31.05.2018

Serie Onkologie in der Apotheke: Zervixkarzinom

von Gudrun Heyn

Gebärmutterhalskrebs ist eine Ausnahme unter den bösartigen Tumoren. Seine Erforschung brachte Prof. Dr. Dr. Harald zur Hausen den Nobelpreis und Mädchen die Möglichkeit zu einer gezielten Vorsorge.

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Beim Zervixkarzinom, wie Gebärmutterhalskrebs in der Fachsprache heißt, sind Präventionsmaßnahmen äußerst erfolgreich. Während das Karzinom in vielen Teilen der Welt noch zu den häufigsten bösartigen Tumoren der Frau zählt, belegt es in Deutschland in der Rangliste der weiblichen Krebskrankheiten den zwölften Platz. Seit Jahrzehnten gehen die Erkrankungszahlen zurück. 2014 erhielten nur noch etwa 4540 Frauen die Diagnose und 1506 starben an den Folgen. Dieser Erfolg beruht auf einer effektiven Früherkennung. Zudem steht eine Impfung gegen die Ursache der Zellentartung zur Verfügung. Die Autoren der Leitlinie „Therapie und Nachsorge der Patientin mit Zervixkarzinom“ erwarten, dass dadurch die Erkrankungs- und Sterbezahlen noch weiter sinken.

Infektion mit HPV

Im Gegensatz zu den meisten Krebskrankheiten ist beim Gebärmutterhalskrebs die Hauptursache bekannt: eine Infektion mit Humanen Papillomviren (HPV). Der erste Nachweis eines Zusammenhangs zwischen HPV-Infektion und Zervixkarzinom gelang Prof. Dr. Dr. Harald zur Hausen vom Deutschen Krebsforschungszentrum und seinem Team. 2008 erhielt er dafür den Nobelpreis für Medizin.

Humane Papillomviren

Die Übertragung von HP-Viren erfolgt beim Geschlechtsverkehr oder durch direkten Körperkontakt befallener Haut- oder Schleimhautstellen. Dass sie infiziert sind, bemerken Menschen normalerweise nicht. Mehr als 170 verschiedene HPV-Typen sind inzwischen bekannt. Als hochgradig krebserregend gelten 13 HPV-Typen (Hochrisiko-Typen). Dazu gehören die Typen 16 und 18. Sie sind für 60 bis 70 Prozent aller Zervixkarzinome verantwortlich.

TIPP!

Raten Sie Kundinnen ohne Impfschutz zur Verwendung von Kondomen. Je öfter sie den Sexualpartner wech- seln, desto höher ist das Ansteckungsrisiko. Kondome verringern die Infektionsgefahr, bieten aber keinen ab- solut zuverlässigen Schutz.

Risikofaktoren

Die meisten HPV-Infektionen heilen innerhalb von zwei bis drei Jahren von allein aus. Bösartige Tumoren entstehen nur bei einer persistierenden Hochrisiko-HPV-Infektion. Faktoren wie Rauchen, ein geschwächtes Immunsystem, Koinfektionen mit Erregern wie Herpes-simplex-Viren oder die Einnahme von oralen Kontrazeptiva über fünf Jahre können das Krankheitsrisiko erhöhen. Zwischen Infektion, der Bildung von Krebsvorstufen und dem Ausbruch der Krankheit vergehen im Durchschnitt 15 Jahre.

Ungewöhnliche Blutungen, aber auch ungewöhnlicher Ausfluss aus der Scheide können auf ein Zervixkarzinom hindeuten und sollten gynäkologisch abgeklärt werden. Weitere Warnsignale sind Müdigkeit, Gewichtsabnahme, Unterleibsschmerzen und Schmerzen beim Wasserlassen.

Prophylaxe

In einem Beratungsgespräch sollte die PTA zu regelmäßigen Vorsorgeuntersuchungen raten, denn die Krebsvorstufen des Zervixkarzinoms sind heilbar. Weitgehend vermeiden lässt sich die Krankheit durch eine Impfung. Da sie nicht vor allen HPV-Typen schützt, ist es wichtig, dass Geimpfte weiterhin an den Vorsorgeuntersuchungen teilnehmen.

Vorsorgeuntersuchung

S eit 1971 können Frauen ab 20 Jahren jährlich eine kostenlose Früherkennungsuntersuchung in Anspruch nehmen. Der Pap-Test besteht aus einem Zellabstrich vom Gebärmutterhals, der anschließend unter dem Mikroskop beurteilt wird. Damit können Pathologen Krebsvorstufen und Tumoren erkennen.

Kostenloses Screening-- Für 2019 ist die Einführung einer Kombinationsun- tersuchung im Rahmen eines organisierten flächendeckenden Screening-Programms geplant. Alle drei Jahre sollen Frauen ab 35 Jahren eine Einladung zu einem Pap-Test und einem Test auf HP-Viren erhalten. Frauen zwischen 20 und 34 Jahren sollen nach wie vor jährlich einen Pap-Test in Anspruch nehmen können.

Schutzimpfung

Zur Senkung des Krebsrisikos stehen seit 2006 Impfstoffe gegen wichtige Hochrisiko-HPV-Typen zur Verfügung. Die Ständige Impfkommission des Robert Koch-Instituts (STIKO) empfiehlt die Schutzimpfung allen neun- bis 14-jährigen Mädchen. Versäumte Impfungen sollten bis zum 18. Geburtstag nachgeholt werden. Der Grund ist, dass die Impfung bei einer bestehenden HPV-Infektion weniger wirksam ist. Die Impfserie sollte daher vor dem ersten Geschlechtsverkehr abgeschlossen sein.

Impfserie-- Die Impfung erfolgt beispielsweise mit einem Neunfach-Impfstoff (Gardasil ® 9) oder einem Zweifach-Impfstoff (Cervarix ®). Beide schützen vor den HPV-Typen 16 und 18, der Neunfach-Impfstoff zusätzlich auch vor fünf weiteren Hochrisiko-Typen und vor zwei Niedrigrisiko-Typen, die das Wachstum von Genitalwarzen begünstigen. Das Impfschema zur Grundimmunisierung sieht die intramuskuläre Gabe von zwei Impfstoffdosen im Abstand von fünf bis 13 Monaten vor. Eine dritte Impfstoffdosis ist erforderlich, wenn die zu impfende Person älter als 15 Jahre ist (weitere Angaben: s. Fachinformationen).

Nebenwirkungen-- Die Impfung kann zu Schmerzen und Schwellungen an der Einstichstelle führen, aber auch zu Abgeschlagenheit, Kopf- und Muskelschmerzen.

Aufklären-- Besorgte Eltern sollten Sie aufklären. Da die Impfstoffe keine infektiösen Bestandteile enthalten, besteht keine Ansteckungsgefahr. Zudem sollten Ratsuchende wissen, dass HP-Viren auch bei der Entstehung anderer Tumoren (z. B. Penis-, Anal- und Kopf-/Halstumoren) eine Rolle spielen. Die Impfung schützt daher wahrscheinlich vor weiteren Karzinomen. Für Jungen übernehmen die Gesetzlichen Krankenkassen die Impfkosten derzeit jedoch nicht.

Serie: Onkologie in der Apotheke

06_18: Zervixkarzinom
07_18: Prostatakarzinom
08_18: Hodenkrebs
09_18: Mammakarzinom und Schwangerschaft
10_18: Mythos ketogene Diät

Therapie

Frauen in einem frühen Krankheitsstadium erhalten zumeist eine operative Therapie. Bei lokal fortgeschrittenen Tumoren ist eine Radiochemotherapie mit platinhaltigen Zytostatika die Hauptsäule der Behandlung. Hat der Tumor Metastasen gebildet, ist die Chemotherapie eine wichtige Therapieoption zur Verbesserung der Lebensqualität.

Radiochemotherapie

Zytostatika verstärken die Wirkung der Strahlentherapie. Beim Zervixkarzinom ist Cisplatin der Radiosensitizer der Wahl.

Nebenwirkungen-- Bis zu 90 Tage nach einer Strahlentherapie kann es beispielsweise zu einer Entzündung von Vagina und Scheide (Vulvovaginits) kommen. Ein brennender, juckender Intimbereich kann ein Hinweis darauf sein. Die Autoren der Leitlinie raten zu Sitzbädern mit Kamillenblütenextrakt (z. B. in Kamillosan ® Wund- und Heilbad, Kamillin Extern Robugen Lösung) oder dem synthetischen Gerbstoff Phenolsulfonsäure- Phenol-Urea-Formaldehyd-Kondensat (z. B. in Tannolact ® 40% Badezusatz, Tannosynt ® flüssig), aber auch zur Anwendung von Topika mit Dexpanthenol (z. B. Bepanthen ® Wund- und Heilsalbe, Dexpanthenol acis ® Wund- und Heilcreme). Mediziner können zudem topische Östrogene (z. B. Estriol Wolff ® 0,5 mg/g Vaginalcreme) oder eine benzydaminhaltige Vaginalspüllösung (Tantum ® Rosa Lösung zur Vaginalspülung) verordnen.


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