30.05.2021

Serie Fresh-up: Metamizol

von Silvia van Cleve

Eines der gängigsten Schmerzmittel in Deutschland ist Metamizol-Natrium, kurz Metamizol genannt. Es besitzt eine strenge Indikationsstellung. Die Abgabe erfordert daher eine kompetente Beratung.

© Getty Images/iStockphoto

Originalartikel als PDF

Es ist kurz vor Feierabend, als ein junger Mann der PTA ein Rezept über Metamizoltabletten reicht. „Ich benötige ein Schmerzmittel. Mir wurde ein Schleimbeutel an der rechten Hand operativ entfernt“, sagt er und hält ihr demonstrativ seine verbundene Hand entgegen.

Einnahmehinweise

Herr Weber gibt der PTA das Gefühl, aufgrund seiner Schmerzen die Apotheke möglichst schnell wieder verlassen zu wollen. Nichtdestotrotz ist sie zur Information und Beratung verpflichtet, denn bei der Einnahme von Metamizol ist es wichtig, die niedrigste schmerz -und fieberkontrollierende Dosis zu wählen.

„Herr Weber, wurde Ihnen die korrekte Einnahme des Schmerzmittels erklärt?“, fragt sie deshalb und legt die Tabletten auf den HV-Tisch. „Nein, eigentlich nicht wirklich. Das Rezept lag schon für mich bereit. Ich soll bei Bedarf eine Tablette nehmen.“ Die PTA nickt. „Je nach Bedarf dürfen Sie ein bis zwei Tabletten bis zu viermal am Tag einnehmen. Achten Sie zwischen der Einnahme auf einen Abstand von sechs bis acht Stunden. Es ist wichtig, dass Sie die Tabletten unzerkaut und mit reichlich Wasser schlucken. Die Schmerzen sollten nach einer halben bis einer Stunde deutlich nachgelassen haben. Dauern sie insgesamt länger als drei bis fünf Tage an, halten Sie bitte Rücksprache mit dem Arzt.“ Herr Weber winkt ab: „Ach, dabei fällt mir ein, dass ich noch Novaminsulfon zuhause habe. Die könnte ich dann ja weiterverwenden.“ Vielen Kunden ist nicht bewusst, dass Novaminsulfon nur ein anderer Name für Metamizol ist. Deshalb klärt die PTA Herrn Weber noch darüber auf, dass das der gleiche Wirkstoff ist und er diese auf keinen Fall zusätzlich nehmen darf.

Dossier zum Thema Schmerz

Hier finden Sie umfangreiche Informationen zum Thema Schmerz. 

Nebenwirkungen

„Die Sprechstundenhilfe sprach von Nebenwirkungen. Welche sind das?“. Die PTA informiert den Kunden, dass gelegentlich Nebenwirkungen wie Hautausschlag oder Blutdruckabfall auftreten können. Möglich sind auch Überempfindlichkeitsreaktionen wie Augenbrennen, Übelkeit oder Bauchkrämpfe, Brennen auf und unter der Zunge, auf Handflächen oder den Fußsohlen. Sie können sich zu einer Nesselsucht entwickeln, erklärt die PTA. Diese Reaktionen sind zwar selten. Treten sie auf, können sie aber in schwerere Formen übergehen. Metamizol kann zudem Kreislaufversagen oder Agranulozytose auslösen. Das rezeptpflichtige Schmerzmittel sollte deshalb nur nach strenger Indikationsstellung angewendet werden. „Sollten Sie sich plötzlich sehr schlecht fühlen, Fieber bekommen oder schmerzhafte Schleimhautveränderungen bemerken, setzen Sie die Tabletten bitte sofort ab und informieren Sie Ihren Arzt. Die Symptome können auch noch einige Tage nach Ende der Einnahme auftreten.“

Da manche Menschen auf Analgetika mit einem Asthma-Anfall reagieren, fragt die PTA Herrn Weber, ob er bisher alle Schmerzmittel gut vertragen hat.

Wussten Sie, dass ...

  • Metamizol zur Gruppe der Pyrazolone gehört und sowohl schmerzlindernd, fiebersenkend als auch spasmolytisch wirkt?
  • die Tagesmaximaldosis (ab 15 Jahre, > 53 kg) bei 4000 mg, aufgeteilt auf vier Einzeldosen, liegt?
  • Metamizol ausschließlich zur Behandlung von starken akuten Schmerzen, Koliken, Fieber sowie Schmerzen bei Tumorleiden zugelassen ist?
  • es nur gegen Fieber angewendet werden soll, wenn vorher andere Antipyretika keine ausreichende Wirksamkeit gezeigt haben?
  • die Anwendung im 1. und 2. Trimenon nicht empfohlen wird und Metamizol im 3. Trimenon kontraindiziert ist?

Wechselwirkungen

Herr Weber ist kein Stammkunde in der Apotheke. Deshalb fragt die PTA, ob er weitere Medikamente einnimmt, die eine Wechselwirkung auslösen könnten. Dazu gehören Ciclosporin, Methotrexat, Acetylsalicylsäure Bupropion, Chlorpromazin und Sertralin. „Nein, ich nehme keine anderen Medikamente ein“, sagt er. Vorsichtshalber weist die PTA noch darauf hin, dass er während der Einnahme auf Alkohol verzichten sollte, vor allem, wenn er Metamizol in höherer Dosis nimmt. „Erschrecken Sie bitte nicht, wenn sich Ihr Urin rot verfärben sollte. Das ist ein harmloses Abbauprodukt von Metamizol“, fügt sie hinzu. Mit dem Gefühl, gut in der Apotheke aufgeklärt worden zu sein, verlässt Herr Weber die Apotheke.

Serie Fresh-up

01/2021: L-Thyroxin
02/2021: Allupurinol
03/2021: Simvastatin
04/2021: Metformin
05/2021: Methotrexat
06/2021: Metamizol
07/2021: Hormonpflaster
08/2021: Betablocker
09/2021: ACE-Hemmer
10/2021: Diclofenac
11/2021: Amitriptylin
12/2021: Omeprazol


Artikel teilen

Kommentare (0)

Kommentar schreiben

Die Meinung und Diskussion unserer Nutzer ist ausdrücklich erwünscht. Bitte achten Sie im Sinne einer angenehmen Kommunikation auf unsere Netiquette und Nutzungsbedingungen. Vielen Dank!

* Pflichtfeld

Springer Medizin

Springermedizin.de ist das Fortbildungs- und Informationsportal für Ärzte und Gesundheitsberufe, das für Qualität, Aktualität und gesichertes Wissen steht. Das umfangreiche CME-Angebot und die gezielte Berichterstattung für alle Fachgebiete unterstützen den Arbeitsalltag.

www.springermedizin.de

Ärzte Zeitung

Ärzte Zeitung Online erreicht Mediziner und Mitarbeiter in Praxis und Klink ebenso wie Nutzer, die in anderen Heilberufen tätig sind. Patienten, deren Angehörige und ein großes an Gesundheitsthemen interessiertes Publikum gehören ebenfalls zu unseren regelmäßigen Besuchern.

www.aerztezeitung.de

Mit unserem Newsletter erhalten Sie Fachinformationen direkt in Ihr Postfach – wöchentlich und kostenlos.