Sicca-Syndrom: Blinzeln reicht nicht

Das Trockene Auge betrifft circa 16 Prozent der Deutschen. Was oft mit Brennen und Fremdkörpergefühl beginnt, kann unbehandelt zu bleibenden Schäden führen. Eine gezielte Therapie ist daher sinnvoll.

von Annette Thomas
30.07.2026

Nahaufnahme Auge mit Brille
© Foto: Delmaine Donson, Getty Images
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  • Das Trockene Auge entsteht durch einen gestörten Tränenfilm hinsichtlich Menge und/oder Zusammensetzung.
  • Unbehandelt steigt die Gefahr für Entzündungen und Hornhautschäden.
  • Zu den Risikofaktoren zählen Alter, Wechseljahre, Bildschirmarbeit, Kontaktlinsen, trockene Luft, bestimmte Grunderkrankungen und Medikamente.
  • Es gibt wässrige und lipidhaltige Tränenersatzmittel. Konservierungsmittelfreie Zubereitungen sind zu bevorzugen.
  • Salben und Gele eignen sich gut für die Nacht. Die regelmäßige Lidrandpflege hilft bei Meibomdrüsendysfunktion.

Beim Trockenen Auge (Keratoconjunctivitis sicca, Sicca-Syndrom) liegt entweder ein Mangel an Tränenflüssigkeit oder eine gestörte Zusammensetzung des Tränenfilms vor. Letzter besteht aus drei Schichten: Die innere Muzinschicht sorgt für die Haftung des Tränenfilms auf der Augenoberfläche. Die mittlere, wässrige Schicht reinigt das Auge, wehrt Keime ab und versorgt die Hornhaut mit Nährstoffen. Die äußere Lipidschicht wird von den Meibomdrüsen gebildet und verhindert ein Verdunsten der wässrigen Schicht. Durch den Lidschlag wird der Tränenfilm alle paar Sekunden gleichmäßig auf der Augenoberfläche verteilt.

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Eine Dysfunktion der Meibomdrüsen gilt als häufigste Ursache für das Sicca-Syndrom. Bei bis zu 80 Prozent der Betroffenen ist dadurch die Lipidphase (äußere Lipidschicht) gestört. Unbehandelt können trockene Augen zu entzündlichen Defekten an der Horn- und Bindehaut, chronischen Augenschmerzen, erhöhtem Infektionsrisiko (z. B. bakterielle Bindehautentzündung) und in schweren Fällen zu Vernarbungen, Hornhauttrübungen oder einer merkbaren Einschränkung der Sehkraft führen.

Risikofaktoren sind das steigende Lebensalter, hormonelle Veränderungen in den Wechseljahren, lange Bildschirmzeiten sowie äußere Reize wie Rauch, trockene Heizungs- oder Klimaanlagenluft und das Tragen von Kontaktlinsen. Grunderkrankungen wie Diabetes oder atopische Dermatitis gehen oft mit trockenen Augen einher. Zudem können einige Arzneimittel die Beschwerden fördern. Dazu zählen Betablocker, Antidepressiva und Antihistaminika sowie die in Augentropfen und -salben verwendeten Hilfsstoffe Benzalkoniumchlorid und Wollwachs.

Beratungstipps zum Trockenen Auge

Grafik: Beratungstipps Trockenes Auge

Diese Beratungstipps können dazu beitragen, die Symptome des Trockenen Auges zu lindern.
© Foto: DAS PTA MAGAZIN/DAV

Neulich in der Apotheke

Eine Kundin mittleren Alters leidet unter müden, brennenden und tränenden Augen. Sie ist Kontaktlinsenträgerin und arbeitet in ihrem Beruf täglich mehrere Stunden am PC. Im Laufe des Arbeitstages nehmen die Beschwerden zu: Das Sehen wird anstrengender, die Konzentration lässt nach und der Kopf beginnt zu schmerzen. Die Beschwerden beeinträchtigen zunehmend ihre Leistungsfähigkeit im Beruf, weshalb sie immer häufiger Kopfschmerztabletten einnimmt.

Einordnung

Die Frau befindet sich vermutlich in den Wechseljahren. Mit regelmäßiger Bildschirmarbeit sowie dem Tragen von Kontaktlinsen bringt sie weitere Risikofaktoren für trockene Augen mit. Eine gezielte Therapie ist hier nicht nur sinnvoll, um dauerhafte Augenschäden zu vermeiden, sondern auch, um den häufigen Schmerzmittelkonsum einzudämmen.

Abklärung

Die Kundin liefert bereits wichtige Hinweise auf mögliche Ursachen ihrer Beschwerden. Dennoch müssen weitere Punkte abgeklärt werden. Bestehen die Symptome länger, treten Schmerzen oder Sehstörungen auf, liegen Augenverletzungen vor oder besteht der Verdacht auf eine bakterielle oder virale Infektion, ist eine augenärztliche Abklärung erforderlich. Gleiches gilt, wenn bereits Tränenersatzmittel angewendet wurden, ohne eine dauerhafte Besserung zu erzielen.


Aus dem OTC-Sortiment*

Präparat

Wirkstoff(e)

wässriger Tränenersatz
Artelac EDO Augentropfen Hypromellose
Hylo Dual Intense Augentropfen Hyaluronsäure, Ectoin
Hylo-Vision SafeDrop 0,1 % Augentropfen Hyaluronsäure
Lac-Ophtal MP Augentropfen Povidon
Vidisic EDO Augengel Carbomer 980
lipidhaltiger Tränenersatz
Optive plus Augentropfen Carmellose, Glycerol, Rizinusöl
Systane Balance Benetzungstropfen für die Augen dickflüssiges Paraffin, Propylenglykol, Guarprolose
Tears Again liposomales Augenspray Lecithin, Retinolpalmitat
Thealoz Duo Augentropfen Trehalose, Hyaluronsäure
Lidrandpflege
Blephaclean Kompressen, steril asiatischer Wassernabel-Extrakt, Iris florentina-Wurzel-extrakt, Hyaluronsäure
Blephasol Duo Lotion und Reinigungspads Poloxamer
Posiforlid Augenmaske Wirkung durch feuchte Wärme

*beispielhafte Nennungen ohne Anspruch auf Vollständigkeit

Empfehlungen

Wird die Augenoberfläche nicht ausreichend benetzt oder ist die Zusammensetzung des Tränenfilms gestört, ist das behandlungsbedürftig. Je nach Ausprägung der Symptome sind wässrige oder lipidhaltige Tränenersatzmittel die richtige Wahl, um die Menge und die Qualität des Tränenfilms zu verbessern. Ergänzend kann die tägliche Lidrandhygiene empfohlen werden.

Tränenersatzprodukte liefern Feuchtigkeit oder Lipide fürs Auge.
 

Wässriger Tränenersatz

Die meisten befeuchtenden Augentropfen enthalten den Wirkstoff Hyaluronsäure. Das Polysaccharid kann große Mengen an Wasser speichern und legt sich als schützender Film über die Augenoberfläche, wodurch eine langanhaltende Befeuchtung erreicht wird. In manchen Präparaten sind zusätzlich Ectoin und/oder Dexpanthenol oder Trehalose enthalten. Diese haben ebenfalls die Fähigkeit, Wasser zu binden.

Andere künstliche Tränenflüssigkeiten enthalten viskositätserhöhende Substanzen, um die Verweildauer auf dem Auge zu erhöhen. Bei leichteren Beschwerden eignen sich beispielsweise Polyvinylpyrrolidon (Povidon) oder Polyvinylalkohol. Etwas stärker wirksam sind Cellulosederivate wie Hypromellose oder Carbomer. Die Benetzung und Verweildauer können durch weitere viskositätserhöhende Polymere wie Guaraprolose oder durch Feuchthaltemittel wie Glycerol verstärkt werden.

Salben und (bestimmte) Gele verweilen länger als wässrige Lösungen auf der Augenoberfläche. Das erhöht ihre Einwirkzeit. Damit haben sie eine längere Wirkdauer und eignen sich deshalb für die Anwendung vor dem Schlafengehen beziehungsweise über Nacht. Kurzfristiges verschwommenes Sehen nach der Anwendung ist möglich.

Mann reibt sich die Augen

Trockene, brennende oder müde Augen durch zu seltenes Blinzeln bei konzentrierter Bildschirmarbeit werden auch als Office-Eye-Syndrom bezeichnet.
© Foto: New Africa, stock.adobe.com

Lipidhaltiger Tränenersatz

Führen wässrige Augentropfen nicht zum gewünschten Erfolg, können lipidhaltige Produkte empfohlen werden. Diese enthalten beispielsweise mittelkettige Triglyceride, Phospholipide, Paraffin oder Rizinusöl. Verwendung findet auch Perfluorhexyloctan. Das ist eine lipophile Substanz, die sich schnell im Auge verteilt und das Sehvermögen nicht beeinträchtigt.

Neben Augentropfen sind liposomale Augensprays verfügbar: Diese werden auf das geschlossene Augenlid gesprüht und wandern über den Lidrand ins Auge. Sie enthalten zum Beispiel Lecithin sowie die Vitamine A und E.

Lidrandpflege

Werden die Symptome durch verstopfte Meibomdrüsen verursacht, empfiehlt sich außerdem eine regelmäßige Lid-randpflege. Dazu können vor der Reinigung feuchtwarme Kompressen oder eine wärmende Augenmaske aufgelegt werden, um das verhärtete Sekret in den Drüsen zu verflüssigen. Anschließend werden die Lidränder vorsichtig massiert, um das Sekret aus den Drüsen zu drücken. Alternativ gibt es fertige Reinigungslotionen beziehungsweise getränkte Reinigungstücher. Wichtig ist, die Lidrandpflege regelmäßig durchzuführen, um eine dauerhafte Verbesserung zu erzielen.

Zusatzhinweise

Bei der Auswahl der Augentropfen sollten konservierungsmittelfreie Produkte (EDO/Mehrdosissysteme) bevorzugt werden. So lässt sich vor allem bei häufiger Anwendung ein zusätzliches Austrocknen durch Stoffe wie Benzalkoniumchlorid vermeiden.

Während akuter Beschwerden empfiehlt sich das Tragen einer Brille anstelle von Kontaktlinsen. Wer viel am Bildschirm sitzt, sollte außerdem regelmäßige Erholungspausen für die Augen einlegen, zum Beispiel alle 20 Minuten für 20 Sekunden auf einen Punkt in mindestens 20 Fuß (ca. 6 Meter) Entfernung blicken (20–20–20-Regel). Die Pausen können auch mit einem Gang in die Küche verbunden werden, um ein Glas Wasser zu holen – denn auch ausreichendes Trinken ist wichtig, um die Tränenfilmproduktion zu unterstützen.

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