30.05.2021

Sportverletzungen: Pech gehabt

von Dr. Claudia Bruhn

Viele Apothekenmitarbeiter sind sportlich aktiv und haben deshalb Tipps zur Vorbeugung von Sportverletzungen parat. Und Präparate zu deren Versorgung, wenn es trotz aller Vorsicht heißt: Pech gehabt.

Mann mit Golfball

© toonerman / Getty Images / iStock

Fortbildung

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  • Von Sportverletzungen können alle Körperteile sowie die Haut und teilweise auch innere Organe betroffen sein.
  • Schwere und unklare Sportverletzungen gehören umgehend in ärztliche Behandlung.
  • Zur Erstversorgung leichterer Schäden können PTA Arzneistoffe zur Schmerzlinderung, zur Beschleunigung der Wundheilung und Verbandmittel empfehlen.
  • Das Risiko von Sportverletzungen kann durch Maßnahmen wie intensives Aufwärmen, regelmäßiges Prüfen der Sportausrüstung auf Mängel sowie Schutzvorkehrungen wie Helme und Protektoren reduziert werden.

Die Ursachen für Sportverletzungen sind vielfältig. Zu den wichtigsten zählen Überbelastung, auch infolge von Selbstüberschätzung, Fehlhaltungen, Vorerkrankungen, die ungenügende Ausheilung einer vorherigen Verletzung, Übermüdung und fehlerhafte Ausrüstung. Bei Mannschaftssportarten kommt zusätzlich Fremdverschulden als Verletzungsursache infrage. Die Apotheke kann Produkte zur Versorgung von Sportverletzungen anbieten und Freizeitsportler zur Prävention und bei der Zusammenstellung einer Erste-Hilfe-Tasche beraten.

Lernziele Sportverletzungen

Nach Lektüre dieser Lerneinheit wissen Sie ...

  • welche Arten von Sportverletzungen häufig vorkommen.
  • wann Selbstmedikation möglich ist und wann nicht.
  • welche wichtigen Interaktionen es mit OTC-Wirkstoffen geben kann.
  • welche Empfehlungen PTA ihren Kunden zum gesunden Sporttreiben geben können.

Verletzungsarten

Praktisch alle Körperteile können von Sportverletzungen betroffen sein. Bei ihrer Versorgung sollten die Grenzen der Selbstmedikation beachtet und im Zweifelsfall ein Arzt aufgesucht werden.

Gehirnerschütterung

In Freizeitsportarten wie Ski- und Radfahren oder Skaten ist das Tragen eines Helms heute für viele eine Selbstverständlichkeit. Durch diese Maßnahme lässt sich das Risiko für Gehirnerschütterungen deutlich senken. Keinen Helmschutz gibt es jedoch bei Mannschaftssportarten wie Fuß- oder Handball, wo es nicht selten zu Zusammenstößen der Köpfe von Spielern kommt. Auch Kopfbälle im Fußball können eine leichte Gehirnerschütterung auslösen.

Symptome-- Nach einem Stoß oder Sturz auf den Kopf sollte auf Symptome wie Übelkeit, Erbrechen, Benommenheit, Schwindel, Sehprobleme oder Gedächtnislücken wegen eines kurzzeitigen Bewusstseinsverlustes geachtet werden. Treten sie auf – manchmal erst mehrere Stunden nach dem Ereignis – müssen Betroffene unbedingt einem Arzt vorgestellt werden. Dabei ist auf einen Transport ohne Erschütterungen zu achten.

Zahnunfall

Zahnverletzungen beim Sport betreffen am häufigsten die Schneidezähne, da sie im Gegensatz zu den Backenzähnen nur einwurzelig sind. Außerdem sind die Lippen, die als Stoßdämpfer dienen könnten, bei Anstrengung meistens nicht geschlossen. Ganz gleich, ob der Zahn abgebrochen, nur gelockert oder ganz ausgeschlagen ist: Betroffene müssen so schnell wie möglich einen Zahnarzt aufsuchen. In vielen Fällen ist der Zahnerhalt durch Ankleben oder Wiedereinsetzen möglich. Für den Transport des abgebrochenen Stückes oder des Zahnes ist eine spezielle Box mit einer Nährlösung (Zahnretterbox) ideal. Steht diese nicht zur Verfügung, könnenH-Milch (für max. 2 h) oder der eigene, in einem Gefäß gesammelte Speichel (für max. 30 min) als Alternativen dienen. Eine Austrocknung des Zahns ist auf jeden Fall zu vermeiden, da die Regeneration dann nicht mehr gewährleistet ist.

Vorsorgen-- Die Deutsche Gesellschaft für Zahn-, Mund- und Kieferheilkunde (DGZMK) empfiehlt, dass Sportvereine und Sportstättenbetreiber Zahnrettungsboxen für ihre Erste-Hilfe-Ausrüstung anschaffen sollten. Auch für die persönliche Erste-Hilfe-Tasche ist ein solches Hilfsmittel sinnvoll.

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Den Fragebogen zur zertifizierten Fortbildunt Sportverletzungen können Sie sich hier zum Einlesen herunterladen.

Gelenkverletzungen

Gelenkverletzungen zählen zu den häufigsten Sportverletzungen. Ursachen sind beispielsweise schnelle Verdrehungen der Arme oder Beine (Verrenkungen) oder Überdehnungen der Gelenke (Verstauchungen). Dabei können die Bänder, die als Verbindung zwischen zwei Knochen dienen und die Gelenke stabilisieren, gezerrt werden oder sogar reißen. Die betroffenen Bereiche sind in ihrer Bewegung eingeschränkt, angeschwollen und verursachen starke Schmerzen.

Kontrolle- - Zum Ausschluss eines Bänderrisses oder einer Fraktur sollten Betroffene einen Orthopäden konsultieren. Bis zum Arztbesuch muss das betroffene Gelenk ruhiggestellt werden, zum Beispiel mithilfe von elastischen Binden, Dreiecktüchern oder Armtragegurten.

Analgesie-- Gelenkverletzungen sind sehr schmerzhaft. Nicht steroidale Antiphlogistika (NSAR) lindern nicht nur die Schmerzen, sondern können wegen ihrer antientzündlichen Wirkung auch Schwellungen reduzieren. Bei starken Schmerzen sind Ibuprofen und Diclofenac oral empfehlenswert. Zur lokalen Schmerzlinderung sind Gele und Cremes mit diesen beiden Wirkstoffen sowie Ketoprofen, Piroxicam und eine Kombination aus dem heparinähnlichen Stoff Chondroitinpolysulfat und Salicylsäure verfügbar.

Pflanzliches-- Cremes und Salben mit Extrakten aus Beinwell-Wurzel und -Kraut wirken antientzündlich und können deshalb bei Verstauchungen oder Zerrungen empfohlen werden.

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Knochenbrüche

Einem Knochenbruch (Fraktur) geht meistens eine sehr starke Krafteinwirkung voraus, der der Knochen nicht standhalten kann. Darüber hinaus gibt es auch Ermüdungsbrüche (Stressbrüche), die durch dauerhafte Überbelastungen entstehen. Dabei bilden sich kleinste Verletzungen im Knochen (Mikrotraumen), die letztendlich zum Bruch führen. Häufig sind davon die Mittelfußknochen betroffen (z. B. bei Marathonläufern).

Symptome-- Die Fraktursymptome hängen davon ab, ob ein offener oder ein geschlossener Bruch vorliegt. Bei offenen Frakturen können Knochenteile sichtbar werden, es kommt zu Blutungen. Geschlossene Brüche sind durch Schmerzen und Schwellungen, Bewegungseinschränkungen oder abnorme Beweglichkeit und eventuell Fehlstellungen an der betroffenen Extremität gekennzeichnet.

Behandlung-- Knochenbrüche sind kein Fall für die Selbstmedikation. Sie können sehr schwerwiegende Folgen wie innere Verletzungen haben, die äußerlich nicht zu erkennen sind. Durch gelenknahe Brüche kann es zusätzlich zu Gelenkschäden kommen. Bei der Erstversorgung müssen die betroffenen Körperteile sofort ruhiggestellt werden. Für den Transport zum Arzt sind sie gegebenenfalls abzupolstern oder hochzulagern. Offene Brüche werden steril abgedeckt.

Abgrenzung-- Wenn ein Knochen bricht, obwohl die Krafteinwirkung als nicht stark eingeschätzt wird, kann eine andere Ursache wie Osteoporose oder Knochenmetastasen vorliegen. Auch in diesen Fällen ist eine ärztliche Abklärung dringend notwendig.

Sehnenbeschwerden

Sehnen verbinden in den meisten Fällen Muskeln mit Knochen. Sie können ganz oder teilweise reißen, zum Beispiel nach akuter Krafteinwirkung. Einen vollständigen Sehnenriss erkennt man an einem knallartigen Geräusch, einem stechenden Schmerz und sofortiger Bewegungseinschränkung. Chronische Sehnenschäden wie Golferarm oder Tennisellenbogen sind dagegen auf Überbelastungen, Fehlstellungen, Entzündungen oder altersbedingte Abbauprozesse (Degeneration) zurückzuführen. Sie lassen sich an Druck-, Anlauf- und Bewegungsschmerzen erkennen.

Nebenwirkung-- Bei einigen Arzneistoffen sind Sehnenschäden als Nebenwirkung bekannt. Zum Beispiel können unter der Einnahme von Fluorchinolonen wie Ciprofloxacin Sehnenentzündung (Tendinitis) oder Sehnenrisse (Rupturen) auftreten. Besonders gefährdet ist die Achillessehne. Die Nebenwirkung kann bereits innerhalb der ersten zwei Behandlungstage auftreten.

Sehnenscheiden-- Sehnenscheiden sind Schutzhüllen für Sehnen. Sie sind mit Gelenkflüssigkeit gefüllt und dienen dem Schutz der Sehne, zum Beispiel vor Reibung beim Vorbeigleiten an einem Gelenk. Auch sie können schmerzhaft entzündet sein.

Golferarm-- Auch wer noch nie Golf gespielt hat, kann von Symptomen betroffen sein, die als „Golferarm“ bezeichnet werden. Dabei ist der Sehnenansatz an der Beugermuskulatur an der Innenseite des Ellenbogens betroffen. Schmerzen treten dann beim Beugen des Ellenbogens oder des Handgelenks auf. Der Golferarm tritt vor allem bei Kraftsport und beim Turnen, aber auch bei Handwerkern und durch langes Telefonieren mit gebeugter Armhaltung auf. Durch Verwendung eines Headsets kann der Verletzung vorgebeugt werden.

Tennisarm-- Einen Tennisarm/-ellenbogen kann man sich außer beim Tennisspielen auch durch langes Arbeiten mit der PC-Maus holen. Dann werden die Unterarm-Streckermuskeln überbelastet; Mikroverletzungen der Sehnen können die Folge sein. Es kommt zum Druckschmerz an der Außenseite des Ellenbogens oder Kribbeln in der Hand.

Behandlung-- Die medizinische Bezeichnung für Golferarm und Tennisarm ist Epicondylitis. Bei diesen und anderen Sehnenerkrankungen ist vor allem Schonung wichtig. Dazu kann der Arzt Bandagen verordnen. Medikamentös können sie mit antientzündlichen lokalen Analgetika wie Diclofenac, Ibuprofen oder Flufenaminsäure behandelt werden.

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Muskelschäden

Typisch für Muskelschäden im Zusammenhang mit sportlicher Betätigung ist, dass sie nur bei Bewegung Schmerzen verursachen.

Muskelkater-- Als Ursache für Muskelkater gelten Mikrorisse in den Muskelfasern, auf die der Körper mit Entzündungsreaktionen reagiert. Dadurch kommt es innerhalb von ein bis zwei Tagen nach der Belastung zu Schmerzen und Schwellungen.

Vorsicht-- Ein Muskelkater, der auf sportliche (Über)belastung zurückzuführen ist, verschwindet normalerweise innerhalb einer Woche. Dauert er länger als zehn Tage an oder ist Sport nicht der Auslöser, sollten Betroffene einen Arzt aufsuchen.

Nebenwirkung-- Berichten Kunden in der Apotheke über muskelkaterartige Schmerzen, die sich nicht auf Sport zurückführen lassen, sollten PTA einen Medikamenten-Check durchführen. Bei Kunden, die gegen zu hohe Cholesterinspiegel Statine wie Simvastatin oder Atorvastatin einnehmen, können Muskelschmerzen eine Nebenwirkung dieser Arzneistoffe sein.

Antioxidanzien- - Eine Übersichtsarbeit (Review) der Organisation Cochrane aus dem Jahr 2017 hatte untersucht, ob Supplemente mit Vitamin C oder E oder antioxidanzienreiche Säfte wie Granatapfel- oder Sauerkirschsaft Muskelkater bis zu vier Tage nach dem Training reduzieren kann. Dafür fanden sich jedoch keine Beweise.

Durchblutung-- Hilfreich gegen Muskelkater kann die Förderung der Durchblutung sein, um die Regeneration des Muskels anzuregen. Dafür sind Wirkstoffe wie Capsaicin (in Pflastern und Einreibungen, auch zur Massage) sowie Bäder mit durchblutungsfördernden Zusätzen (z. B. Rosmarin-, Eukalyptusöl) empfehlenswert.

Kombination-- In Kombination mit Campher und Terpentinöl ist Eukalyptusöl auch in einer Salbe enthalten, die bei Muskelschmerzen empfohlen werden kann.

Muskelzerrung-- Bei einer Muskelzerrung wird das Gewebe überdehnt. Es bleibt aber relativ intakt, abgesehen von kleinen Verletzungen, die auch als Mikrotraumata bezeichnet werden. Um sicherzugehen, dass kein Muskelfaserriss vorliegt, sollte ein Arzt konsultiert werden. Der Muskel darf bis zur Ausheilung nicht belastet werden.

Muskelkrämpfe-- Bei Muskelkrämpfen sollten die Beschwerden besonders sorgfältig hinterfragt werden, denn nicht immer ist ein Magnesiummangel die Ursache. So kann beispielsweise auch eine tiefe Venenthrombose einen nächtlichen Wadenkrampf auslösen. Bei abwechslungsreicher Ernährung ist ein Magnesiummangel zudem relativ unwahrscheinlich, da viele Lebensmittel Magnesium enthalten. Wird er dennoch vermutet, ist eine Supplementation mit 300 bis 400 Milligramm pro Tag empfehlenswert. Kommt es unter der Einnahme zu weichen Stühlen oder Durchfall, muss die Tagesdosis verringert werden.

Wunden

Hautverletzungen treten vor allem beim Outdoorsport auf, zum Beispiel nach Stürzen oder Kontakt mit scharfen Gegenständen wie Glasscherben. Am häufigsten handelt es sich um Schürf-, Schnitt- oder Risswunden. Sie werden wegen der damit verbundenen Durchtrennung der oberen Hautschichten unter dem Begriff offene Wunden zusammengefasst. Dagegen liegt bei geschlossenen Wunden das geschädigte Gewebe unter der intakten Haut. Zu dieser Gruppe gehören Prellungen und Quetschungen, wobei als Folge Blutergüsse (Hämatome) sichtbar werden.

Tetanusschutz-- Bei jeder Hautverletzung, die sich im Freien ereignet hat, muss unbedingt der Tetanusschutz überprüft werden. Erwachsene mit abgeschlossener Grundimmunisierung sollten sich alle zehn Jahre erneut gegen Tetanus impfen lassen.

Versorgung-- Solange die Wunde kleinflächig und die Blutung schwach bis mäßig ist, genügt das Abdecken mit einem sterilen Wundverband (Pflaster). Kleine oberflächliche Wunden können mit einem Wundantiseptikum behandelt werden, zum Beispiel in Sprayform. Empfehlenswerte Wirkstoffe sind Octenidin und Phenoxyethanol. Cremes und Salben mit Dexpanthenol unterstützen die Wundheilung. Bei einem Risiko für Wundinfektionen kann eine Kombination mit Chlorhexidin sinnvoll sein. Um starkem Blutverlust vorzubeugen, wird bei der Erstversorgung größerer Wunden ein leichter Druckverband angelegt. Bei Blutungen an den Extremitäten werden diese nach der Wundversorgung hochgelagert.

Grenzen-- Eingedrungene Fremdkörper sollten vom Arzt entfernt werden. Auch starke Blutungen, klaffende Wunden und Bissverletzungen müssen vom Arzt behandelt werden.

Wussten Sie, dass ...

  • übermäßiges Trinken von natriumarmem Wasser beim Sport auch schädlich sein kann?
  • es dabei zu einer Hyponatriämie, also zum Absinken des Natriumgehaltes im Blut, kommen kann?
  • dieser Zustand, der auch als Wasservergiftung bezeichnet wird, bei Wettkämpfen schon tödlich geendet hat?
  • Anzeichen für eine Hyponatriämie zum Beispiel Kopfschmerzen und Übelkeit sind?
  • Sportler sich beim Trinken auf ihr Durstgefühl verlassen und nicht „über den Durst“ trinken sollten?

Hämatome

Bei einem Bluterguss (Hämatom) infolge einer Zerrung, Verstauchung oder Verrenkung werden Blutgefäße in tieferen Hautschichten geschädigt, aus denen Blut in das umliegende Gewebe austritt. Die Schwellungen, die den „blauen Fleck“ begleiten und sehr druckempfindlich sein können, entstehen durch die Schädigung von Lymphgefäßen. Die Farbveränderungen des Blutergusses kommen durch den enzymatischen Abbau des Hämoglobins zustande. Während direkt nach dem traumatischen Ereignis das geronnene Blut die betroffene Stelle lila-blau verfärbt, kommt es an den Folgetagen zu Farbveränderungen über Braun und Dunkelgrün zu Gelb-Braun, der Farbe von Bilirubin.

Sofortmaßnahme-- Als nicht medikamentöse Sofortmaßnahme ist bei Blutergüssen sofortiges Kühlen hilfreich, da es durch die Vasokonstriktion die Ausbreitung des Hämatoms verringern kann. Eiswasser oder Cold-Packs aus dem Kühlschrank sind unterwegs in der Regel nicht verfügbar. Eine Alternative sind Medizinprodukte mit verschiedenen physikalischen Wirkprinzipien. So kühlt beispielsweise ein Gel oder Roll-on mit Isopropanol durch den Verdunstungseffekt, Einmal-Kältekompressen erzeugen Kühlung durch eine wärmeverbrauchende (endotherme) Reaktion von Wasser mit einem Kühlgranulat. Ebenso wie Eissprays dürfen derartige Produkte nur auf geschlossenen Verletzungen angewendet werden.

Heparin-- Heparin-Cremes, -Salben oder -Gele werden in Konzentrationen von 30 000 bis 60 000 I.E. pro 100 Gramm Zubereitung zwei- bis dreimal täglich auf die betroffenen Stellen aufgetragen. Sie beschleunigen den Abbau des Hämatoms. In diesen Dosierungen wirkt Heparin nur lokal in der Haut. Werden sehr hohe Dosen (>180 000 I.E./100 g) lokal verabreicht, kann Heparin in den systemischen Kreislauf gelangen und als unerwünschte Wirkung die Blutungsneigung erhöhen. Bei Heparin-Gelen ist der zusätzliche Kühleffekt vorteilhaft.

Aescin-- Zur symptomatischen Kurzzeitbehandlung der Schmerzen nach Prellungen oder Verstauchungen eignet sich Aescin, da es Blutgefäßwände abdichtet und dadurch unter anderem den Ausstrom von Flüssigkeit in das Gewebe reduziert. Aescin ist als Gel und als Dragees auf dem Markt, bei letzterem in Kombination mit einem schmerzstillenden Salicylat. Wenn die Beschwerden länger als zwei Tage andauern oder sich verschlimmern, sollte ein Arzt aufgesucht werden.

Analgetika-- Diclofenac und Ibuprofen können zur Schmerzlinderung oral oder als Gele oder Creme empfohlen werden.

Homöopathika-- Unter den Homöopathika ist Arnica in verschiedenen Potenzen als Notfallmittel für Kinder sehr beliebt. Nach Quetschungen, Prellungen, Verstauchungen oder Blutungen sollten von den Potenzen D6 oder D12 dreimal drei Globuli alle zehn Minuten gegeben werden. Als Einmalgabe in der Potenz C30 werden drei Globuli empfohlen. Auch homöopathische Komplexmittel sind bei Sportverletzungen als Mischungen, Tabletten oder Salben verfügbar.

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Beratung

Über die Abgabe von Arznei- oder Verbandmitteln hinaus kann die PTA in das Beratungsgespräch zahlreiche Tipps zum gesunden Sporttreiben einfließen lassen.

Prävention

Wer sich längere Zeit oder überhaupt noch nicht sportlich betätigt hat, sollte sich vor Trainingsbeginn von einem (Sport-)Arzt untersuchen lassen. Besonders wichtig ist das für Menschen mit Vorerkrankungen wie Herz-Kreislauf-Krankheiten oder Diabetes. Vor dem Training ist ein Aufwärmen unverzichtbar, um die Muskeln, Sehnen und Bänder auf die Belastung vorzubereiten. Bei Sport im Freien sind zusätzlich Wetterbedingungen wie Hitze oder Kälte zu berücksichtigen. Ausrüstungen müssen regelmäßig auf Mängel überprüft werden, da eine Fehlfunktion zu schwerwiegenden Verletzungen führen kann. Schutzvorkehrungen wie Helme und Protektoren sollten selbstverständlich sein, auch wenn ihre Anschaffung häufig sehr kostenintensiv ist. Ausreichende, aber nicht übermäßige, Flüssigkeitszufuhr während des Trainings und danach schützt vor Kreislaufproblemen.

PECH-Regel

Bei dieser Regel stehen die vier Buchstaben für Pause, Eis, Compression und Hochlagern. Ziel ist es, bei Verletzungen des Bewegungsapparates Blutungen und Schwellungen zu reduzieren. Compression steht für das Anlegen eines leichten Druckverbandes, Hochlagern bedeutet, die Extremität über Herzhöhe zu lagern. Auch englischsprachige Kunden können sich diese Maßnahmen unter der Abkürzung RICE gut merken: Rest, Ice, Compression, Elevation.

Dosierung

Für Diclofenac und Ibuprofen gelten in der Selbstmedikation Maximaldosierungen. So dürfen von Diclofenac nur ein- bis dreimal täglich 25 Milligramm, also nicht mehr als 75 Milligramm innerhalb von 24 Stunden eingenommen werden. Bei Ibuprofen liegt bei Erwachsenen die Tageshöchstdosis bei 1200 Milligramm, verteilt auf maximal dreimal täglich 400 Milligramm. Obergrenzen (s. Packungsbeilage) sind auch bei lokaler Anwendung dieser Analgetika einzuhalten, sodass Patienten im Beratungsgespräch darauf hingewiesen werden müssen.

Hilfestellung-- Zur leichteren Umsetzung der Dosierungen können Vergleiche dienen. So darf von einem einprozentigen Diclofenac-Gel zwei bis maximal viermal täglich eine kirsch- oder walnussgroße Menge aufgetragen werden. Damit wird die Tageshöchstdosis für lokales Diclofenac (160 mg) eingehalten, denn eine kirschgroße Gelmenge entspricht 20 Milligramm, eine walnussgroße Gelmenge 40 Milligramm Diclofenac. Bei dem kürzlich zugelassenen zweiprozentigen Diclofenac-Schmerzgel wird bereits bei zweimal täglicher Anwendung die Tageshöchstdosis erreicht. Bei Ibuprofen wird die Höchstmenge in den Fachinformationen als Stranglänge bis zu zehn Zentimeter angegeben, was Maximaldosierungen von 750 bis 1000 Milligramm Ibuprofen pro Tag entspricht.

Interaktionen

Bei Sportverletzungen werden NSAR gegen Schmerzen und Schwellungen oft über mehrere Tage angewendet. Dabei kann es zu Interaktionen mit der Dauermedikation der Betroffenen kommen.

Antihypertonika-- Bei oraler Anwendung von NSAR kann es zu einer Interaktion mit ACE-Hemmern kommen, wobei deren blutdrucksenkender Effekt abgeschwächt wird. Bei kurzfristiger Einnahme (max. 2 Wo.) müssen jedoch keine Maßnahmen ergriffen werden.

Antidepressiva-- Werden Antidepressiva aus der Wirkstoffklasse der selektiven Serotonin-Wiederaufnahmehemmer (SSRI, z. B. Fluoxetin) gleichzeitig mit NSAR eingenommen, kann das Blutungsrisiko steigen. Grund ist eine Funktionsbeeinträchtigung der Thrombozyten durch SSRI. Es können Magen-Darm-Blutungen auftreten, deren Risiko durch NSAR ohnehin erhöht ist. Patienten, die SSRI einnehmen, sollten daher bei Sportverletzungen Paracetamol als Schmerzmittel bevorzugen.

Glukokortikoide-- Auch bei der gemeinsamen Anwendung von Glukokortikoiden und NSAR steigt das Risiko für Magen-Darm-Blutungen. Hier ist im Einzelfall zu entscheiden, wie relevant die Interaktion ist. So ist beispielsweise das Risiko für systemische Wirkungen bei nasal anzuwendenden Kortikosteroiden (z. B. Mometason gegen Allergie) viel geringer als bei Glukokortikoiden, die in Tablettenform eingenommen werden.

Interessenskonflikt: Die Autorin erklärt, dass keinerlei Interessenskonflikte bezüglich des Themas vorliegen.


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