Herpes labialis: Kribbeln als Vorbote

Lippenherpes ist hochansteckend, unangenehm und optisch störend. Meist bricht er zu den unpassendsten Momenten aus. Medikamente können die Symptome lindern und ein Abheilen der Bläschen beschleunigen.

von Annette Thomas
29.05.2026

Kundin mit Kind in der Apotheke
© Foto: Jecapix, Getty Images
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  • Zusammengefasst Lippenherpes wird durch Herpes-simplex-Viren ver-ursacht. Die Erstinfektion erfolgt meist im Kindesalter.
  • Die Viren bleiben lebenslang im Körper. Eine geschwächte Immunabwehr begünstigt ihre Reaktivierung.
  • Typische Trigger sind Infektionen, UV-Strahlung, Stress und Hormonschwankungen.
  • Die Selbstmedikation ist meist möglich, Virustatika gelten als Mittel der 1. Wahl.
  • Darüber hinaus können zinkhaltige Produkte, Herpespflaster und Wärmestifte Lippenherpes abmildern.

Lippenherpes wird durch Herpes-simplex-Viren ausgelöst. Nach der meist im Kindesalter erfolgenden Erstinfektion verbleiben diese lebenslang in den Nervenganglien. Ein intaktes Immunsystem hält sie dort in einer Art „Schlafzustand“. Ist es geschwächt, können die Viren reaktiviert werden und wandern entlang der Nervenbahnen zur Lippe. Während ein Teil der Betroffenen dauerhaft symptomfrei bleibt, entwickeln etwa 20 bis 40 Prozent der initial Infizierten im Laufe ihres Lebens einmalig oder wiederholt Lippenherpes.

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Neulich in der Apotheke

Am Vormittag kommt eine junge Mutter mit ihrem Baby in die Apotheke und deutet auf ihre Lippen: Seit dem Aufwachen verspürt sie ein Spannungsgefühl, Juckreiz und ein unangenehmes Kribbeln. Sie vermutet einen beginnenden Lippenherpes. Sie wirkt recht abgespannt und berichtet auf Nachfrage, dass ihr Kind schlecht schläft und sie deswegen selbst kaum Nachtruhe findet.

Einordnung

Die geschilderten Beschwerden sind typisch für einen beginnenden Lippenherpes. Im Fallbeispiel schwächen Stress, Übermüdung und eine damit einhergehende emotionale Belastung die Immunabwehr und kommen als Trigger für die Virenreaktivierung in Frage. Darüber hinaus können auch andere Faktoren das Immunsystem schwächen und den Ausbruch eines Lippenherpes begünstigen. Hierzu zählen zum Beispiel UV-Strahlung, grippale oder fiebrige Infekte, hormonelle Veränderungen oder auch zahnärztliche Eingriffe.

Eine OTC-Therapie muss möglichst früh beginnen.
 

Abklärung

Auch wenn der Auslöser wie in diesem Beispiel naheliegend ist, sind vor einer Empfehlung einige Fragen wichtig, beispielweise nach Grunderkrankungen und Dauermedikation. Denn die Selbstmedikation bei Lippenherpes ist für immunsupprimierte Personen kontraindiziert.

Für Schwangere gilt: Obwohl topische Virustatika als sicher gelten, sollte diesen bei Unsicherheit oder großflächigem Befall eine ärztliche Rücksprache empfohlen werden. Das gilt auch für häufige Rückfälle, chronische Hauterkrankungen, eine Ausbreitung der Läsionen über die Lippen hinaus sowie bei Fieber oder starken Schmerzen. Neugeborene, Kinder und ältere Menschen über 65 Jahre mit schwerem Lippenherpes sollten Sie immer an den Arzt verweisen.

Empfehlungen

Lippenherpes heilt in der Regel ohne medikamentöse Behandlung ab, jedoch lassen sich dadurch die Abheilungsdauer verkürzen sowie Symptome reduzieren. Entscheidend ist ein früher Therapiebeginn, idealerweise beim ersten Kribbeln. Das ist ein Zeichen dafür, dass die reaktivierten Viren aus den Nervenknoten entlang der Nervenbahnen in die Haut wandern und sich dort vermehren.

Sollte es unter einer Therapie zur Verschlechterung der Symptome kommen oder ist nach maximal zehn Tagen keine Besserung eingetreten, ist ein Arztbesuch unumgänglich.

Topika

Mittel der Wahl sind topische Virustatika mit den Wirkstoffen Aciclovir oder Penciclovir. Aciclovir ist auch in einer Fixkombination mit Hydrocortison erhältlich. Letzteres klingt paradox, da Glukokortikoide immunsuppressiv wirken. Topisch angewendet überwiegt jedoch der Vorteil der antientzündlichen Komponente: Durch die Hemmung der virusbedingten Entzündungsreaktion schwillt das Gewebe weniger stark an. Dies senkt das Risiko, dass die Bläschen aufplatzen, was wiederum den Heilungsprozess begünstigt.

Alternativ können Zubereitungen mit Zinksulfat eingesetzt werden. Zink trocknet die Bläschen aus und hat zusätzlich einen leicht virustatischen Effekt. Die Kombination mit Heparin, das die Viren am Eindringen in die Zellen hemmen kann, soll den Wirkeintritt beschleunigen.

Alle Topika werden am besten mit einem Wattestäbchen dünn aufgetragen. Um ein vorzeitiges Abtragen zu vermeiden, sollte die Anwendung nach den Mahlzeiten erfolgen.

Aus dem OTC-Sortiment*

Präparat Wirkstoff(e) Anwendung
Virustatika
Aciclostad Creme gegen Lippenherpes Aciclovir 5 x tgl. im Abst. v. 4 Std. (tagsüber), max. 10 d
Pencivir bei Lippenherpes Creme Penciclovir mind. 6 x tgl. im Abst. v. 2 Std. (tagsüber), insg. 4 d
Zovirax duo Creme Aciclovir, Hydrocortison 5 x tgl. im Abst. v. 3 – 4 Std. (tagsüber), für 5 d
Zinkhaltige Salben
Virudermin Gel Zinksulfat 4 x tgl., bis zur vollst. Abheilung
Widmer Lipactin Gel Heparin-Natrium, Zinksulfat 3 – 6 x tgl., max. 7 – 10 d
Herpespflaster
Compeed Herpesbläschen Patch Patch hält bis zu 12 Std., wechseln, wenn es sich von selbst löst; durchgehend anwenden, bis Wunde abgeheilt
Wärmestift
Herpotherm neo 3 Sek.
(mehrm. Behandlung möglich, Pause mind. 2 Min.)
*beispielhafte Nennungen ohne Anspruch auf Vollständigkeit (Stand der Information: 11.05.2026)

Herpespflaster

Herpespflaster (Patches) gehören zu den hydroaktiven Wundauflagen. Sie schaffen ein idealfeuchtes Klima für die Wundheilung und können die Heilungsdauer verkürzen. Bei Bedarf können sie überschminkt werden. Sie sollten nicht gleichzeitig mit topischen Virustatika angewendet werden. Das Pflaster haftet sonst nicht richtig. Kunden sollten sich daher möglichst für eine Methode entscheiden oder die Produkte nacheinander anwenden, beispielsweise in der ersten Phase die Creme und bei Bläschenbildung ein Pflaster zum Kaschieren.

Bei der jungen Mutter im Fallbeispiel ist zu berücksichtigen, dass sie das Virus möglicherweise unbeabsichtigt auf ihr Kind überträgt, beispielsweise durch versehentliche Berührung an der Lippe durch das Baby. Hiervor schützt das Pflaster.

Wärmestift

Pflaster und alle anderen Therapieoptionen können mit einem Wärmestift kombiniert werden. Das Medizinprodukt sorgt dafür, dass Enzyme durch die lokale Hitzeanwendung von circa 51 Grad Celsius zerstört werden, die die Viren zur Vermehrung benötigen. Kribbeln, Juckreiz und Bläschenbildung werden dadurch bei frühzeitiger Anwendung im Idealfall minimiert.

L-Lysin

Einige Studien geben Hinweise darauf, dass die Dauer der Lippenherpesinfektion durch Einnahme der Aminosäure L-Lysin (z. B. pure encapsulations L-Lysin) verkürzt werden kann. Kombiniert mit Mikronährstoffen wie Vitamin D, C, B, Zink und Selen (z. B. Lyranda Kautabletten) soll gleichzeitig das Immunsystem unterstützt werden. L-Lysin ähnelt in seiner Struktur der Aminosäure Arginin, die Herpesviren zu ihrer Vermehrung benötigen. Hohe L-Lysinspiegel verdrängen Arginin von den Rezeptoren und vermindern so die Virusaktivität. Die Aminosäure ist auch in Cremes enthalten (z. B. Immundoc Herpalysin Lippenherpes-Creme).

Lippenherpes

Alle Topika werden am besten mit einem Wattestäbchen dünn aufgetragen.
© Foto: Alliance, stock.adobe.com

Immunstimulanzien

Mit pflanzlichen Immunstimulanzien (z. B. Imupret N Tropfen) kann versucht werden, das Immunsystem in seinem Kampf gegen das Virus zu unterstützen, insbesondere, wenn der Lippenherpes mit einem grippalen Infekt einhergeht.

Zusatzhinweise

Bläschen dürfen nicht geöffnet und der Wundschorf nicht entfernt werden. Die in ihnen enthaltene Flüssigkeit ist hochinfektiös. Gläser, Besteck oder Handtücher sollten nicht gemeinsam genutzt, enger Hautkontakt vermieden werden. Handtücher sollten bei mindestens 60 Grad Celsius gewaschen werden. Eine konsequente Handhygiene ist wichtig. Dabei reicht gründliches Händewaschen mit Seife aus, unterwegs kann ein Desinfektionsmittel sinnvoll sein. Um weitere Lippenherpesausbrüche zu vermeiden, ist auf einen ausreichenden Sonnenschutz zu achten. Pflegecremes mit Melissenextrakt (z. B. Lomaherpan Lippenpflegecreme) können die herpesgestressten Lippen in ihrem Heilungsprozess unterstützen.

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