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Zertifizierte Fortbildung: Giftpflanzen

Apotheken sind eine wichtige Anlaufstelle, wenn es um Vergiftungen mit Pflanzenmaterial geht. Ob Arzneimittelnebenwirkung oder versehentliche oder absichtliche Vergiftung mit Garten- oder Wildpflanzen, das Thema ist immer wieder aktuell.

von Petra Schicketanz
30.04.2026

Maiglöckchen
© Foto: emer1940, Getty Images
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  • Eine Pflanzenvergiftung kommt nicht zwingend durch das Verschlucken von giftigem Pflanzenmaterial zustande.
  • Beim Hautkontakt können Kontaktgifte zum Tragen kommen oder hautreizende, allergisierende oder phototoxisch wirksame Substanzen.
  • Im Vergiftungsnotfall sollten Pflanzenreste und Erbrochenes aufgehoben werden, um die Giftpflanze zweifelsfrei identifizieren zu können.
  • Seit 2026 bündelt das neu gegründete Deutsche Vergiftungsregister am Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) alle Daten bundesweit, um den Verbraucherschutz zu verbessern.
  • Giftnotrufzentralen sind über Telefon oder App erreichbar; die Liste der Länder-Zentren findet sich beim BVL oder in der BfR-App.

Die Denkweise „Das ist doch bloß pflanzlich“ hat schon viele Opfer gefordert. Rund 280.000 Anrufe gehen jährlich bei den deutschen Giftinformationszentren ein, um eine Vergiftung oder zumindest einen Verdachtsfall darauf zu melden. Mehr als jeder zehnte Anruf bezieht sich dabei auf eine pflanzliche Ursache. In 80 Prozent dieser Fälle sind die Betroffenen unter zehn Jahre alt, davon sind wiederum ein großer Teil Kleinkinder, die sich im Zuge ihres Entdeckerdrangs allerlei unbekömmliche Dinge in den Mund stecken.

Aktueller Podcast

Lernziele Giftpflanzen

Nach Lektüre dieser Lerneinheit wissen Sie, ...

  • wie es zu Vergiftungen mit Pflanzen kommen kann.
  • welches die häufigsten Pflanzen-vergiftungen sind.
  • wie in einem Vergiftungsnotfall Erste Hilfe zu leisten ist.
  • auf was Sie bei einem Vergiftungsnotruf achten müssen.
  • in welcher Form Giftpflanzen in der Apotheke zum Einsatz kommen.

Zum Glück treten in den meisten Fällen nur leichte oder keine Symptome auf, und es ist lediglich eine Beobachtung der Fälle notwendig. Bei zwei bis drei Prozent der Meldungen handelt es sich jedoch um mittlere und schwere Vergiftungen. Todesfälle durch Pflanzenvergiftungen sind zum Glück sehr selten und geschehen eher in suizidaler Absicht. Aber es gibt auch schwere Fälle, bei denen giftige Pflanzen mit essbaren verwechselt und in größeren Mengen verspeist werden. So kommt es beispielsweise in jedem Frühjahr zu schweren oder tödlichen Vergiftungen, wenn anstelle der gesuchten, beim Zerreiben nach Knoblauch duftenden, Bärlauchblätter die grünen Blätter von Maiglöckchen oder Herbstzeitlosen gegessen werden.

Definitionen

Was genau ist eine Vergiftung? Die Frage klingt banal, aber nicht jedem ist bewusst, dass es sich dabei nicht ausschließlich um das Verschlucken einer giftigen Substanz handelt. Umfassend wird eine Vergiftung (Intoxikation) beschrieben als gesundheitsschädigende Einwirkung von chemischen, tierischen, pflanzlichen, bakteriellen und sonstigen Stoffen (Toxine) auf den Körper.

Dabei ist die Aufnahme nicht auf den Verdauungstrakt beschränkt. Sie kann ebenso über die Atmungsorgane erfolgen, über unverletzte oder verletzte Haut oder durch eine Injektion. Von einer Vergiftung im engeren Sinne spricht man, wenn schwere Symptome (inklusive Tod) durch die Aufnahme einer toxischen (oder tödlichen) Dosis verursacht werden. Eine Vergiftung im weiteren Sinne ist prinzipiell durch das Auftreten leichter oder mittelschwerer Symptome gekennzeichnet, die durch die Aufnahme eines Giftstoffes verursacht werden.

Das Ausmaß der Giftwirkung ist direkt dosisabhängig. So können auch Stoffe mit niedriger Toxizität über eine entsprechend höhere Dosis zur Vergiftung führen. Treten (noch) keine Symptome auf oder ist die Symptomatik nicht sicher auf die Aufnahme eines Giftstoffes zurückzuführen, spricht man lediglich von einem Vergiftungsverdacht.

Toxikovigilanz-- Diese Unterscheidung ist wichtig für die Toxikovigilanz. Laut WHO-Definition versteht man darunter alle Aktivitäten, die zur Identifizierung und Bewertung der Vergiftungsrisiken in einer Gesellschaft dienen, sowie die Bewertung der Maßnahmen, die zur Verminderung oder Elimination dieser Risiken getroffen werden. Um Gefahren durch Vergiftungen frühzeitig zu erkennen und zu vermeiden, sowie um das in den Giftinformationszentren gemeldete Geschehen bundesweit zu erfassen, gibt es seit dem 1. Januar 2026 das Nationale Vergiftungsregister, das beim Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) angesiedelt ist.

Schöllkraut (Chelidonium majus)

Pflanzen sollten nur dann zum Verzehr oder für Heilzwecke gesammelt werden, wenn die eigene Pflanzenkenntnis ausreicht, sie von ihren giftigen Vertretern zu unterscheiden. Schöllkraut gilt ab einer gewissen Konzentration als lebertoxisch. Der Saft, der bei Blattverletzungen austritt, ist stark färbend und ätzend.
© Foto: Migdad Residovic, Getty Images

Im Vergiftungsnotfall

Wenn Verdacht auf eine Vergiftung vorliegt, ist schnelles Handeln wichtig. Am besten, man hat die für die eigene Region zuständige Nummer in der Notrufliste des Telefons einprogrammiert. Eine Liste der jeweiligen Giftnotrufzentralen für Deutschland, Österreich und die Schweiz findet sich auf der Internetseite des Bundesamtes für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit (BVL).

Besonders wer Kinder hat oder betreut, sollte die kostenlose App „Vergiftungsunfälle bei Kindern“ des Bundesinstituts für Risikobewertung (BfR) auf dem Smartphone haben. Eine App kann und darf nicht die medizinische Versorgung ersetzen. Sie hilft aber, auch offline bei Verdachtsfällen für Vergiftungen mit Pflanzen, Medikamenten oder Chemikalien die Situation richtig einzuschätzen und die passenden Maßnahmen zu treffen.

Im Notfall kann das regional zuständige Giftinformationszentrum direkt aus der App angerufen werden. Zudem bietet die App die Möglichkeit, Pflanzen unter ihrem deutschen oder botanischen Namen abzufragen. Ein Foto und die Beschreibung helfen, den Tatbestand zu sichern, um passende Erste-Hilfe-Empfehlungen zu nutzen. Wer sich dennoch unsicher ist, ob es sich tatsächlich um die vermutete Pflanze handelt, sollte sich nicht scheuen, Fachleute zu fragen oder zumindest eine gute Bestimmungsapp zu Rate zu ziehen (z. B. Flora incognita).

Maßnahmen und Fragen bei oralen Vergiftungen

Grafik: Maßnahmen und Fragen bei oralen Vergiftungen

Besteht der Verdacht auf eine Vergiftung, sollte vor allem bei Kindern nicht erst auf eintretende Beschwerden gewartet, sondern gehandelt werden. Die oben beschriebenen Maßnahmen beschränken sich auf orale Pflanzenvergiftungen.
© Foto: DAS PTA MAGAZIN/DAV

Erste Hilfe

Besteht der Verdacht auf eine Vergiftung, sollte vor allem bei Kindern nicht erst auf eintretende Beschwerden gewartet werden. Die nachfolgenden Maßnahmen beschränken sich auf orale Pflanzenvergiftungen. Dabei ist wie folgt vorzugehen:

1. Pflanzenreste soweit möglich aus dem Mund entfernen und aufheben, damit die Pflanze später zweifelsfrei identifiziert werden kann. Gegebenenfalls sollte man zu diesem Zweck auch Erbrochenes aufbewahren und, wenn möglich, Fotos von der Pflanze machen.

2. Anruf bei einem Giftinformationszentrum, einer Klinik oder Arztpraxis. Dabei sind die folgenden Informationen wichtig:

  • Welche Pflanze wurde gegessen?
  • Welche Teile der Pflanze?
  • Wieviel davon?
  • Ist ein Kind betroffen?
  • Wenn ja, wie alt und wie schwer ist das Kind?

3. Nach dem Verschlucken giftiger Pflanzenteile sollte man ein bis zwei Gläser Wasser oder Tee geben, damit die Giftstoffe im Körper verdünnt werden. Auf keinen Fall darf Milch getrunken werden, da diese als Lösungsmittel dienen und die Resorption der Toxine verstärken kann. Finger weg von Salzwasser! Zum einen ist es nicht sinnvoll, Erbrechen zu erzwingen. Zum anderen kann Salzwasser bei Kleinkindern eine tödliche Vergiftung auslösen.

4. Abhängig von Art und Stärke des Giftes kann auch über die Haut eine Vergiftung erfolgen. Hierzu sollte stets ärztlicher Rat eingeholt werden und dann nach dessen Empfehlung Maßnahmen getroffen werden. Hierzu gehören: nach Hautkontakt Haut fünf Minuten lang mit Wasser oder milder Seifenlauge spülen; ausgiebiges Ausspülen der Augen mit Wasser nach Augenkontakt (etwa 5 Min., bei starkem Brennen 10 Min.).

English for PTA: Toxic plants

Lesen Sie ergänzend und thematisch passend zu unserer zertifizierten Fortbildung unseren englischen Beitrag „Danger in the Garden“.

Pflanzengifte in der Apotheke

Frei nach dem von Paracelsus hergeleiteten Motto „Erst die Dosis macht das Gift“ werden Giftpflanzen in der Apotheke auch als Heilmittel eingesetzt. Von den apothekenüblichen, rezeptfreien Phytopharmaka ist zu erwarten, dass sie zwar Nebenwirkungen haben können, aber üblicherweise keine schweren Vergiftungen auslösen. Gelegentlich sind auch hier unbekömmliche Einzelstoffe enthalten, doch im Vielstoffgemisch des Pflanzenextraktes liegen sie in einer Wechselbeziehung vor, die dafür sorgt, dass die Unverträglichkeit des Einzelstoffes nicht zum Tragen kommt. Oder die Dosierung und Art der Zubereitung sorgen für eine sichere Anwendbarkeit, wie die nachfolgenden Beispiele zeigen.

Efeu-- Bei Hedera helix sind Vergiftungen durch Beeren oder Blätter möglich, ausgelöst durch Triterpensaponine, die bei unverarbeitetem Pflanzenmaterial und der darin enthaltenen, hohen Dosierung Erbrechen, Durchfall und Krämpfe auslösen. In niedriger, eingestellter Dosierung wirken sie bei Atemwegserkrankungen schleimlösend, auswurffördernd und krampflösend und können sogar bei Kleinkindern sicher angewendet werden.

Schöllkraut-- Der Extrakt aus Chelidonium majus gilt bei krampfartigen Beschwerden im Bereich der Gallenwege und des Magen-Darm-Traktes als anerkanntes Heilmittel. Wegen lebertoxischer Alkaloid-Wirkung wurde 2008 ein Limit für innerlich angewendete Schöllkrautpräparate gesetzt. Seitdem liegt die Tageshöchstdosis bei 2,5 Milligramm Gesamtalkaloide, berechnet als Chelidonin.

Wunderbaum

Das in den Samen des Wunderbaumes enthaltene Ricin ist ein hochgiftiges, fettunlösliches Lektin, gegen das es kein Antidot gibt und das als Kampfstoff (biologisches Toxin) gilt.
© Foto: eugenesergeev, Getty Images

Rizinus-- Das Öl aus den Samen des Wunderbaumes (Ricinus communis) wird zum einen als feuchtigkeitsspendendes, antioxidatives Substrat der Haut- und Haarpflege verwendet. Zum anderen wirkt sein hoher Gehalt an Ricinolsäure als starkes Abführmittel. Bei der Herstellung des Öls muss jedoch die Substanz Ricin durch Raffination entfernt werden. Ricin ist ein hochgiftiges, fettunlösliches Lektin, gegen das es kein Antidot gibt und das als Kampfstoff (biologisches Toxin) gilt. Im Jahr 2018 ging ein Fall weltweit durch die Presse, bei dem ein Religionsfanatiker zur Vorbereitung eines Terroranschlages relevante Mengen des Toxins aus Rizinussamen hergestellt hatte, die er zuvor problemlos im Internet bestellen konnte.

Gegen Ricin gibt es bis heute kein Antidot.
 

Homöopathika-- Nach der Lehre Samuel Hahnemanns werden Krankheitssymptome mit Mitteln behandelt, die im unverdünnten Zustand genau diese Symptome hervorrufen. Für die Herstellung der Homöopathika werden Urtinkturen verwendet, die dementsprechend toxisch sein können. Sie werden jedoch in speziellen Verfahren potenziert und dabei stofflich verdünnt. Je höher die Potenz, desto niedriger der Toxingehalt. In niedriger Potenz (unter D4) können einige Mittel der Verschreibungspflicht unterliegen.

BfR App

Die BfR-App soll Helfer und Berater zugleich sein. Indem sie Kenntnisse vermittelt, um Säuglinge und Kleinkinder vor Vergiftungen zu schützen.
© Foto: Screenshot BfR App

Isolierte Giftstoffe

Grundsätzlich gelten isolierte Pflanzentoxine nicht mehr als Phytotherapeutika, sondern als Einzelwirkstoffe mit geringer therapeutischer Breite. Das heißt, der Bereich zwischen therapeutischer und toxischer Dosis ist sehr gering. Eine pharmazeutische Nutzung dieser Subs-tanzen ist bei der üblichen Extraktgewinnung zu unsicher; je nach Standort und Umweltbedingungen kann der Subs-tanzgehalt eines Extraktes stark schwanken. Dementsprechend wird nur mit isolierten, genau eingestellten Wirkstoffen therapiert. Üblicherweise unterliegen die daraus gewonnenen Präparate der Verschreibungspflicht, sofern es sich nicht um Homöopathika handelt, deren Potenzierungsstufe eine ausreichend sichere Verdünnung darstellt.

Alkaloide-- Eine wichtige Giftstoffgruppe im Pflanzenreich sind Alkaloide. Sie dienen den Pflanzen zum Schutz vor Fraßfeinden und haben schon in geringer Dosierung eine starke Wirkung auf den menschlichen oder tierischen Organismus.

In entsprechend eingestellten Zubereitungen können Alkaloide medizinisch genutzt werden. Ein bekannter Wirkstoff ist das aus dem Schlafmohn (Papaver somniferum) gewonnene Hauptalkaloid Morphium, das als starkes Schmerzmittel eingesetzt wird. Weitere Beispiele sind Strychnin aus den Samen der Brechnuss (Strychnos nux-vomica) oder das in der Augenheilkunde verwendete Tropan-Alkaloid Atropin aus der Tollkirsche (Atropa belladonna).

Trotz der Verordnungsauflagen kommt es immer wieder zu Vergiftungen mit therapeutisch eingesetzten, isolierten Alkaloiden, teils aufgrund von Dosierungsfehlern (z. B. beim Wechsel der Darreichungsform) oder in suizidaler Absicht. Beispielsweise meldete das Giftinformationszentrum Erfurt in den Jahren zwischen 1994 und 2015 allein 71 Vergiftungsfälle mit Colchicin, dem Gift der Herbstzeitlosen.

Wild- und Gartenpflanzen

Pflanzen, die am häufigsten zu einer schweren Vergiftung führen, sind laut einer Veröffentlichung des BfR aus dem März 2025 Eisenhut, Herbstzeitlose, Tollkirsche, Schierling, Stechapfel, Rizinus und Engelstrompete. Bei den Pflanzen mit mittelschwerem Vergiftungsrisiko waren es Eibe, Holunder, Maiglöckchen, ungekochte Gartenbohnen, Goldregen, Aronstab, Narzissen, Thuja, Wolfsmilchgewächse, Wilder Wein und Oleander. Nicht alle können an dieser Stelle vorgestellt werden.

Kartoffeln mit Trieben

Das Alkaloid Solanin sammelt sich beim Auskeimen in den Trieben. Sind diese länger als ein Zentimeter, ist die Kartoffel ungenießbar.
© Foto: Gheorhge, Getty Images/iStockphoto

Roh statt gekocht

Selbst häufig genutzte Lebensmittel wie Kartoffeln oder Bohnen sind in ihrem Rohzustand giftig. Bohnen enthalten das giftige Protein Phasin, das erst durch hohe Temperaturen zerstört wird. Deshalb dürfen Bohnen nicht durch sanftes Dünsten, Dämpfen oder andere schonende Methoden zubereitet werden. Eine Vergiftung mit rohen Bohnen löst zwei bis drei Stunden nach dem Konsum der unzureichend gegarten Hülsenfrüchte krampfartige Bauchschmerzen, Übelkeit, Erbrechen aus. Nach dem Verzehr großer Mengen kommt es auch zu blutigem Durchfall, Fieber und Blutdruckabfall. Die Stärke der Symptome kann individuell sehr unterschiedlich sein, Kinder trifft es meist härter.

Solanum tuberosum-- Kartoffeln gehören zu den Nachtschattengewächsen (Solanaceae) und schrecken Fraßfeinde mit dem Glykoalkaloid Solanin ab, das vor allem in der Kartoffelschale steckt. Beim Auskeimen konzentriert sich die Subs-tanz in den Trieben. Hier gilt die Faustregel: Bis zu einem Zentimeter lange Triebe können mitsamt den Ansätzen (Augen) großzügig herausgeschnitten werden. Sind sie länger oder hat die Schale grüne Stellen, ist der Solaningehalt zu hoch und die Kartoffel ebenso wie die oberirdischen Teile der Pflanze sind ungenießbar.

Solanum-Alkaloide sind hitzebeständig, können also durch Kochen nicht zerstört werden. Sie führen zu Bauchschmerzen, Übelkeit, Erbrechen, Durchfall. Bei schweren Vergiftungen kommt es zu niedrigem Blutdruck, schwachem Puls, schneller Atmung und Bewusstseinsstörungen. Der Solanin-Gehalt wird durch Schälen und Ausputzen der Triebe verringert. Beim Kochen geht das wasserlösliche Alkaloid ins Kochwasser über, das am besten danach abgeschüttet wird. Durch das Kochen wird außerdem die schwer verdauliche Stärke bekömmlicher.

Verwechslungen sind häufig Grund für Vergiftungen.

Verwechslung

Kleinere Kinder stecken sich gerne alles, was ihnen interessant erscheint, in den Mund. Meist handelt es sich dabei um Beeren oder andere attraktive Pflanzenteile. Bei Erwachsenen sind es eher Intoxikationen durch Giftpflanzen, die mit essbaren Pflanzen verwechselt wurden. Klassisch ist hier der versehentliche Verzehr von Maiglöckchen oder Herbstzeitlosen zu nennen, die jedes Jahr anstelle von essbarem Bärlauch geerntet werden.

Maiglöckchens (oben), 
Bärlauch (mittig), Herbstzeitlose (unten)

Die Blätter des Maiglöckchens (oben), von Bärlauch (mittig) und Herbstzeitlose (unten) ähneln sich sehr. Abgesehen von Bärlauch sind sie äußerst giftig.
© Foto: [M] emer1940, Getty Images; Anastasiia Sapozhnikova, Getty Images; Peter Oetelshofen, stock.adobe.com

Convallaria majalis-- Alle Pflanzenteile, besonders aber die Blätter, die weißen, nickenden Glockenblüten sowie die roten Beeren des Maiglöckchens sind aufgrund von herzwirksamen Glykosiden und Saponinen giftig. Wichtig für Bärlauchsammler: Die Blätter des Maiglöckchens duften nicht nach Knoblauch! Sie stehen stengelumfassend immer zu zweit oder zu dritt, also nicht grundständig und langstielig wie die des Bärlauchs. Als Eselsbrücke kann man sich das aus zwei Maiglöckchenblättern gebildete V merken für „Verboten!“. Die Vergiftungssymptome zeigen sich durch Übelkeit, Erbrechen, Durchfall sowie Herzrhythmusstörungen.

Colchicum autumnale-- Gäbe es die Verwechslung mit Bärlauchblättern nicht, würde man die Blätter der Herbstzeitlosen im Frühsommer vermutlich gar nicht beachten, da sie nicht mit den im Herbst erscheinenden, blattlosen Blüten, zusammengebracht werden. Während Bärlauchblätter in voller Breite und tendenziell schlapp erscheinen, stehen die der Herbstzeitlose schräg aufwärts und wirken dicklich steif, da sie sich an den Blattspitzen kahnförmig zusammenziehen, was ihnen mehr Halt verleiht. Meist bilden drei Laubblätter einen steilen Trichter, in dem sich die Kapselfrucht befindet. Sie ist grün und länglich-eiförmig. Im Reifezustand färbt sie sich braun und platzt auf, wodurch die schwarz-braunen Samen freigesetzt werden.

Alle Teile der Herbstzeitlose, von der Knolle bis zur Blüte, sind stark giftig durch das Alkaloid Colchicin, das als Hemmstoff der Mitosephase die Zellteilung blockiert, wobei vor allem Gewebe mit einer hohen Zellteilungsrate betroffen sind.

Das Gift der Herbstzeitlosen wird unter anderem als isolierter Wirkstoff beim akuten Gichtanfall eingesetzt, kann bei Überdosierung jedoch tödlich wirken. Die 1. Vergiftungsphase dauert bis zu drei Tage. Sie ist durch enterale Symptome gekennzeichnet wie Übelkeit, Erbrechen, blutigen Durchfall und Bauchschmerzen. In der 2. Phase können zusätzlich schwere Komplikationen eintreten wie Organversagen, Bewusstseinsstörungen, Koma oder Tod. Das mutagene Gift ist auch nach dem Trocknen von Pflanzenmaterial (z. B. im Heu) vorhanden und kann zudem in die Milch von stillenden Frauen oder Weidetieren übergehen.

Gefleckte Schierling (oben)  
Wiesenkerbel (unten)

Etwa zehn bis 15 Prozent aller Anfragen bei den Giftnotrufzentralen betreffen Vergiftungen mit Pflanzen. Kein Wunder, sehen doch Giftpflanzen wie der Gefleckte Schierling (oben) ungiftigen Pflanzen wie dem Wiesenkerbel(unten) zum Verwechseln ähnlich.
© Foto: [M] Scisetti Alfio, stock.adobe.com; Trygve, stock.adobe.com

Conium maculatum-- Beim Sammeln von Wiesenkerbel (Anthriscus sylvestris) als Küchengewürz besteht aufgrund der großen Ähnlichkeit innerhalb der Familie der Doldengewächse (Apiaceae) eine potenziell tödliche Verwechslungsgefahr mit dem Gefleckten Schierling (Conium maculatum). Sammler sollten sich mit den feinen Unterschieden zwischen den beiden Pflanzen intensiv vertraut machen, bevor sie sich auf die Suche nach dem Gewürzkraut machen. Gefleckter Schierling führt nach dem Verschlucken zum Brennen auf der Mund- und Rachenschleimhaut, Erbrechen und Pupillenerweiterung.

Nach Aufnahme großer Mengen sind eine Pulsbeschleunigung festzustellen sowie Schwindel, Bewusstseinstrübung, Muskelschwäche und aufsteigende Lähmung, die zum Tod durch Atemlähmung bei vollem Bewusstsein führt. Das Gift kann auch durch unverletzte Haut aufgenommen werden.

Gefleckter Aronstab

Alle Pflanzenteile des Gefleckten Aronstabs, einschließlich der süß schmeckenden, orangeroten Beeren, sind sehr stark giftig.Die grünen Laubblätter können mit denen des Sauerampfers verwechselt werden.
© Foto: Goldi59, Getty Images/iStockphoto

Arum maculatum-- Der Gefleckte Aronstab wächst in feuchten, schattigen Laubwäldern Süd- und Mitteleuropas. Alle Pflanzenteile, einschließlich der süß schmeckenden, orangeroten Beeren sind sehr stark giftig, insbesondere, wenn es sich um frisches Pflanzenmaterial handelt. Die Pflanzenzellen enthalten Raphiden aus Calciumoxalat. Diese Kristallnadeln verletzen beim Kontakt Haut und Schleimhaut und erleichtern das Eindringen der Giftstoffe, zu denen der Scharfstoff Aroin gehört, sowie Saponine und zyanogene Glykoside. Der Kontakt führt zu Rötung, Blasenbildung und heftigen Entzündungen, insbesondere an der Schleimhaut des Verdauungstraktes. Darüber hinaus kann er Herzrhythmusstörungen, Lähmungen des Zentralnervensystems, Krämpfe und Kollaps auslösen. Vom Weidevieh sind tödliche Vergiftungen bekannt.

Während Kleinkinder sich eher an den Beeren vergreifen, gibt es auch Verwechslungen der grünen Laubblätter mit denen des Sauerampfers, denn die Blätter des Aronstabes tragen nicht zwingend die im Namenszusatz „maculatum“ angekündigten Flecken.

Zur grundsätzlichen Unterscheidung: Beide haben pfeilförmige Blätter, jedoch sind die des Gefleckten Aronstabes breiter, derber und an den pfeilspitzenförmigen Enden deutlich abgerundet. Spätestens, wenn der Gefleckte Aronstab seinen von einem Hochblatt geschützten, kolbenförmigen Blütenstand austreibt, sollte man die Pflanzen nicht mehr verwechseln können. Wer dennoch unsicher ist, sollte eine klitzekleine Kostprobe nehmen: Brennt das winzige Stück auf der Zunge, dann Finger weg! Nur die Sauerampferblätter besitzen einen starken Geschmack nach Zitronen.

Blauer Eisenhut (Aconitum napellus)

Direkt toxisch wirken Pflanzen wie der Blaue Eisenhut (Aconitum napellus), bei dem der Giftstoff Aconitin schon nach Hautkontakt systemisch wirkt und zu Herzrhythmusstörungen und Kreislaufversagen führen kann. Eisenhut gilt als giftigste Pflanze Deutschlands.
© Foto: typo-graphics, Getty Images

Narcissus-- Vertreter der Pflanzengattung der Narzissen zieren im Frühling viele Gärten und Haushalte. Doch Osterglocken und ihre Verwandten sind in allen Teilen stark giftig. Gelegentlich werden ihre Zwiebeln mit Gemüsezwiebeln verwechselt, und die enthaltenen Alkaloide und Calciumoxalate führen zu Magen-Darm-Beschwerden, Herzrhythmusstörungen, Lähmungen und sogar zum Tod. Selbst das Blumenwasser ist giftig. Darüber lösen Narzissen-Inhaltsstoffe Kontaktallergien aus, bekannt auch als Narzissendermatitis.

Wussten Sie, dass ...
  • ohne ärztlichen Rat bei einer Vergiftung durch Pflanzen keine Aktivkohle gegeben werden sollte?
  • die Kohle Giftstoffe im Gastro-intestinal-Trakt absorbiert und so die Vergiftung verhindert?
  • Kohletabletten mit warmem Wasser zu einem Brei aufgeschlämmt werden?
  • sich Toxine bei Unterdosierung der Aktivkohle auch wieder ab-lösen können?
  • Medizinalkohle deshalb unbedingt ausreichend hoch dosiert und mehrfach nachgegeben werden muss (0,5 – 1,25 g/kg/KG)?

Transdermal

Bei sehr stark giftigen oder hautreizenden Pflanzen kann die Aufnahme der Toxine über die unverletzte Haut erfolgen. Bei der Gartenarbeit sollten daher unbedingt Handschuhe und lange Kleidung getragen werden. Nach dem Kontakt mit Pflanzensaft sollte die Haut gründlich abgewaschen werden.

Kontaktgifte-- Direkt toxisch wirken Pflanzen wie der Blaue Eisenhut (Aconitum napellus), bei dem der Giftstoff Aconitin schon nach Hautkontakt systemisch wirkt und zu Herzrhythmusstörungen und Kreislaufversagen führen kann. Nachtschattengewächse wie Engelstrompeten (Brugmansia) und Stechapfelgewächse (Datura) wirken mit ihren Tropanalkaloiden Hyoscyamin und Scopolamin auch nach Augen- und Hautkontakt giftig. Meist ist es aber die missbräuchliche Verwendung von Nachtschattengewächsen als Rauschmittel, die schwere Vergiftungen bewirkt.

Hautreizend-- Es gibt in jedem Garten Beispiele für hautreizende Pflanzen, wie Efeu, Hortensie, Oleander. Bei einigen, wie den Wolfsmilchgewächsen, ist der Milchsaft dafür verantwortlich. Andere geben beim Kontakt Substanzen ab, die bei empfindlichen Menschen eine allergische Reaktion hervorrufen. Hierzu gehören Becherprimeln, Tulpen, Orchideen und Hyazinthen. Zusätzlich gibt es die mechanisch-chemische Variante: Brennnesseln nutzen dafür ihre Brennhaare, um bei Berührung einen Saft mit Acetylcholin und Histamin in die Haut zu injizieren, der zu Rötung, Brennen und Quaddelbildung führt. Andere Exemplare besitzen Kristallnadeln aus Calciumoxal mit einem Hohlraum für weitere Giftstoffe. Auf diese Weise feuert die Zimmerpflanze Dieffenbachia proteolytische Enzyme ab, die beim Zerkauen der Blätter den Mundraum verletzen und Schwellungen und Schmerzen hervorrufen.

Phototoxisch-- Der Riesenbärenklau (Heracleum mantegazzianum) enthält einen Pflanzensaft mit Furocumarinen, die nach Hautkontakt und UV-Bestrahlung schwere, verbrennungsähnliche Blasen hervorrufen, die stark schmerzen und oft unter Narbenbildung abheilen. Weniger stark ist die phototoxische Reaktion bei Weinraute, Zitrusgewächsen oder anderen Doldenblütlern.

Interessenkonflikt: Die Autorin erklärt, dass keinerlei Interessenkonflikte bezüglich des Themas vorliegen.

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