30.06.2018

Serie Homöopathie kinderleicht: Masern

von Sylvia Dauborn und Petra Schicketanz

Das Masernvirus – Myxovirus morbilli – wird durch Tröpfcheninfektion beim Abhusten oder durch Schmierinfektion übertragen. Nach einer Inkubationszeit von zehn bis 14 Tagen treten erste Symptome auf.

© MilosBataveljic / Getty Image

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Masernbeschwerden, die mit dem leicht merkbaren Dreiklang „verheult, verrotzt und verquollen“ starten, erinnern an eine Erkältung. Schnupfen, bellender Husten, entzündeter Kehlkopf und gerötete Augen passen in dasselbe Bild. Nach dem ersten Auftreten sinkt das Fieber ab, um gleich am folgenden Tag wieder anzusteigen. Dieser zweigipfelige Fieberverlauf verweist auf einen viralen Infekt. Erst jetzt lässt sich die Diagnose sichern anhand der Koplikschen Flecken, die mit dem Aussehen nach geronnener Milch als kleine Nekrosen auf der Wangeninnenseite auftreten. Kurz darauf erscheint auch das Exanthem auf der Haut, das mit einem feinfleckigen Ausschlag beginnt, der sich von den Ohren aus über Gesicht, Hals und Stamm bis zu den Extremitäten ausbreitet. Am Folgetag beginnen die Flecken, optisch zu zerfließen zu einem grobfleckigen Exanthem, das sich leicht über die Hautoberfläche erhebt. Die Farbe ist nicht entzündlich rot, sondern eher bläulich-livide. Dieser Ausschlag verblasst nach einer Woche, indem er sich kleieartig abschuppt.

TIPP!

Ansteckungsgefahr besteht drei bis fünf Tage vor bis zu vier Tage nach dem Auftreten des Masernexanthems. Frühestens am fünften Tag nach dem Auftreten der Be- schwerden dürfen betroffene Kinder wieder in die Kita oder die Schule.

Als Kinderkrankheit sollten Masern nicht verharmlost werden, denn sie sind eine meldepflichtige Infektionskrankheit, die in ärztliche Behandlung gehört. Wenn das Fieber zwischen dem vierten und siebten Krankheitstag nicht schnell und endgültig sinkt, muss mit Komplikationen gerechnet werden. Dazu gehören bakterielle Superinfektionen wie Mittelohr- oder Lungenentzündung. Gefürchtet ist eine Masernenzephalitis, die bei jedem 1000. Masernerkrankten auftritt und in zehn bis 20 Prozent der Fälle tödlich verläuft. Sehr selten kann Jahre nach einer durchgemachten Masernerkrankung eine subakute sklerosierende Panenzephalitis (SSPE) auftreten, die mit einer fortschreitenden Entzündung von Gehirn und Nervensystem zum Tod führt.

In der Praxis

Begleitend zur ärztlichen Behandlung kann mit Hilfe homöopathischer Mittel der Heilungsverlauf bei Masern beschleunigt und die unter der Erkrankung geschwächte Abwehrfunktion unterstützt werden. Auch Reaktionen auf die Masernimpfung können homöopathisch gelindert werden. In allen drei Fällen werden die Mittel in der Potenz D6 verabreicht. Bewährt hat sich die Gabe von zehn Globuli, die in einem Glas Wasser aufgelöst werden. Stündlich werden davon mehrere Schlucke verabreicht.

Aconitum-- Der Blaue Eisenhut, Aconitum napellus, ist zum Krankheitsbeginn im Einsatz, wenn der Patient Fieber und rötlich entzündete Augen hat, begleitet von Durst auf kühle Getränke. In diesem Stadium erinnern die Symptome wie trockener, bellender Husten eher an eine Erkältung.

Belladonna-- Auch die Tollkirsche, Atropa belladonna, ist ein Mittel für das erste, eher heftige Akutstadium oder beim Auftreten einer starken Impfreaktion. Kennzeichnend sind heftiger Symptombeginn mit starkem Ausschlag, hohem Fieber, Schwitzen und stark gerötetem Gesicht sowie pochenden Schmerzen in Kopf und Hals. Wenn sich Zeichen für eine Hirnhautreizung zeigen, wie Nackensteife und Neigung zu Krämpfen, kann Belladonna ebenfalls eingesetzt werden. Die Symptomlage erfordert jedoch unbedingt ärztliche Abklärung.

Bryonia-- Die Weiße Zaunrübe, Bryonia alba, findet Verwendung, wenn sich die Krankheit in Richtung Lunge verlagert. Trockener Husten, der stechende Schmerzen verursacht, ist das bestimmende Merkmal. Der Ausschlag ist eher schwach ausgeprägt.

Echinacea-- Der Schmalblättrige Sonnenhut, Echinacea angustifolia, ist ein bewährtes Antiinfektivum. Bei Masern kann er zu Beginn der Erkrankung eingesetzt werden, wenn das Fieber noch im niedrigeren Bereich liegt.

Euphrasia-- Augentrost, Euphrasia officinalis, kann bei Bindehautentzündung gegeben werden, vorzugsweise in Form von Augentropfen.

Ferrum phosphoricum-- Das Entzündungsmittel hilft bei starker Ausprägung der Masern, wenn das Gesicht blass und fleckig ist und sich Nasenbluten einstellt.

Pulsatilla-- Die Küchenschelle, Pulsatilla pratensis, kann bei aufgequollenem Gesicht mit verklebten Augen und Fieber gegeben werden.

Serie: Homöopathie kinderleicht

01_18: Gelbsucht 
02_18: Schnupfen 
03_18: Windpocken 
04_18: Nesselsucht 
05_18: Durchfall 
06_18: Eifersucht 
07_18: Masern 
08_18: Magen/Darm 
09_18: Zähne 
10_18: Fieber 
11_18: Ohrenschmerzen 
12_18: Augenentzündung


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