30.08.2021

Serie Beratungsfall Ernährung: Osteoporose

von Beate Ebbers

Nimmt die Knochenmasse altersbedingt oder über das normale Maß ab, lässt sich der Abbau durch eine calcium- und Vitamin-D-reiche Ernährung und gezielte Aktivität verlangsamen. Diese Tipps helfen Ihren Kunden.

© mauritius images / Science Photo

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  • Die Ernährung ist neben Bewegung und Medikamenten eine bedeutsame Säule in der Therapie der Osteoporose.
  • Empfehlenswert sind eine calciumreiche Kost und eine gute Versorgung mit Vitamin D.
  • Der Bedarf an Calcium kann leicht über die Ernährung gedeckt werden.
  • Zur Deckung des Bedarfs an Vitamin D sind Supplemente zusätzlich zu einer Vitamin-D-reichen Kost und Sonnenbestrahlung empfehlenswert.

Eine sehr schlanke Frau um die 60 kommt in die Apotheke. PTA Frau Walcher fragt freundlich nach ihrem Anliegen. „Ich habe leider in der letzten Woche die Diagnose Osteoporose erhalten“, sagt die Kundin. „Oh, das tut mir leid“, bedauert die PTA. „Danke! Es liegt bei uns in der Familie, meine Mutter hatte auch schon Osteoporose“, sagt die Frau. „Zum Glück habe ich mir noch nichts gebrochen, aber ich muss aufpassen, dass es nicht dazu kommt, hat mein Arzt gesagt.“ Jetzt möchte sie wissen, ob sie neben der Einnahme von Vitamin D und Bisphosphonaten noch mehr tun kann, um den Knochenabbau aufzuhalten. „Ja, mit der richtigen Ernährung und Bewegung können Sie die Therapie sinnvoll unterstützen. Gerne berate ich Sie hierzu“, antwortet die PTA und bittet die Kundin in die Beratungsecke.

Serie Beratungsfall Ernährung

01/2021: Schwangerschaftsübelkeit
03/2021: Zöliakie
05/2021: Morbus Crohn
07/2021: Obstipation
09/2021: Osteoporose
11/2021: Diabetes

Beratungsgespräch

Frau Walcher verdeutlicht, dass eine vollwertige, calciumreiche Kost und eine gute Versorgung mit Vitamin D bei Osteoporose wichtig sind. „Der Mineralstoff Calcium wird in die Knochen eingebaut und stabilisiert diese“, sagt die PTA. „Auch wenn bis zum 30. Lebensjahr die Einlagerung am effektivsten ist, verlangsamt eine ausreichende Zufuhr in Ihrem Alter und auch bei diagnostizierter Osteoporose einen übermäßigen Knochenabbau.“ Sie erklärt, dass der Dachverband der Osteologie Osteoporosepatienten 1000 Milligramm Calcium pro Tag empfiehlt, eine Menge, die auch für Gesunde gilt. „Versuchen Sie, diese Menge über Lebensmittel aufzunehmen. Wenn Sie merken, dass das nicht funktioniert, können Sie zu Supplementen greifen. Mehr hilft allerdings nicht, im Gegenteil, eine zu hohe Calciumzufuhr (> 1500 mg/d) kann sogar das Herzinfarktrisiko steigern.“ Weiterhin informiert die PTA ihre Kundin darüber, dass Vitamin D wichtig für die Calcium-Aufnahme ist. Nach seiner Umwandlung in das Hormon Calcitriol fördert es die Absorption von Calcium, seine Reabsorption in den Nieren und damit die Mineralisation des Knochens. Außerdem verbessert Vitamin D die Koordination und senkt damit die Sturz- und Frakturrate bei älteren Menschen. „Deshalb hat Ihnen der Arzt Vitamin D verschrieben“, sagt Frau Walcher nach einem erneuten Blick auf das Rezept.

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Nachfragen

Um der Kundin individuelle Ernährungstipps geben zu können, erkundigt sich die PTA nach den Ernährungsgewohnheiten: Morgens isst die Frau gern Brot mit süßen Aufstrichen wie Marmelade oder Honig. Mittags kocht sie etwas, was schnell geht, häufig etwas Kurzgebratenes, dazu Tiefkühlgemüse und Kartoffeln oder Reis. Am Abend macht sie sich belegte Brote mit Aufschnitt, Gurken oder Tomaten. Zwischendurch isst sie gerne Apfel, Birne oder anderes Obst der Saison. Als Getränke bevorzugt sie Kaffee, Tee und Mineralwasser. Frau Walcher weiß, dass Milch, -Milchprodukte wie Joghurt und Käse bedeutende Calciumlieferanten sind. Deshalb fragt sie gezielt, ob und was die Kundin aus dieser Produktgruppe isst. „Ich habe eine Laktoseintoleranz und nehme nur laktosefreie Milch in meinen Kaffee und esse lakosefreien Käse.“ Butter isst sie gar nicht, sondern bevorzugt Margarine. Joghurt, Dickmilch, Quark und Kefir verträgt sie nur in kleinen Mengen.

Mehr Milch(-produkte)

Frau Walcher erklärt der Kundin, dass Milch und Milchprodukte besonders viel Calcium enthalten. Schon ein Glas Milch (200 ml), ein Becher Joghurt (150 g) und zwei Scheiben Schnittkäse (60 g) liefern die empfohlene Menge von knapp 1000 Milligramm Calcium. Auch bei Laktoseintoleranz braucht die Kundin nicht auf Milchprodukte zu verzichten. „Es gibt Laktase-haltige Präparate. Diese sorgen dafür, dass Sie herkömmliche Milch vertragen. Und verschiedene, lang gereifte Schnitt- und Hartkäse wie Gouda, Emmentaler oder Parmesan sind von Natur nahezu laktosefrei und verursachen auch bei Patienten mit Laktoseintoleranz in der Regel keine Beschwerden“, erklärt Frau Walcher.

„Ansonsten machen Sie es schon ganz richtig, indem Sie laktosefreie Milch nehmen. Bleiben Sie dabei und nutzen Sie die große Vielfalt an laktosefreien Produkten, die es heute gibt“, sagt die PTA und verweist auf laktosefreie Joghurt-, Quarkspeisen und Kakaogetränke.

Da die Kundin erwähnte, dass sie Käse isst, ermuntert die PTA, Käse auch zum Kochen, Überbacken und für Salate zu nutzen. Als Beispiele nennt sie Käsesoßen für Gemüse oder Nudelgerichte, geriebenen Käse zum Überbacken bei Aufläufen oder zum Würzen, Käsewürfel in Salaten oder als Snack für zwischendurch. „Das Gute ist, dass mehrere Wochen gereifter Schnitt- und Hartkäse besonders viel Calcium liefern und praktisch laktosefrei sind. Da müssen Sie nicht auf die speziellen, oft teuren laktosefreien Käseprodukte ausweichen, sondern können das übliche Angebot nutzen.“ „Gilt das auch für Camembert und Brie?“, fragt die Kundin. Die PTA erklärt, dass Weich- und Frischkäse durch die Art der Herstellung mehr Laktose enthalten und empfiehlt deshalb die laktosefreien Varianten. Sie soll jedoch bedenken, dass Weich- und Frischkäse ungefähr nur ein Drittel der Calciummenge wie Hart- und Schnittkäse haben und sie deshalb letztere bevorzugen sollte.

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Gemüse und Mineralwasser

Frau Walcher empfiehlt der Kundin, verstärkt calciumreiche Gemüsesorten zu verzehren. „Essen Sie mehr Brokkoli, Grünkohl, Fenchel und Lauch. Sie enthalten ebenfalls Calcium, wenn auch in geringerem Maße als Milch und Milchprodukte.“ Da die Kundin erwähnte, dass sie auch Mineralwasser trinkt, empfiehlt die PTA, hier auf den Calciumgehalt zu achten. „Schauen Sie auf das Etikett. Mineralwässer mit einem Calciumgehalt von mehr als 150 Milligramm pro Liter sind als „calciumhaltig“ deklariert. Für Osteoporosepatienten sind Wässer mit mehr als 300 Milligramm Calcium pro Liter besonders empfehlenswert.“

Über den Tag verteilt

Um eine hohe Bioverfügbarkeit des Calciums für den Körper zu gewährleisten, rät Frau Walcher, die calciumhaltigen Mahlzeiten über den Tag zu verteilen. „Günstig ist, wenn Sie noch vor dem Schlafengehen ein Glas Milch oder calciumreiches Mineralwasser, einen Becher Joghurt oder eine Scheibe Käse essen.“ Das reduziert nächtliche Knochenabbauprozesse.

Vitamin D

Die PTA rät darüber hinaus zu einer Vitamin-D-reichen Kost, wenn auch nur wenige Lebensmittel dieses Vitamin in nennenswerten Mengen erhalten. „Dazu gehören zum Beispiel Hering, Makrele oder Lachs, Leber, Eigelb und angereicherte pflanzliche Streichfette. Empfehlenswert sind zum Beispiel zwei Portionen Fettfisch pro Woche.“ Sie erwähnt, dass die Haut mithilfe der UVB-Sonnenstrahlung selbst Vitamin D herstellen kann. „Im Alter ist diese Fähigkeit jedoch deutlich herabgesetzt. Deshalb wird für Menschen ab 60 Jahre und besonders bei schon bestehender Osteoporose eine Substitution, zum Beispiel mit täglich 800 bis 1000 Internationalen Einheiten, empfohlen. Achten Sie darauf, Ihre Tabletten regelmäßig einzunehmen.“

Ergänzende Tipps

Die Kundin bedankt sich herzlich für die Beratung und verspricht, sich knochenfreundlich zu ernähren. Frau Walcher kennt noch weitere Tipps, die dazu beitragen, den Knochenschwund zu bremsen.

Untergewicht vermeiden

Untergewicht (Body Mass Index < 18,5 kg Körpergewicht pro Körperlänge zum Quadrat) erhöht das Risiko für osteoporotische Knochenbrüche. Da die Frau sehr schlank ist, rät die PTA, auf Diäten zum Abnehmen zu verzichten und Normalgewicht anzustreben.

Aktiv leben

Frau Walcher erklärt, dass der Knochenbau durch Muskeltätigkeit zur Neubildung angeregt wird und die Bewegung daher eine wichtige Säule in der Therapie bei Osteoporose ist. Die Kundin sollte daher viel spazierengehen und Sportarten wählen, die neben Kraft und Ausdauer auch die Koordination fördern. „Denn eine gute Koordinationsfähigkeit hilft, Stürze zu vermeiden“, weiß die PTA. Sie empfiehlt Krafttraining an Geräten, Aquajogging, moderates Wandern, Yoga, Pilates oder Gymnastik. Auf alle Sportarten mit ruckartigen Bewegungen, zum Beispiel Fußball oder Tennis, soll die Kundin verzichten. Sie steigern das Risiko für Knochenbrüche.

Beate Ebbers ist Diplom Oecotrophologin. Im „Beratungsfall Ernährung“ gibt sie Tipps, mit denen Sie Ihre Beratung ergänzen können.


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