Erste Hilfe: Hitzschlag bei Kaninchen

Die steigenden Temperaturen sind gefährlich für den Kreislauf, und zwar nicht nur beim Menschen. Kaninchen sind hier ganz besonders anfällig, denn sie können weder hecheln noch schwitzen, um sich abzukühlen. Die Folge übermäßiger Erwärmung ist oft ein Hitzschlag.

von Eva Bahn
29.06.2023

Kaninchen Canva
© Foto: rovin / pixabay via canva.com
Anzeige

Während es eigentlich klar sein sollte, dass man weder Kinder noch Hunde in den Mittagsstunden allein im Auto sitzen lässt – nicht einmal wenn man nur mal eben schnell etwas aus der Apotheke besorgen möchte – vergessen viele die Tiere, die im Garten leben, und ebenfalls oft der prallen Sonne ausgesetzt sind. Kaninchen haben nur ihre großen Ohren, über die sie übermäßige Körperwärme ableiten können. 

Aktueller Podcast

Wie es zum Hitzschlag kommen kann

Bereits ab etwa 28 Grad Celsius kann es für Kaninchen gefährlich werden, wenn sie keine Möglichkeit haben, eine kühlere Stelle oder den Schatten aufzusuchen. Diese Temperaturen entwickeln sich schnell in der Wohnung, besonders, wenn es sich um eine Dachwohnung handelt. Stauwärme ist ebenfalls vorprogrammiert, lebt der Nager in einer schlecht belüfteten Unterkunft, wie es leider viele herkömmliche Kaninchenställe sind. 

Doch auch in der Freilandhaltung sind die sanften Tiere nicht sicher, wenn sie keine Schatten spendenden Pflanzen oder Gegenstände in ihrem Gehege finden. Hier sollte dringend nachgebessert werden, damit es den Tieren dauerhaft gut geht. Die handelsüblichen Nagerhäuschen sind häufig zu klein und nicht ausreichend belüftet.

Ein Hitzschlag kündigt sich an, indem das Kaninchen aufgeregt zittert und umherrennt

Die Symptome: Warme Ohren und Zittern

Ein Hitzschlag kündigt sich an, indem das betreffende Tier zunächst sehr aufgeregt wirkt, zu zittern beginnt und umherrennt. Es sucht Schutz vor der drohenden Überwärmung. Findet es keine Möglichkeit, sich abzukühlen, dann legt sich das Kaninchen seitlich ausgestreckt hin.

Erkennbar ist eine Bauch- beziehungsweise Flankenatmung, und es bewegt sich nicht mehr. Würde man in diesem Zustand seine Ohren anfassen, würde man bemerken, dass diese im Vergleich zum Körper extrem warm geworden sind. Bekommt es jetzt die Möglichkeit, sich abzukühlen, verändert sich die Atmung. Es atmet jetzt nur noch flach und hektisch, erkennbar ist eine Nasenatmung, bei der sich die Nasenflügel deutlich bewegen. 

Dauert dieser Zustand länger an, werden die einzelnen Atemzüge wieder länger und tiefer, bis das Kreislaufversagen  einsetzt. Das Kaninchen wird zunächst bewusstlos und verstirbt an den Folgen der kardiovaskulären Belastung und der Dehydratation inklusive eines Organversagens. 

Hitzschlag: Was hilft?
  • Tier in den Schatten bringen
  • kein Eiswasser oder Kühlpacks
  • feuchtes Handtuch
  • Ventilator
  • frisches Wasser trinken lassen
  • Im Notfall direkt zur Tierarztpraxis

Erste Hilfe bei Hitzschlag

Das Tier muss bereits bei den ersten Anzeichen von Überhitzung in den Schatten gebracht werden. Es sollte nicht zu schnell und auch nicht zu tief heruntergekühlt werden, also am besten kein Eiswasser oder Kühlpacks einsetzen. Ein feuchtes Handtuch genügt, wenn es dem Tier übergelegt wird. Ein Bad im eiskalten Wasser kann dagegen zu einer Schockreaktion führen. 

Zusätzlich sinnvoll ist der Einsatz eines Ventilators, um das befeuchtete Tier durch die Verdunstungskälte weiter abzukühlen. Vor allem die Ohren und die Pfoten sollten mit Wasser heruntergekühlt werden. Das Tier benötigt jetzt viel Flüssigkeit, also frisches Wasser. 

Ein Hitzschlag ist immer ein Notfall, und wenn das Kaninchen bereits zu schwach ist, um zu trinken oder es zu krampfen beginnt, dann muss es dringend zu einem Tierarzt gebracht werden. Dieser kann eine kristalloide Infusionslösung (z. B. Ringerlösung) anlegen, um verlorene Flüssigkeit und Elektrolyte zu substituieren.

 Auch wird manchmal der Einsatz eines Antibiotikums, etwa mit dem Wirkstoff Enrofloxacin, nötig sein, um eine Sepsis zu verhindern. Enrofloxacin ist ein Chinolon der 2. Generation, das ausschließlich in der Tiermedizin verwendet wird.

Gut zu wissen
  • Nicht nur Kaninchen erleiden als Käfigbewohner in Menschenhaushalten einen Hitzschlag. Das kann durchaus auch Meerschweinchen, Vögel und sogar Reptilien betreffen, wenn sie keine Möglichkeit haben, der direkten Sonne oder der Stauhitze aus dem Weg zu gehen. 
  • Wer nicht den ganzen Tag auf die Tiere achten kann, der sollte vorbeugend für eine gute Belüftung und Schatten sorgen. 
  • Eine zusätzliche Möglichkeit ist es, für feuchte Kühlung zu sorgen – beispielsweise mittels angefeuchteter Sandkuhlen, die im Außengehege angeboten werden. 
  • Auch ist es möglich, eine Flasche Wasser einzufrieren und mit einem Handtuch umwickelt ins Gehege zu legen. 
  • Hat man Tiere, die den Stoff annagen, ist es sicherer, die gefrorene Flasche mit einem Tontopf abzudecken, der so als Kühlinsel wirken kann, auf der sich die Tiere vor der Hitze in Sicherheit bringen können.
Kommentar schreiben

Die Meinung und Diskussion unserer Nutzer ist ausdrücklich erwünscht. Bitte achten Sie im Sinne einer angenehmen Kommunikation auf unsere Netiquette. Vielen Dank!

Pflichtfeld *