Klimawandel: Medikamente richtig lagern

Bei hohen Temperaturen sind Kenntnisse zur Lagerung von Medikamenten wichtig. Denn Qualität und Wirksamkeit können bei hohen Temperaturen leiden, wenn Arzneimittel falsch aufbewahrt werden.

von Kirsten Bechtold
31.05.2024

Thermometer vor Apothekenregal im Hintergrund
© Foto: Karl Rentgen / stock.adobe.com (Symbolbild mit Fotomodell)
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  • Arzneimittel sollten kühl, aber nicht zu kalt, gelagert werden. Große Hitze verändert ihre Wirksamkeit.
  • Tabletten sind am unempfindlichsten, Cremes, Salben, Zäpfchen und Säfte sind wesentlich wärmeempfindlicher.
  • Kühlpflichtige Arzneimittel wie Insuline und Biologika sind stets bei zwei bis acht Grad Celsius zu lagern.
  • Das Apothekenpersonal kann mit Tipps zum richtigen Transport und zur optimalen Lagerung zur Arzneimitteltherapiesicherheit beitragen.

Die vergangenen Sommer mit Temperaturen an die 40 Grad Celsius, im Mittelmeerraum sogar darüber, haben es gezeigt: Mit dem Klimawandel werden Hitzewellen heftiger und häufiger. Der Deutsche Wetterdienst definiert diese als mehrtägige Perioden mit ungewöhnlich hoher thermischer Belastung, in deren Folge die menschliche Gesundheit, die Ökosysteme und die Infrastruktur geschädigt werden können.

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Aber auch Medikamente können leiden, wenn sie nicht an die Hitze angepasst transportiert und gelagert werden. Denn die meisten werden optimalerweise bei einer Raumtemperatur von 15 bis 25 Grad Celsius aufbewahrt. Ist das nicht gesichert, können sie Schaden nehmen, beispielsweise nicht mehr im vollen Umfang wirksam sein. Das ist nicht immer mit bloßem Auge zu erkennen. Daher ist nicht nur die Lagerung bei Ihnen in der Apotheke wichtig, sondern auch zu Hause bei der Kundschaft. Hier sind Sie gefragt, aufzuklären und zur Arzneimitteltherapiesicherheit beizutragen.

Richtig lagern

In der Apotheke gibt es im Idealfall eine Klimaanlage, die für die notwendigen Temperaturen sorgt. Doch sobald der Kunde mit dem Medikament die Apotheke verlässt, kann es kritisch werden. Erinnern Sie ihn also unbedingt daran, das Arzneimittel auf keinen Fall im aufgeheizten Auto liegen zulassen. Am besten wird es unter dem Vordersitz transportiert, weil es hier am kühlsten ist.

Zu Hause angekommen, ist der kühlste Raum der Wohnung oder des Hauses der beste Lagerort. Das gilt für alle nicht kühlungspflichtigen Medikamente. Wegen der oftmals hohen Temperaturen und Luftfeuchtigkeit im Badezimmer, die die Wirkung beeinträchtigen können, sollten Arzneimittel unabhängig von Hitzewellen dort niemals gelagert werden.

Kühlpflichtige Arzneimittel-- Bei kühl zu lagernden Arzneimitteln (2 – 8 °C) wie Insulin, Biologika gegen Rheuma oder Impfstoffe darf die Kühlkette nicht unterbrochen werden. Das ist bei Hitze umso wichtiger. Sie sollten möglichst in einer Kühltasche transportiert werden. Dabei ist darauf zu achten, dass die Arzneimittel die Kühlelemente nicht direkt berühren. Sie können dazu zum Beispiel mit einem Handtuch umwickelt werden.

Grundsätzlich sollten kühlpflichtige Medikamente nach Erhalt schnellstmöglich in den Kühlschrank gelegt werden. Um dort ein Einfrieren zu vermeiden, dürfen die Arzneimittel die Rückwand nicht berühren.

Serie Klimawandel

05/2024 Allergien nehmen zu
06/2024 Medikamente richtig lagern
07/2024 Hitze verstärkt Nebenwirkungen
08/2024 Klimasensibel beraten

Einflussfaktor Darreichungsform

Nicht alle Arzneimittel sind gleichermaßen wärmeempfindlich. So kommen feste Darreichungsformen wie Tabletten am besten mit höheren Temperaturen zurecht. In der Regel schadet es ihnen nicht, wenn sie kurzfristig bei mehr als 15 bis 25 Grad Celsius lagern. Laut Techniker Krankenkasse hält eine Tablette für etwa eine halbe Stunde auch mal eine Umgebungstemperatur von 50 Grad Celsius aus. Doch danach wird es auch hier kritisch, und der Wirkstoff leidet: Unter anderem kann sich die Wirkstoffkonzentration verändern. Die Tablette ist nicht mehr in gewohnter Weise wirksam.

Wesentlich weniger gut mit Wärme kommen Zäpfchen, Cremes, Salben, Säfte und Lösungen zurecht. Zäpfchen beispielsweise können schmelzen. Salben können brechen, das heißt, sie trennen sich in flüssige und feste Bestandteile. Weisen Sie Kunden darauf hin und raten dazu, bei solchen Veränderungen, das Arzneimittel direkt im Restmüll zu entsorgen.

Sehr empfindlich sind Sprays. Lagert zum Beispiel ein Asthmaspray in der Sonne, verändern sich die Dosiergenauigkeit und damit die Wirksamkeit.

Insulin verliert bei großer Hitze seine Wirkung und muss daher adäquat geschützt werden. Denn innerhalb des Insulins kommt es durch die Kombination von Wärme und Bewegung zu einer erhöhten Fibrillenbildung und somit zu einer Zusammenlagerung von Insulinmolekülen. Das verringert die Insulinwirkung.

Übrigens: Um Insulin bei Hitze zu schützen, sind Temperaturschutzkappen für den Pen sinnvoll. Bei Pumpenpatienten kann der Arzt eine kürzere Schlauchlänge verordnen.

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