Die Heilpraktiker-Frage: Was ist die Gemmotherapie?

Kraft aus der Knospe? Im Mittelpunkt der Gemmotherapie stehen pflanzliche Meristeme. PTA und Heilpraktikerin Britta Fröhling aus unserem PTA Beirat erklärt, in welchen Fällen die Gemmotherapie eine Therapieoption sein kann.

von Britta Fröhling
28.08.2026

Gemmotherapie
© Foto: Madeleine_Steinbach, Getty Images
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  • Die Gemmotherapie ist eine Form der Alternativmedizin, die Extrakte aus Pflanzenknospen nutzt.
  • Diese Knospenextrakte enthalten besonders viele sekundäre Pflanzenstoffe.
  • Sie bieten eine sanfte Option zur Behandlung von leichten Beschwerden.

Die Antwort

Die Gemmotherapie ist eine alternativmedizinische Therapierichtung, die Elemente der Phytotherapie aufgreift. Sie wurde Mitte des 20. Jahrhunderts von Pol Henry begründet. Der belgische Arzt bezeichnete das Therapiekonzept als Phytoembryotherapie.

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Der französische Arzt Max Tétau entwickelte das Konzept weiter und prägte den heute gebräuchlichen Begriff Gemmotherapie (lt. gemma = Knospe). Verwendet werden Auszüge aus Knospen, jungen Trieben und teilweise Wurzelspitzen verschiedener, überwiegend in Europa heimischer Bäume und Sträucher. Im Mittelpunkt stehen deren Meristeme. Die teilungsaktiven Gewebe zeichnen sich durch eine hohe Stoffwechselaktivität und eine besondere Zusammensetzung an Inhaltsstoffen aus.

Im Vergleich zu ausgereiften Pflanzenteilen enthält das Meristem mehr sekundäre Pflanzenstoffe (z. B. Polyphenole, Flavonoide), Vitamine, Mineralstoffe und Phytohormone. Die Gemmotherapie geht davon aus, dass das komplexe Wirkstoffspektrum regulierende und regenerative Prozesse im Organismus unterstützen kann. 

Für die Herstellung werden die Knospen kurz vor dem Austrieb geerntet, wenn ihr Gehalt an bioaktiven Inhaltsstoffen am höchsten ist. Das frische Pflanzenmaterial wird sofort 21 Tage lang in einem Gemisch aus Glycerol, Ethanol und Wasser mazeriert und anschließend filtriert. Aus dem Mazerat wird meist eine zehnprozentige Verdünnung hergestellt.

Das Verfahren zur Herstellung von Glycerolmazeraten ist seit 2011 im Europäischen Arzneibuch im Kapitel Homöopathische Zubereitungen beschrieben und damit standardisiert. Die Qualität der Präparate hängt jedoch wesentlich von Faktoren wie Pflanzenart, Erntezeitpunkt und Herstellungsprozess ab.

Rat der Expertin

Auch wenn die klinische Datenlage bisher begrenzt ist, kann die Gemmotherapie eine Therapieoption sein, wenn Patienten nach einer komplementären Behandlung fragen oder für leichte Beschwerden eine sanfte pflanzliche Alternative wünschen. In-vitro-Untersuchungen zeigen für verschiedene Knospenextrakte unter anderem antioxidative, entzündungshemmende, antimikrobielle und immunmodulierende Eigenschaften. Die bislang verfügbaren klinischen Studien sind jedoch klein und erlauben keine belastbaren Aussagen zur Wirksamkeit bei den meisten Anwendungsgebieten.

In Deutschland erhältliche Gemmopräparate werden als Nahrungsergänzungsmittel vertrieben. Angaben zu den Einsatzgebieten der einzelnen Extrakte lassen sich daher nur über die Hersteller einholen. Einige bieten alternativ Gemmopräparate an, die mit Mikronährstoffen kombiniert werden, sodass Health Claims aufgebracht werden dürfen.

Britta Fröhling ist PTA, Mitglied im PTA Beirat von DAS PTA MAGAZIN und Heilpraktikerin. Sie beantwortet an dieser Stelle Fragen aus dem Bereich der alternativen Medizin.

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