Weihnachten clever genießen

(kib) Wie kleine Tricks auf Tisch und Teller das Geschmackserlebnis steigern und dabei helfen, Ressourcen zu sparen, erklärt die Professorin Nina Langen von der TU Berlin.

19.12.2025

Ein Teller Champignonsuppe dekoriert mit Tannenzweig und Champignons. Im Hintergrund angezündete Kerzen.
© Foto: Argiduna / stock.adobe.com (generiert mit KI)
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Die Nachhaltigkeitswissenschaftlerin beschäftigt sich seit Jahren damit, wie Essentscheidungen entstehen und wie man sie im Alltag erleichtern kann. Gerade die Festtage zeigen für Langen besonders deutlich, wie eng all diese Faktoren miteinander verwoben sind: „Es gibt keine andere Zeit, in der man so klar sieht, wie sehr Emotionen, Gewohnheiten, Marketing und Planung ineinandergreifen.“

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Nachhaltige Ernährung

Langen beschreibt nachhaltige Ernährung als Zusammenspiel ökologischer, ökonomischer, esskultureller, gesundheitlicher und sozialer Faktoren und alle fünf prägen das Weihnachtsessen stärker als an jedem anderen Tag.

Ökologisch ist ein Essen vor allem dann, wenn es aufgegessen wird. „In jedem Produkt steckt eine Kette an Ressourcen – vom Anbau bis zum Abspülen der Töpfe.“ Auch Herkunft und Saison spielen eine Rolle: „Wintersalate sind da sehr günstig“, erklärt Langen. „Feldsalat oder Postelein kann man sogar selbst im Hochbeet aussäen. Dann hat man an Weihnachten exakt die Menge, die man braucht.“

Ökonomisch ist Weihnachten für viele eine Herausforderung und eine Zeit der Verführung. „Plötzlich preisen Händler alles als ‚deluxe‘ an. Aber was unterscheidet die Deluxe-Olive von der normalen? Oft nichts außer dem Etikett und dem höheren Preis.“ Nachhaltig sei auch, sich nicht zu überfordern: Gutes Essen müsse nicht teuer sein und auch die restlichen 364 Tage verdienten Aufmerksamkeit.

Esskulturell wird es persönlich: Essen ist Erinnerung, Zugehörigkeit, Biografie. Gleichzeitig, so Langen, sei Esskultur kein starres System. „Ich darf mich weiterentwickeln. Wenn ich nicht mehr auf dem Land lebe oder nicht mehr für acht, sondern für zwei Menschen koche, darf das Weihnachtsessen auch anders aussehen.“

Gesundheitlich gehe es um Maßhalten – besonders bei Fettigem und Deftigem, das zur Adventszeit überall lauert, während Bewegung eher knapp wird.

Und auf der sozialen Ebene spielen Arbeitsbedingungen und Tierwohl eine Rolle: Unter welchen Bedingungen wurden meine verwendeten Lebensmittel produziert.

Die wichtigsten Hebel

Trotz aller Komplexität lässt sich laut Langen viel mit einfachen Schritten erreichen. „Das Allerwichtigste ist, dass man aufisst.“ Gute Planung ist deshalb ein wissenschaftlich belegter Hebel zur Abfallvermeidung. Dazu gehört, Portionen realistisch einzuschätzen, die Verwertung von Resten einzuplanen und Vorräte zu prüfen. Oft liegen beispielsweise noch Maronen vom Vorjahr im Schrank.

Schwachstellen identifizieren

Wer über die Feiertage etwas Zeit hat, kann die eigenen Abfälle mit dem digitalen Küchentagebuch in der Zu gut für die Tonne-App messen, in dem sich eintragen lässt, was über die Weihnachtstage weggeworfen wurde. Die App zeigt anschließend, wo mögliche Schwachstellen im eigenen Verhalten liegen und wo man bereits gut abschneidet.

Deluxe mit einfachen Tricks

Nina Langens Geschmackslaborforschung zeigt, wie sehr psychologische Faktoren unser Essen formen. „Dasselbe Gericht schmeckt anders, wenn ich es auf einem Porzellanteller oder auf einer Tischdecke serviere, die ich nur einmal im Jahr benutze, statt auf Plastik.“

Ein roter Teller animiert zum Aufessen, Goldrand-Geschirr kann positive Erinnerungen auslösen. Auch Farben beeinflussen Geschmackserwartungen. All das lasse sich nutzen, ohne etwas Neues zu kaufen.

„Ich kann meine Olive selbst ‚deluxe‘ machen, indem ich sie in eine besondere Schüssel lege, die ich nur selten benutze, oder man tauscht Weingläser oder Tischdecken mit Nachbarn – ein einfacher Trick, der Atmosphäre schafft, ohne Ressourcen zu verbrauchen.“

Fleisch und  Alternativen

Menschen, die traditionell Fleisch servieren, empfiehlt Langen einen pragmatischen Ansatz. Kleinere Portionen seien ein guter Weg, ohne Traditionen zu brechen. „Anstatt einer großen Gans könne es auch eine kleinere sein oder anstatt der großen Wurst könnten auch drei kleinere serviert werden – das sieht sogar besser aus.“

Für vegetarische oder flexitarische Optionen nennt sie drei Beispiele: Ein buntes Beete-Carpaccio, ein Kartoffelgratin und eine Mousse-au-Chocolat mit Aquafaba.

Beste Reste

Für die kommenden Feiertage hat Langens Team unter dem Motto „Beste Reste – farbenfroh und festlich“ nachhaltige Suppenrezepte entwickelt, die mit typischen Weihnachtsresten arbeiten und als PDF heruntergeladen werden können. 

Als Vorspeise oder Hauptgang lassen sich Suppen farblich, geschmacklich und in ihrer Textur variieren – püriert, stückig oder kombiniert. Mit weihnachtlichen Toppings wie Spekulatiuscrunch oder karamellisierten Orangen- oder Zitronenschalen wirken die Suppen sogar überraschend festlich. Rezepte für Brötchen, Baguette, Brotkonfekt, verschiedene Pestos und ein Schichtdessert runden das nachhaltige Weihnachtsmenü ab.

 

Quelle: Technische Universität Berlin

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