31.07.2017 - Zum Beratungsthema: Schulkinder

Serie Naturheilkunde: Schulangst

© SolStock / Getty Images / iSto

Anzeige

von Sylvia Dauborn und Petra Schicketanz

Es gibt viele Möglichkeiten, wie sich Stress bei Schulkindern äussern kann. Schulangst ist eine davon. Sie gehört zu den spezifischen Phobien und darf nicht mit Schulphobie verwechselt werden.

E ine Schulangst von einer Schulphobie zu unterscheiden, sollte immer einem erfahrenen Psychotherapeuten oder Kinderpsychologen überlassen werden. Grundsätzlich gilt: Die Schulphobie ist eine emotionale Störung. Auslöser ist die Angst, von einer Bezugsperson getrennt zu werden. Die Schulangst dagegen ist eine spezifische Phobie.

Außer Kontrolle

Kinder und Jugendliche mit Schulangst haben Angst vor konkreten Dingen, die sich auf dem Schulweg oder in der Schule ereignen können oder die das Lernen betreffen. Mögliche Entstehungsfaktoren sind Überforderungssituationen, körperliche Auffälligkeiten, Hänseleien oder Konflikte mit Lehrern oder Mitschülern. Nicht immer liegen „handfeste“ Gründe vor, wie Lernstress, Mobbing, Diebstahl, Gewalt und sexuelle Übergriffe (auch unter Kindern). Manchmal kommen die Auslöser Außenstehenden fast banal vor. Dennoch sollten die Ängste ernst genommen werden. Ein guter Bezug zu einer Vertrauensperson, idealerweise einem Elternteil, ist enorm wichtig.

Die entstehenden Ängste erscheinen weder alters- noch situationsgemäß und lassen sich willentlich nicht kontrollieren. Die Schulangst löst ein Vermeidungsverhalten aus. Bereits der Gedanke an den möglichen Auslöser erzeugt Erwartungsangst. Das seelische Leid sucht sich häufig ein Ventil, indem es sich vegetativ in eine körperliche Symptomatik umwandelt mit Kopf- oder Bauchschmerzen, Durchfall, Erbrechen, Schlafstörungen, Albträumen, Schweißausbrüchen, aggressivem Verhalten oder extremem Rückzug.

Der Therapeut sollte zusammen mit den Eltern die Ursachen analysieren, um auslösende Faktoren einzugrenzen. Wichtig sind Gespräche mit Lehrern und den Eltern mitbeteiligter Schüler. Unter Umständen kann es helfen, die Lernstrategien zu überprüfen, Nachhilfeunterricht anzubieten oder einen Schulwechsel in Erwägung zu ziehen.

TIPP!

Hopfenzapfen werden als Tee oft in Kombinationen bei akuter Unruhe, Angst und Einschlafstörungen eingesetzt. Im Kräutersäckchen unters Kopfkissen gelegt wirken sie ebenfalls entspannend und lassen den rastlosen Geist nachhaltig zur Ruhe kommen.

Natürlich helfen

Begleitend zur psychotherapeutischen Therapie können naturheilkundliche Maßnahmen zum Zuge kommen und helfen, die innere Anspannung zu lösen und den Schlaf zu fördern. Eine wichtige Heilpflanze ist der Lavendel. Er kann als Duftkissen oder ätherisches Öl angewendet werden. Ein angstlindernder Tee aus Lavendelblüten schenkt Entspannung bei Klassenarbeiten oder vor Referaten. Er mindert Kopfschmerzen und Magen-Darm-Beschwerden.

Homöopathisches

Die nachfolgenden Mittel sind eine Auswahl homöopathischer Möglichkeiten, um Kindern mit Schulangst auf sanfte Weise zu helfen. Bei Akutzuständen wird das passende Mittel halbstündlich bis zur Besserung eingenommen, bei länger anhaltenden Zuständen dreimal täglich. Eine Gabe entspricht jeweils einer Tablette, drei Globuli oder fünf Tropfen.

Argentum nitricum D6-- Das Nervenmittel steht für Kontrollverlust. Es hilft hektischen Kindern bei Angst- und Panikanfällen. Begleitend klagen die Kinder über Bauchschmerzen, Schweißausbrüche und Herzklopfen. Sie vertragen keine Hitze und essen gerne Süßes. Sie sind nicht gerne allein, fühlen sich anderen gegenüber aber als unterlegen, was wiederum die Angst schürt.

Gelsemium sempervirens D6-- Der Gelbe Jasmin ist ein gutes Mittel bei Lampenfieber und Prüfungsstress. Er hilft auch bei Nervosität, Zittern, Muskelzuckungen und Schwächegefühl. Das Kind wirkt überängstlich. Es klammert sich an die Eltern und fürchtet sich vor dem Alleinsein. Dabei ist es gereizt und müde oder erschöpft. Gelsemium ist daher auch geeignet bei fließendem Übergang von Schulangst zur Schulphobie.

Lycopodium clavatum D6-- Wenn das Gefühl der Überforderung die Angst fördert, dem Stress nicht mehr Stand zu halten, ist Lycopodium gefragt. Die Bärlappsporen helfen auch, wenn traumatische Erfahrungen zum Verlust des Selbstvertrauens geführt haben. Allgemein erwarten die Kinder das Eintreten einer Katastrophe, wobei sie gleichzeitig das Verhalten vertrauter Erwachsener spiegeln. Fast immer sind diese Kinder sensibel und künstlerisch veranlagt.

Faktum

  1. Jedes fünfte Schulkind in Deutschland leidet unter Schulangst, Prüfungsangst und Blackouts.
  2. Schulangst kann zu Leistungsstörungen führen, die wiederum über die Versagenssituation den Teufelskreis aufrechterhalten.
  3. Die Furcht vor negativer Bewertung betrifft Noten und soziales Miteinander.
  4. Selbst gute Leistungen können Angst erzeugen, indem das Kind befürchtet, als Streber missachtet zu werden.

Artikel teilen

Kommentare (0)

Kommentar schreiben

Die Meinung und Diskussion unserer Nutzer ist ausdrücklich erwünscht. Bitte achten Sie im Sinne einer angenehmen Kommunikation auf unsere Netiquette und Nutzungsbedingungen. Vielen Dank!

* Pflichtfeld

Apotheke und Marketing

APOTHEKE + MARKETING wendet sich an das Fachpersonal in der öffentlichen Apotheke, wobei das Magazin und die Webseite insbesondere auf das berufliche Informationsbedürfnis des Apothekers eingeht.

www.apotheke-und-marketing.de

Springer Medizin

Springermedizin.de ist das Fortbildungs- und Informationsportal für Ärzte und Gesundheitsberufe, das für Qualität, Aktualität und gesichertes Wissen steht. Das umfangreiche CME-Angebot und die gezielte Berichterstattung für alle Fachgebiete unterstützen den Arbeitsalltag.

www.springermedizin.de

Newsletter

Mit unserem Newsletter erhalten Sie Fachinformationen künftig frei Haus – wöchentlich und kostenlos.