Phytopharmaka: Gegen Harnwegsinfekte

Sie gehören zu den bei unkomplizierten Harnwegsinfekten beliebten Präparaten. Formulierungen aus Bärentraubenblättern, Meerrettichwurzel oder Moosbeere werden zur akuten Behandlung oder zur Vorbeugung eingesetzt.

von Julia Pflegel
28.11.2025

Cranberries
© Foto: siur / Getty Images / iStock
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Einem (unkomplizierten) Harnwegsinfekt (HWI) liegt meist eine bakterielle Entzündung der Blasenschleimhaut zugrunde. Der häufigste Auslöser ist das Darmbakterium Escherichia coli (E. coli), das über die Harnröhre in die Blase aufsteigt. Als Therapieoption, besonders in der Selbstmedikation, sind Phytopharmaka beliebt. Durch das letztjährige Update der AWMF S3-Leitlinie zum Management von Harnwegsinfektionen wurde der Stellenwert nicht antibiotischer Therapien bei HWI gestärkt, zum Beispiel mit pflanzlichen Arzneimitteln.

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Cranberry-Extrakt lindert akute HWI und beugt ihnen vor.
 

Arctostaphylos uva-ursi ist der botanische Name der Echten Bärentraube, einer kleinen, immergrünen Pflanze aus der Familie der Heidekrautgewächse (Ericaceae). Bärentraubenblätter-Trockenextrakt findet sich in mehreren Arzneimitteln mit der Indikation „entzündliche Erkrankungen der ableitenden Harnwege“ (z. B. Cystinol akut). Die antibakterielle Wirkung entsteht durch Hydrochinon, das überwiegend aus dem Prodrug Arbutin durch hydrolytische Spaltung freigesetzt wird.

Tropaeolum majus und Armoracia rusticana sind Große Kapuzinerkresse und Meerrettich. In Angocin antiinfekt werden das Kraut (Kapuzinerkresse) und die Wurzel (Meerrettich) verwendet. Ihre antibakterielle und auch antivirale Wirksamkeit geht auf Senföle zurück:

Die pflanzlichen Extrakte enthalten Senfölglykoside, aus denen im Magen Senföle freigesetzt werden. Diese gelangen in den Darm und werden in dessen oberen Abschnitten resorbiert. Ausgeschieden über Lunge und Harnblase, entfalten sie dort ihre antimikrobiellen Effekte. Daher lautet die Indikation „zur Besserung der Beschwerden bei akuten entzündlichen Erkrankungen der Bronchien, Nebenhöhlen und ableitenden Harnwege“.

Vaccinium macrocarpon, die Großfrüchtige Moosbeere oder Cranberry, enthält Proanthocyanidine. Die sekundären Pflanzenstoffe können die Anheftung von E. coli an der Blasenschleimhaut hemmen. Um eine ausreichend hohe Konzentration in der Blase zu erreichen, ist der Einsatz standardisierter Cranberryextrakte (z. B Pure Encapsulations Cranberry Extrakt) der Einnahme von Säften oder Tees vorzuziehen. Entsprechend dosierte Präparate können auch zur Rezidivprophylaxe bei ansonsten gesunden Personen empfohlen werden.

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Meerrettichwurzel wirkt antiviral und antibakteriell. Dies ist auf die enthaltenen Senföle zurückzuführen.
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