27.02.2022

Serie Beratungsfall Ernährung: Gelassen bleiben

von Beate Ebbers

Schlechte Esser-- Stochern Kinder lustlos im Essen und müssen zu jedem Bissen überredet werden, nervt das nicht nur. Es verunsichert auch. Bekommt das Kind alle Nährstoffe, die es braucht? Nehmen Sie Eltern die Sorgen.

© Getty Images

Originalartikel als PDF


  • Essen Kinder phasenweise einseitig oder wenig, gehört das in vielen Fällen zur Entwicklung dazu.
  • Für ein gutes Essklima sollten Eltern Grenzen setzen, aber gelassen bleiben.
  • Wichtig ist eine ruhige Atmosphäre. Dazu tragen feste Mahlzeiten, das Ausschalten von Medien sowie das Ausklammern von Streitthemen bei.
  • Snacken hemmt den Appetit. Gegessen werden soll daher nur zu den Mahlzeiten. Extrawünsche sollten nicht erfüllt werden.
  • Die Mithilfe bei der Essenszubereitung, kindgerechte Speisen und Portionen fördern den Appetit.

Eine junge Frau kommt mit einem kleinen Jungen in die Apotheke. Nach der Begrüßung fragt die PTA Frau Walcher nach dem Anliegen. „Mein Sohn ist ein schlechter Esser. Nach zwei bis drei Löffeln sagt er, dass er nicht mehr mag. Mein Mann und ich versuchen, ihn zum Essen zu bewegen, aber dann wird er richtig bockig und fängt an, im Essen zu picken oder damit zu spielen. Langsam wird das Ganze zu einem Kampf, und wir sind mit unseren Nerven am Ende. Nun mache ich mir Sorgen, dass er nicht alle Nährstoffe in ausreichender Menge aufnimmt“, sagt die Frau verzweifelt. Bei der letzten Vorsorgeuntersuchung habe der Kinderarzt sie zwar beruhigt. Lukas sei gesund und munter. Doch sie hätte gerne Tipps, wie sie ihn ohne aufreibende Diskussionen zum Essen animieren könne.

Beratungsgespräch

Die PTA nickt verständnisvoll. „Ich habe selbst Kinder und kann daher Ihre Sorge gut nachvollziehen“, sagt sie. „Kannst Du mir denn sagen, wie alt Du bist, Lukas?“, fragt sie. „Er ist jetzt drei Jahre alt“, antwortet die Mutter, als sich Lukas hinter ihr versteckt. Frau Walcher erklärt der Kundin, dass Essen und Trinken ein wichtiger Teil der frühkindlichen Sozialisation sind. Kinder in Lukas Alter wollen schon viele Dinge selbst bestimmen – auch, was und wie viel sie essen – und damit ihre Selbstständigkeit zeigen. „Das Verhalten Ihres Kindes ist ganz normal und wichtig für seine Entwicklung. Ich kann Ihnen versichern, dass er, wie alle Kinder, irgendwann seinen Speiseplan erweitern wird“, beruhigt sie die Kundin. Bis dahin helfen kleine Maßnahmen, die Situation am Esstisch zu entspannen.

Nachfragen

Um passende Tipps geben zu können, stellt die PTA Fragen. Welche Lebensmittel oder Speisen mag Lukas gerne, welche nicht? Werden die Mahlzeiten regelmäßig zu festen Zeiten eingenommen? Gibt es auch mal „Extrawürste“, wenn Lukas die angebotenen Mahlzeiten ablehnt? Die PTA erfährt, dass Lukas Eier, Käse, Kartoffeln, Reis und Fisch nicht mag, dafür Milch, Bananen, Erdbeeren, Weißbrot, Nudeln ohne Soße und Wurst isst. Gemüse isst er nur roh, zum Beispiel Kohlrabi, Gurke, Tomate oder Paprika. Und natürlich mag Lukas alles, was süß ist. „Wir bemühen uns schon, regelmäßige Mahlzeiten mit gesundem abwechslungsreichem Essen zu haben. Aber wenn Lukas dann mal wieder so gut wie nichts gegessen hat, kommt es auch schon vor, dass wir ihm noch Milch, Brötchen oder Kekse geben, damit er nicht hungrig ins Bett geht“, gibt die Kundin ehrlich zu.

Entspannte Atmosphäre

Frau Walcher erklärt, dass gemeinsame Mahlzeiten am Tisch zu möglichst festen Zeiten ein wichtiges Ritual für die Bildung eines gesunden Essverhaltens sind. Sie strukturieren den Tag, bieten Sicherheit und Orientierung sowie die Möglichkeit, sich über den Tag auszutauschen. Zudem schmeckt es in Gesellschaft besser. „Sie machen es genau richtig, wenn Sie sich um gemeinsame Mahlzeiten bemühen. Behalten Sie das unbedingt bei“, lobt die PTA. Alles, was vom Essen ablenkt, wie Fernseher und andere Medien, sollte bei Tisch ausgeschaltet bleiben. Wichtig ist eine ruhige, entspannte Atmosphäre. Damit dies so bleibt, rät die PTA, das Streitthema Essen am Tisch auszuklammern. „Versuchen Sie, gelassen zu bleiben und keinen Druck auszuüben, wenn Lukas nicht mehr essen will.“ Denn Frau Walcher weiß, dass ständige Aufforderungen und Zurechtweisungen schnell zu einer Abwehrhaltung führen können. Dann verweigern Kinder erst recht das Essen.

Grenzen setzen

Um Machtspiele bei Tisch zu vermeiden, soll die Kundin klare Grenzen setzen. Das heißt, keine Alternativen anbieten, wenn das Familienessen nicht angerührt wird. „Erklären Sie Lukas, dass nur zu den Mahlzeiten gegessen wird“, rät die PTA. Snacken außerhalb der Mahlzeiten verdirbt den Appetit, da dann das Hungergefühl fehlt. Zwei bis drei Stunden ohne Essen kann jedes gesunde Kind ohne Probleme aushalten. „Auch wenn es schwerfällt: Bleiben Sie hartnäckig, wenn Lukas eine Hauptmahlzeit nicht angenommen hat. Ein gesundes Kind wird vor einem vollen Teller nicht verhungern.“

Dranbleiben

Die PTA weiß, dass viele kleine Kinder keine Abwechslung auf dem Teller benötigen. Sie sind mit wenigen Lebensmitteln, die ihnen schmecken, zufrieden. Das lässt Eltern oftmals verzweifeln, wenn Kinder über einen längeren Zeitraum immer nur das Gleiche essen und nichts Neues ausprobieren wollen. „Die Lebensmittel, die Lukas mag, decken die wichtigen Lebensmittelgruppen ab, die man zu sich nehmen soll. Deshalb brauchen Sie sich keine Sorgen zu machen, dass Lukas einen Nährstoffmangel bekommt“, sagt Frau Walcher. Sie erklärt, dass Kinder wie auch Erwachsene neue Lebensmittel wiederholt probieren müssen, bis der neue Geschmack akzeptiert und als angenehm empfunden wird. Sie empfiehlt, neben seinen Lieblingsgerichten immer wieder neue, gesunde Lebensmittel und Speisen in unterschiedlichen Variationen und Kombinationen anzubieten. Gehen die Eltern selbst mit gutem Beispiel voran und essen mit Genuss und Freude, werden die Kinder irgendwann von sich aus auch dazu übergehen.

Kindgerechte Portionen

Ein zu voller Teller verdirbt den Appetit. Die Kundin soll daher auf kindgerechte Portionen achten, die ansprechend angerichtet sind. Das lädt zum Zulangen ein. Um die Selbstständigkeit zu fördern, soll Lukas selbst bestimmen, was und wie viel er essen möchte. Um Lebensmittelverschwendung zu vermeiden, sollte er möglichst das, was er sich auf den Teller gefüllt hat, aufessen. Also lieber kleine Portionen wählen und dann bei Appetit einen Nachschlag nehmen. „Lassen Sie Lukas auch schon bei der Essenszubereitung mithelfen“, empfiehlt die PTA. Eine Quarkspeise anrühren, Bananen in Stücke schneiden oder ein Brot belegen können schon Dreijährige gut. „Was selbst gekocht oder zubereitet wurde, schmeckt auch besser.“

„Vielen Dank für Ihre Hilfe“, sagt die Kundin. „Sie konnten mir wirklich meine Sorgen nehmen. Nun hoffe ich, dass mehr Ruhe am Tisch einkehrt.“ „Das wünsche ich Ihnen!“, sagt die PTA und verabschiedet sich.

Beate Ebbers ist Diplom Oecotrophologin. Im „Beratungsfall Ernährung“ gibt sie Tipps, mit denen Sie Ihre Beratung ergänzen können.

Essen Kinder phasenweise einseitig oder wenig, gehört das in vielen Fällen zur Entwicklung dazu.

Für ein gutes Essklima sollten Eltern Grenzen setzen, aber gelassen bleiben.

Wichtig ist eine ruhige Atmosphäre. Dazu tragen feste Mahlzeiten, das Ausschalten von Medien sowie das Ausklammern von Streitthemen bei.

Snacken hemmt den Appetit. Gegessen werden soll daher nur zu den Mahlzeiten. Extrawünsche sollten nicht erfüllt werden.

Die Mithilfe bei der Essenszubereitung, kindgerechte Speisen und Portionen fördern den Appetit.

© Mone Beeck

Grenzen setzen

Um Machtspiele bei Tisch zu vermeiden, soll die Kundin klare Grenzen setzen. Das heißt, keine Alternativen anbieten, wenn das Familienessen nicht angerührt wird. „Erklären Sie Lukas, dass nur zu den Mahlzeiten gegessen wird“, rät die PTA. Snacken außerhalb der Mahlzeiten verdirbt den Appetit, da dann das Hungergefühl fehlt. Zwei bis drei Stunden ohne Essen kann jedes gesunde Kind ohne Probleme aushalten. „Auch wenn es schwerfällt: Bleiben Sie hartnäckig, wenn Lukas eine Hauptmahlzeit nicht angenommen hat. Ein gesundes Kind wird vor einem vollen Teller nicht verhungern.“

Serie Beratungsfall Ernährung

01/21: Gallensteine
03/21: Schlechte Esser
05/21: Blasenentzündung
07/21: Herpes
09/21: Depressive Verstimmung
11/21: Parodontitis

Dranbleiben

Die PTA weiß, dass viele kleine Kinder keine Abwechslung auf dem Teller benötigen. Sie sind mit wenigen Lebensmitteln, die ihnen schmecken, zufrieden. Das lässt Eltern oftmals verzweifeln, wenn Kinder über einen längeren Zeitraum immer nur das Gleiche essen und nichts Neues ausprobieren wollen. „Die Lebensmittel, die Lukas mag, decken die wichtigen Lebensmittelgruppen ab, die man zu sich nehmen soll. Deshalb brauchen Sie sich keine Sorgen zu machen, dass Lukas einen Nährstoffmangel bekommt“, sagt Frau Walcher. Sie erklärt, dass Kinder wie auch Erwachsene neue Lebensmittel wiederholt probieren müssen, bis der neue Geschmack akzeptiert und als angenehm empfunden wird. Sie empfiehlt, neben seinen Lieblingsgerichten immer wieder neue, gesunde Lebensmittel und Speisen in unterschiedlichen Variationen und Kombinationen anzubieten. Gehen die Eltern selbst mit gutem Beispiel voran und essen mit Genuss und Freude, werden die Kinder irgendwann von sich aus auch dazu übergehen.

Kindgerechte Portionen

Ein zu voller Teller verdirbt den Appetit. Die Kundin soll daher auf kindgerechte Portionen achten, die ansprechend angerichtet sind. Das lädt zum Zulangen ein. Um die Selbstständigkeit zu fördern, soll Lukas selbst bestimmen, was und wie viel er essen möchte. Um Lebensmittelverschwendung zu vermeiden, sollte er möglichst das, was er sich auf den Teller gefüllt hat, aufessen. Also lieber kleine Portionen wählen und dann bei Appetit einen Nachschlag nehmen. „Lassen Sie Lukas auch schon bei der Essenszubereitung mithelfen“, empfiehlt die PTA. Eine Quarkspeise anrühren, Bananen in Stücke schneiden oder ein Brot belegen können schon Dreijährige gut. „Was selbst gekocht oder zubereitet wurde, schmeckt auch besser.“

„Vielen Dank für Ihre Hilfe“, sagt die Kundin. „Sie konnten mir wirklich meine Sorgen nehmen. Nun hoffe ich, dass mehr Ruhe am Tisch einkehrt.“ „Das wünsche ich Ihnen!“, sagt die PTA und verabschiedet sich.

Beate Ebbers ist Diplom Oecotrophologin. Im „Beratungsfall Ernährung“ gibt sie Tipps, mit denen Sie Ihre Beratung ergänzen können.


Artikel teilen

Kommentare (0)

Kommentar schreiben

Die Meinung und Diskussion unserer Nutzer ist ausdrücklich erwünscht. Bitte achten Sie im Sinne einer angenehmen Kommunikation auf unsere Netiquette und Nutzungsbedingungen. Vielen Dank!

* Pflichtfeld

Springer Medizin

Springermedizin.de ist das Fortbildungs- und Informationsportal für Ärzte und Gesundheitsberufe, das für Qualität, Aktualität und gesichertes Wissen steht. Das umfangreiche CME-Angebot und die gezielte Berichterstattung für alle Fachgebiete unterstützen den Arbeitsalltag.

www.springermedizin.de

Ärzte Zeitung

Ärzte Zeitung Online erreicht Mediziner und Mitarbeiter in Praxis und Klink ebenso wie Nutzer, die in anderen Heilberufen tätig sind. Patienten, deren Angehörige und ein großes an Gesundheitsthemen interessiertes Publikum gehören ebenfalls zu unseren regelmäßigen Besuchern.

www.aerztezeitung.de

Mit unserem Newsletter erhalten Sie Fachinformationen direkt in Ihr Postfach – wöchentlich und kostenlos.