30.07.2020

Vaginalmykosen: Nicht bakteriell

von Julia Pflegel

Hefepilzerkrankungen im Vaginalbereich zählen zu den häufigsten Infektionskrankheiten der Frau. Im Beratungsgespräch gilt es, die Chancen und Risiken der Selbstmedikation auszuloten.

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  • Der Hefepilz Candida albicans ist der häufigste Erreger von Vaginalmykosen.
  • Juckreiz und Brennen im äußeren Genitalbereich zählen zu den Leitsymptomen vaginaler Candidosen.
  • In der Selbstmedikation kommen lokale Antimykotika wie Clotrimazol, Miconazol und Nystatin zum Einsatz.
  • Übertriebene Intimhygiene steigert das Candidose- Risiko.

Die Vagina kommt mit zahlreichen Mikroorganismen in Kontakt. Sie können beim Geschlechtsakt übertragen und aus der Analgegend eingeschleppt werden oder sich von der Hautoberfläche auf der Vaginalschleimhaut ausbreiten. Zudem gibt es hauseigene Vaginalkeime; Keimfreiheit besteht also nicht. Sowohl die natürlichen als auch die potenziell krankmachenden Bakterien sowie Pilze siedeln im Scheidenmilieu normalerweise friedlich nebeneinander. Dazu trägt auch das Vorhandensein verschiedener Milchsäurebakterien (Laktobazillen, Döderlein-Bakterien) bei, die einen natürlichen Schutz bieten. Unter bestimmten Umständen gerät das physiologische Gleichgewicht aus der Balance, dann können Infektionen entstehen.

Candida albicans

Der Erreger siedelt häufig auf der Schleimhaut von Mund und Rachen, im Genitalbereich sowie im Verdauungstrakt. Er gehört zu den fakultativ pathogenen Erregern und löst nur unter bestimmten Umständen Krankheiten aus. Normalerweise existiert er, auf oder in seinem Wirt, ohne ihm Beschwerden zu bereiten. Nimmt seine Anzahl jedoch Überhand, entstehen Pilzinfektionen wie eine Vaginalmykose.

Wussten Sie, dass ...

  • Döderlein-Bakterien nach dem deutschen Frauenarzt Albert Döderlein (1860 – 1941) benannt wurden?
  • Lactobazillen kurz nach der Geburt, solange das Baby unter dem Einfluss von Östrogenen steht, und dann wieder ab der Pubertät in der Vagina nachgewiesen werden?
  • Milchsäurebakterien Glykogen zur Energiegewinnung nutzen und die dabei anfallende Milchsäure für ein saures Scheidenmilieu sorgt?

Charakteristische Symptome

Candidainfektionen der Scheide haben eine charakteristische Symptomatik, die sich innerhalb kürzester Zeit entwickelt. Juckreiz und Brennen im äußeren Genitalbereich zählen zu den Leitsymptomen der Vaginalmykose. Betroffene klagen zum Teil über Schmerzen beim Geschlechtsverkehr. Der Ausfluss nimmt zu. Sein Geruch erinnert an frische Hefe. Das normalerweise farblose, trüb bis klare Scheidensekret verfärbt sich gelbweiß und ähnelt geronnener Milch. Es bildet abwischbare Beläge auf der vaginalen Schleimhaut. Leichte Infekte zeigen zunächst noch keine Entzündungssymptome. Erst bei mittelschweren Verläufen sieht die Schleimhaut unter den Belägen rot und geschwollen aus, ein Zeichen dafür, dass der Körper auf den Übergriff der Keime reagiert. Schwere Infekte begleiten Juckreiz, brennende Schmerzen und vor allem starke Entzündungszeichen. Ohne Therapie ist der Höhepunkt nach etwa drei Tagen erreicht.

Altersfrage-- Vaginale Candidosen treffen überwiegend Frauen im gebärfähigen Alter. Candidainfektionen der äußeren Geschlechtsorgane (Vulva-Candidosen) treten häufig in der Postmenopause auf.

Vulva-Candidosen

Die äußerlichen Geschlechtsorgane der Frau nennt man Vulva. Dazu gehören der Venushügel, die äußeren und inneren Schamlippen, die Klitoris sowie die Harnröhren- und Scheidenöffnung. Vulva-Candidosen werden unterteilt in eine pustulöse Form, in diffus-ekzematöse Varianten mit Schwellung und Rötung der Schamlippen sowie in follikuläre Ausprägungen mit Pusteln im Bereich der Schamhaarfollikel. Bei Frauen im gebärfähigen Alter treten reine Vulva-Infektionen selten isoliert auf. Meist handelt es sich dann um kombinierte Vulva-Vaginalmykosen.

Risikogruppen

Im Prinzip kann jede Frau an einer Candidamykose erkranken. Besonders günstige Wachstumsbedingungen finden Hefepilze, wenn die Hormonspiegel sich verändern. Zunächst steigt unter dem Einfluss von Östrogen der Glykogengehalt in der Vaginalschleimhaut. Milchsäurebakterien sorgen für die Freisetzung von Glykogen und seine Verstoffwechselung zu einfachen Zuckermolekülen. Die im Scheidensekret angereicherten Zucker bieten auf der Vaginalschleimhaut siedelnden Hefen optimale Wachstumsbedingungen. Weitere prädisponierende Faktoren sind Stress, plötzliche Klimaveränderungen im Urlaub oder Stoffwechselstörungen wie Diabetes. Genauso lösen die Immunabwehr schwächende Zytostatika oder Cortisonpräparate Dysbalancen im vaginalen Milieu aus und leisten Pilzinfekten Vorschub. Setzen Antibiotika die Vaginalflora außer Gefecht, steigt ebenfalls das Risiko einer Candidainfektion.

Ich empfehle ...

Was raten Sie Kundinnen mit Vaginalmykose grundsätzlich?

Da die Haut im Intimbereich durch die Infektion oft gereizt ist, empfehle ich zur Reinigung ein Produkt, das auf den pH-Wert der empfindlichen Schleimhaut im Intimbereich abgestimmt ist. Verwenderinnen von Slip-Einlagen lege ich parfumfreie Varianten ans Herz, da die Duftstoffe die Haut oft zusätzlich reizen.

Haben Sie einen Tipp für Frauen mit häufig wiederkehrenden vaginalen Mykosen?

Hier kann die Einnahme des homöopathischen Mittels Okoubaka D3 in einer Dosierung von 3 × tägl. 5 Globuli über mindestens einen Monat hilfreich sein.

Was können Betroffene noch tun?

Fällt die Vaginalmykose in die Zeit der Menstruation, haben sich aus meiner Erfahrung heraus probiotische Tampons bewährt.

Sara Siegler ist Mitglied im PTA Beirat.

Selbstmedikation

Frauen, die schon einmal eine Pilzinfektion hatten, können die typischen Symptome der Erkrankung meist relativ sicher von anderen Störungen im Vaginalbereich unterscheiden. Mit den Symptomen Brennen, Juckreiz und krümelig-weißem Ausschlag werden sie in der Apotheke vorstellig. Für solche Fälle stehen verschiedene rezeptfreie Antimykotika zur Selbstbehandlung zur Verfügung. Dennoch sollten die Beschwerden im Beratungsgespräch hinterfragt und die Betroffene im Zweifelsfall zur weiteren Diagnostik an den Gynäkologen oder die Gynäkologin verwiesen werden. Diese sind immer dann zu konsultieren, wenn die Beschwerden zum ersten Mal auftreten, der Infekt mehr als viermal pro Jahr aufflammt oder zusätzlich von Fieber und Schmerzen im Unterleib begleitet wird. Auch Schwangere oder Patientinnen, bei denen die Selbstmedikation nicht zum gewünschten Erfolg geführt hat, sollten an einen Arzt oder eine Ärztin verwiesen werden.

Für die Diagnosestellung vaginale Candidose fragen diese nach den Begleitumständen und leiten eine gründliche Untersuchung ein. Dazu gehört die Entnahme eines vaginalen Schleimhaut-Abstrichs mit anschließender Mikro- skopie. Häufig ist der Pilzbefall jedoch schon mit bloßem Auge an seinen charakteristischen weißlichen Belägen zu erkennen.

Antimykotika

Die größte Bedeutung unter den lokalen Antimykotika haben Clotrimazol und Miconazol, zwei Wirkstoffe aus der Gruppe der Azolderivate. Neben Pilzen sind sie auch gegen Trichomonaden und Bakterien wie Staphylokokken aktiv. Für die Selbstmedikation eignen sich zum Beispiel auch Polyene wie Nystatin. Nystatin wirkt allerdings nur gegen Pilze der Gattung Candida.

Clotrimazol/Milchsäure-- Vaginal angewendet entfaltet Clotrimazol aufgrund seiner schlechten Löslichkeit erst nach ein bis drei Tagen seine maximalen Wirkstoffkonzentrationen. Setzt man den Formulierungen jedoch Milchsäure zu, wird die Wirkstoffverfügbarkeit optimiert. Milchsäure senkt den pH-Wert im vaginalen Milieu und erhöht die Wasserlöslichkeit von Clotrimazol. Die Wirkstofffreisetzung aus der Vaginaltablette steigt, und die Substanz dringt schneller in die infizierte Schleimhaut ein. Außerdem macht Milchsäure die Erreger für Clotrimazol angreifbarer. Zudem unterstützt sie bereits während der Therapie die Regeneration der aus dem Lot geratenen Vaginalflora und verringert die Gefahr von Neuinfektionen.

Intimhygiene-- Übertriebene Intimhygiene bringt das natürliche Gleichgewicht der Scheidenflora aus dem Gleichgewicht. Der Intimbereich sollte nur mit Wasser und pH-neutralen oder leicht sauer eingestellten Syndets gewaschen werden. Parfümierte Seifen, Badezusätze oder Intimsprays sind zu meiden.


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