Serie OTC-Arzneistoffe: Terbinafin

Das Breitspektrum-Antimykotikum aus der Gruppe der Allylamine ist als Creme, Gel, Lack, Lösung oder Spray zur Selbstmedikation von Pilzinfektionen der Haut erhältlich. Erwerben Sie Hintergrundwissen für das Beratungsgespräch.

von Stefanie Fastnacht
30.04.2026

Fuß im Schwimmbad
© Foto: Goffkein, stock.adobe.com
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Terbinafin und das strukturverwandte Naftifin gehören zu den Allylaminen und greifen wie die Azol-Antimykotika (z. B. Bifonazol, Clotrimazol) in die Biosynthese von Ergosterol ein, einem wichtigen Bestandteil der Pilzzellmembran. Allerdings setzen die beiden Antimykotikagruppen an unterschiedlichen Stellen der Ergosterolbiosynthese an. Während Azole das Enzym Lanosterol-Demethylase hemmen, blockieren die Allylamine die Squalen-Epoxidase, welche die Umwandlung von Squalen in Lanosterol anstößt. In Folge entwickelt die Pilzzelle einen Ergosterolmangel, gleichzeitig reichert sich Squalen an. Der Ergosterolmangel stört den Aufbau der Pilzzellmembran und hemmt das Pilzwachstum (fungistatisch).

Aktueller Podcast

Serie OTC-Arzneistoffe

03/2026 Cetirizin
04/2026 Butylscopolamin
05/2026 Terbinafin
06/2026 Hydrocortison
07/2026 Diphenhydramin
08/2026 Loperamid
09/2026 Naratriptan
10/2026 Naproxen
11/2026 Macrogol
12/2026 Omeprazol

Die Anhäufung von Squalen dagegen wirkt toxisch und kann zum Absterben der Pilzzellen führen (fungizid). Welcher Effekt überwiegt, hängt von der Pilzart, der erreichten Antimykotikakonzentration und der Behandlungsdauer ab. Terbinafin wirkt vor allem bei Dermatophyten (Fadenpilzen) wie Trichophyton- und Microsporum-Arten über die Akkumulation von Squalen fungizid und ist daher sehr gut wirksam bei Haut- und Nagelpilz. Gegen Hefepilze (Candida-Arten) entfaltet das Allylamin eher fungistatische Wirkungen; hier sind Azole zu bevorzugen. Auch bei Infektionen mit Malassezia-Arten sind Azole oft die bessere Wahl.

Indikation

Topisch anwendbare Arzneimittel mit Terbinafin sind in der Selbstmedikation bei Erwachsenen und Kindern (>12 J., Packungsbeilage beachten, variiert je nach Präparat) zugelassen für Fußpilz (Tines pedis), Hautpilzerkrankungen am Rumpf und an den Extremitäten (Tinea corporis) sowie in der Leistengegend (Tinea cruris). Eine weitere Indikation ist die Kleienpilzflechte Pityriasis versicolor, verursacht durch Hefepilze der Gattung Malassezia.

Terbinafin Formel

Das Allylamin Terbinafin hemmt das Enzym Squalen-Epoxidase, was zu einem Mangel an Ergosterol in der Pilzzellmembran führt und zu einer toxischen Anreicherung von Squalen.
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Wichtig-- Die orale Gabe von Terbinafin unterliegt der Verschreibungspflicht. Oralia werden beispielsweise gegen Dermatophyten-Infektionen von Finger- und Zehennägeln (Onychomykosen) verordnet, wenn Topika allein nicht oder nicht ausreichend wirken. Entsprechende Präparate enthalten in der Regel eine Dosierung von 250 Milligramm Terbinafin.

Dosierung

Lokal anwendbare Cremes, Gele, Lösungen und Sprays enthalten Terbinafin in der Regel in einer Konzentration von einem Prozent und werden ein- bis zweimal täglich auf die befallenen Hautstellen aufgetragen. Lediglich ein rezeptfrei erhältlicher Nagellack gegen Onychomykosen ist höher dosiert (78,22 mg/ml).

Die Anwendungsdauer der Präparate variiert je nach Schweregrad der Pilzinfektion und liegt zwischen ein bis vier Wochen. Ein anderes Behandlungsschema ermöglicht eine einprozentige Terbinafinlösung, die gezielt zur Therapie von Fußpilz zwischen den Zehen entwickelt wurde. Die Lösung wird einmalig angewendet und bildet nach dem Auftragen auf die Haut einen dünnen Film, aus dem Terbinafin bis zu vier Tage in die darunter liegenden Hautschichten abgegeben wird. In dem so entstandenen Depot verbleibt es bis zu 13 Tagen und bekämpft die Pilzerreger.

Nebenwirkungen

Sofern keine Überempfindlichkeit gegen Terbinafin besteht, wird der Wirkstoff beim Anwenden auf der Haut gut vertragen. Zu den in der Regel harmlosen Nebenwirkungen zählen Juckreiz, Schorf- und Schuppenbildung.

Aus dem OTC-Sortiment*

Wirkstoff Präparat Indikation/Dosierung (Erw.)
Terbinafin Fungizid-ratiopharm extra Creme Tinea pedis, cruris, corporis: 1 x tgl. 1 Wo.
Candidosen der Haut: 1 x tgl. 1 – 2 Wo.
Pityriasis versicolor: 1 – 2 x tgl. 2 Wo.
Lamisil once Tinea pedis: 1 x beide Füße behandeln
(24 h nicht duschen!)
Terbinafin 1A Pharma Nagellack Onychomykosen: tgl. 4 Wo., dann 1 x pro Wo.
Fingernägel: ca. 6 Mo., Fußnägel ca. 9 – 12 Mo.
Terbiderm Gel/Spray Tinea corporis, Tinea cruris: 1 x tgl. 1 Wo.
Tinea pedis interdigitalis: 1 x tgl. 1 Wo., (nicht fettend)
*beispielhafte Nennungen, ohne Anspruch auf Vollständigkeit (Stand der Information 15.04.2026)

Beratungshinweise

Raten Sie Kunden, Topika mit Terbinafin immer über das Abklingen der Symptome hinaus anzuwenden und dabei die umliegende, gesunde Haut miteinzubeziehen. Wird die Therapie zu früh beendet, kann es durch noch vorhandene Pilzsporen zu einem Wiederaufflammen des Infekts kommen.

Wichtig ist auch, die infizierten Hautpartien vor dem Auftragen von Terbinafin gründlich zu waschen und anschließend sorgfältig zu trocknen. Um okklusive Effekte zu vermeiden, die ein das Pilzwachstum begünstigendes feucht-warmes Klima erzeugen, ist es ratsam, Cremes nur dünn aufzutragen. An Stellen, wo Haut auf Haut liegt, empfehlen sich fettfreie Gele und Sprays.

Um Reinfektionen oder die Ansteckung anderer Menschen zu vermeiden, sollten Handtücher, Bettwäsche und Strümpfe regelmäßig heiß gewaschen werden (≥ 60 °C). Ist dies nicht möglich, hilft der Zusatz von Hygienespülern.

Schuhe stets gut auslüften und antimykotisch wirksame Sprays oder Puder verwenden. Verschlechtert sich der Infekt während der Therapie oder tritt keine Besserung ein, sollte ein Hautarzt eingeschaltet werden. 

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