31.05.2018

Sport: Verletzungspech

von Kirsten Bechtold

Die Fußballweltmeisterschaft startet in diesem Jahr am 14. Juni. Erfahrungsgemä ß animieren die Profi-Kicker auch so manchen Couch-Potato zu mehr Aktivität. Wer es übertreibt, landet oftmals in der Apotheke.

© LeoPatrizi / Getty Images / iStock (Symbolbild mit Fotomodell(en))

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Sport hält fit, keine Frage. Doch er geht auch mit einem erhöhten Verletzungsrisiko einher, vor allem dann, wenn man lange nicht sportlich aktiv war oder sich nicht richtig aufwärmt. Mögliche Folgen sind Brüche, häufiger jedoch stumpfe Verletzungen wie Prellungen, Verstauchungen oder Zerrungen von Sehnen und Muskeln. Bei Fußballern ist das Sprunggelenk besonders gefährdet. Als Faustregel gilt: Wer nach einem Tritt gegen das Sprunggelenk oder nach dem Umknicken noch auftreten und laufen kann, hat sich höchstwahrscheinlich nichts gebrochen. Sind die Bänder nur leicht gedehnt, kann man den Fuß meist nach ein paar Tagen wieder normal bewegen. Entsprechend leichte bis moderate Verletzungen können unterstützend im Rahmen der Selbstmedikation mit schmerzlindernden, entzündungshemmenden und abschwellenden Wirkstoffen behandelt werden.

Ein Arztbesuch ist unter anderem notwendig, wenn die Schmerzen sehr stark sind, das Gelenk in seiner Beweglichkeit eingeschränkt ist oder die Achillessehne hörbar gerissen ist (Peitschenknall).

Ich empfehle

Was empfehlen Sie Sportlern, insbesondere Fußballern, für die naturheilkundliche Notfallapotheke?

Arnica D6 gehört natürlich zu den wichtigsten Mitteln. Gerade bei tiefen Hämatomen im Bereich Oberschenkel und Gesäß leistet aber auch Bellis perennis D6 gute Hilfe. Wichtig bei Sportverletzungen ist die schnelle

Kühlung, hierfür eignet sich ein Wundtuch mit Arnikatinktur gut, da es sofort einsatzbereit ist.

Wie kann die Abheilung von Sportverletzungen zusätzlich beschleunigt werden?

Bei Verstauchungen und Prellungen, die mit Schwellungen einhergehen, bringen Enzympräparate (z. B. mit Bromelain) gute Ergebnisse. Auch Wickel und Umschläge mit Mischungen aus ätherischen Ölen (Arnika, Rosmarin, Thymian) bringen schnelle Linderung, ebenso Massagen mit Massageölen auf Johanniskrautölbasis.

Britta Fröhling, Mitglied im PTA Beirat

Verletzungen vorbeugen

Jeder Einzelne kann sein Verletzungsrisiko im Vorfeld verringern. Hier gilt als oberste Regel: Langsam aufwärmen, die Muskulatur dadurch elastisch machen und auf Betriebstemperatur bringen. Weiterhin wichtig ist die richtige Ausrüstung. Fußballspieler sollten zum Beispiel voll funktionsfähige und nicht zu alte Schienbeinschoner tragen.

Zudem ist es hilfreich, die eigenen Grenzen zu kennen. Leistungssteigerungen sollten langsam und Schritt für Schritt erfolgen. Und nicht zuletzt spielt die Ernährung eine Rolle. Fehlen dem Körper Energie, Vitamine und Spurenelemente, ermüdet er schneller. Der Sportler ist weniger leistungsfähig, kann sich nicht mehr so gut konzentrieren und ist anfälliger für Verletzungen.

Die Einnahme von Eiweißpräparaten für einen schnelleren Muskelaufbau oder von Vitaminen und Mineralstoffen ist für Breitensportler in aller Regel nicht notwendig. Raten Sie diesen dazu, sich täglich ausgewogen mit viel Obst und Gemüse zu ernähren und neben Fleisch auch Hülsenfrüchte, Milch und Getreide als Eiweißlieferanten zu nutzen. Wichtig ist der Ausgleich von Flüssigkeitsverlusten, auch während der sportlichen Aktivität.

Erste Hilfe

Wer sich beim Sport verletzt, sollte nicht denken „Das wird schon wieder.“ Denn so verzögert sich möglicherweise die Heilung. Wer gar weiter trainiert, riskiert noch Schlimmeres. Noch immer gültig ist daher die altbekannte PECH-Regel: Pause, Eis, Compression, Hochlagern. Die Kälteanwendung (nur bei geschlossenen Wunden!) sollte möglichst innerhalb der ersten Viertelstunde erfolgen. Sie sorgt dafür, dass sich Blutgefäße verengen. Das vermindert Einblutungen und ein Ausdehnen des Gewebeschadens. Das verletzte Gelenk schwillt nicht so stark an wie ohne Kühlung.

Aus dem OTC-Sortiment*

Therapieprinzip

Wirkstoff(e) / Pflanzenextrakt

Präparate

Allopathie

Diclofenac

Arthrex® Schmerzgel, Voltaren® Schmerzgel, Voltaren® Dolo Liquid 25 mg Weichkapseln

Felbinac

Thermacare® Schmerzgel

Heparin natrium

Heparin ratiopharm 30 000 Salbe

Ibuprofen

doc® Ibuprofen Schmerzgel, Dolgit® Schmerzgel, Ibuprofen AbZ 400 mg akut Filmtabletten

Salicylsäure,

Chondroitinpolysulfat

Mobilat® Duoaktiv Schmerzgel

Enzymtherapie

Bromelain

Bromelain POS magensaftresistente Tabletten

Bromelain, Trypsin, Rutosid

Wobenzym® magensaftresistente Tabletten

Homöopathie

Arnica montana

Arnika Gelee, Arnica D6 Globuli

Arnica montana, Calendula officinalis, Symphytum officinale, Mercurius solubilis Hahnemanni u. a.

Traumeel® S Creme

Bryonia

Bryonia 5 % Salbe, Bryonia D6 Globuli DHU

Ferrum phosphoricum D4

Biochemie Pflüger 3 Ferrum phosphoricum Creme

Rhus toxicodendron

Rhus toxicodendron E foliis D12 Globuli

Ruta graveolens

Ruta graveolens D6 Globuli

Phytotherapie

Arnikablütenextrakt

Kneipp® Arnika Salbe S

Beinwellwurzel-Fluidextrakt

Kytta® Schmerzsalbe

Beinwellkrautzubereitung

Traumaplant® Creme

*beispielhafte Nennungen ohne Anspruch auf Vollständigkeit (Stand Lauer Taxe: 25.04.18)

Selbstmedikation

Die bei stumpfen Verletzungen eingesetzten Therapeutika wirken in der Regel schmerzlindernd und entzündungshemmend, teilweise auch abschwellend. Studien belegen, dass die topische Anwendung mit Creme, Salbe oder Gel bei Sportverletzungen mit der oralen in Form von Tabletten vergleichbar gut ist.

Schulmedizinisches

In Form von Cremes, Salben und Gelen stehen im Rahmen der Schulmedizin nicht steroidale Antirheumatika (NSAR) wie Diclofenac, Felbinac und Ibuprofen zur Verfügung. Handelt es sich um schmerzhafte, tiefer liegende Gewebeschäden, sind systemisch wirksame NSAR eine alternative Empfehlung.

Heparin wirkt bei topischer Anwendung antiödematös. Auch eine Kombination aus Chondroitinpolysulfat und Salicylsäure kann Beschwerden lindern. Bewährt haben sich zudem Schmerzsalben und -gele mit Arnikablütenextrakt oder dem Extrakt aus Beinwellwurzel- oder kraut.

Muskelkater-- Wer es nach einer längeren sportlichen Pause übertrieben oder ganz ungewohnte Übungen ausgeführt hat, wird am nächsten oder übernächsten Tag um einen kräftigen Muskelkater kaum herumkommen. Hier gilt es, die mikrofeinen Faserrisse in der Muskulatur ausheilen zu lassen. Wärme unterstützt die Regeneration (z. B. Sauna, warme Vollbäder, durchblutungsfördernde Topika).

Homöopathika

Die Homöopathie kennt ebenfalls verschiede Zubereitungen, die Beschwerden bei Prellungen, Verstauchungen und Zerrungen lindern können. Im Rahmen der Selbstmedikation werden in aller Regel niedrige Potenzen bis D12 verwendet. Der Klassiker bei Blutergüssen (Hämatomen) und Prellungen ist Arnika montana, zum Beispiel als Gel oder als Einzelpotenz. Bryonia cretica wird topisch oder als Einzelpotenz bei Verletzungen von Muskeln und Gewebe eingesetzt, die mit stechendem Schmerz einhergehen und bei Ruhe besser werden. Rhus toxicodendron wirkt im Unterschied dazu vor allem bei Schmerzen und Gelenkproblemen, die sich durch Bewegung bessern. Bei Bänderzerrungen hat sich Ruta graveolens bewährt.

Eine weitere Alternative ist die fixe Kombination von pflanzlichen und mineralischen Extrakten. Deren Wirksamkeit wurde in einigen Untersuchungen, auch im Vergleich zu NSAR, bestätigt.

Darüber hinaus kann zum Beispiel auch das Schüßler-Salz Nr. 3, Ferrum phosphoricum, als Salbe eingesetzt werden, um den Heilungsprozess bei Prellungen, Quetschungen, Schwellungen, Verstauchungen und Zerrungen zu fördern und pochende Schmerzen zu lindern.

Enzyme

Als antientzündliche und abschwellende Begleitmaßnahme kommen in der Sportmedizin Enzyme zum Einsatz. Die Produkte enthalten meist die pflanzlichen Enzyme Bromelain und Papain (einzeln oder kombiniert) oder die Serinprotease Trypsin. Sie sollen, hoch dosiert in den ersten Tagen nach der Verletzung eingenommen, der Freisetzung entzündungsfördernder Zytokine entgegenwirken.

Verbände und Pflaster

Schnitt- und Schürfwunden müssen grundsätzlich zunächst gut gereinigt werden, am besten unter fließendem Leitungswasser. Grobes sollte vorsichtig mit einer Bürste oder einer Pinzette entfernt werden. Anschließend empfiehlt sich eine einmalige Desinfektion. Infrage kommen hier Lösungen und Sprays mit Chlorhexidin (z. B. Skinsept F Hände- und Hautdesinfektion), Octenidin (z. B. Octenisept ® Lösung). Ist die Verletzung klein, reicht ein Wundschnellverband aus, diese zu bedecken. Größere sollten mit einer sterilen Kompresse abgedeckt und mit einer elastischen Binde fixiert werden. Erinnern Sie Ihre Kunden daran, gegebenenfalls den Tetanusschutz auffrischen zu lassen. Blasen können mit Pflastern auf Hydrokolloidbasis abgeklebt werden.


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