Vogelgrippe auf dem Vormarsch

(kib) In Deutschland breitet sich die Vogelgrippe aus. Tausende Wildvögel, darunter auch viele Kraniche, sind bereits verendet. Geflügelhalter sollen Schutzmaßnahmen ergreifen. Was ist das für ein Virus? Und gibt es ein Risiko für Menschen?

29.10.2025

Kraniche im Flug
© Foto: mauribo / iStockphoto.com
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Die Vogelgrippe ist eine durch Influenza-A-Viren hervorgerufene Erkrankung, die vor allem Vögel trifft. Besonders schwere Formen der Vogelgrippe werden Geflügelpest genannt. In der Umgangssprache werden beide Begriffe jedoch häufig synonym verwendet.

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Für Vögel tödlich

Ausgelöst wird die Erkrankung durch hochpathogene, aviäre Influenzaviren der Subtypen H5 und H7. Für Vögel ist die klassische Geflügelpest eine tödlich verlaufende Erkrankung. Vor allem Hühner und Puten leiden. Vogelspezies wie Enten und Gänse weisen laut dem Friedrich-Loeffler-Institut eine geringere Empfindlichkeit auf. 

Die Virusinfektion verbreitet sich saisonal durch Zugvögel weltweit. Neu ist in dieser Saison in Europa das frühe Auftreten der Fälle und die Art der Zugvögel.

Vermehrt Kraniche betroffen

In diesem Jahr sind besonders Kraniche in Deutschland betroffen, was bisher nur aus anderen Ländern wie Israel oder Ungarn bekannt war, berichtet das Science Media Center Deutschland. Im Oktober mehrten sich die gemeldeten Fälle von verendeten Kranichen. Inzwischen hat das Friedrich-Loeffler-Institut den Verdacht einer Infektion mit dem hochpathogenen aviären Influenzavirus (HPAIV, Geflügelpest) des Subtyps H5N1 bei den eingesandten Kranichproben aus Mecklenburg-Vorpommern, Brandenburg, Sachsen-Anhalt und Thüringen bestätigt.

Die Experten des Instituts gehen davon aus, dass Kraniche hochempfänglich sind, sich bisher in Deutschland allerdings nicht mit dem Geflügelpestvirus auseinandersetzen musste. Wenn solch eine sehr empfängliche Wildvogelart dann Kontakt zu infizierten und Virus ausscheidenden Wildvögeln hat, zum Beispiel Wildenten oder -gänsen, kann sie sich leicht infizieren.

Können sich Säugetiere infizieren?

Es mehren sich weltweit Berichte über Infektionen bei Säugetieren („spill-over“ = Übersprung). In erster Linie sind hierbei wildlebende Fleisch- und Aasfresser zu nennen, also unter anderem Füchse, Otter, Robben, Bären und Katzen, heißt es in den FAQ des Friedrich-Loeffler-Instituts. Die infizierten Säugetiere hätten sich vermutlich über die Aufnahme erkrankter oder toter infizierter wilder Wasservögel angesteckt.

Prinzipiell ermöglicht jede „spill-over“-Infektion dem Virus sich in einer neuen Wirtsspezies besser zurechtzufinden und gegebenenfalls anzupassen, heißt es in den FAQ weiter. In der Regel bleiben solche Infektionen aber Sackgassen für das Virus, das heißt, es wird nicht weiter an andere Säugetiere übertragen. Dennoch können für das Einzeltier solche „Sackgasseninfektionen“ tödlich verlaufen.

Wie hoch ist das Risiko für Menschen?

Die Viren können auch auf den Menschen übertragen werden. Laut dem Robert Koch-Institut sind sie für Menschen allerdings nicht sehr infektiös. Professor Timm Harder, Laborleiter am Institut für Virusdiagnostik am Friedrich-Löffler-Institut, der Bundesforschungsanstalt für Tiergesundheit, Greifswald-Insel Riems, betont: „Für eine Infektion des Menschen ist ein intensiver Kontakt mit infiziertem Geflügel oder infizierten Wildvögeln nötig. Daher sind umfangreiche Schutzmaßnahmen beim Umgang mit potenziell infiziertem Geflügel, Wildvögeln und Säugetieren erforderlich.“

Humane Infektionen sind bisher vor allem aus den USA bekannt. Dabei gehen die in 2024 nachgewiesenen 70 Infektionen auf Kontakte mit infizierten Milchkühen oder mit infiziertem Geflügel zurück. Die Mehrzahl dieser Infektionen zeigte einen milden Verlauf, wobei lediglich Symptome einer Bindehautentzündung auftraten. Zu einer Weiterverbreitung durch Übertragungen von Mensch zu Mensch kam es laut dem Friedrich-Löffler-Institut bislang nicht.

Tote Wildvögel melden

Das Institut appelliert an die Bevölkerung, sich in betroffenen Regionen von Wildvögeln fernzuhalten, und diese nicht aufzuscheuchen. Tote Wildvögel sollten den zuständigen Veterinärbehörden gemeldet werden.

Besteht ein Gesundheitsrisiko durch Geflügelprodukte?

Eine Übertragung von Geflügelpestviren über Lebensmittel, die von infiziertem Geflügel gewonnen wurden, ist theoretisch denkbar, aber hierzulande unwahrscheinlich. Das Tierseuchenbekämpfungssystem in Deutschland sorgt dafür, dass infiziertes Geflügel rasch identifiziert und Produkte infizierter Bestände
erst gar nicht in Verkehr gebracht werden.

Ein FAQ des Bundesinstituts für Risikobewertung enthält weitere Informationen zur Hygiene bei Lebensmitteln und Bedarfsgegenständen und gibt Tipps, wie sich Verbraucherinnen und Verbraucher schützen können.

Quelle: Friedrich-Löffler-Institut, Robert Koch-Institut, Science Media Center Deutschland

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