30.04.2022

Serie Fresh-up: Dapagliflozin

von Petra Schicketanz

Als selektiver SGLT-2-Hemmer senkt Dapagliflozin den Blutzuckerspiegel, indem es ein Protein für den Glukose-Rücktransport blockiert. Üblicherweise wird der Wirkstoff in Kombination mit dem oralen Antidiabetikum Metformin verordnet.

© Aleksandar Georgiev / Getty Images / iStock (Symbolbild mit Fotomodell)

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An Markttagen kommen immer ganz besondere Kunden in die Apotheke. So auch heute, als Herr Bartholomä, der Inhaber des Brot- und Kuchenwagens, die Offizin betritt. Automatisch muss die PTA lächeln. „Was kann ich für Sie tun, Herr Bartholomä?“. „Ich habe da ein Rezept“, sagt der Mitfünziger, dem man den Genussmenschen schon von Weitem ansieht. Wegen seines Typ-2-Diabetes ist er schon länger in ärztlicher Behandlung. „Ich sehe schon, das ist eine Kombination aus zwei Antidiabetika“, erklärt die PTA.

Serie Fresh-up

01/2022 Salbutamol
02/2022 Pregabalin
03/2022 Prednisolon
04/2022 Mirtazapin
05/2022 Dapagliflozin
06/2022 Rizatriptan
07/2022 Tamsulosin
08/2022 Citalopram
09/2022 Torasemid
10/2022 Alendronsäure
11/2022 Tilidin
12/2022 Rivaroxaban

Die Wirkstoffkombination

„Noch eins? Ich bekomme doch schon dieses „Mett for men“ oder wie das heißt“, scherzt der Kunde. „Sie meinen natürlich Metformin. Das ist in dem verordneten Kombipräparat auch enthalten. Der zusätzliche Wirkstoff, den Sie bis jetzt noch nicht hatten, heißt Dapagliflozin“. „Wozu brauche ich denn zwei? Es reicht doch, wenn einer den Blutzucker senkt.“

Die PTA wirft einen Blick in die Kundendatei. „Bei Metformin bekamen Sie bereits die Höchstdosis. Wenn das zusammen mit Sport und Diät nicht ausreicht, um den Blutzuckerwert stabil einzustellen, dann nimmt man noch einen Arzneistoff mit einer anderen Wirkweise hinzu. Metformin hemmt die Glukoseneubildung in der Leber und weniger das, was Sie zusätzlich über die Ernährung aufnehmen.“ „Schade aber auch. Ich bin wohl berufsbedingt einfach zu süß“, antwortet der rundliche Mann mit einem Augenzwinkern.

„Und was macht nun dieses Dapadingsda?“. Dapagliflozin erhöht in der Niere die Ausscheidung von Glukose, erklärt die PTA. „Kann ich nicht einfach mehr trinken, um denselben Effekt zu erreichen?“. „Das klappt leider nicht. Normalerweise gelangt nur sehr wenig Zucker in den Urin, weil ein Transportprotein den größten Teil der Glukose aus dem Primärharn wieder herausholt und ins Blut zurück schleust. Dapagliflozin hemmt dieses Protein. Dementsprechend wird die Niere nicht mehr daran gehindert, Glukose abzugeben.“ „Das klingt ja mal nach einer praktischen Lösung. Muss ich bei der Einnahme etwas beachten?“. „Ihr altes Präparat mit dem Metformin lassen Sie ab sofort weg und nehmen stattdessen zweimal täglich eine Tablette der neuen Kombination mit einer Mahlzeit.“

Die PTA erinnert sich, dass dadurch die Nebenwirkungen von Metformin auf das Verdauungssystem reduziert werden. Dapagliflozin allein kann unabhängig von den Mahlzeiten eingenommen werden. Im Übrigen wird eine solche Monotherapie bei Diabetes mellitus Typ 2 nur durchgeführt, wenn eine Unverträglichkeit gegenüber Metformin vorliegt. Zusätzlich kann Dapagliflozin auch bei einer bestimmten Form der chronischen Herzinsuffizienz verordnet werden, wenn der Herzmuskel es nicht schafft, bei der Kontraktion das gesamte Blutvolumen aus der Kammer auszustoßen. Doch dieses Hintergrundwissen behält die PTA für sich, um den Kunden nicht zu verwirren.

Nebenwirkungen

Natürlich will Herr Bartholomä wissen, ob er bei dem neuen Präparat mit Nebenwirkungen rechnen muss. „Ein Teil der unerwünschten Nebenwirkungen erklärt sich von selbst: Durch die Anregung der Nierentätigkeit müssen Sie mehr und häufiger Wasser lassen und haben dementsprechend mehr Durst. Gleichzeitig kann der Blutdruck abfallen, und es kann Ihnen schwindelig werden, weil dem Herz-Kreislauf-System Flüssigkeit entzogen wird. Wie bei allen Mitteln, die den Blutzucker senken, kann eine Hypoglykämie entstehen, also ein zu niedriger Blutzuckerwert.“ Während ihrer Erläuterung beobachtet die PTA den Kunden, um zu sehen, ob er ihren Ausführungen folgen kann.

Als Herr Bartholomä sie erwartungsvoll anschaut, fährt sie fort: „Wenn Sie während der Therapie den Glukosewert im Urin bestimmen, ist der natürlich erhöht, das ist ja Absicht. Allerdings kann der Zucker im Harn auch Infektionen im Harnwegs- und Genitalbereich begünstigen und zu Juckreiz führen. In diesem Fall sollten Sie sich umgehend an Ihren Arzt wenden.“ „Gibt es denn auch etwas Positives?“, fragt der Kunde hoffnungsvoll. „Unbedingt. Neben der beabsichtigten Wirkung auf den Blutzucker entlasten Sie Ihr Herz. Möglicherweise sinken auch der Blutdruck und das Gewicht. Diese Effekte sind bei Typ-2-Diabetikern in der Regel gern gesehen.“ „Oh ja, das kann ich bestätigen“, stimmt Herr Bartholomä mit einem Blick auf seinen stattlichen Bauch zu.

Wissenswert

Zu Beginn der Behandlung mit Dapa-gliflozin können sich verschiedene Messwerte verändern: Hämatokrit und Blutharnstoffwert können sich erhöhen, die renale Creatinin-Clearance sich verringern, und eine Dyslipidämie kann sich entwickeln. Selten kann bei Typ-2-Diabetes mellitus eine Ketoazidose eintreten, und sehr selten sind ein Angioödem oder ein Fournier-Gangrän, eine seltene bakterielle Weichteilinfektion.


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