Zahnimplantate trotz Osteoporose oder Krebs?

Wer Medikamente gegen Knochenabbau (Antiresorptiva) einnimmt, durfte lange keine Zahnimplantate erhalten. Eine aktualisierte S3-Leitlinie zeigt nun: Unter strengen Voraussetzungen und nach individueller Risikoprüfung sind Implantate dennoch möglich und oft sogar sinnvoll.

von Kirsten Bechtold
14.07.2026

Seniorin beim Zahnarzt auf dem Stuhl
© Foto: rh2010 / stock.adobe.com
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  • Trotz Medikamenten gegen Knochenabbau (Antiresorptiva) sind Zahnimplantate laut der neuen S3-Leitlinie unter strengen Auflagen möglich.
  • Die Entscheidung erfordert stets eine individuelle Risikoprüfung durch den Zahnarzt, um schwerwiegende Kiefernekrosen zu vermeiden.
  • Eine Therapiepause der Medikamente wird nicht empfohlen; stattdessen sind sorgfältige Mundhygiene und engmaschige Kontrollen essenziell.

Prof. Dr. Dr. Knut A. Grötz aus Wiesbaden, Koordinator der aktualisierten S3-Leitlinie „Zahnimplantate bei medikamentöser Behandlung mit Knochenantiresorptiva (inkl. Bisphosphonate)“, betont: „Implantate sind bei Patientinnen und Patienten mit Antiresorptiva möglich und oft sinnvoll, erfordern jedoch eine risikoadaptierte Planung. Entscheidend für die Prognose sind die Entzündungskontrolle, eine einfache Prothetik und eine strenge Indikationsstellung, wenn der Kieferknochen aufgebaut werden muss.“

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Die aktualisierte Leitlinie beschreibt einen therapeutischen Korridor, innerhalb dessen Zahnärztinnen und Zahnärzte Implantatbehandlungen fundiert und sicher planen können.

Warum sind Zahnimplantate bei Bisphosphonaten problematisch?

Bisphosphonate oder der Antikörper Denosumab verlangsamen den Knochenabbau. Sie werden bei gutartigen Knochenstoffwechselstörungen wie Osteoporose, aber auch bei Knochenmetastasen und Multiplem Myelom (Knochenmarkkrebs) eingesetzt. Zudem stabilisieren Antiresorptiva den Knochen und verhindern Komplikationen im Rahmen einer antihormonellen Therapie bei Brust- oder Prostatakrebs.

Diese Medikamente beeinflussen jedoch die natürliche Knochenerneuerung – was besonders im Kieferbereich problematisch ist. Entzündungen im Mundraum, Druckstellen von Prothesen oder chirurgische Eingriffe wie Zahnextraktionen und das Setzen von Zahnimplantaten können eine Antiresorptiva-assoziierte Kiefernekrose auslösen. Bei dieser seltenen, aber schwerwiegenden Nebenwirkung heilt der Knochen schlecht, das Gewebe entzündet sich und kann absterben. Die Folgen reichen von starken Schmerzen bis hin zu aufwendigen chirurgischen Behandlungen. Aus diesem Grund wurde Risikopatienten bislang pauschal von einem Implantat abgeraten.

Implantate: Die Rahmenbedingungen müssen stimmen

Die federführenden Fachgesellschaften betonen nun jedoch, dass implantatgetragener Zahnersatz sogar helfen kann, Risikofaktoren für Kiefernekrosen zu reduzieren. So lassen sich beispielsweise gefährliche Druckstellen durch herausnehmbare Vollprothesen vermeiden.

Vor allem aber hat eine erfolgreiche Implantatbehandlung positive Auswirkungen auf die Lebensqualität, da sie das Sprechen und Essen deutlich erleichtert.

Entscheidung erfordert individuelle Risikoprüfung

Ob Zahnimplantate infrage kommen, muss stets im Einzelfall entschieden werden. In die zahnärztliche Bewertung fließen zahlreiche Faktoren ein:

  • die zugrundeliegende Grunderkrankung
  • Art und Dauer der Antiresorptiva-Einnahme
  • zusätzliche Behandlungen (Chemo-, Immun- oder Antikörpertherapien)
  • der allgemeine Gesundheitszustand
  • die Wundheilungskapazität des Gewebes
  • die aktuelle Mundhygiene
  • mögliche frühere Nekrosen des Kieferknochens

Mundhygiene und Nachsorge als Schlüssel zum Erfolg

Eine sehr gute Mundhygiene und die konsequente Wahrnehmung von zahnärztlichen Kontrollterminen sind für den langfristigen Erfolg der Implantatbehandlung essenziell. Diese strukturierte Nachsorge ist ein Schwerpunkt der neuen Leitlinie: Entzündungen müssen frühzeitig erkannt und behandelt werden.

Übrigens: Die Leitlinie empfiehlt ausdrücklich nicht, die Antiresorptiva vor dem Eingriff vorübergehend abzusetzen. Für den Nutzen einer solchen Therapiepause gibt es bislang keine ausreichenden wissenschaftlichen Belege. Auch spezielle Bluttests zur individuellen Risikobewertung werden nicht empfohlen.

Quelle: IDW

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