Meine Meinung zählt! Lohnt sich die Inkontinenzversorgung für die Apotheke?
Anja Weber
Apotheke am Stadtbrunnen, Zeulenroda-Triebes
Zur Zeit nicht. Die Lieferverträge lassen wenig Spielraum, wenn man Kassenrezepte bedienen will: Bundesweite Versorgung??? Geringe Versorgungspauschale, und dann soll man noch zwei günstige Produkte anbieten ohne Eigenanteil. Das ist ja so was von lächerlich ...
© Foto: Andrea Bartsch
Anita Eder
Kollbach Apotheke, Arnstorf
Die Inkontinenzversorgung sollte nicht nur unter dem Aspekt der Vergütung durch die Krankenkassen oder der Marge einzelner Produkte betrachtet werden. Vielmehr eröffnet sie die Möglichkeit, eine ganze Kundengruppe langfristig an die Apotheke zu binden. Zufriedene Patientinnen und Patienten kommen wieder – und oft auch deren Angehörige. Als PTA schätze ich es sehr, mir die nötige Zeit für eine individuelle Inkontinenzberatung zu nehmen. Dabei geht es auch darum, sinnvolle Zusatzprodukte zu empfehlen und die Lebensqualität der Betroffenen zu verbessern. Diese ganzheitliche Betreuung ist aus meiner Sicht ein klarer Mehrwert für die Kundinnen und Kunden und für die Apotheke.
Gitte Widl
St. Wolfgang Apotheke, St. Wolfgang
Die wenigen, die wir versorgt haben, haben sich wirklich NUR diese Produkte holen lassen oder wir haben sie vor die Haustür gestellt. Die übrigen Rezepte wurden anderswo eingelöst. Das hat uns so geärgert, dass wir die Inkontinenzversorgung heuer eingestellt haben.
© Foto: Stephan Milk
Nilgün Kanal
Apotheke am Kämertor, Kamen
Finanziell lohnt es sich absolut nicht, und es erfordert sehr viel Platz in der Apotheke. Dennoch bieten wir es in unserer Apotheke an, um den Kunden den vollständigen Service anzubieten.
Karin Kober
Grüne Apotheke, Wendlingen
Meiner Meinung nach nicht. Die Krankenkassen mit ihren Kostenübernahmepreisen decken kaum den realistischen Bedarf ab. Laut Vertrag muss man die Inkontinenzversorgung dann auch noch liefern. Die Abrechnung ist jeden Monat mit viel Zeitaufwand zu bewältigen. Die Krönung: eine bestehende Genehmigung ist nicht über den ganzen Versorgungszeitraum gültig und muss erneut genehmigt werden.
Bettina Mehling
Ludwigs Apotheke, Neu-Ulm
Nein, wie wollen Sie jemanden mit Inkontinenzprodukten versorgen, der komplett inkontinent ist (Schlaganfall, Pflegefall) mit einer Pauschale von rund 18 Euro... Bei der Krankenkasse sagte man mir, das sei für die Apotheke eine Mischkalkulation.
© Foto: Benjamin Blatter
Birgit Schlecht
Langenwand-Apotheke, Albstadt
Es lohnt sich nur, wenn man gute Konditionen bekommt. Wir haben viele Produkte, teils in großen Mengen an Lager. Das ist auch viel Geld. Wir dachten, die Kundenbindung wird besser. Es kommen aber auch Kunden, die sagen, dass sie die Inkontinenzprodukte bei uns holen, den Rest in „ihrer“ Apotheke. Es ist ein großer Aufwand mit der ganzen Bearbeitung. Unterm Strich ist nicht mehr viel verdient.
Siegrid Striefler
Stadt-Apotheke, Creglingen
Die Kunden sind extrem dankbar, wenn sie über die Apotheke mit Inkontinenzartikeln versorgt werden. Und wenn man sie noch berät, steigt die Dankbarkeit auf der Skala noch weiter.
Ilma Sikira
Apotheke am Fredenberg, Salzgitter
Ich würde sagen, ja. Ich arbeite in einer Apotheke, wo in der Nähe ein Altenheim ist, und viele Rentnerinnen und Rentner wohnen. Wir haben auch eine große Auswahl von Tena- Inkontinenzprodukten.
Nell Klauß Rosen
Apotheke im Center, Hattersheim
Es ist unglaublich aufwendig. Wir haben Inkontinenzversorgung angeboten. Es war ein hoher bürokratischer Aufwand, Lagerplatz und der Preis, den die Kasse am Ende gezahlt hat... lächerlich. Dadurch ständig mit den Kunden diskutieren über die Grundversorgung und die entsprechenden Mehrkosten. Wirklich nicht schön. Aber am Ende haben die Kunden gelitten, da sie sich wieder einen neuen Dienstleister suchen mussten. Die Krankenkassen helfen kaum. Tat schon weh.