Serie Fresh-up: Torasemid

Schleifendiuretika wie Torasemid haben ihren Namen von ihrem Angriffsort: der Niere. Sie vermehren die Wasserausscheidung und senken den Blutdruck. Allerdings gehen dem Körper unter der Therapie Kalium- und Magnesiumionen verloren.

von Petra Schicketanz
30.08.2022

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© Foto: Julia / stock.adobe.com (Symbolbolbild mit Fotomodell)
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Der Kunde, der gerade vor dem Schaufenster sein Fahrrad abstellt, kommt der PTA irgendwie bekannt vor. Doch der Groschen fällt erst, als der Radfahrer seinen Helm abnimmt und ihr in der Offizin gegenübersteht. „Na, erkennen Sie mich noch?“, strahlt der 44-Jährige. „Gerade so“, lacht die PTA. „Sie haben gut abgenommen, Herr Brehm. Und Sport machen Sie auch“, ergänzt sie mit einem Blick auf das vor der Apotheke geparkte Rad. „Leider hat es nicht ganz gereicht“, seufzt Herr Brehm und gibt ihr ein Rezept über eine Packung Torasemid, 2,5 mg. „Der Blutdruck ist zwar niedriger als vorher, aber immer noch nicht im grünen Bereich.“ „Das bedeutet aber nicht, dass Sie sich umsonst bemüht haben“, entgegnet die PTA.

Hintergrund

„Gewichtsreduktion und Sport sind auch in Kombination mit Blutdrucksenkern wichtige Maßnahmen, um das Risiko für Herz und Kreislauf zu mindern.“ Ebenso wie Nikotinverzicht, denkt sie, aber das spielt bei diesem Kunden keine Rolle, da er ohnehin Nichtraucher ist. „Der Wirkstoff hier ist ein Schleifendiuretikum“, fährt sie fort. „Als Monotherapie wird das eher bei sehr gebrechlichen Menschen oder bei Patienten mit niedrigerem Risiko verordnet. Ich denke, Sie gehören eher in die letzte Gruppe“, sagt sie mit einem Augenzwinkern. „Das will ich meinen“, grinst Herr Brehm.

Die PTA erklärt, dass Diuretika anfänglich die Ausscheidung von Flüssigkeit fördern und langfristig die Blutgefäße erweitern. „Aber was heißt denn nun Schleifendiuretikum? Das klingt irgendwie dekorativ“, scherzt der Kunde. „Torasemid gehört zu den Wirkstoffen, die in der Niere an der Henle-Schleife angreifen. Sie sorgen dafür, dass vermehrt Wasser zusammen mit Natrium- und Chloridionen ausgeschieden wird. Die blutdrucksenkende Wirkung baut sich langsam innerhalb von zwölf Wochen auf.“

Nebenwirkungen

Neben diesem erwünschten Effekt werden unter der Therapie mit Schleifendiuretika auch Magnesium-, Kalium- und Calciumionen ausgeschieden. Das kann Störungen im Elektrolythaushalt auslösen und dementsprechend zu Müdigkeit, Schwäche, Kopfschmerzen, Schwindel oder Muskelkrämpfen führen. Der Kaliummangel kann zudem Arrhythmien auslösen und die Nebenwirkungen von Digitalispräparaten verstärken. Das Reaktionsvermögen und die Fähigkeit zum Bedienen von Maschinen können durch Torasemid beeinträchtigt sein. Besonders zu Therapiebeginn oder bei einer Dosiserhöhung ist mit diesen unerwünschten Nebenwirkungen zu rechnen.

„Schmerzmittel vom Typ der nicht steroidalen Antirheumatika wie Ibuprofen oder Acetylsalicylsäure können den Blutdruck erhöhen und die Wirkung des Blutdrucksenkers vermindern“, klärt die PTA den Kunden auf. „Zudem kann der Blutzuckerspiegel ansteigen. Aber zum Glück haben Sie keinen Diabetes mellitus.“ „Da bekommt man ja richtig Respekt vor dem Arzneimittel“, stöhnt Herr Brehm.

Extra

„Nehmen Sie die Tablette immer morgens ein, unabhängig davon, ob Sie frühstücken oder nicht. Wenn es Ihnen schwerfällt, die Medikation durchzuhalten, machen Sie sich immer bewusst, dass es nicht bloß darum geht, nur den Blutdruck auf einen Zielwert einzustellen. Gleichzeitig werden Begleiterkrankungen im Herz-Kreislauf-System vermieden und damit die Sterblichkeit verringert.“ „Sie haben sicher recht. Am besten nehme ich noch so eine Tablettenbox mit, auf der die Wochentage stehen, damit ich die Einnahme nicht verpasse.“ „Das ist eine gute Idee. Allerdings sollten Sie die Tabletten vom Blister abschneiden anstatt sie auszudrücken. Sie sind nämlich feuchtigkeitsempfindlich und zerbrechen leicht.“ „Gut, dass Sie mir das sagen, auf die Idee wäre ich nie gekommen. Haben Sie sonst noch eine Empfehlung für mich?“

Blutdruckmessen-- „Sobald Sie die Tabletten mindestens zwei Wochen lang eingenommen haben, empfehle ich Ihnen eine Blutdruckmessung in unserer Apotheke. Das gehört zu unserem Dienstleistungsangebot“, klärt die PTA den Kunden auf, der gerne einen Termin mit ihr ausmacht. Zum Glück hat die PTA das Arbeitsmaterial dazu bereits von der ABDA-Website heruntergeladen (www.abda.de/pharmazeutische-dienstleistungen). So kann Herr Brehm gleich die benötigte Vereinbarung ausfüllen, mit der die Patienten ihre Anspruchsberechtigung versichern.

Seit diesem Sommer haben alle gesetzlich Versicherten, die ein den Blutdruck senkendes Mittel einnehmen, einmal im Jahr den Anspruch auf eine Dreifach-Blutdruckmessung im Rahmen der pharmazeutischen Dienstleistungen. Diese darf vom pharmazeutischen Personal und demnach auch von PTA erbracht werden.

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