Neue S2k-Leitlinie zum Restless-Legs-Syndrom

(kib) Missempfindungen und Schmerzen in den Beinen, die während der Ruhezeit auftreten, kennzeichnen das Restless-Legs-Syndrom (RLS). Mit der neuen Leitlinie rückt der Eisenstoffwechsel in den Fokus der Therapie, aber auch nicht medikamentöse Optionen werden empfohlen.

20.09.2022

Zettel mit Diagnos „Restless less syndrome“, daraufliegend eine Lesebrille, ein Stethoskop und zwei Blister mit Tabletten und Kapseln
© Foto: designer491 / stock.adobe.com
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Das Restless-Legs-Syndrom ist keine lebensbedrohliche Krankheit, mindert aber die Lebensqualität enorm. Der Leidensdruck ist hoch. Die Therapie ist nicht einfach, insbesondere angesichts des Risikos, dass es durch eine zu hoch dosierte dopaminerge Therapie zu einer Verstärkung der Symptome kommen kann.

Daher empfiehlt die Leitlinie, herausgegeben von der Deutschen Gesellschaft für Neurologie und der Deutschen Gesellschaft für Schlafforschung und Schlafmedizin, die Kontrolle und Optimierung des Eisenstoffwechsels und einen langsamen und symptomorientierten Einsatz medikamentöser und nicht medikamentösen Behandlungsoptionen.

 

Genetik und Umwelt von Bedeutung

Neu ist das Verständnis des RLS als ein Krankheitsbild, das aus genetischen und Umweltfaktoren entsteht und durch Komorbiditäten beeinflusst wird. Diese Einstufung löst die bisherige Unterscheidung in ein idiopathisches und sekundäres RLS in Folge einer zugrundeliegenden Erkrankung wie Diabetes mellitus, Rheuma oder Parkinson ab.

Dennoch sollten natürlich Komorbiditäten konsequent behandelt und mögliche „anheizende“ Faktoren, wie die Einnahme von RLS-verstärkenden Medikamenten, umgangen werden, betonen die Autoren der Leitlinie.

 

Langsam und symptomorientiert therapieren

Grundsätzlich rät die Leitlinie zu einem langsamen, symptomorientierten Vorgehen, ausgehend von der Schwere der Beeinträchtigung im Hinblick auf die Schlaf- und Lebensqualität.

Dr. Anna Heidbreder, Innsbruck, eine der Koordinatoren der Leitlinie betont: „ Bei den Betroffenen sollte regelmäßig der Eisenstoffwechsel kontrolliert und frühzeitig eine Eisentherapie initiiert werden. Außerdem können die Betroffenen ruhig ermuntert werden, auch nicht medikamentöse Therapieoptionen wie Bewegungs- und Physiotherapie auszuprobieren, die auch zusätzlich zu einer medikamentösen Therapie eingesetzt werden können.“ Wie die Expertin weiter ausführt, sollte eine kontinuierliche medikamentöse Therapie erst so spät wie möglich initiiert werden.

 

Therapieempfehlungen

Zunächst wird bei leichtem RLS und niedrigen Eisenspiegeln (Ferritin ≤ 75 µg/l) zu einer Eisensubstitution mit 325 Milligramm Eisensulfat zweimal täglich und jeweils 100 Milligramm Vitamin C geraten.

Ist der Ferritinspiegel nicht erniedrigt oder die Eisensubstitution alleine nicht erfolgreich, sollten folgende Dopaminagonisten als Therapie der ersten Wahl eingesetzt werden: Rotigotin, Ropinirol oder Pramipexol, und zwar in der möglichst niedrigsten Dosierung, da sich sonst die Beschwerden noch verstärken können.

Cannabinoide, Magnesium und Benzodiazepine helfen nicht

 

Alternativ kann auch ein Gabapentinoid zur Anwendung kommen. „Levodopa soll nicht mehr zur kontinuierlichen Behandlung eingesetzt werden, sondern nur intermittierend und/oder zu diagnostischen Zwecken mit einer maximalen Dosis von 100 Milligramm. Bei einer Verstärkung der Symptome oder Therapieversagen bei mittel- bis schwergradigem RLS unter oben genannter Medikation können als Medikamente zweiter Wahl Opioide wie Oxycodon/Naloxon retard oder andere retardierte Opioide im ‚off-label use‘ eingesetzt werden“, fassen die beiden Experten die Empfehlungen zur medikamentösen Therapie weiter zusammen. Wichtig: Cannabinoide, Magnesium und Benzodiazepine helfen nicht.

Prävalenz und Symptome
  • Fünf bis zehn Prozent der Bevölkerung leiden am Restless-Legs-Syndrom (RLS).
  • Die Erkrankungshäufigkeit steigt mit dem Alter.
  • Nur ein bis zwei Prozent benötigen eine Therapie.
  • Missempfindungen und Schmerzen in den Beinen während der Ruhezeit sind typisch.
  • Häufig treten periodische Beinbewegungen im Schlaf auf.
  • Die Betroffenen verspüren einen Bewegungsdrang, denn die Missempfindungen und Schmerzen nehmen bei Bewegung, z. B. beim Laufen, ab.
  • Resultat sind oft Einschlaf- und Durchschlafstörungen verbunden mit erhöhter Tagesmüdigkeit und verminderter Leistungsfähigkeit
  • Auffällig ist ein erhöhtes Risiko für Angsterkrankungen und Depressionen.

Kinder schwer therapierbar

Noch schwieriger ist die Therapie des RLS bei Kindern und Jugendlichen, denn dort ist bis auf die Eisengabe keines der oben genannten Medikamente zugelassen.

Vor diesem Hintergrund gewinnen nicht medikamentöse Therapieansätze noch mehr an Bedeutung. Die Bewegungs- und Physiotherapie haben hier einen besonderen Stellenwert.

Quelle: IDW

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