Zweites Alzheimer-Medikament zugelassen

(kib) Am 25. September hat die Europäische Kommission Kisunla (Wirkstoff: Donanemab) zugelassen. Das Medikament gegen die Alzheimer-Erkrankung kann nun auf den Markt gebracht werden.

30.09.2025

Mit Holzwürfeln gelegtes Wort Alzheimer. Am Tisch sitzt ein älterer Mensch und ein jüngerer hält die rechte Hand.
© Foto: LIGHTFIELD STUDIOS / stock.adobe.com
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Kisunla ist nach Leqembi (Lecanemab) das zweite Anitkörper-Medikament in der Europäischen Union. Es kann den Krankheitsverlauf im frühen Stadium moderat verlangsamen und unterscheidet sich von Leqembi durch eine zeitlich begrenzte Therapie. Die Alzheimer Forschung Initiative e. V. ordnet die Zulassung in einer aktuellen Pressemitteilung ein.

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Für wen ist Kisunla geeignet?

Kisunla kann bei Menschen im frühen Stadium von Alzheimer eingesetzt werden – also bei milder kognitiver Beeinträchtigung oder beginnender Demenz.

Voraussetzung ist, dass Amyloid-Ablagerungen im Gehirn durch eine Untersuchung nachgewiesen werden. Außerdem dürfen Patientinnen und Patienten höchstens eine Kopie des ApoE4-Gens haben.

Wer zwei Kopien des Gens trägt, hat ein deutlich höheres Risiko für schwerwiegende Nebenwirkungen wie Schwellungen oder Blutungen im Gehirn und ist von der Behandlung ausgeschlossen. Auch für Menschen mit einer fortgeschrittenen Alzheimer-Erkrankung oder anderen Demenzformen ist Kisunla nicht geeignet.

Die Therapie erfordert mehrere Untersuchungen und regelmäßige Kontrollen. Daher müssen Patientinnen und Patienten mobil und belastbar sein.

Wer bekommt Leqembi, wer Kisunla?

Welche der beiden neuen Therapien infrage kommt, bleibt immer eine Einzelfallentscheidung, die gemeinsam mit erfahrenen Ärztinnen und Ärzten getroffen werden muss.

Ein Vorteil von Kisunla ist, dass es nur einmal monatlich verabreicht wird und die Behandlung beendet werden kann, sobald die krankheitsrelevanten Ablagerungen entfernt sind. Leqembi dagegen muss alle zwei Wochen gegeben werden, zeigt aber eine geringere Rate an symptomatischen Nebenwirkungen.

Es gibt Hinweise darauf, dass Leqembi bei Frauen schlechter wirkt als bei Männern. Für Kisunla gibt es diese Beobachtung bislang nicht. Ob das Geschlecht also künftig eine Rolle bei der Wahl der Therapie spielen wird, muss noch genauer diskutiert werden.

Welche Untersuchungen werden vorab durchgeführt?

Bevor Kisunla verabreicht werden kann, sind mehrere Untersuchungen erforderlich:

  • Nachweis von Amyloid-Ablagerungen im Gehirn durch eine Nervenwasseruntersuchung oder eine spezielle Bildgebung (Amyloid-PET)
  • Gentest auf das ApoE4-Gen.

Über eine Behandlung entscheiden spezialisierte Ärztinnen und Ärzte in Kliniken oder Praxen mit entsprechender Erfahrung.

Über die Einnahme antithrombotischer Medikamente (inkl. Acetylsalicylsäure) muss die behandelnde Ärztin oder der behandelnde Arzt informiert werden

Wie läuft die Behandlung ab?

Kisunla wird unter ärztlicher Aufsicht verabreicht. Die Infusion erfolgt alle vier Wochen über die Vene und dauert etwa 30 Minuten. Nach der Gabe erfolgt eine Beobachtung von weiteren 30 Minuten. Die Dosis wird zu Beginn langsam gesteigert. Die genauen Details regelt die Fachinformation.

Die Therapie wird so lange fortgesetzt, bis bildgebende Verfahren zeigen, dass die Amyloid-Ablagerungen weitgehend entfernt sind. Danach kann die Behandlung beendet werden. In Studien wurden die Teilnehmerinnen und Teilnehmer meist zwischen sechs und 18 Monaten behandelt, bis die Therapie abgesetzt werden konnte.

Rund drei Viertel hatten danach keine nachweisbaren Ablagerungen mehr im Gehirn. Aufgrund dieser Beobachtung wird die Option, das Medikament nach 18 Monaten abzusetzen, in Betracht gezogen. Um mögliche Nebenwirkungen wie Hirnschwellungen oder Blutungen frühzeitig zu erkennen, werden regelmäßige MRT-Kontrollen durchgeführt.

Welche Risiken gibt es?

Eine Behandlung mit Kisunla kann zu Amyloid-assoziierten Bildgebungsanomalien (ARIA) im Gehirn führen. Dazu zählen Schwellungen oder kleine Blutungen, die oft keine Beschwerden verursachen und nur im MRT sichtbar sind. In manchen Fällen können jedoch Kopfschmerzen, Schwindel oder Verwirrtheit auftreten. Selten können auch schwerwiegende Komplikationen auftreten. Diese Nebenwirkungen sind der Grund für die engmaschige MRT-Überwachung.

Kein Durchbruch

Mit Kisunla und Leqembi stehen in Europa nun erstmals zwei Medikamente zur Verfügung, die den Verlauf der Alzheimer-Krankheit moderat verlangsamen können und an einer der möglichen Ursachen ansetzen. Für die Mehrheit der Erkrankten bieten sie jedoch keine Behandlungsmöglichkeit.

Die Alzheimer Forschung Initiative betont, dass beide Wirkstoffe eine mögliche Krankheitsursache angehen, indem sie krankhafte Proteinablagerungen im Gehirn reduzieren. Das ist ein Fortschritt, aber weder ein Stopp noch eine Heilung.

Um wirksamere Therapien zu entwickeln, ist weiterhin Forschung zu anderen Ansätzen nötig, etwa zu Tau-Ablagerungen oder Entzündungsprozessen. Langfristig wird eine maßgeschneiderte Kombinationstherapie mehrerer Wirkstoffe Alzheimer zu einer medikamentös einstellbaren Erkrankung machen.

Quelle: Alzheimer Forschung Initiative

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