Die Beauty-Frage: Kann man die Haut auch überpflegen?
- Übermäßige Pflege mit okklusiv wirkenden Kosmetika kann die Hautbarriere stören und periorale Dermatitis (Mundrose) auslösen.
- In der Apotheke sollte zur ärztlichen Abklärung sowie zu einer konsequenten vier- bis zwölfwöchigen Nulltherapie geraten werden.
- Zur Vorbeugung neuer Schübe nach der Abheilung eignen sich milde, duftstofffreie Produkte, die die Hautbarriere gezielt stabilisieren.
Die Antwort
Ja, zu viel Pflege, insbesondere mit Kosmetika, die die Haut aufquellen lassen und die Hautbarriere stören, kann sich negativ auswirken und eine periorale Dermatitis (Mundrose, Stewardessen-Krankheit) auslösen. Dabei bildet sich um die Lippen herum ein rötlicher, trockener Ausschlag, der spannt, brennt oder juckt und von roten Knötchen oder Eiterpusteln durchsetzt sein kann. Typisch ist, dass die entzündlichen Hautveränderungen nicht bis direkt an das Lippenrot heranreichen, sondern ein schmaler Streifen Haut um die Lippen symptomlos bleibt (perioraler Hof).
Manchmal greift die Erkrankung auch auf Kinn, Wangen, Nasolabialfalte, Augenlider oder Stirn über. Betroffen sind vor allem Frauen mit heller, empfindlicher Haut im Alter zwischen 15 und 45 Jahren. Die genauen Ursachen sind nicht abschließend geklärt. Neben falscher Hautpflege scheinen UV-Strahlung, Wind, Hitze und Hormonschwankungen das Krankheitsbild zu verstärken. Auch die Anwendung glukokortikoidhaltiger Cremes gilt als Triggerfaktor.
Aus dem Kosmetiksortiment* |
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Präparat |
Hersteller |
Besonderheit |
| Benevi Hydroderm Gesichts-Fluid | Pierre Fabre Dermokosmetik | Hyaluronsäure, Pentavitin, Lipidgehalt (10 %) feuchtigkeitsspendend |
| Dermasence BarrioPro Barriere aufbauende Gesichtsemulsion | Medicos Kosmetik | mit Renovial-Effekt, antiirritativ, hautbarrierestabilisierend |
| Eucerin Ultrasensitive Beruhigende Pflege | Beiersdorf | für trockene oder für normale und Mischhaut, mit Symsitive, beruhigend, feuchtigkeitsspendend, juckreizstillend |
| Toleriane Dermallergo Creme | La Roche Posay | hypoallergen, befeuchtend, beruhigend, mit Sphingobioma, Neurosensine, Thermalwasser |
| *beispielhafte Nennungen ohne Anspruch auf Vollständigkeit | ||
Rat der Expertin
Haben Sie bei der Beratung in der Apotheke den Verdacht, dass Kunden unter perioraler Dermatitis leiden, sollten Sie diese zur Diagnostik und zum Ausschluss anderer Hauterkrankungen mit ähnlichem Erscheinungsbild wie Akne, Rosacea oder Neurodermitis an einen Hautarzt verweisen. Dieser kann bei schweren Verläufen Topika mit Metronidazol, Erythromycin oder Pimecrolimus verordnen.
Basis der Behandlung bei perioraler Dermatitis ist für rund vier bis zwölf Wochen der konsequente Verzicht auf alle bislang verwendeten Kosmetika und Pflegeprodukte (Nulltherapie). Empfehlen Sie den Betroffenen, in dieser Zeit die Haut lediglich mit lauwarmem Wasser zu reinigen und sie anschließend nur vorsichtig trocken zu tupfen, um keine mechanischen Reizungen hervorzurufen. Auch auf Sonnenbäder und okkludierende Sonnenschutzprodukte sollte verzichtet werden.
Damit es nach dem Abheilen nicht zu neuen Schüben kommt, empfehlen sich auf den individuellen Hautzustand abgestimmte Pflegeprodukte, die die Hautbarriere stabilisieren. Die Formulierungen sollten möglichst wenig Inhaltsstoffe enthalten und frei sein von Duft- und Konservierungsstoffen.
Stefanie Fastnacht ist PTA, Apothekerin und Kosmetikfachberaterin (HAV). Sie ist Autorin vieler Artikel, in denen neben Hauterkrankungen immer auch die Hautpflege eine wichtige Rolle spielt.