31.07.2017

Studienlage: Heilfasten

von Dr. Elke Oberhofer

Fasten ist wieder in und wird heute zunehmend auch in der Medizin genutzt: Unterfüttert von aktuellen Studien erlebt das therapeutische Fasten oder Heilfasten gerade einen regelrechten Boom.

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Nach der derzeitigen Datenlage, so der Internist und Experte für Naturheilverfahren Dr. Rainer Stange, Berlin, erscheint das Fasten vor allem bei folgenden Indikationen vielversprechend: Bluthochdruck, Diabetes mellitus, rheumatoide Arthritis, Multiple Sklerose und chronische Schmerzsyndrome. Darüber hinaus habe man Effekte in der Prävention von Herz-Kreislauf-Erkrankungen und Demenz nachweisen können und überdies gezeigt, dass durch präoperatives Fasten die Rate an Wundheilungsstörungen und an perioperativen Komplikationen signifikant zurückgeht.

Rheumatoide Arthritis

Stange wies beim Praxis Update 2017 der Med update GmbH in München auf eigene Erfolge des Fastens in der naturheilkundlichen Therapie der rheumatoiden Arthritis (RA) hin: Am Zentrum für Naturheilkunde am Immanuel Krankenhaus Berlin, wo Stange als leitender Arzt tätig ist, fasten etwa 70 Prozent aller Patienten mit RA, „zunächst unter ärztlicher Anleitung, nach Entlassung aus der Klinik auch ambulant“, wobei sie durch zertifizierte Fastenleiter unterstützt werden.

Zur Erzielung eines deutlichen schmerz- lindernden Effekts ist dem Experten zufolge eine Fastendauer von sieben bis zehn Tagen erforderlich. Viele RA-Patienten wiederholen die Fastentherapie, um den Effekt zu replizieren. Wie Stange betont, kann „das Heilfasten auch bei laufender Therapie mit Basistherapeutika“ durchgeführt werden.

Hypertonie

Auch als gezielt blutdrucksenkende Maßnahme wird das therapeutische Fasten mittlerweile eingesetzt. Nach Stange gibt es neben einer Vielzahl experimenteller Daten mittlerweile auch erste klinische Studien, die die antihypertensive Wirkung des Fastens stützen. Auch hier sollte die Dauer nicht unter sieben Tagen liegen.

Starkes biologisches Signal

Mit welchen systembiologischen Umstellungen der Organismus auf die Nahrungskarenz reagiert, ist noch nicht komplett verstanden. Für Stange steht fest, dass die mangelnde Energiezufuhr „metabolischen Stress“ erzeugt, was in den ersten 24 Stunden zum Abbau der Glykogenreserven in der Leber führe. Erst bei längerer Karenz finde die Energiegewinnung durch Lipolyse statt. Auf Molekülebene werde die Mitochondrienfunktion verbessert, und schließlich würden auch DNA-Reparatur und Autophagie gefördert.

Eine entscheidende Signalfunktion schreibt der Experte Ketonkörpern zu. Diese und wahrscheinlich noch eine Vielzahl anderer Faktoren, die durch die Karenz aktiviert werden, wirken sich vermutlich auf die unterschiedlichsten Funktionen aus: Beim Fasten, so Stange, sinken Herzfrequenz und Blutdruck, Entzündungsparameter werden herunterreguliert, und die Insulinsensitivität steigt. Dabei spielen auch die positiven Effekte durch Gewichtsverlust und Fettabbau eine Rolle. Im Gehirn werde die kognitive Funktion positiv beeinflusst, Endorphine würden ausgeschüttet, die Serotoninverfügbarkeit gesteigert. Dies erkläre auch das vielfach beschriebene Stimmungshoch. Und schließlich beeinflusse der Nahrungsentzug auch das Mikrobiom im Darm.

Empfehlungen zur Fastentherapie

Die „Leitlinien zur Fastentherapie“ der Ärztegesellschaft Heilfasten und Ernährung stellen verschiedene Formen des Fastens, bewährte Indikationen, aber dazu auch Kontraindikationen sehr ausführlich dar ( aerztegesellschaft-heilfasten.de ). Keinesfalls gefastet werden sollte demnach in Schwangerschaft und Stillzeit, bei Kachexie oder Anorexia nervosa, bei dekompensierter Hyperthyreose, bei fortgeschrittener Demenz sowie bei fortgeschrittener Leber- oder Niereninsuffizienz. Treten während des Fastens Herzrhythmusstörungen oder therapierefraktäre Magenbeschwerden auf oder ergeben sich relevante Störungen im Elektrolythaushalt, ist die Therapie abzubrechen.

Quelle: Basierend auf: Stange R. „Hot Topic Naturheilkunde“.Praxis Update 2017, Med update GmbH, München, 5./6. Mai 2017


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