Zecken: Sie stechen wieder
- Nicht jede Zecke ist infektiös und nicht jeder Stich führt zu einer Infektion.
- Die häufigste durch Zecken übertragene Krankheit ist die Borreliose. Sie lässt sich mit Antibiotika behandeln.
- Repellenzien bieten Schutz vor Zeckenstichen. Die Wirkdauer variiert je nach Produkt.
- Hunde können mit Halsbändern oder Spot-on-Präparaten geschützt werden.
- Wer eine Zecke an sich oder seinem Hund entdeckt, sollte diese mit einer Pinzette oder Zeckenkarte entfernen und die Stelle desinfizieren.
Der in diesem Jahr vielerorts knackige Winter hat den Spinnentieren in Wäldern und auf Wiesen nach Experteneinschätzung nicht viel anhaben können. „Ich rechne nicht mit einer nennenswerten Dezimierung“, sagte Katja Mertens-Scholz, Leiterin des nationalen Referenzlabors für durch Zecken übertragene Krankheiten am Friedrich-Loeffler-Institut in Jena, der Deutschen Presse-Agentur.
Erste Meldungen von Borreliose-Fällen in diesem Jahr zeigen, dass Zecken wie der Gemeine Holzbock (Ixodes ricinus) bereits wieder aktiv sind, betonte die Biologin. Nach Daten des Berliner Robert Koch-Instituts sind zum Beispiel in Thüringen seit Jahresbeginn rund zwei Dutzend Fälle gemeldet worden. Grundsätzlich sind die meisten Zeckenarten ganzjährig aktiv, am stärksten jedoch im Frühling und Herbst, berichtet das Robert Koch-Institut.
Infektionen
Die von Borrelien (Bakterien) ausgelöste Lyme-Borreliose ist die am häufigsten durch Zecken übertragene Krankheit in Deutschland. Darüber hinaus können Zecken auch Viren übertragen, die unterschiedliche Krankheitsbilder hervorrufen, beispielsweise das FSME-Virus, das die Frühsommer-Meningoenzephalitis auslösen kann.
Allerdings ist nicht jede Zecke Träger von Krankheitserregern, erläuterte Mertens-Scholz. Bei Borrelien etwa treffe das je nach Region auf fünf bis 35 Prozent der Zecken zu. Typisches Anzeichen für eine Infektion mit Borrelien ist ein roter Hautring um die Einstichstelle. Weitere mögliche Symptome sind Muskel- und Gelenkschmerzen sowie Fieber. Behandelt wird die Infektion mit Antibiotika. Anders als bei FSME gibt es keine Schutzimpfung.
Aus dem OTC-Sortiment* |
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| Produkt | Wirkstoff | Schutzdauer lt. Hersteller |
|---|---|---|
| Anti Brumm Zecken Stopp Spray | Icaridin, Eucalyptus citriodora-Öl | bis zu 8 Std. |
| Autan Zeckenschutz Pumpspray | Icaridin 25 % | bis zu 12 Std. |
| Nobite Hautspray | DEET 50 % | bis zu 7 Std. |
| Nobite Kleidung Spray | Permethrin 2 % | 1 Mo. (Imprägnierung nach dem Waschen der Kleidung wiederholen) |
| Soventol Protect Intensiv-Schutzspray Zeckenabwehr | PMD (p-Menthan-3,8-diol) | bis zu 6 Std. |
*beispielhafte Nennungen ohne Anspruch auf Vollständigkeit (Stand der Informationen: 15.03.26)
Wussten Sie, dass ...
- FSME eine durch Viren ausgelöste Entzündung des Gehirns und der Hirnhäute ist?
- sich das Virus in kleinen Nagetieren vermehrt und über infizierte Zecken übertragen wird?
- FSME ein bis zwei Wochen nach dem Zeckenstich ausbricht und in zwei Phasen verläuft?
- Forschende ganz aktuell einen genetischen Risikofaktor für FSME identifiziert haben?
Prävention
Eins vorweg: Nicht jeder, der von einer infizierten Zecke gestochen wird, erkrankt. Wichtig ist dennoch, die Zecke möglichst schnell herauszuziehen. Dazu greift man das Tier am besten mit einem Zeckenentfernungsinstrument (z. B. Zeckenkarte, Pinzette) nahe der Hautoberfläche, also an den Mundwerkzeugen, und niemals am vollgesogenen Körper. Es sollte langsam und gerade aus der Haut gezogen werden. Nach der Behandlung empfiehlt sich eine sorgfältige Desinfektion.
Repellenzien-- Vorbeugend können Repellenzien schützen. Hier gibt es eine Reihe von Präparaten. Es handelt sich um synthetische Verbindungen oder Pflanzenauszüge, die beispielsweise in Lotionen oder Sprays zur Anwendung auf der Haut verfügbar sind. Weit verbreitete Vertreter sind DEET (Diethyltoluamid) und Ircaridin sowie PMD (p-Menthan-3,8-diol, Mentho-glykol, Citriodiol).
Ein solcher Zeckenschutz ist nur eine bestimmte Zeit wirksam und muss daher aufgefrischt werden. Die Schutzzeiten variieren je nach Wirkstoff und Produkt, weshalb die Produktinformation vor der Anwendung zu lesen ist.
Insektizide-- Einige Präparate sind zur Anwendung auf Kleidungsstücken geeignet. Dabei handelt es sich um Insektizide. Während Zecken durch die Anwendung von Repellenzien nur vertrieben werden, führt ein Kontakt mit neurotoxischen Insektiziden zu ihrem Absterben. Zu den Insektiziden zählen Inhaltsstoffe aus den Blüten von Chrysanthemum-Arten (Pyrethrumextrakt) oder synthetisch hergestellte verwandte Verbindungen (Pyrethroide wie Permethrin, Allethrin).
Sonstiges-- Zum vollständigen Schutz vor Zecken gehören auch festes Schuhwerk sowie lange, den Körper bedeckende Kleidung.
Ob Hund oder Mensch: Zecken sollten so schnell wie möglich nach dem Entdecken entfernt werden. Am besten gelingt das mit einem speziellen Zeckenentfernungsinstrument.
© Foto: Andrei310, Getty Images
Hunde
Auch des Menschen bester Freund, der Hund, ist nicht vor Zeckenstichen gefeit. So überträgt zum Beispiel der Gemeine Holzbock außer Borrelien auch den Erreger der Caninen Anaplasmose: das Bakterium Anaplasma (A.) phagocytophilum.
Canine Anaplasmose
Häufig bleiben Infektionen symptomlos. Es sind jedoch punktförmige Einblutungen in die Haut, Fieber und Gelenkentzündungen möglich. Die Behandlung erfolgt mit Antibiotika (z. B. Doxycyclin). Eine direkte Ansteckung vom Hund auf den Menschen gilt als unwahrscheinlich. Es gibt vereinzelte Fälle, wo A. phagocytophilum von der Zecke auf den Menschen übertragen wurde.
Borreliose
Sind Hunde mit Borrelien infiziert, zeigen sie in der Regel ebenfalls keine Krankheitszeichen. Mögliche Beschwerden sind Mattigkeit und wechselnde Lahmheit. Therapiert wird mit Antibiotika aus der Tetracyclin-Gruppe. Eine Impfung zur Vorbeugung ist verfügbar. Hunde stecken ihre Halter nicht direkt an. Das Risiko besteht darin, dass sie Zecken mit ins Haus bringen, die dann auch den Menschen als Wirt aufsuchen.
Babesiose/Ehrlichiose
Neben dem Gemeinen Holzbock gibt es in Deutschland die Auwaldzecke (Dermacentor reticulatus) und die Braune Hundezecke (Rhipicephalus sanguineus). Beide können schwerwiegende Erkrankungen wie Babesiose („Hundemalaria“) und Ehrlichiose auslösen.
Bei der Babesiose zerstören die Erreger rote Blutkörperchen. Das kann zu schwerer Blutarmut und Gelbsucht bis hin zum Tod des Hundes führen. Bei der Ehrlichiose stören die Bakterien die Bildung von Blutplättchen und erhöhen so die Blutungsneigung.
Tipps für Hundehalter
Wer mit seinem Hund in der freien Natur war, sollte das Tier danach gründlich absuchen und Zecken so gut es geht entfernen. Vorbeugend lässt sich auch für den Vierbeiner etwas tun. Zeckenhalsbänder-- So gibt es Zeckenhalsbänder mit Wirkstoffen wie Deltamethrin, Flumethrin, Imidacloprid oder Propoxur. Sie werden für kleine, mittelgroße und große Hunde angeboten.
Die volle Schutzwirkung setzt nach wenigen Tagen ein und hält je nach Produkt, Fellbeschaffenheit und Pflegezustand etwa sechs bis acht Monate.
Spot-on-Präparate-- Lösungen mit Wirkstoffen wie Imidacloprid oder Fipronil werden direkt auf die Haut, idealerweise im Nacken zwischen den Schulterblättern des Hundes, aufgetragen. Danach sollte der Hund für ein bis zwei Tage nicht schwimmen und auch nicht shampooniert werden.