30.04.2019

Schüßler-Salze: Säure-Basen-Balance

von Margit Müller-Frahling

Auf sanfte Art sollen die beliebten Salze den Säureabbau unterstützen und den Zellstoffwechsel harmonisieren. Außerdem sind sie eine bewährte Hilfe bei den körperlichen Folgen einer Übersäuerung.

© Gerhard Seybert / stock.adobe.com (Symbolbild mit Fotomodell)

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  • Das basische Schüßler-Salz Nr. 9 Natrium phosphoricum kann sowohl prophylaktisch als auch akut bei säurebedingten Beschwerden empfohlen werden.
  • Als Spezialmittel, insbesondere für ältere Personen, hat sich das Erweiterungsmittel Nr. 23 Natrium bicarbonicum bewährt. Es ist gleichzeitig ein Stärkungsmittel für Niere, Leber und Bauchspeicheldrüse.
  • Die Basenkur mit den Salzen Nr. 8, Nr. 9, Nr. 10 und Nr. 23 ist speziell abgestimmt auf die Anwendung bei chronischen Erkrankungen. Sie kann auch prophylaktisch und ohne Pausen über einen langen Zeitraum durchgeführt werden.

Alle Vorgänge im Körper sind auf einen ausgeglichenen Säure-Basen-Haushalt angewiesen. Einen Überschuss an Säuren bauen die körpereigenen Puffersysteme ab. Basische Mineralstoffe sind dafür essenziell und müssen ausreichend über die Ernährung zugeführt werden. Schüßler-Salze ersetzen diese Zufuhr in der Menge nicht, sondern sie verbessern deren Aufnahme und Verwertung.

Prophylaxe

Falsche Ernährung, Mangel an Bewegung und Stress sind wesentliche Ursachen für eine Übersäuerung. Aber auch bei Diäten und beim Fasten entstehen durch den Fettabbau und das Verbrennen von Fettsäuren Ketosäuren, die die Säurebelastung erhöhen und gleichzeitig den Fettabbau bremsen. Sind die Puffersysteme permanent überlastet, greift der Körper auf seine Speicher, zum Beispiel auf die Mineralien der Knochen, zurück. Daraus ergeben sich gravierende Folgen für die Gesundheit.

Das Schüßler-Salz Nr. 9 Natrium phosphoricum D 6 kann regelmäßig prophylaktisch auch über einen langen Zeitraum angewendet werden, um eine derartige Entwicklung zu vermeiden und eine latente Azidose abzubauen.

Das basische Salz Nr. 9

Natrium phosphoricum ist die einzige basische Mineralstoffverbindung der Schüßler-Salze 1 bis 12. Sie ist chemisch gesehen in der Lage, Säuren zu binden. Natrium phosphoricum ist Bestandteil von Phosphat-Puffern in Blut und Niere. Es ist das Funktionsmittel bei chronischen und akuten Säureüberlastungen des Körpers. Als basisches Schüßler-Salz hilft es bei Magenschmerzen und Magenkrämpfen infolge einer Übersäuerung des Magens, saurem Erbrechen, saurem Aufstoßen und Durchfällen. Bei akuten Beschwerden wird alle fünf bis 15 Minuten eine Tablette gelutscht.

Ein deutliches Zeichen für den Bedarf an Natrium phosphoricum ist Heißhunger auf Süßes und/oder Fettes. Deutliche Hinweise geben auch Pickel, Mitesser oder allgemein eine fettige Haut und fettige Haare.

Prophylaktisch können fünf Tabletten am Tag gelutscht werden. Sofern deutliche Zeichen für einen Bedarf sichtbar sind oder chronische Beschwerden wie Sodbrennen vorliegen, sollte die Dosierung auf sieben bis zehn Tabletten am Tag erhöht werden.

Sinnvolle Kombinationen

Nr. 9 Natrium phosphoricum D 6 ist das Hauptmittel bei säurebedingten Beschwerden. Bei Durchfällen und zur Unterstützung von Darm und Leber wird zusätzlich Nr. 10 Natrium sulfuricum D 6 angewendet. Ein weiteres wichtiges Mittel ist Nr. 8 Natrium chloratum D 6. Natrium chloratum wird zur Bildung der schützenden Magenschleimhaut benötigt. Auch an der Bildung und Regulierung der Magensäure in den Belegzellen der Magendrüsen ist Natrium chloratum wesentlich beteiligt. Schädigungen der Magenschleimhaut durch unzureichende Mucinbildung oder übermäßige Säureproduktion können mit diesem Funktionsmittel behandelt werden. Hierzu gehören Beschwerden wie ein brennendes Gefühl in der Speiseröhre (Sodbrennen). Als wesentliches Schleimhautmittel fördert es außerdem den Aufbau der Magenschleimhaut und regeneriert bei Gastritis und Ulkus die angegriffene Schleimhaut.

Wussten Sie, dass ...

  • zum Säureabbau, zur Entgiftung und zur Verbesserung des Stoffwechsels eine Basenkur empfehlenswert ist?
  • eine Basenkur auch angewendet werden kann bei Säurebeschwerden, Abnehmblockaden und chronischen Erkrankungen wie Rheuma oder Gicht?
  • eine Basenkur sich auch als Add-on-Therapie eignet bei der Einnahme von Antazida, Protonenpumpenhemmern wie Pantoprazol und Omeprazol) sowie Aluminium- und Carbonatverbindungen?
  • das Hauptmittel einer Basenkur Schüßler-Salz Nr. 9 Natrium phosphoricum ist?

Spezialmittel

Das Erweiterungsmittel Nr. 23 Natrium bicarbonicum D 6 wird traditionell bei chronischen Erkrankungen angewandt. Jeder Zweite über 50 Jahre soll nach Schätzungen an einer chronischen Erkrankung leiden. Heute gilt als nachgewiesen, dass chronische Erkrankungen im höheren Lebensalter mit Störungen des Säure-Basen-Haushalts einhergehen oder sogar dadurch bedingt sind. Hierzu gehören beispielsweise Erkrankungen des rheumatischen Formenkreises, Osteoporose, arteriosklerotische Veränderungen, essenzielle, arterielle Hypertonie, Harnsteinleiden, Herzrhythmusstörungen und auch psychische Störungen. Prophylaxe und primäre Prävention können mit Natrium bicarbonicum eine wesentliche Unterstützung erfahren. Die hierdurch bedingte Regulierung des Säure-Basen-Haushalts stärkt direkt die Funktion lebenswichtiger Organe (Nieren, Leber, Bauchspeicheldrüse) und das Skelett.

Well-Aging

Natrium bicarbonicum kann allgemein ein gesundes Altern unterstützen. Die Puffersysteme des Organismus verändern sich mit den Jahren deutlich. Neben der allgemeinen Abnahme von Regulationsleistungen verändern sich im Alter die Anteile von Körperfett, Muskelmasse, Gesamtkörperwasser, Plasmavolumen und Extrazellulärflüssigkeit.

Hinzu kommt, dass insbesondere ältere Personen Medikamente nehmen, die die Leber belasten. Die Leber ist das zentrale Organ im Säure-Basen-Haushalt. Sie kann über den Abbau organischer Säuren 50-mal mehr H+-Ionen eliminieren als über die Nieren ausgeschieden werden können.

Ein weiterer positiver Effekt der Anwendung von Natrium bicarbonicum ist der Schutz der Knochen. Eine latente chronische Azidose führt zur kompensatorischen Herauslösung von Mineralstoff-Ionen aus der Knochenmasse. Im Zusammenhang mit der Osteoporose kann die Anwendung von Natrium bicarbonicum ein Aspekt ursächlicher Hilfe sein. Fünf bis sieben Tabletten Nr. 23 Natrium bicarbonicum D  6 können – ohne Einnahmepausen – regelmäßig angewendet werden.

Basenkur

Die Anwendung kann als Kur über vier bis sechs Wochen mit je sieben bis zehn Tabletten am Tag durchgeführt und nach Belieben fortgesetzt werden. Die Tabletten werden miteinander gemischt und über den Tag verteilt gelutscht oder alternativ in Wasser gelöst und dann schluckweise getrunken. Dabei wird jeder Schluck einen Moment im Mund gehalten, da die Aufnahme der verdünnten Mineralstoffe über die Mundschleimhaut erfolgt. Diese sollte frei von Belastungen sein. Eine Einnahme in Tees ist daher nicht zu empfehlen.

Anwendung bei Gicht

Natrium bicarbonicum kann helfen, Belastungen mit Harnsäure abzubauen und die mit einer Hyperurikämie verbundenen Erkrankungen zu vermeiden. Von Hyperurikämie wird gesprochen, wenn im Blut eine über die Normwerte erhöhte Konzentration an Harnsäure vorliegt (Frauen vor der Menopause > 5,7 mg/dl, Männer > 7 mg/dl). Hyperurikämie entwickelt sich oft schleichend und verläuft jahrelang symptomlos. Die Salze der Harnsäure werden an verschiedenen Stellen des Körpers abgelagert. Erst der akute Gichtanfall und anhaltende Schmerzen in Gelenken und Weichteilen führen häufig zur Erkenntnis, dass eine anhaltende Übersäuerung Ursache der Beschwerden ist. Die Einnahme der Basenkur kann sowohl zur Vorbeugung empfohlen werden und hat sich auch bei bereits bestehenden Beschwerden als lindernd erwiesen.

Zusammensetzung einer Basenkur

Schüßler-Salze

Wirkung

Einnahmeempfehlung

Nr. 8 Natrium chloratum D 6

reguliert den Flüssigkeitshaushalt, stabilisiert die Niere

7 – 10/d

Nr. 9 Natrium phosphoricum D 6

baut überschüssige Säuren ab

7 – 10/d

Nr. 10 Natrium sulfuricum D 6

stärkt Leber und Darm

7/d

optional zusätzlich:

Nr. 23 Natrium bicarbonicum D 6

Trägheit des Stoffwechsels, Diabetes, Gicht, Harnsäurebildung

5 – 7/d


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