Serie Fresh-up: Amoxicillin und Clavulansäure

Bakterielle Mittelohrentzündungen äußern sich durch plötzlich auftretende, heftige Ohrenschmerzen und Fieber. Das ist ein typisches Einsatzgebiet für die fixe Kombination der Antibiotika Amoxicillin und Clavulansäure.

von Petra Schicketanz
29.11.2023

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© Foto: [M] Dr_Microbe / stock.adobe.com
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Oliver Naumann sieht einigermaßen übernächtigt aus, als er in der Apotheke steht und der PTA ein Rezept für seinen kleinen Sohn Maxim überreicht. „Sie sind schon die dritte Apotheke, in der ich es versuche. Ich hoffe, Sie können mir weiterhelfen.“ Die PTA lächelt und wirft einen Blick auf das Rezept. „Oh, die Kombination aus Amoxicillin und Clavulansäure ist bei den aktuellen Lieferengpässen wirklich schwer zu bekommen. Aber ich glaube, wir haben heute Glück.“

Als die PTA das gesuchte Medikament auf den HV-Tisch stellt, entweicht dem jungen Vater ein Seufzer der Erleichterung. „Sie können sich gar nicht vorstellen, was für eine Nacht hinter uns liegt. Maxim hat ständig geschrien und sich die Ohren gehalten. Dann kam auch noch das Fieber hinzu. Wir haben ihn fast die ganze Nacht herumgetragen, denn er konnte nur schlafen, solange wir ihn in den Armen hielten. Jetzt sind wir alle, nicht nur Maxim, völlig erledigt.“

Hintergrund

Geschichten wie diese sind der PTA nicht unbekannt. Und Ohrenschmerzen tun nun einmal schrecklich weh, nicht nur kleinen Kindern. „Fieber und plötzliche, stechende Ohrenschmerzen sind die typischen Leitsymptome für eine akute Otitis media, also eine Mittelohrentzündung. Sie tritt häufig im Rahmen einer aufsteigenden Atemwegsinfektion auf und geht mit Abgeschlagenheit infolge der Entzündung einher, sowie mit vorübergehendem Schwindel und Schwerhörigkeit.

Mehr als die Hälfte aller Kinder erkrankt innerhalb der ersten sechs Lebensjahre daran. Vor allem die Kleinsten trifft es häufiger, denn bei ihnen ist die Tuba auditiva noch nicht ausgereift. Das ist die Verbindung zwischen der hinter dem Trommelfell gelegenen Paukenhöhle und dem Nasenrachenraum.

Wenn sich diese Röhre bei einer Infektion zusetzt, sammelt sich ein eitriges Sekret hinter dem Trommelfell und wölbt es nach außen, was zu den stechenden Schmerzen im Ohr führt. Die hören dann schlagartig auf, sobald das Sekret abfließen kann. Oft geschieht das allerdings, wenn das Trommelfell platzt.“

„Das hört sich ja schrecklich an“, bemerkt Herr Naumann und erkundigt sich besorgt, ob sein Sohn dann auf diesem Ohr taub würde. „Glücklicherweise entsteht dabei nur ein sehr kleines Loch im Trommelfell, das sich ohne Narbenbildung innerhalb weniger Tage wieder verschließt. Dennoch sollte man es nicht darauf ankommen lassen, denn kleine Kinder haben solche Infektionen bekanntlich öfter. Und wenn alles schief läuft, sucht sich das Sekret einen Weg in das Schädelinnere.“

Als sie das Entsetzen im Gesicht des Kunden sieht, wiegelt die PTA schnell wieder ab: „Zum Glück verlaufen die meisten Erkrankungen ohne Komplikationen.“

Hinweise

Maxims Vater erkundigt sich: „Können Sie mir etwas zur Wirkung des Medikaments sagen?“.

Das Antibiotikum Amoxicillin gehört wie Penicillin zu den Betalaktam-Antibiotika und beeinträchtigt die Zellwandsynthese der Bakterien. Resistente Bakterien bilden zum Schutz vor diesem Angriff das Enzym Betalaktamase aus, das die zentrale Struktur des Antibiotikums, den Betalaktam-Ring, zerstört.

Um diese Resistenz zu umgehen, wird Clavulansäure zugegeben. Sie wirkt zwar nicht nennenswert antibakteriell, besitzt aber dasselbe Grundgerüst wie Amoxicillin und beschäftigt an dessen Stelle zumindest einen Teil der Betalaktamasen. Die Dosierung der Kombination wird so gewählt, das noch eine ausreichend hohe antibiotische Wirksamkeit zu erwarten ist.

„Neben der Wirkung sind natürlich auch die Nebenwirkungen relevant“, fügt die PTA an. „Am häufigsten kommt es zu Durchfall, Übelkeit und Erbrechen. Sollten sich Hinweise auf eine allergische Reaktion ergeben, sollten Sie sofort den Arzt kontaktieren und auf eine andere Therapie ausweichen, da schwere Überempfindlichkeitsreaktionen wie ein anaphylaktoider Schock möglich sind.“

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© Foto: H_Ko / stock.adobe.com (Symbolbild mit Fotomodellen)

Fieber und plötzliche stechende Ohrenschmerzen sind die typischen Leitsymptome für eine akute Otitis media, also eine Mittelohrentzündung. Sie muss ärztlich behandelt werden. 

Extra

„Wenn Sie möchten, kann ich Ihnen den Trockensaft gerne zubereiten“ bietet die PTA an. Bei Kindern mit einem Körpergewicht von unter 40 Kilogramm werden pro Kilogramm Körpergewicht 20 bis 60 Milligramm Amoxicillin und fünf bis 15 Milligramm Clavulansäure als Tagesdosis empfohlen, die auf drei Portionen verteilt und mindestens für vier bis fünf Tage verabreicht werden. „Geben Sie die verordnete Menge der Antibiotika dreimal täglich immer zu Beginn oder kurz vor einer Mahlzeit. Vor jeder Anwendung sollten Sie die Flasche gut schütteln.“

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