Arzneimittelnebenwirkung: Es juckt
Es sind vor allem Antibiotika, Impfstoffe gegen COVID-19 und Influenza, Immunsuppressiva, Krebsmedikamente und jodhaltige Kontrastmittel, die nicht allergischen Juckreiz hervorrufen, berichtet die Ärzte Zeitung über die Studie. Darüber hinaus können ihn auch Statine und Antazida auslösen, ergab die Analyse der WHO-Datenbank VigiBase. Diese enthält über 37 Millionen individuelle Fallberichte zu Arzneimittelnebenwirkungen, gemeldet aus mehr als 130 Nationen.
Wirkstoffgruppen
Die Wissenschaftler fanden insgesamt 268.799 Fälle mit quälendem, am ganzen Körper auftretendem Juckreiz (generalisierter Pruritus), der sich nicht auf eine allergische, dermatologische oder renale Ursache zurückführen ließ und bei dem eine einzelne Substanz als Auslöser im Verdacht stand.
Manche Medikamente können Juckreiz auslösen.
In diesem Zusammenhang am häufigsten erwähnt wurden Antibiotika, vor allem Ciprofloxacin, Levofloxacin, Ceftriaxon, Amoxicillin, Sulfamethoxazol/Trimethoprim und Piperacillin/Tazobactam. Des Weiteren Impfstoffe gegen COVID-19 und Influenza, Immunsuppressiva wie Adalimumab, Lenalidomid, Dimethylfumarat, Etanercept und Apremilast sowie jodhaltige Kontrastmittel (Iohexol, Iopamidol, Iopromid, Iomeprol). Krebsmedikamente wie Oxaliplatin, Carboplatin sowie Cisplatin und Analgetika (Tramadol, Morphin) werden ebenfalls verdächtigt, nach Einnahme oft Juckreiz auszulösen. Das gilt auch für antivirale Subs-tanzen, insbesondere für die Fixkombination Ombitasvir/Paritaprevir/Ritonavir, die zur Therapie der chronischen Hepatitis C eingesetzt wird.
Statine und Antazida
In 3.847 aller Fälle trat der Juckreiz nach einer Einnahmepause bei erneuter Anwendung des Medikaments wieder auf. Neben Antibiotika, Analgetika und Krebsmedikamenten konnten die Wissenschaftler Arzneimittel identifizieren, für die diese Nebenwirkung bisher noch gar nicht oder nur wenig bekannt war: Statine (Simvastatin, Atorvastatin), Antazida (Omeprazol, Ranitidin – Anm. d. Red.: In Deutschland ruht derzeit die Zulassung für diesen Wirkstoff), antientzündliche/antirheumatische Substanzen (Rofecoxib) und Medikamente gegen Tuberkulose (Pyrazinamid, Rifampicin, Isoniazid).
Pathomechanismus ungeklärt
Hinter dem medikamenteninduzierten Juckreiz könnte ein Immunreaktion stecken, bei der spezifische IgE-Antikörper gebildet werden, ohne dass klinisch sichtbare Symptome auftreten (stumme Hypersensitivitätsreaktion). Möglich wären auch Nervenschädigungen oder ein verminderter Gallenfluss (Cholestase), mutmaßen die Forschenden. Diese potenziellen Ursachen müssten allerdings noch in Studien bestätigt werden.