31.12.2017

Raucherentwöhnung: Finger weg

© AleksandrYu / Getty Images / iSt

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von Lina Quinten

Der Beginn eines neuen Jahres motiviert viele Raucher, dem Glimmstängel endgültig zu entsagen. Die Informationen in unserem Beitrag sollen Ihnen helfen, erfolgreich zur Tabakentwöhnung zu beraten.

Gesundheitsbewusstsein ist in Mode. Dazu gehört neben Sport und einer ausgewogenen Ernährungsweise auch ein Verzicht auf schädliche Genussmittel. Aufklärung über die Gesundheitsrisiken und Rauchverbote haben dafür gesorgt, dass Rauchen in Deutschland weniger akzeptiert als früher ist. Das äußert sich auch darin, dass die Tabak- oder Nikotinabhängigkeit in den zwei wichtigen Diagnosekatalogen, dem ICD-10 (International Statistical Classification of Diseases and Related Health Problems der WHO) und dem DSM IV (Diagnostic and Statistical Manual of Mental Disorders der American Psychiatric Association), als Erkrankung mit definierten Symptomen aufgeführt wird. Die Fachgesellschaften haben zur Therapie Leitlinien entwickelt, die eine evidenzbasierte Behandlung sicherstellen sollen.

Neben dem gesellschaftlichen Druck, der Verantwortung gegenüber dem Umfeld wie der Familie, ist vor allem die individuelle Symptomlast von Rauchern Motivation für den Rauchstopp. Die persönlichen Motivatoren zu kennen, ist wichtig, denn sich an sie zu erinnern, hilft über Durststrecken hinweg und sichert die langfristige Abstinenz.

Suchtverhalten kennen, Ausstiegsmethode wählen

Nach der Identifizierung der persönlichen Motivatoren sollte eine passende Methode des Aufhörens gewählt werden. So individuell das Suchtverhalten ist, so individuell sollte auch die entsprechende Methode ausfallen. Zu Neujahr wird oft die „Schlusspunkt-Methode“ erprobt, bei der man zu einem Stichtag das Rauchen vollends einstellt. Wird der Ausstieg aber nicht gewissenhaft vorbereitet oder entspricht die Methode nicht der Persönlichkeit des Rauchers, ist ein Erfolg wenig wahrscheinlich. Die Symbolkraft des Jahresanfangs kann auch überfordern und ein früher Rückfall besonders demotivieren. Hilfe dabei, die richtige Ausstiegsmethode zu finden, bieten zahlreiche Ratgeber und die Internetseite der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BzgA).

TIPP!

Krankenkassen, Kliniken und Ärzte bieten ganzheitliche Entwöhnungsprogramme an, die den Ausstieg erheblich erleichtern. Eine Übersicht über alle derartigen Angebote in Ihrer Nähe finden Sie auf der Website der BzgA und des Deutschen Krebsforschungszentrums (DKFZ): www.anbieter-raucherberatung.de.

Nikotinersatztherapie

Zum ganzheitlichen Ansatz gehören Beratung, psychosoziale Betreuung und eine Nikotinersatztherapie (NET). Vor allem für ehemals starke Raucher und Personen mit großer Angst vor Entzugserscheinungen ist sie indiziert. Durch eine schrittweise erfolgende Reduktion der Nikotindosis können die Symptome des körperlichen Entzugs wie Unruhe, Schlafstörungen, Konzentrationsstörungen und Gewichtszunahme verringert werden. Metaanalysen zeigten: Die Kombination aus Beratung und Nikotinersatztherapie erhöht die Chancen auf eine erfolgreiche Entwöhnung fünffach. Die zur Verfügung stehende Auswahl an Arzneiformen und Dosierungen ist groß. Die Dauer der Nikotinersatztherapie liegt in der Regel zwischen sechs und zwölf Wochen. Sie soll in Abhängigkeit von der Stärke der Nikotinabhängigkeit und der Entzugserscheinungen sowie der gewählten Anwendungsform angepasst werden. Die Dosis der NET wird dabei schrittweise reduziert und schließlich ganz abgesetzt.

Der Klassiker: Nikotinkaugummi

Als Arzneiform allgemein eher exotisch ist das Kaugummi für die Nikotinersatztherapie ein Klassiker. Mehrere Geschmacksrichtungen und Stärken sind von unterschiedlichen Herstellern verfügbar. Als Ersatz für Zigaretten kann es situationsgerecht mehrmals täglich angewendet werden und setzt das Nikotin innerhalb weniger Minuten frei.

Weitere orale Arzneiformen

Als reine Geschmackssache kann die Wahl zwischen Kaugummi, Lutschtablette und Sublingualtablette gesehen werden. Verfügbarkeit, Stärke und Wirkdauer sind meist ähnlich. Vorteilhaft an der Sublingualtablette ist, dass ihre Anwendung diskreter ist, sie nicht beim Sprechen stört und auch von Gebissträgern angewendet werden kann. Auch für diese Arzneiformen sind verschiedene Geschmacksrichtungen und Stärken im Handel.

Aus dem OTC-Sortiment*

Darreichungsform

Zeitspanne

Nikotinfreigabe

empfohlene Stückzahl/Sprühstöße/d

Kaugummi

Nicorette® 2/4 mg

etwa 30 min kauen

2/4 mg pro Stück

8 bis 12, max. 16/d

Nicotinell® 2/4 mg

8 bis 12, max. 25/15/d

Lutschtablette

Nicorette® 2/4 mg

etwa 20 bis 30 min lutschen

2/4 mg pro Stück

8 bis 12 Stück, max. 15/d

Nicotinell® 1/2 mg

1/2 mg pro Stück

8 bis 12 Stück, max. 30/15/d

Niquitin® mini 1,5/4 mg

1,5/4 mg pro Stück

8 bis 12 Stück, max. 15/d

Spray

Nicorette® Spray

1 mg in 0,07 ml Lösung pro Sprühstoß

pro Anwendung max. 2 Sprühstöße, max. 64 Sprühstöße/d

Inhaler

Nicorette® Inhaler

circa 10 – 20 min ziehen/paffen

1 mg pro Anwendung

3 bis 6 Patronen

*beispielhafte Nennung ohne Anspruch auf Vollständigkeit (Stand Lauer-Taxe: 05.12.2017)

Nikotinpflaster

Für starke bis sehr starke Raucher, die ursprünglich mehr als 20 Zigaretten pro Tag geraucht haben, empfiehlt es sich, eine kontinuierliche Versorgung mit Nikotin bereitzustellen. Dies lindert starke körperliche Entzugssymptome in den ersten Wochen. Die Pflaster sind in zwei Stärken erhältlich. Täglich wird ein neues Pflaster aufgeklebt. In Stresssituationen und anderen klassischen Triggern, etwa nach dem Aufstehen oder nach der Mahlzeit, kann zusätzlich mit kurz wirksamen Arzneiformen wie dem Kaugummi oder der Lutschtablette zwischendosiert werden, um das kurzfristige Verlangen zu befriedigen. Die Kombinationstherapie bei derart starken Rauchern dauert bis zum kompletten Nikotinentzug meist zwölf Wochen.

Mundspray, Nasalspray und Inhaler

Diese Arzneiformen stellen das Nikotin am schnellsten zur Verfügung und kommen daher dem durch die Zigarette vermittelten Kick am ehesten nahe. Das kann einerseits die Zigarettenentwöhnung erleichtern, andererseits die Abhängigkeit vom NET-Produkt selbst fördern. Das Nasalspray wird derzeit in Deutschland nicht vertrieben, es kann daher nur mit ärztlicher Verschreibung aus dem Ausland bezogen werden.

Der Nikotin-Inhaler ist ein Medizinprodukt, das Kartuschen mit einer ethanolischen Nikotinlösung enthält. Aus verhaltenspsychologischer Sicht ist diese Arzneiform nicht zielführend für den Entzug, da die Anwendung dieselbe Hand-zum-Mund-Bewegung mit demselben Reiz, dem schnellen Anfluten des Nikotins, verknüpft.

Die E-Zigarette: gesunde Alternative?

Bei den E-Zigaretten handelt es sich um Verdampfer, in die Kartuschen mit einer Mischung aus Propylenglykol und Nikotin eingesetzt werden. Derzeit werden sie stark mit dem Argument beworben, weniger gesundheitsschädlich zu sein als Zigaretten. Tatsächlich sind weniger krebserregende Substanzen wie Nitrosamine enthalten.

Da viele Fragen noch nicht geklärt sind, zum Beispiel, welche Langzeitwirkungen die Inhalation von Propylenglykol hat, sind sie dennoch kritisch zu sehen. Die Befragung von aktiven „Dampfern“ hat zwar ergeben, dass sie die E-Zigarette als sehr hilfreich zur Entwöhnung von der Tabakzigarette empfinden. Meist wurde allerdings nur die Zigarettensucht von einer E-Zigaretten-Sucht abgelöst, da die Befragten in der Mehrzahl noch nach über zwölf Monaten die E-Zigarette benutzten und das zudem meist mit sehr hohen Nikotindosen. Als Hilfs- mittel zur Entwöhnung wird die E-Zigarette daher auch von den Fachgesellschaften in den aktuellen Leitlinien nicht empfohlen.

Weitere Arzneimittel

Auch zwei rezeptpflichtige Arzneimittel sind derzeit zur Therapie der Tabakabhängigkeit zugelassen: Bupropion und Vareniclin. Beide werden zur Monotherapie nach erfolgloser NET angewandt. Der Einsatz weiterer Antidepressiva wie Nortryptilin zur Therapie oder zur Langzeit-Rückfallprophylaxe ist eine Off-label-Verordnung und zeigte keinerlei signifikante Vorteile.

Aus dem OTC-Sortiment*

Darreichungsform

Zeitspanne

Nikotinfreigabe

empfohlene Anwendungsdauer 

Pflaster

Nicorette® TX

10 mg

16 Stunden- Pflaster

10 mg/16 h

max. 12 Wo

15 mg

15 mg/16 h

25 mg

25 mg/16 h

Nicotinell®

17,5 mg

24 Stunden- Pflaster

7 mg/24 h

max. 12 Wo

35,0 mg

14 mg/24 h

52,5 mg

21 mg/24 h

Niquitin® clear

7 mg

24 Stunden- Pflaster

7 mg/24 h

zwischen 8 und 10 Wo

14 mg

14 mg/24 h

21 mg

21 mg/24 h

*beispielhafte Nennung ohne Anspruch auf Vollständigkeit (Stand Lauer-Taxe: 05.12.2017)


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