Rotklee: Für Tier und Mensch

Er gehört zu den wichtigsten Futterpflanzen in der Landwirtschaft. In der Volksmedizin ist der Rotklee ein beliebtes Nahrungsergänzungsmittel und wird vor allem gegen Wechseljahresbeschwerden, aber auch bei Husten und Hauterkrankungen eingesetzt.

von Petra Schicketanz
28.11.2025

Rotklee
© Foto: yujie chen / Getty Images / iStock
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  • Rotkleeblüten (Trifolii pratensis flos) enthalten Phytoöstrogene und werden bei klimakterischen Beschwerden angewendet.
  • Wichtige Inhaltsstoffe der Rotkleeblüten sind Isoflavone (Gentisin, Daidzein), ätherisches Öl, Gerbstoffe und Cumarine.
  • BfR und EFSA empfehlen, Nahrungsergänzungsmittel aus Rotklee gegen Wechseljahresbeschwerden mit einem Isoflavon-Gehalt von 43,5 mg/d maximal drei Monate lang anzuwenden.
  • Zur Teezubereitung werden vier Gramm Droge pro Tasse eingesetzt und dreimal täglich getrunken.

Milchbauern können gar nicht anders, als ihn über den grünen Klee zu loben, denn Rotklee ist nicht nur eine der ertragreichsten Futterpflanzen, sondern stärkt auch beachtlich die Milchleistung der Kühe, die unter der Versorgung mit diesem Kraftfutter zudem weniger schädliches Methan auspupsen. Obendrein verbessert sein Anbau aufgrund des positiven Zusammenwirkens von Rotklee und Knöllchenbakterien die Stickstoffanreicherung des Bodens, weshalb Rotklee ein beliebter Gründünger ist.

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Botanisches

Rotklee (Trifolium pratense L.) bildet eine ein- bis zweijährige Schaftpflanze mit einem kräftigen Rhizom und bis zu zwei Meter langen Zugwurzeln. Typisch für den Schmetterlingsblütler (Fabaceae) sind seine dreiteilig gefiederten Blätter, die ihm zum botanischen Namen Trifolium (lat.: Dreiblatt) verholfen haben. Der Zusatz pratense (pratum = Wiese) verweist auf seinen beliebten Standort auf Wiesen, weshalb er auch Wiesen- oder Mattenklee genannt wird.

Von April bis Oktober sind seine kugeligen, roten Blütenstände zu finden, die aus zahlreichen Einzelblüten bestehen. Jede einzelne davon erreicht nur eine Länge von zehn bis 18 Millimetern. Da die Blüten reichlich Nektar produzieren, sind sie oft etwas klebrig. Das hat vermutlich zum Namen „Klee“ geführt.

Nektarraub und Katzenliebe

Rotkleepflanzen bilden vegetativ viele Ausläufer. Eine spontane Selbstbestäubung bringt keine Samen hervor, deshalb ist die Art zur Bestäubung vor allem auf Hummeln mit ihren langen Rüsseln angewiesen. Erdhummeln, die anatomisch nicht in der Lage wären, durch die schmale Kronröhre an den Nektar zu gelangen, beißen sich kurzerhand durch die Blütenwand. Dennoch hat dieser „Nektarraub“ einen Vorteil für die Kleepflanzen, denn die dabei entstehenden, feinen Öffnungen locken Bienen an und belohnen so die fleißigen Arbeiterinnen, die ansonsten bei ihrer wichtigen Bestäubungsarbeit auf den Rotkleewiesen leer ausgingen.

Vor mehr als 150 Jahren hat der britische Naturforscher Charles Darwin (1809 – 1882) beobachtet, dass in der Nähe von unverheirateten Frauen, die viele Katzen hielten, die Kleefelder besonders gut gediehen. Das hatte sicher nichts mit dem Ehestatus der Damen zu tun, sondern eher mit der folgenden Bilanz: Viele Katzen bedeuten weniger Wühlmäuse, mehr Erdhummeln, mehr Bienen und damit mehr Kleesamen. Letztendlich beruhte das von Darwin entdeckte Phänomen darauf, dass die Katzen Wühlmäuse fangen. Diese gefährden die Samenbildung des Rotklees, weil sie die Bestände der Erdhummeln drastisch reduzieren, wodurch wiederum keine Bienen angelockt werden.

Volksmedizin

Rotklee gehört zu den Heilpflanzen, die zwar altbekannt sind, es aber nicht unbedingt in die pharmazeutisch genutzten Lehrbücher schaffen. Die widersprüchliche Einstellung zum Rotklee ist nichts Neues. Der Kräuterkundler Leonhart Fuchs empfahl schon in seinem Kräuterbuch von 1543 den Wiesenklee „gesotten und getruncken“ den Frauen, „die den weißen Fluss haben“. Zudem wusste Fuchs von der Anwendung bei Geschwulsten zu berichten. Allerdings bemerkte er auch, dass Apotheker den Rotklee nicht nutzten, und forderte, dass sich dies ändern müsse.

Droge und Inhaltsstoffe

Genutzt werden Rotkleeblüten (Trifolii pratensis flos) als Teedroge oder in Nahrungsergänzungsmitteln (NEM). Sie enthalten Isoflavone, ätherisches Öl, Gerbstoffe und Cumarine.

Bei der Teezubereitung werden im Allgemeinen vier Gramm Droge pro Tasse eingesetzt und dreimal täglich getrunken. Das Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) empfiehlt für NEM aus Rotklee gegen Wechseljahresbeschwerden für ansonsten gesunde Frauen klare Höchstmengen: Diese sehen bei einer Tagesdosis von 43,5 Milligramm isolierten Isoflavonen eine Anwendungsdauer von maximal drei Monaten vor. Dieser Empfehlung folgt auch die Angabe der Europäischen Behörde für Lebensmittelsicherheit (EFSA).

Isoflavone

Rotkleeblüten enthalten die Isoflavone Formononetin, Biochanin A, Genistein und Daidzein. Sie werden als Phytoöstrogene eingestuft und bei klimakterischen Beschwerden wie Hitzewallungen eingesetzt. Die Isoflavone binden als milde, kompetitive Agonisten an Östrogenrezeptoren. Kompetitiv heißt, dass sie am Rezeptor im Wettbewerb mit den im Körper natürlich vorhandenen Östrogenen stehen. Das bedeutet, dass sie bei geringen Östrogenmengen deren Wirkung leicht ergänzen. Bei hohen Östrogenspiegeln verdrängen sie jedoch das körpereigene Östrogen vom Rezeptor und wirken antiöstrogen. Die therapeutischen Effekte der Isoflavone bei Wechseljahresbeschwerden hängen demnach von der Höhe des vorhandenen Östrogenspiegels ab.

Soweit zur Theorie. Rotkleeblüten können jedoch keine positive Monografie vorweisen. In der S3-Leitlinie der AWMF zur Peri- und Postmenopause wurden Untersuchungen zu verschiedenen Phytoöstrogenen bewertet, mit dem Fazit: „Von den Phytoöstrogenen zeigt Genistein in einer Dosis von 30 bis 60 Milligramm pro Tag die zuverlässigste Wirkung. Mehr als 30 Milligramm pro Tag Isoflavone sind in manchen Studien wirksam, in anderen nicht.“

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Isolierte Isoflavone können potenziell auf die weibliche Brustdrüse, den Uterus und die Schilddrüse nachteilig wirken. Daher rät das Bundesinstitut für Risikobewertung von der langfristigen Anwendung solcher Nahrungsergänzungsmittel ab.
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Widersprüchliche Studienergebnisse

Nicht nur bei Hitzewallungen gilt die Studienlage als kontrovers: Zur Frage, ob die Phytoöstrogene des Rotklees auch die Knochendichte verbessern, kamen die Forscher zu widersprüchlichen Ergebnissen, weshalb Rotklee zumindest nicht als alleinige Maßnahme zu diesem Zweck eingesetzt werden sollte.

Die Isoflavone des Rotklees werden als verjüngende Antioxidanzien angepriesen, die die Faltenbildung lindern und den Triglycerid-Spiegel senken sollen. Zudem sollen Isoflavone allgemein depressiven Verstimmungen entgegenwirken und Blutdruck und Gedächtnisleistung verbessern. Immer wieder wird eine krebshemmende Isoflavon-Wirkung diskutiert, insbesondere bei Brust- oder Prostatakrebs. In Studien am Menschen konnte diese Wirkung jedoch bislang nicht bestätigt werden.

Prinzipiell wird das hormonähnliche Potenzial der Isoflavone kritisch betrachtet, da es zumindest theoretisch sowohl positive als auch unerwünschte Effekte auslösen kann. Das BfR sieht die Sicherheit von Produkten mit isolierten Isoflavonen auf Soja- und Rotkleebasis, die als NEM oder ergänzende bilanzierte Diäten angeboten werden, als nicht ausreichend belegt. Da isolierte Isoflavone potenziell auf die weibliche Brustdrüse, Uterus und Schilddrüse nachteilig wirken können, rät das BfR zum gegenwärtigen Zeitpunkt von der langfristigen Anwendung (> 3 Mo.) solcher Präparate ab.

Erfahrungsheilkunde

In der phytotherapeutischen Erfahrungsheilkunde wird Rotklee gelegentlich als Umstimmungsmittel bei Hauterkrankungen und Husten eingesetzt. Die Umstimmungstherapie zielt darauf ab, das Immunsystem durch Reize zu modulieren, um zu einer neuen Reizantwort zu gelangen (Umstimmung). Rotklee wird in diesem Zusammenhang bei Halsschmerzen, Husten und Keuchhusten genutzt, um bei Lymphstau den Schleim aus den Lungen zu vertreiben. Früher wurde Rotklee-Sirup zur Blutreinigung eingesetzt.

Die Gerbstoffe in den Rotkleeblüten wirken adstringierend. Deshalb werden die Blüten in Form von Umschlägen zur Wundbehandlung und bei chronischen Hauterkrankungen wie Schuppenflechte und Ekzemen genutzt. In alten Kräuterbüchern findet sich der Einsatz als Emolliens, das äußerlich angewendet wird, um harte Geschwüre aufzuweichen.

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