Warnzeichen für Essstörungen

Essstörungen bei Kindern und Jugendlichen sind ernste psychische Erkrankungen. Sie entstehen durch ein komplexes Zusammenspiel biologischer, psychischer sowie sozialer Faktoren und beginnen meist in der Pubertät. Doch worauf können Eltern und das Umfeld achten, um frühe Warnzeichen rechtzeitig zu erkennen und Betroffenen zu helfen?

von Kirsten Bechtold
27.05.2026

Junges Mädchen vor dem Spiegel mit Maßband um die Hüften
© Foto: Halfpoint / stock.adobe.com
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Zu den zentralen Krankheitsbildern im Kindes- und Jugendalter zählen Magersucht (Anorexia nervosa), Bulimie (Bulimia nervosa) und die Binge-Eating-Störung. Oft entwickeln Jugendliche Mischformen oder durchlaufen verschiedene Stadien der Erkrankung. Begleitsymptome wie Depressionen oder Angststörungen treten häufig zusätzlich auf und erschweren den Verlauf.

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Privatdozentin Dr. Katharina Bühren, Kinder- und Jugendpsychiaterin sowie Vorstandsmitglied der Stiftung Kindergesundheit, erklärt, dass sowohl gesellschaftliche als auch biologische Faktoren für das Auftreten von Essstörungen eine Rolle spielen. Sie betont: „Die Therapie ist kein Sprint, sondern ein Marathon und bedeutet für Familien häufig eine erhebliche Belastung über einen langen Zeitraum hinweg.“

Warnzeichen für eine Essstörung richtig deuten

Essstörungen entwickeln sich meist schleichend und werden von den Betroffenen oft geschickt verborgen. Umso wichtiger ist es, auf Veränderungen im Alltag zu achten:

  • Isst das Kind plötzlich deutlich weniger oder meidet es kalorienreiche Mahlzeiten?
  • Zieht es sich unmittelbar nach dem Essen zurück (z. B. auf die Toilette)?
  • Zeigen sich Stimmungsschwankungen wie anhaltende Niedergeschlagenheit, Reizbarkeit oder sozialer Rückzug?

Auch ein plötzlicher Leistungsabfall in der Schule oder der Verlust des Interesses an bisherigen Hobbys können auf eine Essstörung hindeuten. Da diese Symptome ebenfalls bei anderen psychischen Problemen auftreten können, ist eine fachliche Abklärung essenziell.

Das sind die Folgen von Essstörungen

Die körperlichen Auswirkungen von Essstörungen sind vielfältig und teils schwerwiegend, weil der Körper bei Nahrungsmangel auf Energiesparen umstellt. Typische Zeichen sind:

  • Schwäche
  • Frieren
  • ausbleibender Menstruation
  • niedrigem Blutdruck
  • Konzentrationsproblemen
  • erhöhte Infektanfälligkeit
  • Elektrolytstörungen (Kaliummangel!)
  • Herzrhythmusstörungen
  • Herzstillstand

Erbrechen und der Missbrauch von Abführ- oder Entwässerungsmitteln führen zu Nährstoffverlusten. Der Stoffwechsel, Organe und Zähne können geschädigt werden.

Muskelsucht bei Jungen: Ein wachsendes Problem

Bei Jungen äußern sich Probleme mit dem eigenen Körperbild oft anders. Ein zunehmendes Thema ist die Muskelsucht (Muskeldysmorphie). Der Alltag der betroffenen Jungen ist dann geprägt von exzessivem Training, strengen Ernährungsregeln und einem Rückzug aus anderen Lebensbereichen. In extremen Fällen greifen sie sogar zu leistungssteigernden Substanzen wie Anabolika oder Wachstumshormonen.

Behandlungsmöglichkeiten: Professionelle Hilfe ist unverzichtbar

Wer Anzeichen einer Essstörung bemerkt, sollte verständnisvoll reagieren und die betroffene Person ernst nehmen. Gleichzeitig ist es für Angehörige ratsam, sich selbst Unterstützung bei Beratungsstellen oder Selbsthilfegruppen zu suchen.

Grundsätzlich bedürfen Essstörungen einer professionellen Therapie. Ohne Behandlung droht die Gefahr, dass die Krankheit chronisch wird oder nach vermeintlich symptomfreien Phasen zurückkehrt. Eine erfolgreiche Behandlung setzt allerdings die Bereitschaft voraus, Hilfe anzunehmen. Die erste Anlaufstelle sollte die kinderärztliche Praxis sein. Je nach Schweregrad erfolgt die Therapie anschließend ambulant oder stationär.

Prävention: Was macht Kinder und Jugendliche stark?

„Stabile Beziehungen sowie eine positive Vorbildfunktion ohne Bewertung des Aussehens des eigenen Körpers oder anderer Körper sind wichtig. Auch eine entspannte Esskultur im Alltag wirkt vorbeugend“, erklärt Expertin Bühren. Echte Freundschaften, Hobbys und eine gute soziale Einbindung stärken die psychische Stabilität zusätzlich.

Darüber hinaus ist es entscheidend, dass Kinder und Jugendliche eine gesunde Medienkompetenz entwickeln, um unrealistische Schönheitsideale und retuschierte Inhalte aus sozialen Medien kritisch zu hinterfragen.

Quelle: Stiftung Kindergesundheit

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