in Tiermodellen sollen zeigen, wie sich der Wirkstoffkandidat in einem lebenden Organismus verhält.
Erst danach kann er in klinischen Studien an Patientinnen und Patienten getestet werden. „Wir sind optimistisch, aber wir müssen auch klar sagen: Ob aus unseren Substanzen ein marktreifes Medikament entwickelt werden kann, lässt sich vermutlich erst in einigen Jahren genauer sagen“, erklärt Richter.
Unterstützung bei der Grundlagenforschung erhielt das hallesche Team von Forschenden des Leibniz Lungenzentrums Borstel, des Helmholtz-Instituts für Pharmazeutische Forschung Saarland sowie weiterer wissenschaftlicher Einrichtungen in Deutschland, den USA und Kanada.
Die Arbeit wurde von der Deutschen Forschungsgemeinschaft, von der Gates Foundation, von den kanadischen Institutes of Health Research, im Rahmen des Programms „Canada Research Chairs Program“ sowie im Rahmen eines „Hospital for Sick Children“-Stipendiums und im Rahmen des Deutschen Zentrums für Infektionsforschung gefördert.
Quelle: IDW