29.06.2017 - Zum Beratungsthema: Reise

Reisemedizin: Unterwegs in der Welt

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von Dr. Claudia Bruhn

Ganz gleich, ob Kurzurlaub oder Fernreise – eine gute Vorbereitung ist wichtig. Dazu gehören ein Check der möglichen Gesundheitsgefahren am Reiseziel und das Zusammenstellen der Reiseapotheke.

  • Zur optimalen Reisevorbereitung zählen neben dem Packen der Reiseapotheke ein Impfcheck sowie die Information über mögliche Gesundheitsrisiken am Urlaubsort.
  • Gegen die Symptome der Reisekrankheit helfen neben H1-Antihistaminika auch Hausmittel sowie ein geeigneter Sitzplatz im Fortbewegungsmittel.
  • Bei größeren Zeitunterschieden zwischen Heimat- und Urlaubsort muss der Einnahmezeitpunkt von Medikamenten variiert werden.
  • Im Urlaubsland erworbene Infektionskrankheiten führen manchmal erst einige Wochen nach der Rückkehr zu Symptomen.

Die Reiselust der Deutschen scheint ungebrochen zu sein. Eine im Auftrag der Stiftung für Zukunftsfragen im Dezember 2016 und Januar 2017 durchgeführte persönliche Umfrage des Instituts GfK Marktforschung Nürnberg unter 4081 Personen ab 14 Jahren in Deutschland hat ergeben, dass die Bundesbürger im Vergleich zu den Vorjahren wieder öfter verreisen, länger vor Ort bleiben und sich den Urlaub mehr als jemals zuvor kosten lassen. Fast die Hälfte der Teilnehmer (44 %) hatte zum Befragungszeitpunkt schon feste Reisepläne für das neue Jahr. Jeder achte plante mehr als eine Reise. Nur etwa 18 Prozent beabsichtigen, 2017 zu Hause zu bleiben.

Vor Reiseantritt

Für die Reisevorbereitung kann die Apotheke viele hilfreiche Tipps geben – vor allem auch älteren Menschen, die bereits heute etwa die Hälfte aller Urlaubsreisen unternehmen. Aktive Senioren beschränken sich nicht auf komfortable Busreisen im Inland. Auch Fernreisen und Kreuzfahrten stehen bei ihnen hoch im Kurs.

Informationsquellen-- Für individuell geplante Kurzreisen ist die Internetseite des Auswärtigen Amtes (www.auswaertiges-amt.de) eine gute Quelle für die Reisevorbereitung – auch wenn das Reiseziel „nur“ im europäischen Nachbarland liegt. Dort finden sich nicht nur medizinische Hinweise, beispielsweise zu Zeckengebieten oder Impfempfehlungen, sondern auch allgemeine Tipps zum Verhalten im Straßenverkehr wie Promillegrenzen oder Mautpflicht sowie Reisewarnungen.

Versicherungen-- Wer seinen Urlaub über einen Reiseveranstalter bucht, bekommt häufig eine Vielzahl von Zusatzversicherungen angeboten. Welche tatsächlich benötigt werden, hängt in erster Linie vom Reiseziel ab. Die wichtigste Versicherung ist eine Reisekrankenversicherung. Zwar bestehen zwischen Deutschland und den meisten europäischen Ländern (Schengen-Staaten) Sozialversicherungsabkommen. Dadurch bezahlt die Krankenkasse des Patienten für eine notwendige Behandlung vor Ort den gleichen Betrag wie in Deutschland. Ist die Behandlung im Ausland aber teurer, trägt die private Reisekrankenversicherung die Zusatzkosten. Bei Reiseländern, die nicht zu den Schengen-Staaten gehören (z. B. USA, Ägypten), übernimmt die Reisekrankenversicherung sämtliche Behandlungskosten. Sie kommt auch für alle Kosten eines medizinisch veranlassten Rücktransports nach Deutschland auf. Sinnvoll kann außerdem eine Reiserücktrittskostenversicherung sein.

Reiseimpfungen-- Eine bevorstehende Reise ist ein guter Anlass, den Impfschutz zu checken beziehungsweise vom Arzt überprüfen und komplettieren zu lassen. Auch hierfür sind die Länderinformationen des Auswärtigen Amtes sowie die Hinweise der Ständigen Impfkommission (STIKO) auf der Internetseite des Robert Koch-Instituts hilfreich.

Dauermedikamente-- Regelmäßig einzunehmende Medikamente sollten Patienten für die Reise nicht genau abzählen, sondern vorsichtshalber einen kleinen Übervorrat mitnehmen. Dies ist im Hinblick auf unerwartete Ereignisse wie beispielsweise eine Naturkatastrophe oder Verzögerungen bei der An- oder Abreise notwendig. Da die Temperaturen im Frachtraum des Flugzeuges meist nahe dem Gefrierpunkt liegen, verstaut man die Medikamente am besten im Handgepäck. Dabei ist zu beachten, dass Flüssigkeiten im Handgepäck nur bis zu einen Volumen von maximal je 100 Milliliter mitgeführt werden dürfen und bei der Sicherheitskontrolle in einen Plastikbeutel mit Zipper (Fassungsvermögen maximal ein Liter) verpackt auf das Band gelegt werden müssen.

Bescheinigungen-- Für die Sicherheitskontrollen am Flughafen und eventuell notwendige Arztbesuche am Reiseziel sollten Bescheinigungen des Arztes wie Medikationspläne oder Atteste in der Sprache des Urlaubslandes beziehungsweise in englischer Sprache mitgeführt werden. Für die Ein- und Ausfuhr von Betäubungsmitteln kann man sich von der Internetseite des Bundesministeriums für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArm) entsprechende Formulare herunterladen.

Reiseapotheke

Die universelle Reiseapotheke gibt es nicht. Denn welche Medikamente und Verbandstoffe mitgenommen werden, hängt vom Urlaubsland, der Art der Reise und dem Alter der Reisenden ab. Außerdem nimmt die Zahl der Kunden zu, die den Wunsch nach einer rein homöopathischen, anthroposophischen oder Schüßler-Reiseapotheke äußern. Alternativmedizinische Reiseapotheken können in der Apotheke individuell zusammengestellt werden. Darüber hinaus bieten Hersteller bereits fertig konfektionierte Produkte an.

Verbandmittel-- Eine Basisausstattung mit Hilfsmitteln für die Wundversorgung sollte in keinem Reisegepäck fehlen. Dazu zählen Wundschnellverband-Strips, sterile Kompressen, elastische Binden und Mullbinden, Wunddesinfektionsmittel, eine Pinzette, Kühlkompressen sowie gegebenenfalls Blasenpflaster. Diese sind nicht nur während eines Wanderurlaubs sinnvoll, sondern auch bei einer Städtereise.

Medikamente-- In eine klassische Reiseapotheke gehören unbedingt Schmerz- und Fiebermittel, Medikamente gegen Magen-Darm-Beschwerden wie Durchfall und Verstopfung, gegen Reisekrankheit und gegen Erkältungsbeschwerden. Neben Präparaten, die bei Husten und Halsschmerzen helfen, ist dabei auch an ein abschwellendes Nasenspray zu denken. Bei einer Flugreise erleichtert dies den Druckausgleich durch die Eustachische Röhre während Start und Landung. Außerdem dürfen Sonnenschutz, ein juckreizlinderndes Mittel gegen Insektenstiche und eine Wund- und Heilsalbe nicht fehlen.

Anthroposophisch-- Die anthroposophische Medizin bietet eine Vielzahl von Mitteln gegen die unterschiedlichsten Beschwerden während einer Urlaubsreise. So gibt es potenzierte Arzneimittel beispielsweise mit Nux vomica oder Ipecacuanha gegen Reiseübelkeit, mit deren Einnahme man am besten schon zwei oder drei Tage vor Reisebeginn anfängt. Auch gegen Unruhe vor der Reise sowie Schlafstörungen in der Anpassungsphase am Urlaubsort helfen anthroposophische Kügelchen, etwa mit Valeriana. Zur Ersten Hilfe bei Wunden eignen sich Arnika-Wundtücher. Gegen kleinere Verletzungen und Schürfwunden sind Wundsalben, beispielsweise mit Calendula, ein probates Mittel.

Homöopathisch-- Unter den homöopathischen Mitteln für die Verdauung ist unter anderem Okoubaka D3 wichtig, insbesondere, wenn als Reaktion auf ungewohnte Speisen Durchfall, Verstopfung, Blähungen oder Übelkeit auftreten. Ein weiterer hilfreicher Reisebegleiter sind Arnica D6 Globuli bei Verletzungen, Schwellungen und Schmerzen. Bei Sonnenbrand haben sich Belladonna D6 Globuli bewährt.

Schüßler-Salze-- Eine der bekanntesten Anwendungen der Schüßler-Salze ist die „Heiße 7“, bei der man fünf bis zehn Tabletten Magnesium phosphoricum D6 in einem Glas Tee oder heißem Wasser auflöst und davon kleine Schlucke trinkt. Dieses Mittel kann auf einer Reise bei Verdauungsbeschwerden empfohlen werden.

Kinder-- Sind Kinder mit unterwegs, sollte kindgerechten Darreichungsformen wie Zäpfchen oder Säften der Vorzug gegeben werden. Auch ein Fieberthermometer ist sinnvoll, da insbesondere Kleinkinder häufig empfindlich und mit Fieber auf Klimaveränderungen reagieren.

Aktivurlaub-- Wer vorhat, während des Urlaubs zu tauchen, sollte Ohrentropfen gegen Badeotitis, eine schmerzhafte Reizung der Gehörgänge nach dem Tauchen oder ausgiebigem Schwimmen, mitnehmen. Geeignet sind glycerolhaltige Präparate oder essigsäurehaltige Tropfen (NRF-Vorschrift), die zugleich eingedrungene Keime bekämpfen.

Unterwegs

Die wichtigsten Fortbewegungsmittel im Urlaub – Flugzeug, Bahn, PKW, Bus und Schiff – bieten unterschiedliche Herausforderungen und Gesundheitsrisiken. Daher ist es sinnvoll, in der Beratung danach zu fragen, wie der Kunde an seinen Urlaubsort gelangen möchte. Ein häufiges und gravierendes Problem, die Reisekrankheit, kann bei allen Fortbewegungsmitteln auftreten.

Reisekrankheit

Die Reisekrankheit (Kinetose) ist ein Sammelbegriff für verschiedene Symptome, die durch Störungen des Gleichgewichtssinns hervorgerufen werden. Hauptsymptome sind Übelkeit, Erbrechen, Schwindel, Kopfschmerzen bis hin zu Schweißausbrüchen und Blutdruckabfall. Sehr häufig sind Kinder betroffen, da ihr Gleichgewichtssinn noch nicht vollständig entwickelt ist. Betroffene fühlen sich diesen Beschwerden regelrecht ausgeliefert. Es gibt eine Reihe von medikamentösen und nicht medikamentösen Maßnahmen, um sie zu lindern.

Sitzplatz-- Wenn möglich, sollte im Fortbewegungsmittel ein Platz gewählt werden, an dem nur geringe Schaukelbewegungen auftreten. Im Flugzeug ist das direkt über den Tragflächen, im Schiff in einer Mittelkabine. Im Auto oder Reisebus kann es hilfreich sein, während der Fahrt ständig aus dem Fenster zu schauen. Kontraproduktiv ist dagegen Lesen oder Spielen auf dem Smartphone. In der Bahn ist ein Platz am Fenster in Fahrtrichtung am besten geeignet, um der Reisekrankheit vorzubeugen.

Pausen-- Bei Autofahrten sollten häufig Pausen eingelegt und dabei für Bewegung gesorgt werden. Unterwegs und vor Reiseantritt sollte man nur eine leicht verdauliche Mahlzeit zu sich nehmen. Bei Seekrankheit empfiehlt es sich, häufig an Deck zu gehen.

Entspannung-- Manchen Betroffenen hilft es, entspannende Musik oder ein Hörspiel zu hören, zu schlafen oder die Augen zu schließen.

Selbstmedikation-- Bei leichten bis mittelschweren Symptomen eignen sich H1-Antihistaminika mit den Wirkstoffen Diphenhydramin und Dimenhydrinat. Sie sind als Tabletten, Kapseln, Kaugummis und Zäpfchen erhältlich. Tabletten und Zäpfchen werden eine halbe bis eine Stunde vor Reisebeginn angewendet, Kaugummis bei den ersten Anzeichen von Übelkeit. Kommt es dennoch zum Erbrechen, sollten gegen den Flüssigkeits- und Elektrolytverlust Rehydratationslösungen verabreicht werden. Ein bewährtes Hausmittel ist Ingwer als Tee, in kleinen Stückchen zum Kauen oder in Extraktform als Fertigarzneimittel.

Fortbewegungsmittel

Abgesehen von der Reisekrankheit gibt es bei den verschiedenen Fortbewegungsmitteln weitere gesundheitsrelevante Aspekte, die bedacht werden sollten, um gesund am Urlaubsort anzukommen.

Flugangst-- Die Aviophobie genannte Flugangst kann unterschiedlich stark ausgeprägt sein. Menschen mit ausgeprägter Aviophobie würden nie ein Flugzeug besteigen. Häufig trauen sich aber Menschen mit geringen Symptomen oder solche, die lediglich ein „mulmiges Gefühl“ beim Gedanken an eine Flugreise verspüren, doch eines Tages. Sedierende Phytopharmaka oder Mittel der Alternativmedizin können dabei Unterstützung geben. Alternativ kann der Arzt ein verschreibungspflichtiges, angstlösendes Medikament (z. B. Benzodiazepine) für die kurzzeitige Anwendung verordnen. Außerdem helfen Entspannungsübungen und Musik über Kopfhörer.

Thromboseprophylaxe-- Bei Langstreckenflügen ist das Risiko für Beinvenenthrombosen oder eine Lungenembolie erhöht. Zur Vorbeugung empfehlen sich Stützstrümpfe (Klasse III forte) oder medizinische Kompressionsstrümpfe. Außerdem sollte unterwegs durch Venengymnastik die Muskelpumpe in den Beinen aktiviert und dadurch der Blutfluss angeregt werden.

Austrocknung-- Im klimatisierten Bus, im Auto oder in der Bahn, vor allem aber im Flugzeug, kommt es häufig zu einem Trockenheitsgefühl auf der Augenoberfläche, auf der Nasenschleimhaut oder im Hals. Zur Linderung können künstliche Tränen, Meerwasser-Nasensprays und Lutschbonbons empfohlen werden. Reisende müssen außerdem auf eine ausreichende Flüssigkeitszufuhr achten. Als Faustregel beim Fliegen gilt eine Aufnahme von 150 bis 200 Milliliter pro Stunde (kein Alkohol!).

Aufbewahrung der Medikamente

Für alle Medikamente gilt, dass sie während der Reise und am Zielort vor hohen Temperaturen, direkter Sonneneinstrahlung und Feuchtigkeit geschützt werden müssen.

Diabetiker-- Insulin (nicht angebrochen) sollte in einer Kühltasche zwischen zwei und acht Grad Celsius transportiert werden, wobei der Kontakt mit den Kühlakkus verhindert werden muss, damit es nicht gefriert. Denn dies kann zur Zerstörung des Wirkstoffs oder auch zu Haarrissen in der Patrone führen. Dabei würde Lösungsmittel austreten, mit der Folge einer veränderten Wirkstoffkonzentration. Patronen, die gerade benutzt werden, sollte man bei Raumtemperatur lagern.

Darreichungsformen-- Auf bestimmte Darreichungsformen sollte auf einer Reise verzichtet werden, dazu zählen Zäpfchen. Dagegen sind Schmelztabletten oder Granulat, das ohne Wasser eingenommen werden kann, sehr gut geeignet.

Pulverinhalatoren-- Sie müssen auf einer Reise unbedingt vor Feuchtigkeit geschützt aufbewahrt werden, das Gleiche gilt für Brausetabletten.

Dosieraerosole-- Sie dürfen nicht über 25 Grad Celsius gelagert oder direkter Sonnenbestrahlung ausgesetzt werden, da sonst der Druck im Inhalator so weit ansteigen kann, dass das Ventil beschädigt wird.

Lichtschutz-- Tabletten mit lichtempfindlichen Wirkstoffen sind von lichtundurchlässigen Blistern umgeben, die erst direkt vor der Einnahme entfernt werden dürfen. Auch andere Tabletten und Kapseln werden für den Urlaub am besten in Originalverpackungen belassen, denn ein Umfüllen in andere Behältnisse erhöht auch die Verwechslungsgefahr.

Faktum

  • Malariaerreger sind verschiedene Plasmodienarten, die von weiblichen Anophelesmücken übertragen werden.
  • Den wirksamsten Schutz bieten Repellenzien und Moskitonetze.
  • Vor Reisen in Malariagebiete ist es wichtig, sich für den Fall einer Infektion über Stand-by-Medikamente beraten zu lassen und diese mitzuführen.
  • Treten nach der Rückkehr Symptome wie Fieberschübe und Schüttelfrost auf, muss ein Arzt konsultiert werden.

Am Urlaubsort

Je größer die klimatischen und hygienischen Unterschiede zwischen Heimat- und Urlaubsland sind und je mehr das Lebensmittelangebot vom gewohnten abweicht, umso mehr Vorsicht ist nötig, um sich nicht nur gut zu erholen, sondern auch gesund aus dem Urlaub zurückzukehren.

Zeitverschiebung

Bei Reisen innerhalb Europas beträgt die Zeitverschiebung meist nur ein bis zwei Stunden, was für den Einnahmezeitpunkt von Medikamenten ohne Bedeutung ist. Ab drei Stunden Zeitunterschied können folgende Strategien empfohlen werden.

Heimatzeit-- Eine Möglichkeit ist, auf einer Uhr die Heimatzeit zu belassen und die Einnahme entsprechend zur „gewohnten“ Zeit vorzunehmen. Alternativ kann mithilfe dieser Uhr die Einnahme schrittweise an die Ortszeit angepasst werden, indem man sie täglich eine Stunde vor- (bei Reisen nach Osten) oder zurückstellt (bei Reisen nach Westen), bis beide Zeiten übereinstimmen. Diese Methode empfiehlt sich beispielsweise für die Einnahme von Minipillen, Cortison- oder Schilddrüsenhormonpräparaten. Kombinierte Kontrazeptiva können bei einer Zeitverschiebung unter zwölf Stunden zur gewohnten Zeit eingenommen werden, da der Empfängnisschutz über 36 Stunden gegeben ist.

Verlegen-- Beträgt die Zeitverschiebung zwölf Stunden und mehr, kann man schon einige Tage vor dem Start in den Urlaub damit beginnen, das Medikament (z. B. Kontrazeptivum) statt morgens abends einzunehmen oder umgekehrt.

Diabetiker-- Diabetiker müssen bei Zeitunterschieden zwischen Heimat- und Urlaubsort den Blutzuckerspiegel häufiger kontrollieren und die Injektionen schrittweise an die neue Zeit anpassen.

Ernährung und Hygiene

Häufig kommt es am Urlaubsort zu Magen-Darm-Beschwerden infolge der Ernährungsumstellung.

Durchfallprophylaxe-- Weil die Hygienestandards in verschiedenen Reiseländern geringer sind als in Deutschland, lautet eine häufige Empfehlung an Fernreisende: „Cook it, peel ist or forget it!“. Diese Regel beinhaltet, ungekochte, ungeschälte und nicht durchgebratene Lebensmittel zu meiden, da ansonsten die darin enthaltenen Erreger zu schweren Magen-Darm-Symptomen, insbesondere Durchfall, führen können. Das trifft auch auf Wasser zu, das nur aus Originalflaschen bzw. -verpackungen oder abgekocht getrunken werden sollte. Auch in Eiswürfeln und Speiseeis können krankmachende Keime enthalten sein.

All-inclusive-- Bei einem All-inclusive-Urlaub ist das große Angebot an Essen und Getränken verführerisch und verleitet häufig dazu, mehr Kalorien aufzunehmen, als der „Bikinifigur“ gut tut. Um nach dem Urlaub nicht mit überflüssigen Pfunden kämpfen zu müssen, orientiert man sich bei den Portionsgrößen an denen, die man auch zuhause verzehren würde. Oder man steigert die körperliche Aktivität, was den Energiebedarf erhöht und Übergewicht vorbeugt.

Infektionsschutz

Stechmücken-- Sie übertragen nicht nur Malaria, sondern auch Erreger wie das West-Nil-, das Gelbfieber- und das Dengue-virus. Das Denguevirus ist hauptsächlich in Mittel- und Südamerika verbreitet, aber auch aus Asien und Afrika sowie Europa wurden Fälle gemeldet. Das West-Nil-Virus stammt ursprünglich aus Afrika. Fälle des West-Nil-Fiebers sind aber auch in Mittel- und Nordamerika, Asien und europäischen Ländern wie Frankreich, Griechenland Tschechien und Ungarn aufgetreten. Daher ist bei Reisen in diese Länder wichtig, Mückenschutzmittel und gegebenenfalls Moskitonetze mitzuführen. Die Weltgesundheitsorganisation empfiehlt als Mückenschutz für Reisen in Gebiete (z. B. mit Denguefieber, Malaria, Zikavirus, Gelbfieberrisiko) den Wirkstoff Dietyltoluamid (DEET). Für Schwangere und Kinder unter drei Jahren eignet sich Icaridin.

STD-- Das Risiko, sich mit sexuell übertragbaren Krankheiten (sexual transmitted deseases, STD) wie HIV, Hepatitis B und C, Syphilis oder Gonorrhö anzustecken, ist in vielen beliebten Urlaubsländern höher als in Deutschland. Daher muss bei sexuellen Kontakten unbedingt an entsprechenden Infektionsschutz mit Kondomen gedacht werden.

Aktivurlaub

Spontane Aktivitäten wie eine Tageswanderung in den Bergen, ein Tauchkurs oder eine Mountainbiketour bergen Gesundheitsrisiken, insbesondere für Menschen mit geringer körperlicher Fitness.

Höhenkrankheit-- Wer seinen Urlaub in einer Gebirgsregion verbringt, sollte sich nicht spontan zu einer Bergtour überreden lassen, insbesondere, wenn er an einer Herz-Kreislauf- Erkrankung oder einer Lungenkrankheit leidet. Ein Aufenthalt bis zu einer Höhe von 1000 Metern über dem Meeresspiegel gilt als gesundheitlich unbedenklich. Bereits ab 2000 bis 2500 Metern können Symptome der Höhenkrankheit wie Kopfschmerzen, Schwindel oder stark beschleunigter Puls auftreten. Ursache dafür ist, dass der Luftdruck mit steigender Höhe abnimmt und dadurch der Körper schlechter mit Sauerstoff versorgt wird. Deshalb sollten sich Patienten mit Bluthochdruck, Herzinsuffizienz, COPD oder Asthma mit ihrem Arzt beraten, wenn sie in ihrem Urlaub Klettertouren oder größere Gebirgswanderungen planen.

Tauchen-- Tauchen mit Geräten darf nur, wer ein ärztliches Tauglichkeitsattest vorlegen kann. Doch auch beim Schnorcheln oder bei kurzzeitigem Tauchen ohne Atmung (Apnoetauchen) gibt es verschiedene Risiken zu beachten. Fernhalten sollte man sich beispielsweise von Quallen oder „Unterwassergewächsen“, die in Wirklichkeit keine Pflanzen, sondern Tiere sind (z. B. Seeanemonen). Bei Berührung können sie aus ihren Nesselkapseln Giftstoffe freisetzen, die starke Hautausschläge hervorrufen.

TIPP!

Empfehlen Sie Ihren Kunden, die nach einer Reise in (sub)tropische Regionen unter unklaren gesundheitlichen Beschwerden leiden, sich an ein tropenmedizinisches Zentrum zu wenden. Diese sind meistens an Unikliniken untergebracht.

Nach der Rückkehr

Reiseandenken-- Wenn Kunden nach einer Rückkehr aus (sub)-tropischen Ländern über Symptome wie Magen-Darm-Beschwerden, Fieber, anhaltende Erschöpfung oder schlecht heilende Wunden berichten, ist besondere Aufmerksamkeit gefragt. Denn die Betroffenen können sich im Urlaubsland mit Erregern infiziert haben, die in Europa nicht oder nur sehr selten vorkommen. Bei manchen dieser Infektionskrankheiten tre- ten die Symptome erst einige Wochen nach der Rückkehr auf. Ein Zusammenhang mit dem Urlaub ist Betroffenen dann manchmal nicht mehr bewusst. So treten beispielsweise bei Malaria, West-Nil-Fieber, Gelb- fieber und Denguefieber unspezifische, grippeähnliche Symptome wie Fieber, Gelenk- und Muskelschmerzen oder Hautausschlag auf. Auch unklare Hautsymptome oder schlecht heilende Wunden nach einer Urlaubsreise sollten unbedingt abgeklärt werden, am besten von Ärzten mit entsprechender Spezialisierung.

Kontakt-- Außerdem muss an die Möglichkeit gedacht werden, dass jemand, der sich auf einer Fernreise mit einem Krankheitserreger infiziert hat, zuhause gebliebene Familienmitglieder oder andere Kontaktpersonen ansteckt. Dies gilt insbesondere für sexuell übertragbare Erkrankungen. Ein relativ aktuelles Beispiel ist das in Mittel- und Südamerika verbreitete Zikavirus. Es ist für Schwangere gefährlich ist, da es bei den Feten zu Fehlbildungen des Gehirns (Mikrozephalie) führen kann.


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