31.12.2020

Serie Beratungsfall Ernährung: Übelkeit lindern

von Beate Ebbers

Schwangerschaft-- Zu Beginn der Schwangerschaft leiden viele Frauen vor allem morgens unter Übelkeit und Erbrechen. Hier können bereits kleine Änderungen im Tagesablauf helfen, die sich leicht in den Alltag integrieren lassen.

© Getty Images/iStockphoto (Symbolbild mit Fotomodell)

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  • Die Auslöser von Schwangerschaftsübelkeit sind vielfältig, z. B. Hormon- und Blutzuckerschwankungen.
  • Kleine Änderungen im Alltag können helfen, die Beschwerden zu lindern (z. B. Snacks vor dem Aufstehen, kleinere Mahlzeiten, Bewegung an der frischen Luft).
  • Kräutertees beruhigen den Magen. Ingwertee kann Übelkeit und Erbrechen entgegenwirken.
  • Fettreiche, stark gewürzte, scharfe und saure Speisen verstärken Übelkeit. Besser sind ballaststoff-, stärke- reiche und eiweißhaltige Lebensmittel.
  • Bei starken Beschwerden muss der Arzt aufgesucht werden.

Eine junge Frau kommt in die Apotheke und klagt über morgendliche Übelkeit. „Ich bin im zweiten Monat schwanger“, berichtet sie der PTA Frau Walcher. „Fast jeden Morgen kurz nach dem Aufstehen ist mir schlecht. Wenn ich dann noch den Kaffee rieche, den ich sonst gerne morgens trinke, wird es noch schlimmer. Zwei Mal musste ich mich sogar schon übergeben.“ Da sie als Lehrerin pünktlich in der Schule sein muss, geht sie dann meist ohne Frühstück aus dem Haus. „Das ist für mich aber auch nicht gut“, sagt die Kundin. „Ich bekomme schnell Kopfschmerzen und kann mich schlecht konzentrieren, wenn ich morgens nichts gefrühstückt habe.“ Sie macht sich nun Sorgen, ob das dem Kind schaden könne und fragt Frau Walcher, was sie gegen die Übelkeit tun könne.

Serie Beratungsfall Ernährung

01/2021: Schwangerschaftsübelkeit
03/2021: Zöliakie
05/2021: Morbus Crohn
07/2021: Obstipation
09/2021: Osteoporose
11/2021: Diabetes

Beratungsgespräch

Die PTA beruhigt die Kundin, indem sie ihr erklärt, dass drei von vier Frauen in der Frühschwangerschaft unter Übelkeit leiden. Als Auslöser werden unter anderem Hormon- und Blutzuckerschwankungen, nervale Reizungen des Magens und des Brechzentrums im Gehirn, Veränderung des Geschmacks- und Geruchsempfindens, Stress und eine genetische Disposition diskutiert. „Eine leichte Schwangerschaftsübelkeit ist normal und schadet keineswegs dem Kind“, sagt Frau Walcher. „Das Gute ist, dass sie meistens nach dem dritten Monat nachlässt.“ Denn dann habe sich der Körper an die Schwangerschaft angepasst. Nur in seltenen Fällen leiden Schwangere während der gesamten Schwangerschaft unter einer extremen Übelkeit mit mehrmaligem Erbrechen am Tag, der Hyperemesis gravidarum. Sie muss ärztlich behandelt werden. „Ihren Berichten zufolge trifft das bei Ihnen nicht zu“, sagt die PTA. „Zum Glück lässt sich eine leichte morgendliche Übelkeit mit einfachen Mitteln lindern.“ Ein Patentrezept gibt es nicht, denn jede Frau reagiert anders. „Probieren Sie aus, was Ihnen hilft.“ Sollten sich Übelkeit und Erbrechen verstärken, rät sie, umgehend den Arzt aufzusuchen.

Nachfragen

Um der Kundin passende Ernährungstipps geben zu können, stellt Frau Walcher Fragen zu ihren Essgewohnheiten. Mögen Sie bestimmte Lebensmittel und Speisen besonders gern oder gar nicht? Was haben Sie selbst schon unternommen? Die PTA erfährt, dass die Kundin normalerweise ein kleines Frühstück mit Kaffee und Toast zu sich nimmt. Während des Schuldienstes, der sich bis in den Nachmittag hinzieht, hat sie meistens keine Zeit, in Ruhe etwas zu essen. Häufig müssten Kaffee und Süßes reichen. Abends isst sie gerne deftige Hausmannskost. Gegen die Übelkeit hat sie noch nichts unternommen. Sie hat sich aber vorgenommen, bei der nächsten Vorsorgeuntersuchung mit ihrem Arzt darüber zu sprechen.

Snack vor dem Aufstehen

Gegen die Übelkeit am frühen Morgen empfiehlt Frau Walcher, gleich nach dem Aufwachen noch im Bett ein paar Bissen zu essen. „Ein Zwieback, trockene Kekse oder Kräcker heben den Blutzuckerspiegel an und beruhigen den Magen“, weiß die PTA. Dazu soll die Kundin in kleinen Schlucken etwas Tee oder Wasser trinken und anschließend noch etwa 20 Minuten im Bett liegen bleiben. „Stellen Sie sich am besten schon am Vorabend eine Thermoskanne Tee und eine kleine Brotbox auf dem Nachtschrank bereit oder bitten Sie Ihren Mann, Ihnen den kleinen Snack morgens frisch ans Bett zu bringen.“ Geht es der Kundin nach dem Aufstehen gut, kann sie normal frühstücken.

Viel und richtig trinken

Da die Kundin morgens auf den Geruch von Kaffee mit Übelkeit reagiert, rät Frau Walcher, Kaffee zu meiden und auf andere Getränke auszuweichen. „Ich empfehle Ihnen Melissen-, Pfefferminz-, Fenchel-Anis-Kümmel- oder Kamillentee.“ Sie beruhigen den Magen. „Viele schwören zudem auf Ingwertee als Mittel gegen Übelkeit“, sagt die PTA. Sie erklärt der Kundin, dass dem Ingwerwurzelstock immer wieder eine wehenfördernde Wirkung nachgesagt werde. Allerdings deutet die aktuelle Datenlage darauf hin, dass ein bis zwei Gramm pro Tag über einen Zeitraum von zwei Wochen in der Frühschwangerschaft unbedenklich sind und bei leichten Formen von Übelkeit und Erbrechen wirksam sein können. „Wenn Sie also nicht mehr als ein bis zwei Tassen Ingwertee pro Tag trinken, sind Sie auf der sicheren Seite.“

Bei der Wahl von Wasser sollte die Kundin auf stille oder kohlensäurearme Varianten zurückgreifen, da Kohlensäure den Magen reizen kann. „Trinken Sie ausreichend, mindestens 1,5 Liter Flüssigkeit pro Tag sollen es sein. Wenn Sie sich übergeben haben, auch mehr, um die Flüssigkeitsverluste auszugleichen“, erklärt die PTA. „Sollten Sie im Verlauf des Tages Lust auf Kaffee verspüren, können Sie diesen ruhig trinken. Aber achten Sie darauf, dass es nicht mehr als drei Tassen koffeinhaltigen Kaffees sind. Auch andere koffeinhaltige Getränke wie Schwarztee oder Colagetränke soll die Kundin nur in Maßen trinken. Denn Koffein in größeren Mengen kann das Herz-Kreislauf-System des Kindes beeinträchtigen und erhöht das Risiko einer Fehlgeburt. „Dann ist es ja genau richtig, dass mir schon schlecht wird, wenn ich Kaffee nur rieche“, sagt die Kundin schmunzelnd.

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Mahlzeiten verteilen

Um ausgeprägte Blutzuckerschwankungen zu vermeiden, rät die PTA, über den Tag verteilt mehrere kleine Mahlzeiten zu essen. Diese sollten stärke-, ballaststoffreich und eiweißhaltig sein. Sie empfiehlt Vollkornprodukte, Gemüse, Obst, Milch-, Ei- und magere Fleischprodukte. Auf das deftige, fettreiche Abendessen sowie stark Gewürztes, Scharfes und Säurehaltiges sollte die Kundin verzichten, da es die Übelkeit verstärken kann. Besser sind eine leichte Abendmahlzeit und zusätzlich ein kleiner Imbiss (z. B. Joghurt, Milchgetränk) kurz vor dem Schlafengehen, damit der Blutzuckerspiegel am Morgen nicht zu sehr im Keller liegt. „Auch wenn Sie im Schuldienst wenig Zeit haben, versuchen Sie, in den Pausen eine Kleinigkeit zu essen.“ Süßigkeiten sollte die Kundin nur in Maßen genießen, da sie den Blutzuckerspiegel rasch in die Höhe treiben. „Ich empfehle Ihnen, von zuhause abwechslungsreich belegte Vollkornbrote, Snackgurken, Minitomaten oder klein geschnittenes Obst und Gemüse, dazu Joghurt oder Käsewürfel als Fingerfood mitzunehmen“, sagt Frau Walcher. Diese sind schnell zur Hand, wenn die Zeit knapp ist.

Ergänzende Tipps

„Vielen Dank für die Tipps“, sagt die Kundin. „Ich werde sie beherzigen und hoffe, dass meine morgendliche Übelkeit rasch nachlässt.“ „Das wünsche ich Ihnen sehr“, erwidert die PTA. „Ein paar weitere Tipps habe ich noch für Sie.“

Stress meiden

Frau Walcher erklärt, dass Stress und Anspannung einen direkten Einfluss auf das Nervensystem im Magen-Darm-Bereich haben und die Übelkeit verstärken. „Versuchen Sie, persönliche Stressfaktoren ausfindig zu machen und diese zu mindern“, rät sie. Besonders während des Essens sollte die Kundin auf Ruhe achten und die Speisen gut gekaut essen.

Für Frischluft sorgen

Auch frische Luft hilft gegen Übelkeit. „Lüften Sie Ihre Wohnung häufig, das vertreibt üble Gerüche“, rät die PTA. Für unterwegs, wenn Lüften nicht möglich ist, empfiehlt sie kleine Riechfläschchen mit angenehmen Aromaölen. „Bewegen Sie sich zudem viel draußen: Fahrradfahren, Spazierengehen oder Gartenarbeit halten nicht nur fit und lindern Übelkeit, sondern sind auch eine gute Hilfe gegen die oft auftretende bleierne Müdigkeit in der Schwangerschaft.“

Beate Ebbers ist Diplom Oecotrophologin. Im „Beratungsfall Ernährung“ gibt sie Tipps, mit denen Sie Ihre Beratung ergänzen können.


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