30.06.2018

Tierarzneimittel: Für Hund und Katz

von Petra Schicketanz

Ist das Haustier krank, leidet oft die ganze Familie. Kein Wunder, dass bei gesundheitlichen Problemen die Besitzer neben der Tierarztpraxis auch direkt in der Apotheke nach Tierarzneimitteln fragen.

© Science Source / mauritius im

Fortbildung

Originalartikel als PDF


  • Für die Abgabe von Tierarzneimitteln gibt es besondere Gesetze und Dokumentationspflichten.
  • Bei erkrankten Pferden oder Eseln muss geklärt werden, ob das Tier nach seinem Ableben zur Lebensmittelgewinnung dienen soll (Equidenpass).
  • Ist kein passendes Tierarzneimittel für die gewünschte Tierart und Indikation erhältlich, kann der Tierarzt ein anderes Tier- oder Humanarzneimittel umwidmen oder eine Rezeptur verordnen.
  • Auch für reine Wohnungskatzen besteht eine Ansteckungsgefahr mit Würmern, da die Eier über Schuhsohlen ins Haus getragen werden können.

Kaum ein Kunde hat auf dem Schirm, dass Tierarzneimittel rechtliche und pharmazeutische Besonderheiten aufweisen. Trotz vieler Ähnlichkeiten sind sie nicht mit den Produkten für Menschen gleichzusetzen. Das wird allein schon durch das Dispensierrecht für Tierärzte deutlich, denn Humanärzten ist es nicht erlaubt, Arzneimittel an Patienten abzugeben.

Die Rechtslage

Der apothekenrelevante Umgang mit Arzneimitteln, die an Tieren angewendet werden sollen, wird von vielen Gesetzen geregelt. Die relevanten Paragrafen sind im Kasten auf Seite 23 aufgelistet und sollten zumindest inhaltlich bekannt sein. Im Beratungsgespräch muss geklärt werden, für welches Tier das Arzneimittel bestimmt ist und ob dieses eventuell zur Lebensmittelgewinnung dienen soll.

Tiere zur Lebensmittelgewinnung

Der unbedarfte Besitzer eines Esels oder Pferdes weiß oft nicht, dass er für sein Tier einen Equidenpass ausstellen lassen muss. In diesem Pass wird unwiderruflich festgelegt, ob das Tier nach seinem Tod zur Lebensmittelgewinnung genutzt werden darf oder nicht. Was zunächst umständlich anmutet, hat einen ganz einfachen Hintergrund: Jede Arzneimittelgabe kann zu Rückständen im Fleisch führen, weshalb bei Tieren zur Lebensmittelgewinnung nur ganz bestimmte Arzneimittel zugelassen werden und zudem eine festgelegte Zeit nach der Arzneimittelgabe abgewartet werden muss, bevor das Tier für die Fleischverarbeitung freigegeben ist.

Fragebogen

Laden Sie sich hier zum Einlesen den Fragebogen zur Fortbildung herunter.

Dokumentation-- Diesbezüglich müssen die Verschreibungen des Tierarztes in der Apotheke stets in doppelter Ausführung vorgelegt werden. Das mit Abgabedatum quittierte Original erhält der Tierhalter zurück. Darauf muss die Chargenbezeichnung oder bei einer Rezeptur das Herstellungsdatum vermerkt werden. Die Durchschrift muss fünf Jahre lang in der Apotheke hinterlegt werden. Eine Fotokopie ist in diesem Fall für die Dokumentation nicht zulässig.

Eine Frage der Zulassung

Wie Humanarzneimittel auch, können Medikamente für Tiere verschreibungs- oder apothekenpflichtig sein. Dabei ist die Entlassung aus der Verschreibungspflicht für die jeweilige Tierart relevant. Ein für den Menschen apothekenpflichtiger Wirkstoff kann durchaus für die Anwendung am Tier der Rezeptpflicht unterliegen. Sind die Arzneimittel ausschließlich zur Anwendung an Heimtieren gedacht (Zierfische, Zier-, Singvögel, Brieftauben, Terrarientiere, Kleinnager, Frettchen, Kaninchen), gelten sie als Heimtierarzneimittel und benötigen keine Zulassung, sofern keine verschrei- bungspflichtigen Wirkstoffe enthalten sind. Das gilt auch für nicht registrierungspflichtige Heimtier-Homöopathika und Phytotherapeutika. Die Mittel können sogar ganz aus der Apothekenpflicht entlassen und beispielsweise über den Tierfachhandel vertrieben werden.

Für alle anderen Tierarzneimittel und Tierhomöopathika gilt dagegen die Zulassungs- beziehungsweise Registrierungspflicht, die zudem eine Packungsbeilage einfordert, in der neben der Indikation auch die zu behandelnde Tierart genannt wird. Das ist wichtig, denn ein Mittel, das der Katze wohltut, ist nicht zwangsläufig für einen Hund geeignet. Und sogar innerhalb einer Spezies kann es bezüglich der Verträglichkeit Rasseunterschiede geben.

Umwidmung-- Nicht immer gibt es für die gewünschte Anwendung ein passendes Tierarzneimittel. In diesem Sinne darf der Tierarzt ein für eine andere Indikation oder Tierart vorgesehenes Arzneimittel umwidmen. Ist dies nicht möglich, darf auch ein Humanarzneimittel oder ein in einem EU-Mitgliedstaat zugelassenes Tierarzneimittel aufgeschrieben werden. Erst wenn auch dieses nicht zur Verfügung steht, kann eine entsprechende Rezeptur in der Apotheke oder Tierarztpraxis hergestellt werden. Ein solcher Off-label-use ist ausschließlich dem Tierarzt vorbehalten und darf nicht aus Gefälligkeit vom Arzt oder Zahnarzt ausgeführt werden.

Relevante Gesetze für den Umgang mit Tierarzneimitteln

Arzneimittelgesetz (AMG)

§§ 10 und 11 Kennzeichnung und Packungsbeilage 

§ 21 Zulassungspflicht

§ 43 Apothekenpflicht, Inverkehrbringen durch Tierärzte

§ 56a Verschreibung, Abgabe und Anwendung von Arzneimitteln durch Tierärzte

§ 57 Erwerb und Besitz durch Tierhalter, Nachweise

§ 58 Anwendung bei Tieren, die der Lebensmittelgewinnung dienen

§ 59 Klinische Prüfung und Rückstandsprüfung bei Tieren,       die der Lebensmittelgewinnung dienen

§ 60 Heimtiere

Apothekenbetriebsordnung (ApBetrO)

§ 14 Kennzeichnung

§ 19 Erwerb und Abgabe von verschreibungspflichtigen Tierarzneimitteln

§ 20 Information und Beratung

Betäubungsmittel-Verschreibungsverordnung (BtMVV)

§ 4 Verschreiben durch einen Tierarzt

Betäubungsmittelgesetz (BtMG)

Anlage III Verkehrsfähige und verschreibungsfähige Betäubungsmittel

Arzneimittelpreisverordnung (AMPreisV)

§ 3 Apothekenzuschläge für Fertigarzneimittel

§ 10 Zuschläge für Tierärzte

Betäubungsmittel

Innerhalb von 30 Tagen darf ein Tierarzt für ein Tier ein in § 4 Absatz 1 der Betäubungsmittelverschreibungsverordnung (BtMVV) genanntes Betäubungsmittel (BtM) bis zu der dort genannten Höchstmenge verordnen. Diese unterscheiden sich von den auf Menschen ausgelegten Höchstmengen. In besonders schweren Krankheitsfällen ist es dem Veterinär erlaubt, Höchstmenge oder Anzahl der verordneten BtM zu überschreiten; er muss dies aber durch ein „A“ auf dem BtM-Rezept vermerken. Die Betäubungsmittelrezepte eines Tierarztes entsprechen den dreiteiligen amtlichen Formblättern, die auch Ärzte oder Zahnärzte verwenden. Auch hier werden die Teile I und II in der Apotheke eingereicht, während Teil III zur Dokumentation beim Tierarzt verbleibt und von ihm drei Jahre lang aufbewahrt werden muss.

Notfallverschreibung-- Wenn gerade nicht das passende BtM-Formular zur Hand ist, kann der Tierarzt eine Notfallverschreibung auf einem ansonsten üblichen Rezeptformular vornehmen und dies durch den Zusatz „Notfallverschreibung“ kenntlich machen. In diesem Fall muss die Apotheke ihn möglichst noch vor der Abgabe des Mittels über die Belieferung informieren. Der Tierarzt ist verpflichtet, unverzüglich die Verschreibung auf einem BtM-Rezept an die Apotheke nachzureichen und dieses mit einem „N“ zu kennzeichnen. Für die Dokumentation der belieferten Betäubungsmittel wird in der Apotheke die Notfallverschreibung dauerhaft mit dem in der Apotheke verbleibenden Teil des BtM-Rezeptes verbunden.

BtMG Anlage III-- Betäubungsmittel aus der Anlage III des Betäubungsmittelgesetzes (BtMG) sind vom Tierarzt für ein Tier verschreibungsfähig, wobei eine Reihe der dort gelisteten Wirkstoffe ausdrücklich verboten sind nach § 4 Absatz 1b der BtMVV. Hierzu gehören unter anderem die Substanzen Cannabis, Diamorphin (Heroin), Dronabinol, Fenetyllin, Levacetylmethadol, Methylphenidat, Nabilon, Oxycodon und Papaver somniferum (Schlafmohn).

Praxisbedarf-- Wirkstoffe wie Alfentanil, Cocain zur Lokalanästhesie, Etorphin, Fentanyl, Methadon, Pentobarbital, Remifentanil und Sufentanil darf ein Tierarzt zwar nicht für ein konkretes Tier verschreiben, wohl aber unter bestimmten Voraussetzungen im Rahmen seines Praxisbedarfs für zwei Wochen. Dafür muss er mindestens die kleinste Packungseinheit verschreiben. Die Vorratshaltung soll für jedes Betäubungsmittel den Monatsbedarf des Tierarztes nicht übersteigen.

Dokumentationspflicht

Nach § 19 der Apothekenbetriebsordnung (ApoBetrO) ist sowohl über den Erwerb als auch über die Abgabe verschreibungspflichtiger Arzneimittel zur Anwendung am Tier Nachweis zu führen. Darunter fallen demnach nicht nur zugelassene Tierarzneimittel, sondern auch verschreibungspflichtige Humanarzneimittel, die für das Tier „umgewidmet“ wurden. Apothekenpflichtige Tier- und Humanarzneimittel (auch Homöopathika) erfordern keine Dokumentation.

Nachweise-- Für den Erwerbsnachweis werden Lieferscheine, Rechnungen oder Warenbegleitscheine aufgehoben. Erwirbt der Tierarzt persönlich ein verschreibungspflichtiges Arzneimittel zur Anwendung am Tier, muss eine Kopie des Tierarztausweises angefertigt werden, auf der die Abgabe dokumentiert wird. Die Abgabe eines verschreibungspflichtigen Tierarzneimittels an einen Kunden wird über das Doppel (bei Tieren zur Lebensmittelgewinnung) beziehungsweise eine Kopie der Verschreibung belegt. Dabei müssen neben Name und Anschrift von Tierarzt und Empfänger auch Bezeichnung, Menge und Chargenbezeichnung des Arzneimittels sowie das Abgabedatum erfasst werden.

Pflicht-- Der Apothekenleiter ist dazu verpflichtet, einmal im Jahr Bestand, Ein- und Abgänge aller in der Apotheke geführten verschreibungspflichtigen Tierarzneimittel zu überprüfen und gegebenenfalls Abweichungen schriftlich festzuhalten.

Zustellung

Rezept- und apothekenpflichtige Arzneimittel zur Anwendung am Tier dürfen dem Tierhalter nur vom Tierarzt oder innerhalb der Apotheke ausgehändigt werden. Für den Botendienst bedeutet das: Nur freiverkäufliche Arzneimittel für Tiere dürfen dem Kunden nach Hause geliefert werden. Anders sieht die Lage aus, wenn die Apotheke eine amtliche Versandhandelserlaubnis besitzt. Dann dürfen Tierarzneimittel auf dem Versandweg zugestellt werden, sofern sie nicht für Tiere bestimmt sind, die der Lebensmittelgewinnung dienen.

Detail: Zecken

Für Hunde kann eine durch Zecken übertragene Borreliose zu schweren gesundheitlichen Schäden führen. Die Ständige Impfkommission Veterinärmedizin empfiehlt daher für Hunde eine Borrelioseimpfung. Im Alter von zwölf Wochen sollte die Erstimpfung erfolgen, drei bis fünf Wochen danach die zweite Impfung. Ein halbes Jahr nach Beginn der Grundimmunisierung ist die dritte, nach einem Jahr dann die vierte Impfung fällig. Später wird nur einmal jährlich eine Wiederholungsimpfung empfohlen, sinnvollerweise im Frühjahr vor dem Höhepunkt der Zeckenaktivität.

Tierparasiten

Jeder Tierbesitzer kennt die unliebsamen Gäste, die der Vierbeiner nach dem Freigang oder dem Kontakt mit anderen Tieren mit nach Hause bringen kann. Aus Platzgründen beschränkt sich der folgende Abschnitt nur auf die typischen Parasiten von Hunden und Katzen.

Zecken

Vor allem im Frühjahr und Sommer können Zecken zu einer echten Plage werden, die noch dazu nicht ganz ungefährlich ist. Denn Zecken können auf Menschen und Tiere verschiedene Krankheiten übertragen. In einer Studie konnte nachgewiesen werden, dass rund die Hälfte aller Hunde, die nicht oder nur unzureichend übers Jahr gegen Zecken geschützt wurden, eine durch Zecken übertragbare Infektion aufwiesen. Deshalb ist ein konsequenter Schutz durch zeckenabwehrende Mittel und das tägliche Absammeln der Parasiten ein wirkliches Muss für jeden Tierhalter. Das gilt sowohl für Hunde als auch Katzen, auch wenn die freilaufenden Mäusefänger nur sehr selten an Babesiose, Borreliose oder FSME erkranken.

Anaplasmose-- Die durch Bakterien der Gattung Anaplasma verursachte Infektion verläuft bei Hunden meist stumm. Es gibt jedoch auch schwere Verlaufsformen mit Fieber und punktförmigen Blutungen. Eine Übertragung vom Hund auf den Menschen ist nur bei Blutkontakt möglich. Eher wird sie direkt durch Zeckenbisse ausgelöst.

Babesiose-- Die Infektion mit einzelligen Babesien führt zur Zerstörung roter Blutkörperchen, was eine Blutarmut nach sich zieht. Wegen dieser Ähnlichkeit wird die Erkrankung auch „Hundemalaria“ genannt. Menschen können ebenfalls an einer Babesiose erkranken, allerdings erfolgt dies durch wirtsspezifische Babesien.

Lyme-Borreliose-- Borrelieninfektionen gehören zu den am häufigsten durch Zecken übertragenen Erkrankungen von Hunden. Die Krankheit kann mit Allgemeinsymptomen wie Fieber und Abgeschlagenheit einhergehen, mit Gelenkschmerzen und wechselnd lahmen Beinen. Zudem bohren sich die Erreger durch das Gewebe und befallen weitere Organe.

Ehrlichiose-- Das Bakterium Ehrlichia canis gehört zu den Rickettsien. Die Infektion löst das „Zeckenfieber“ aus, das im Mittelmeerraum endemisch ist und daher meist auf Reisen in subtropische Gebiete erworben wird. Durch die Infektion werden weiße Blutkörperchen zerstört, was akut zu unspezifischen, vielfältigen Krankheitssymptomen führt. Später kann sich ein jahrelanges subklinisches Stadium anschließen.

FSME-- Die Frühsommer-Meningo-Enzephalitis ist nicht nur ein Fall für den Menschen. Auch große Hunderassen können daran erkranken. Neben Fieber und Schmerzen treten vor allem neurologische Probleme auf wie Störungen von Reflexen und Bewusstsein, Übererregbarkeit und epileptische Anfälle. Unbehandelt verläuft die Erkrankung meist tödlich.

Flöhe

Ein Floh kommt selten allein. Wenn Hunde oder Katzen unruhig sind, sich auffällig oft kratzen oder lecken, Haare abbrechen oder ausfallen und entzündliche Stellen sichtbar werden, ist meist bereits eine ganze Schar der lästigen Parasiten zugange. Nicht nur das Blutsaugen selbst führt zu lokalen, stark juckenden Hautirritationen. Die Stiche können sich sekundär infizieren, und Speichel und Kot der Parasiten können allergische Reaktionen verursachen, die mit nässenden Ekzemen, Krusten und Knötchen und natürlich mit Juckreiz einhergehen. Ein Massenbefall hinterlässt nicht nur unschöne Spuren auf der Haut, sondern führt besonders bei Jungtieren zu Abmagerung und Blutarmut. Zudem können Flöhe Würmer übertragen. Sowohl Hundefloh (Ctenocephalides canis) als auch Katzenfloh (Ctenocephalides felis) sind Zwischenwirte für die Larven des Gurkenkernbandwurms (Dipylidium caninum). Diese werden bei der Fellpflege durch das Verschlucken von Flöhen aufgenommen.

Typisch Floh-- Flöhe können sich rasant vermehren. Da ist es kein Wunder, dass nur etwa fünf Prozent einer Flohpopulation als ausgewachsene Blutsauger von einem Wirt zum nächsten hüpfen. Die restlichen 95 Prozent sind in Form von Eiern und Larven in der Umgebung des Wirtstieres zu finden. Vor allem die Larven von Katzenflöhen führen zu hartnäckigem Befall, weil sie vom Tier in der ganzen Wohnung verteilt werden und sich gut in Teppichen und Polstern verstecken. Meist lassen sie sich durch die üblichen Hygienemaßnahmen nicht ausreichend bekämpfen, weshalb sich das Tier immer wieder anstecken kann. Und nicht nur das Tier. Ein hungriger Hunde- oder Katzenfloh ist im Zweifelsfall nicht wählerisch. Bevor er verhungert, nutzt er auch den Menschen als Blutquelle. Bei Befall ist daher neben der Behandlung des Tieres immer auch eine konsequente Behandlung der Umgebung des Tieres nötig.

Faktum

  1. Um das Haus von Flöhen in jedem Stadium zu befreien, gibt es Wirkstoffe mit unterschiedlich langer Wirkdauer.
  2. Ein biologisches Umgebungsspray vertreibt Ektoparasiten für zwei bis vier Wochen mit Dodecansäure aus Kokosöl und Margosaextrakt aus Neemölsamen.
  3. Sprays oder Sprühautomaten mit Cyfluthryn und Pyriproxyfen bekämpfen Flöhe, Larven und Floheier für ca. 6 Monate.
  4. Bei der Anwendung sind Einwirkzeiten und Schutz von Mensch und Tier wichtig.

Würmer

Im Gegensatz zum äußerlich sichtbaren Befall mit Ektoparasiten wie Zecken und Flöhen stellen Würmer als Endoparasiten ein Problem dar, das von innen kommt. Deshalb werden die Schmarotzer lange übersehen und häufig unterschätzt. Gerade Jungtiere sind öfter befallen, indem sie sich bei ihrer Mutter anstecken. Ansonsten können sich die Tiere in jedem Alter infizieren, vor allem, wenn sie ohnehin bereits eine Abwehrschwäche aufweisen. Würmer, im Fachdeutsch als Helminthen bezeichnet, können je nach Art die Organe des Verdauungstraktes und der Atemwege befallen. Durch Wanderung erreichen sie aber auch viele andere Gewebe, wie Muskulatur und vor allem die Leber. Dementsprechend vielfältig sind die gesundheitlichen Probleme, die ein Befall verursacht. Durch den Kontakt zum Haustier erwischt es gelegentlich auch den Menschen. Diesbezüglich sind besonders Spulwürmer und Bandwürmer (z. B. Fuchsbandwurm) von Bedeutung.

Trematoden-- Zu den Saugwürmern gehören unter anderem der große und der kleine Leberegel. Ihr Vorhandensein schädigt die Leber mechanisch und toxisch, was zu Blutungen, Vernarbungen und einer interstitiellen Hepatitis führt. Äußerlich ist das meist nur an einer Verringerung der allgemeinen Fitness zu bemerken.

Zestoden-- Bandwürmer führen sozusagen ein Doppelleben. Im Darm ihrer Endwirte schmarotzen sie vom Nahrungsangebot, was Abmagerung, Blutarmut und Leistungsminderung des Wirtstieres nach sich zieht und durch struppiges Fell und Verdauungsstörungen sichtbar wird. Bandwürmer bestehen aus einem Kopf und einer Kette von Gliedern, den Proglottiden, von denen täglich ein mit Eiern gefüllter Abschnitt abgetrennt wird. Das führt beim Endwirt zu Reizungen in der Afterregion. Vor allem Hunde versuchen, sich durch „Schlittenfahren“ Erleichterung zu verschaffen; sie rutschen mit dem Hinterteil über den Boden.

Die Bandwurmeier, die bereits das erste Larvenstadium enthalten, werden mit dem Kot des Wirtes weitergegeben. Von dort gelangen sie zum Zwischenwirt, in dem die Finnen als 2. Larvenstadium heranreifen und durch Muskulatur, Leber und Lunge wandern. Gelegentlich sind Hunde und Katzen selbst zugleich Zwischen- und Endwirte, meist stecken sie sich jedoch über das Verschlucken von Flöhen oder Mäusen an.

Der Fuchsbandwurm (Echinococcus multilocularis) parasitiert gelegentlich auch in Hunden und Katzen. Das kann für den Menschen gefährlich sein, da die Finnen im menschlichen Körper viele Jahre überdauern und schleichend das Gewebe zerstören. Ebenso gefährlich für den Menschen ist aber auch der dreigliedrige Hundebandwurm (Echinococcus granulosus), der beim Streicheln nicht entwurmter Tiere aufgenommen werden kann.

Nematoden-- Zu den Faden- und Rundwürmern gehören unter anderem verschiedene Arten von Magen-Darm-Würmern, Lungenwürmern und Spulwürmern. Letztere, auch Askariden genannt, führen bei Fleischfressern wie Hunden und Katzen zu Durchfall, Darmverlegung und Bronchopneumonien. Vorgeburtlich können sie in die Plazenta einwandern und die ungeborenen Welpen infizieren.

TIPP!

Um festzustellen, ob ein Haustier von Flöhen befallen ist, können Sie Ihren Kunden folgenden Trick empfehlen: Einfach das Fell des Tieres ausbürsten. Flohkot enthält unverdaute Blutbestandteile und hinterlässt Krümelchen, die auf einem angefeuchteten Tuch rot zerlaufen.

Schutz vor Parasiten

Die genannten Erkrankungen machen deutlich, wie wichtig es für die Gesundheit aller Bewohner ist, die im Haushalt lebenden Hunde und Katzen vor Parasiten zu schützen und bei einem Befall schleunigst konsequent Maßnahmen zu ergreifen. Zur äußerlichen Anwendung zum Schutz vor Ektoparasiten gibt es Wirkstoffe wie Cyflutrin, Deltamethrin, Dinotefuran, Emodepsid, Fipronil, Imidacloprid, Indoxacarb, Margosaextrakt, Permethrin, Propoxur, Pyriproxyfen, Selamectin und Tetrachlorvinphos. Diese liegen in unterschiedlichsten Darreichungsformen vor, vom klassischen Flohschutzhalsband bis zum Spot-on, einer Lösung zum Auftragen, Shampoo oder Pulver. Bei Sprays (auch Pumpspray oder Sprühautomaten wie Fogger) muss klar sein, ob sie am Tier selbst angewendet werden oder für die Umgebung vorgesehen sind. Es ist müßig, an dieser Stelle sämtliche Produkte zu nennen und gegeneinander abzuwägen. Hier sei auf die Lila Liste – Das fachliche Verzeichnis der deutschen Tierarzneimittel (32. Auflage 2017, WVG Stuttgart) verwiesen. Bei der Beratung sollten Sie auf folgende Details in der Produktbeschreibung achten:

  • Für welche Tierart ist das Produkt bestimmt?
  • Gibt es für die Tiere Gewichts- oder Altersbeschränkungen?
  • Welche Parasiten werden erfasst?
  • Welche Darreichungsform liegt vor?
  • Wie lange wirkt es?
  • Wie ist der Abgabestatus: rezeptpflichtig, freiverkäuflich, apothekenpflichtig (an Kunde oder nur an Tierarzt?)

Spot-on

Zur Vorbeugung von Ektoparasiten wie Flöhe und Zecken haben sich Spot-ons bewährt, die den Tieren im Nacken aufgeträufelt werden. Sie dürfen nur auf gesunde Haut aufgetragen werden und nicht in die Augen oder auf die Schleimhäute gelangen. Nach dem Auftragen verteilen sie sich in den fettreichen, oberen Hautschichten über die Körperoberfläche. Während der Anwendung sollte nicht gegessen oder getrunken werden. In Tier- gemeinschaften muss dafür gesorgt werden, dass sich die Tiere nicht gegenseitig ablecken. Spot-ons mit einer Kombination aus Dodecansäure, Isopropylmyristat und Margosaextrakt wirken gegen Zecken, Flöhe, Läuse und andere Ungeziefer. Sie dringen nicht in die Haut ein, sondern verbleiben auf der Hautoberfläche und wirken über den Geruch.

TIPP!

Verlangt ein Kunde für seinen Hund ein apothekenpflichtiges Humanarzneimittel, sollten Sie sich vor Abgabe fachlich bei einem Tierarzt rückversichern. Das ist allein schon wegen der Verträglichkeit und der Dosierung dringend zu empfehlen.

Innerliche Behandlung


Systemische Insektizide/Akarizide sind meist verschreibungspflichtig. Sie dienen dazu, einen bestehenden Befall mit Flöhen und / oder Zecken zu behandeln. Der Wirkstoff Lufenuron greift beispielsweise in das Larvenstadium von Insekten ein und wird bei Flohbefall eingesetzt. Ebenfalls gegen Flöhe hilft das selektive Nervengift Nitenpyram. Sarolaner und Fluralaner töten sowohl Zecken als auch Flöhe ab. Und das Breitband-Antiparasitikum Milbemycinoxim hilft gegen Insekten, Milben und Würmer.

Wurmbefall


Würmer können bei Hunden und Katzen bereits vorgeburtlich auf das Jungtier übertragen werden und zu massiven Gedeihstörungen führen, weshalb die Tiere bereits früh entwurmt werden sollten. Verwendet werden Wirkstoffe wie Fenbendazol, Flubendazol, Ivermectin, Praziquantel und Pyrantel.

Weil Katzen als besonders reinlich gelten, glauben viele Besitzer, die Tiere seien vor Würmern gefeit. Doch das ist ein Irrglaube, da Wurmeier auch mit den Schuhsohlen in die Wohnung gebracht werden können. Immerhin ist jede fünfte Katze mit Spulwürmern eine reine Wohnungskatze. Freigänger haben allerdings ein wesentlich höheres Risiko, noch dazu, wenn sie Kleintiere nicht nur jagen, sondern auch verspeisen.


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