Betriebliche Altersvorsorge: Keine Angst vor Altersarmut

Was hat der Chef mit Ihrer Rente zu tun, und ist die betriebliche Altersvorsorge das richtige Heilmittel für die Altersversorgung? Darüber sollten sich PTA rechtzeitig Gedanken machen.

von Jennifer Placzek
30.10.2022

11pta_istockphoto-1161412506
© Foto: Getty Images/iStockphoto (Symbolbild mit Fotomodell)
Anzeige
  • Mit der betrieblichen Altersvorsorge können Arbeitnehmer zusätzlich zur gesetzlichen Rente für den Ruhestand vorsorgen.
  • Auch Teilzeitkräfte und Minijobber können diese Möglichkeit nutzen.
  • Auf die Sparbeiträge müssen bis zu den Höchstgrenzen weder Steuern noch Sozialabgaben entrichtet werden, da diese vom Bruttolohn abgezogen werden.
  • PTA haben Anspruch auf einen Arbeitgeberbeitrag zu einer Direktversicherung in Höhe von 10,00 Euro bis 27,50 Euro pro Monat.

Die betriebliche Altersvorsorge (bAV) bietet Ihnen die Möglichkeit, finanziell vorzusorgen. Während Sie arbeiten, spart sich im Hintergrund Geld an. Neben der gesetzlichen Rente haben Sie so eine zusätzliche lebenslange Rente. Und es gibt die Möglichkeit, weitere Bausteine mit abzusichern. Das kann zum Beispiel die Versorgung Hinterbliebener oder der Einschluss einer Berufsunfähigkeitsversicherung sein. So haben Hinterbliebene noch eine Kleinigkeit davon, oder die Beitragszahlung bei Ihrer Berufsunfähigkeit wird übernommen.

Für wen ist die bAV?

Grundsätzlich ist die Entgeltumwandlung im Rahmen der bAV für alle sozialversicherungspflichtigen Beschäftigten unabhängig von Beschäftigungsart und -grad möglich. Dazu zählen auch Teilzeitkräfte und Minijobber. Bei Tarifvertragsbindungen ist die Öffnungsklausel für die Entgeltumwandlung zu beachten. Deshalb sollten Sie beim Arbeitgeber nachfragen, welche Regelungen es in Ihrer Apotheke gibt.

Steuern-- Vorteile für Sie und Ihren Vorgesetzten: Durch die Entgeltumwandlung reduziert sich nicht nur die Steuerlast, sondern auch die Sozialversicherungskosten sinken, da der bAV-Beitrag direkt vom Bruttolohn abgezogen wird.

Rechtsanspruch-- Betriebsrenten sind keine freiwilligen Zusatzleistungen vom Chef, sondern ein gesetzlich geregelter Anspruch. Das heißt: Ihr Arbeitgeber muss einen bestimmten Betrag von Ihrem Bruttolohn als Beitrag für eine betriebliche Altersversorgung verwenden. Der Beitrag kann monatlich oder einmal jährlich gezahlt werden. Neben Pensionskasse und -fonds kann der Arbeitgeber auch eine Direktversicherung auswählen.

Direktversicherung-- Bei einer Direktversicherung schließt der Arbeitgeber als Versicherungsnehmer einen Vertrag zu Ihren Gunsten ab. Auf der Lohnabrechnung sehen Sie den Betrag, der von Ihrem Bruttogehalt umgewandelt wird (Entgeltumwandlung). Außerdem sehen Sie, wenn Ihr Arbeitgeber zusätzlich zum Gehalt Beiträge in den Versicherungsvertrag einzahlt. In jedem Fall ist der Beitrag, der im Rahmen der bAV gespart wird, bereits mit Ihrem Gehalt verrechnet. Sie zahlen also nicht aus Ihrem Nettogehalt.

Wer hingegen auf eine andere Weise sein Geld beiseite legt, greift auf bereits versteuertes Geld zu. Bei den anderen staatlich geförderten Konzepten wie „Riester“ und „Rürup“ bekommen Arbeitnehmer die Förderung erst im Nachhinein über den Antrag auf Zulagen oder Steuervorteile. Bei der bAV erhalten Sie sie dagegen direkt mit der Lohnabrechnung.

Geringer Einsatz – maximale Wirkung *

Beispiel: PTA, 30 Jahre, Vollzeit mit 2300 € Bruttoeinkommen und 30 € Eigenanteil

Arbeitgeberbeitrag (Fixer Zuschuss bei PTA)

27,50 €

30 € Netto-Eigenanteil

+55,38 €

20% Zusätzlicher Arbeitgeberzuschuss

+11,08 €

= 93,96 €

*aus lediglich 30 € Nettoverzicht

Förderbetrag vom Staat

Die staatliche Förderung in der Einzahlphase gilt nicht in unbegrenzter Höhe. Die Beiträge zu einer Direktversicherung sind 2022 bis zu 6768 Euro steuerfrei. Das entspricht acht Prozent der Beitragsbemessungsgrenze West (2022: 84 600 €) der Deutschen Rentenversicherung. Bezogen auf die Beitragsbemessungsgrenze Ost (2022: 81000 €) sind das 6480 Euro. Zudem gelten maximal 3384 Euro (West) sowie 3240 Euro (Ost) im Jahr als sozialabgabenfrei. Das entspricht vier Prozent der genannten Beitragsbemessungsgrenzen.

Betriebsrentenstärkungsgesetz-- Seit dem 1. Januar 2022 gilt für alle Verträge: Ist die Entgeltumwandlung in zum Beispiel einer Direktversicherung sozialabgabenfrei (bis 4 % der Beitragsbemessungsgrenzen West/Ost), so ist der Arbeitgeber zu einem Zuschuss von bis zu 15 Prozent des umgewandelten Entgelts verpflichtet, wenn dieser Sozialversicherungsbeiträge durch die Entgeltumwandlung spart. Das heißt, er muss seine Einsparung an Sie weitergeben.

Neue Stelle

Läuft die bAV über eine Direktversicherung, kann der Vertrag bei einem Apothekenwechsel mit deren Einverständnis als neuer Versicherungsnehmer fortgesetzt werden oder das Guthaben wird durch Deckungskapitalübertragung zum Anbieter des neuen Arbeitgebers übertragen. Dadurch ist sichergestellt, dass ein Vertrag ein Arbeitsleben lang bedient werden kann.

Läuft die bAV durch Entgeltumwandlung, geht die Anwartschaft nie verloren. Der Vertrag kann entweder beim Folgearbeitgeber fortgesetzt oder privat von Ihnen fortgeführt werden.

Kapital-- Je nach bAV-Variante können Sie sich das gesamte Kapital zu Rentenbeginn auszahlen lassen. Manchmal ist das für die Lebensplanung im Alter die bessere Alternative, als die Rente zu wählen. Hier ist die individuelle Steuersituation im Alter zu beachten, da aufgrund der Steuerprogression eine höhere Steuerlast als bei der Verrentung anfallen könnte.

Die Rente beziehungsweise das Kapital müssen nämlich versteuert werden. Außerdem fallen ab einer bestimmten Renten-/Kapitalhöhe die vollen Beiträge zur gesetzlichen Kranken- und Pflegeversicherung an. Die Höhe der Abgaben auf die Versicherungsleistung hängt von Ihrer individuellen Situation hinsichtlich Einnahmen und Steuern ab.

Anspruch für PTA

Die Altersvorsorge ist ein essenzielles, aber auch sehr komplexes Thema. Aus diesem Grund sollten Sie keine übereilte Entscheidung treffen, sondern sich zielgerichtet informieren und umfassend beraten lassen. Eine Beratung kann sich nämlich besonders lohnen, da PTA zusätzliche Vorteile genießen.

Für Apothekenmitarbeiter besteht nämlich ein Anspruch auf einen Arbeitgeberbeitrag zu einer Direktversicherung in Höhe von 10,00 Euro bis 27,50 Euro pro Monat. Dieser richtet sich nach der Wochenarbeitszeit. Zudem besteht ein Anspruch auf einen Arbeitgeberzuschuss in Höhe von 20 Prozent, wenn Sie zusätzlich eigene Beiträge in den Vertrag einzahlen.

Jennifer Placzek arbeitet als PTA in der Stadt-Apotheke im mittelfränkischen Leutershausen. Neben ihrer Vollzeitstelle hat sich Placzek innerhalb der Finanzbranche weitergebildet und teilt ihr Wissen mit den Kolleginnen und Kollegen.

Kommentar schreiben

Die Meinung und Diskussion unserer Nutzer ist ausdrücklich erwünscht. Bitte achten Sie im Sinne einer angenehmen Kommunikation auf unsere Netiquette. Vielen Dank!

Pflichtfeld *