Intimhygiene: Untenrum frisch

Anus, Harnröhre und Genitalien liegen bei Frauen eng beisammen. Das macht die Region anfällig für Infektionen. Umso wichtiger ist die richtige Pflege des Intimbereichs. Lesen Sie unseren Überblick.

von Stefanie Fastnacht
30.10.2023

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© Foto: rh2010 / stock.adobe.com (Symbolbild mit Fotomodellen)
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Unter dem Einfluss von Ös- trogenen entsteht durch Milchsäurebakterien in der Scheide ein saures Milieu, das Infektionen vorbeugt. Lässt die Östrogenwirkung ab der Menopause nach, steigt der pH-Wert in der Scheide, und die Keimzusammensetzung verändert sich. Potenziell krankmachende Erreger werden nicht mehr so effektiv abgewehrt. Die Infektanfälligkeit steigt. Das betrifft nicht nur die Scheide, sondern auch die Harnröhre und die Harnblase.

Durch den Östrogenmangel wird die Scheide zudem trocken, die Scheidenwand verdünnt sich, und die großen und kleinen Schamlippen bilden sich zurück. Frauen klagen dann, individuell unterschiedlich ausgeprägt, über Begleitsymptome wie Brennen, Jucken oder Schmerzen in der Vagina und im äußeren Intimbereich.

Doch nicht nur Frauen nach der Menopause haben Beschwerden. Die Einnahme oraler Kontrazeptiva oder Schwangerschaft und Stillzeit wirken sich ebenfalls auf die Haut im äußeren Intimbereich sowie die Vaginalschleimhaut aus. Ferner hinterlassen Erkrankungen wie Diabetes mellitus und chronisch-entzündliche Hauterkrankungen wie Neurodermitis und Psoriasis Spuren. Das Gleiche gilt für Medikamente, etwa Krebstherapeutika.

In den meisten Fällen lassen sich die Begleitsymptome gut behandeln. Die Basis bilden die sorgfältige Reinigung des Intimbereichs und die anschließende Pflege mit feuchtigkeits- und/oder fettspendenden Cremes, Gelen und Salben. Reichen diese Maßnahmen nicht aus, kann der Frauenarzt eine lokale Östrogendauertherapie verordnen, die sich nicht nur positiv auf Scheide und Schamlippen, sondern auch auf Harnröhre und Harnblase auswirkt.

Reinigung

Alle Frauen sollten den Intimbereich einmal pro Tag reinigen. Das beugt Hautirritationen vor. Dafür reicht Wasser aus. Viele Kundinnen bevorzugen jedoch Waschlotionen. Um die empfindliche Haut im Intimbereich damit nicht zu schädigen, sollten keine herkömmlichen alkalischen Seifen oder Duschgele verwendet werden. Besser eignen sich Produkte, die auf den sauren pH-Wert der Haut in der Intimregion abgestimmt sind. Dazu werden zum Beispiel Milchsäure zur pH-Regulierung oder befeuchtende und schützende saure Heteropolysaccharide aus D-Glukose und D-Mannose in die Formulierungen eingearbeitet.

Alle Reinigungsprodukte werden nur im äußeren Intimbereich und nicht in der Vagina eingesetzt. Werden sie als Scheidenspülungen genutzt, können sie das Mikrobiom der Vagina beeinträchtigen und Infektionen begünstigen.

Aus dem OTC-Sortiment*

Hauptinhaltsstoff

Präparatebeispiele

Besonderheit

Milchsäure

Vagisan Feuchtcreme

pH-Balance

Hyaluronsäure

Kadehydro Befeuchtungsgel

auch in der Scheide anwendbar

Paraffin

Deumavan Schutzsalbe

auch bei Neurodermitis, Psoriasis anwendbar

Hamamelisextrakt

Sagella Sensitive Balsam

auch zur Intimrasur geeignet

saures Heteropolysaccharid v. a. aus D-Glucose und D-Mannose

Multi-Gyn Femiwash Schaum

pflegt nach der Intimrasur

*beispielhafte Nennungen ohne Anspruch auf Vollständigkeit (Stand der Informationen: 13.10.2023)

Pflege

Die Haut im Intimbereich ist vielfältigen Belastungen ausgesetzt. Häufig reibt zu enge Kleidung an ihr. Nicht atmungsaktive, synthetische Unterwäsche oder Slipeinlagen fördern den Stau von Feuchtigkeit und lösen Irritationen aus. Die Intimrasur kann zu Entzündungen führen. Weitere Risikofaktoren, die die Hautbarriere schwächen können, sind die individuelle hormonelle Situation und, wie oben erwähnt, bestimmte Erkrankungen.

Damit die Haut im äußeren Intimbereich geschmeidig bleibt und nicht austrocknet, empfiehlt sich die Anwendung spezieller Pflegeprodukte. Ebenso wie die Reinigungspräparate können sie Milchsäure zur pH-Wert- Einstellung enthalten. Hyaluronsäurezusätze dienen der Befeuchtung von Haut und Schleimhaut. Paraffin ist in Schutzsalben für den Intimbereich zu finden. Es hat sich bei trockener, rissiger Haut in und nach den Wechseljahren sowie bei Erkrankungen wie Diabetes mellitus, Neurodermitis oder Psoriasis bewährt.

Nach der Rasur-- Um Rasurbrand, Trockenheit, Juckreiz oder einwachsenden Härchen vorzubeugen, werden feuchtigkeitsspendende und beruhigende Pflegeprodukte aufgetragen, zum Beispiel mit Hyaluronsäure oder Hamamelisextrakt. Fetthaltige Schutzsalben decken die Haut nach der Rasur dagegen zu stark ab und fördern Entzündungen.

Grafik Intimbereich der Frau


© Foto: Grafik: DAS PTA MAGAZIN / Illustration: [M] magemasher / stock.adobe.com

Anus, Harnröhre und Genitalien liegen bei Frauen sehr nah beisammen. Das trägt zu einer erhöhten Infektanfälligkeit bei.

Beratungstipps

Empfehlen Sie Kundinnen, den Intimbereich von Hand zu waschen. Waschlappen funktionieren ebenfalls. Um einer Keimbelastung vorzubeugen, sollten diese allerdings täglich ausgetauscht und bei 60 Grad oder mehr gewaschen werden. Eine Alternative sind Einmalwaschlappen.

Nach dem Reinigen ist es wichtig, die Haut gründlich zu trocknen. Im feucht-warmen Milieu breiten sich sonst schnell krankmachende Keime aus. Auch Handtücher sollten regelmäßig ausgewechselt werden.

Frauen, die über Scheidentrockenheit oder Trockenheit im äußeren Intimbereich klagen, hilft zum Vorbeugen luftdurchlässige Unterwäsche. Während der Periode ist es oft angenehmer, Binden oder Periodenunterwäsche zu tragen, statt Tampons zu verwenden, die die Vaginalschleimhaut austrocknen. Duftstofffreie Reinigungs- und Pflegeprodukte beugen Hautreizungen im Intimbereich vor.

Raten Sie Frauen, die den Intimbereich regelmäßig rasieren, die Klinge stets in Wuchsrichtung der Haare zu führen. Ein regelmäßiger Klingenwechsel sorgt dafür, dass die Haare besser erfasst werden und sich keine Bakterien ansammeln. Die Verwendung von Rasiergel und Rasierschaum schützt zudem vor Verletzungen bei der Rasur. Wer keinen Schaum oder Gel zur Hand hat, kann eine Intimwaschlotion verwenden.

Bei Kundinnen mit chronisch-entzündlichen Hauterkrankungen wie Neurodermitis und Psoriasis immer daran denken, dass auch die Anogenitalregion erkranken beziehungsweise durch Trockenheit belastet sein kann. Solchen Kundinnen hilft bei Problemen im Intimbereich der Hinweis auf einen abklärenden Besuch beim Hautarzt.

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