29.09.2018

OTC-Arzneimittel: Einnahme nicht verschweigen

von Robert Bublak

Patienten, die zum Arzt kommen, nehmen oftmals OTC-Arzneimittel ein. Doch nur wenige legen das offen, zeigt eine Studie mit 3600 Patienten. Das hat Folgen, beispielsweise für die Interpretation von Laborergebnissen.

© skynesher / Getty Images / iStock (Symbolbild mit Fotomodell(en))

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Die Einnahme von OTC-Arzneimitteln und NEM kann Laborwerte verfälschen.

Ginkgoextrakte für die Hirnfunktion, Mariendistel für die Leber, Knoblauch gegen Arteriosklerose und hohe Blutfette: Das sind nur einige Positionen auf der Liste rezeptfrei erhältlicher Präparate und Nahrungsergänzungsmittel. Entsprechende Mittel nehmen rund 68 Prozent der im Rahmen einer Studie untersuchten 3600 Patienten regelmäßig ein. Das fand ein Forscherteam aus 18 europäischen Ländern heraus – Deutschland war nicht vertreten.

Die wenigsten Patienten, die einem Arzt gegenübersitzen, sprechen die Einnahme solcher Mittel jedoch von sich aus an. Viele von ihnen wissen zudem gar nicht, dass diese die Ergebnisse von Laboruntersuchungen beeinflussen können, berichten die Wissenschaftler. Aus ihrer Sicht sind daher Patienten- und Personalschulungen notwendig, um präanalytische Fehler zu vermeiden und die Qualität in Labor und Versorgung allgemein zu verbessern.

Beispiele für verfälschte Ergebnisse

  • Medikamente zur Gewichtsabnahme können Cayennepfeffer, Bitterorange und Amphetamine enthalten, die den Herzmuskel schädigen und über die Aktivierung des Sympathikus die Troponin- und Creatinkinase-Myokardtyp-Konzentrationen erhöhen.
  • Die Einnahme von zimthaltigen Präparaten zwölf Stunden vor der Blutentnahme kann den Blutzuckerspiegel signifikant senken und die Insulinsensitivität erhöhen.
  • Nahrungsergänzungsmittel auf der Basis von rotem Reis oder grünem Tee können zu abnormen Veränderungen der Leberenzyme führen.
  • Roter Reis kann über eine Hemmung des Enzyms HMG-CoA-Reduktase den Cholesterinspiegel senken.
  • Großfrüchtige Moosbeeren, besser bekannt als Cranberries, können den Spiegel des prostataspezifischen Antigens (PSA) senken und in die Expression androgenresponsiver Gene eingreifen.

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