31.05.2017

Venenerkrankungen: Klappe kaputt

von Petra Schicketanz

Die Apotheke ist bei Venenproblemen eine wichtige Anlaufstelle, denn die Beratung umfasst neben der eigentlichen Erkrankung auch Themen wie Bewegungsverhalten, Übergewicht und Ernährungsgewohnheiten.

© Ikon Images / mauritius images

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  • Venenklappen arbeiten wie Ventile und verhindern eine Strömungsumkehr des Blutes.
  • Muskelarbeit, Arterienpuls, Atmung und Verdauungsvorgänge unterstützen den Blutrückfluss in den Venen.
  • Begünstigend für Venenleiden sind u. a. genetische Veranlagung, Alter, weibliches Geschlecht, Schwangerschaft, langes Stehen oder Sitzen, Übergewicht und Lebererkrankungen.
  • Venenleiden können sich durch Schmerzen und Schweregefühle in den Beinen zeigen, sowie bräunliche Hautfärbung an Knöcheln und Unterschenkeln, Besenreiser, Krampfadern und offene Beine.

Das Leben in den westlichen Industrieländern ist vielfach geprägt von ungesundem Verhalten wie Überernährung, Alkoholkonsum und Bewegungsarmut. Bei etwa zwei bis fünf Prozent der Menschen führt dies im Lauf des Lebens zu einer Venenschwäche. Der Erkrankungsgipfel liegt bei Frauen bereits zwischen dem 40. und dem 50. Lebensjahr, bei Männern dagegen zwischen dem 70. und 80. Lebensjahr. Neben genetischer Veranlagung, Alter und weiblichem Geschlecht zählen Schwangerschaft, langes Stehen oder Sitzen sowie Übergewicht zu den Risikofaktoren.

Anatomie der Gefäße

Grundsätzlich werden im Körperkreislauf drei Arten von Blutgefäßen unterschieden: Arterien, Kapillaren und Venen. Ihre Bauweise ist den jeweiligen Druckverhältnissen angepasst. Arterien transportieren unter hohem Druck das Blut vom Herzen weg. Kapillaren sind zart und porös, um das Blut ins Gewebe abgeben und wieder aufnehmen zu können. Venen müssen dagegen so konstruiert sein, dass sie den Rücktransport bewältigen.

Venöser Rückfluss

Dies ist zunächst gar nicht so einfach. Zum einen findet der Rückfluss in einem Niederdrucksystem statt, damit das Blut überhaupt ins Gefäßsystem zurückströmt. Zum anderen muss in stehender Position eine Flüssigkeitssäule überwunden werden, die der Höhe von den Füßen bis zum Herzen entspricht. Das kommt in etwa dem hydrostatischen Druck einer Wassersäule von einem Meter Höhe gleich. Die Herzarbeit nimmt an dieser Stelle nur noch bedingt Einfluss, denn der Druck, den das Herz auf die Flüssigkeitssäule im Gefäßsystem ausübt, ist mehr oder weniger an den Kapillaren aufgebraucht.

Mechanische Hilfen

Durch einen besonderen Bauplan gleicht das Venensystem diese gegensätzlichen Ansprüche aus. Bindegewebszüge zum umliegenden Gewebe halten die Venen offen und den Druck entsprechend niedrig. Gleichzeitig sind die Gefäßwände lockerer aufgebaut. Weil Venen etwa viermal so viel Blut enthalten wie Arterien, werden sie als Kapazitätsgefäße bezeichnet. Ein größerer Durchmesser sichert ihnen einerseits das größere Fassungsvermögen, erschwert andererseits aber die Transportarbeit, die im Stehen entgegen der Schwerkraft erfolgt. Ein Nachlassen des zum Herzen leitenden Drucks könnte bei Venen zu einer Strömungsumkehr führen. Dies verhindern Venenklappen, die als „Ventile“ den Blutrückfluss in Richtung der Kapillaren blockieren. Venenklappen bestehen aus Falten des innenliegenden Gefäßendothels (Tunica intima), die durch Kollagenfasern versteift sind. Lediglich Gehirn, Leber, Niere sowie die Rumpfregion oberhalb des Herzens kommen ohne Venenklappen aus.

Alle Mann an die Pumpen!

Wie ein Wasserschlauch nehmen Venen zwar eine beträchtliche Menge Flüssigkeit auf, können diese jedoch nicht selbst weitertransportieren. Dazu ist Hilfe von außen nötig. Da die Venenklappen quasi die Fließrichtung vorgeben, befördert alles, was von außen rhythmisch auf das Venensystem drückt, das Blut in Richtung Herz. Wichtigster Handlanger dieses Systems ist die Muskelarbeit. Insbesondere die Wadenmuskulatur bringt am tiefsten Punkt der Flüssigkeitssäule Schwung ins System. Aber auch die benachbarten, pulsierenden Arterien tun ein Übriges. Im Brust- und Bauchraum sind es Verdauungsvorgänge, Zwerchfellatmung und Herzschlag, die wieder und wieder auf die Venen drücken und damit ihre Arbeit unterstützen. Dieser Benefit ist quasi als Nebenprodukt umsonst zu haben und erspart dem Körper den extrem hohen Energieaufwand für einen aktiven Rücktransport. Streiken jedoch die Hilfsarbeiter, beispielsweise bei Bewegungsarmut, extremer Darmträgheit oder flacher Atmung, dann leidet das gesamte Kreislaufsystem.

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Venenleiden

Eine genetische Veranlagung begünstigt Venenleiden. Wer bereits einmal eine oberflächliche Venenentzündung, eine tiefe Beinvenenthrombose oder gar ein Unterschenkelgeschwür hatte, ist für das erneute Auftreten prädestiniert. Allgemein äußern sich erste Beschwerden, wenn die Beine im Laufe des Tages anschwellen und das Schweregefühl besonders nach längerem Sitzen oder Stehen auftritt. Deutliche Hinweise geben zudem eine bräunliche Verfärbung der Beine, das Auftreten von Krampfadern oder offene Beine.

TIPP!

Bei der Beratung zur Reiseapotheke sollten Sie nicht nur auf geeignete Venenmittel und Kompressionsstrümpfe verweisen. Viele Venenpatienten wissen nicht, dass sie Wärme meiden sollen. Das betrifft tropische Reiseziele, heiße Sonnen- und Wannenbäder, Whirlpool und Sauna.

Chronisch Venöse Insuffizienz

Abgekürzt CVI ist die „Venenschwäche“ Folge eines über längere Zeit bestehenden Blutrückstaus. Sie tritt im Bereich von Unterschenkeln und Füßen auf und wird als Abflussbehinderung definiert, die mit Mikrozirkulationsstörungen und trophischen Veränderungen einhergeht. Der Begriff trophische Veränderungen beschreibt Gewebeumbildungen infolge eines schlechten Versorgungszustands. Zeichen dafür sind blasse Haut oder Braunfärbung, oft begleitet von Ekzemen oder Hautentzündungen. Einer CVI gehen in der Regel unbehandelte Krampfadern oder Venenthrombosen voraus. Sie wird von Kribbeln, Juckreiz und Ödembildung begleitet. Vor allem im Bereich der Unterschenkel sammelt sich Gewebewasser (Ödeme) und lässt die Beine anschwellen. Ohne Therapie stellen sich häufig schlecht heilende Wunden ein, die umgangssprachlich als „offene Beine“, im Fachjargon als Unterschenkelgeschwür beziehungsweise Ulcus cruris bezeichnet werden.

Die Einteilung der CVI in die Stadien C 0 bis C 6 erfolgt anhand der aus dem Englischen stammenden CEAP-Klassifikation (C = clinical condition, E = etiology, A = anatomic location, P = pathophysiology).

Varizen

Besenreiser sind die ersten Zeichen einer Venenschwäche und die kleinste Form von Varizen. Sie bestehen aus oberflächlich in der Haut gelegenen, kleinsten Venen mit einem Durchmesser bis zu einem Millimeter. Weil sie bläulich-rötlich durch die Haut schimmern, gelten sie eher als kosmetisches Problem, das in der Schwangerschaft zunehmen kann. Besenreiser sind nicht zu verwechseln mit Teleangiektasien. Dies sind weitgestellte Kapillargefäße der Haut. Im Rahmen einer chronisch-venösen Insuffizienz treten sie im Bereich der Unterschenkel vermehrt auf.

Retikuläre Venen-- Der Begriff bezeichnet feine, sich bläulich durch die Haut abzeichnende Venennetze, deren Gefäßdurchmesser zwischen einem und drei Millimetern liegt. Üblicherweise verursachen sie keine Beschwerden und werden eher aus ästhetischen Gründen behandelt. Nach der CEAP-Klassifikation entsprechen sie, wie auch Besenreiser und Teleangiektasien, dem CVI-Stadium C 1.

Varikose-- Werden größere Venen durch Blutrückstau gedehnt, treffen die Venenklappen nicht mehr aufeinander. Dadurch wird die Ventilfunktion aufgehoben, und der Stauungsprozess wird gefördert. Die Folge sind Krampfadern (Varizen), die bei oberflächlich liegenden Venen durch knotenförmige oder geschlängelt verlaufende Erhebungen in der Haut auffallen. Der Begriff „Krampfader“ geht auf den mittelhochdeutschen Begriff „Krummader“ oder „Krumpader“ zurück und hat mit Wadenkrämpfen nichts zu tun.

Ein Krampfaderleiden (Varikose) ist ein Warnsignal und Zeichen dafür, dass der Blutaustausch im umliegenden Gewebe behindert ist. Ohne Rücktransport des „verbrauchten“ Blutes kann kein frisches, nähr- und sauerstoffreiches Blut nachfließen. Das legt den Grundstein für Venenentzündungen, Thromboembolien und Beingeschwüre.

CVI-Stadien, CEAP-Klassifikation

Stadium

Veränderungen

C 0

keine sichtbaren Zeichen einer Venenerkrankung

C 1

Besenreiser, Teleangiektasien oder retikuläre Venen

C 2

Varikose ohne klinische Zeichen einer CVI

C 3

Varikose mit Ödem

C 4

Varikose mit trophischen Hautveränderungen

C 5

Varikose mit abgeheiltem Ulcus

Venenentzündung

Ist eine oberflächliche Vene entzündet (Phlebitis), verhärtet sie und tritt dick tastbar hervor. Der Venenverlauf ist heiß und gerötet, meist kommt es nachts zu krampfartigen Schmerzen. Wegen der gestörten Transportfunktion treten Ödeme auf. Im Entzündungsbereich kann das Blut stocken und Gerinnsel bilden, weshalb die vollständige Bezeichnung Thrombophlebitis lautet. Nicht immer bleibt das Geschehen auf die Oberfläche beschränkt. Häufig sind auch tiefe Venenabschnitte betroffen. Eine Beurteilung durch den Facharzt (Phlebologe) ist daher unbedingt zu empfehlen.

Thrombose

Wird das ganze Bein heiß, rot und schwillt an, dann liegt vermutlich eine Venenthrombose in der tiefen Beinvene vor: Es hat sich ein Blutgerinnsel gebildet, durch das der Blutrückstrom durch die Vene teilweise oder ganz zum Erliegen kommt. Begünstigt wird eine solche Phlebothrombose durch drei Faktoren, die als Virchow‘sche Trias bezeichnet werden: Verlangsamung des Blutflusses (Stase, z. B. durch Bettlägerigkeit), verstärkte Gerinnungsbereitschaft des Blutes (Hyperkoagulabilität; oft bei Flüssigkeitsmangel oder Rauchern) sowie Gefäßwandschäden. Letztere sind oft nur durch Schwere- oder Spannungsgefühle in den Beinen zu spüren.

Payr-Zeichen-- Besteht beim Drücken mit dem Finger auf die Fußsohle eine Druckschmerzhaftigkeit, gilt dies als positives Payr-Zeichen, das einen starken Hinweis auf eine Beinvenenthrombose oder eine Venenentzündung gibt.

Vorsicht: Embolie-- Gefährlich wird es, wenn sich der Blutpfropf löst. Diese Gefahr besteht besonders bei tiefen Bein- und Beckenvenenthrombosen. Ein solcher Embolus wird durch die in Herzrichtung weiter werdenden Gefäße ins Herz geschleust und gelangt danach in den Lungenkreislauf. Ab hier wird es mit jedem Zentimeter enger, sodass der Embolus entsprechend seiner Größe früher oder später eine Arterie oder Arteriole verstopft. Je nach Umfang und Lage des dann blockierten Gefäßes kann die Embolie symptomfrei verlaufen oder zu Beschwerden führen. Dazu zählen Kurzatmigkeit, Atemnot, Husten, Herzjagen, Schmerzen im Brustraum und ein Beklemmungsgefühl. Unter Umständen ist die Blutzufuhr zur Lunge in einem solchen Ausmaß gestört, dass der Blutrückstau zu einem akuten Cor pulmonale führt. Dies geht mit einem Druckanstieg in der rechten Herzkammer einher. Zusätzlich fördert jeder Blutrückstau das Risiko für weitere Thromben und Embolien. Jede Embolie ist ein lebensbedrohlicher Zustand und erfordert intensivmedizinische Versorgung.

TIPP!

Wenn sich langes Stehen oder Sitzen nicht vermeiden lässt, sind Kompressionsstrümpfe und Venengymnastik empfehlenswert. Zwischendurch hilft es auch, die Beine hochzulagern oder von den Zehen bis zum Oberschenkel kühl abzubrausen.

Postthrombotisches Syndrom

Die meisten Thrombosen lösen sich nicht von selbst auf. Der Körper versucht, das durch einen bindegewebigen Umbau zu kompensieren, um den Durchfluss wieder herzustellen (Rekanalisation). Dies geschieht im Rahmen eines Entzündungsprozesses, der zur Narbenbildung führt, von der auch die Venenklappen betroffen sein können. Sie werden angegriffen, zum Teil sogar zerstört. Die Folge ist das Postthrombotische Syndrom (PTS), unter dem rund jeder zweite Thrombosepatient leidet. Es geht mit einer Veneninsuffizienz sowie chronischem Blutstau im betroffenen Gewebe einher.

SOS aus der Leber

Eine besondere Variante des venösen Systems ist der Pfortaderkreislauf. Er führt das verbrauchte Blut aller unpaarigen Darmorgane (Magen, Milz, Dünndarm, z. T. Dickdarm) auf direktem Weg zur Leber, um es dort zu entgiften. Lebererkrankungen, Alkoholmissbrauch, Vergiftungen, Schwangerschaft und andere Prozesse, die eine Überlastung der Leber zur Folge haben, lösen automatisch einen Blutrückstau ins Pfortadersystem aus. Damit dieser nicht die oben genannten Bauchorgane schädigt, gibt es zur Entlastung venöse Umgehungskreisläufe (Kollateralen), die das Blut so lange aufnehmen, bis es nach und nach die Leber passieren kann. Sichtbar werden diese „Übergangswarteräume“ beispielsweise in Form von Hämorrhoiden, wie sie oft in der Schwangerschaft auftreten. Bei einer Leberzirrhose ist die Leberdurchblutung durch den bindegewebigen Umbau so stark gestört, dass sich weitere Stauungszeichen wie Medusenhäupter (Venenerweiterungen auf der Bauchdecke) und Ösophagusvarizen zeigen. Letztere können im Extremfall platzen und zum Verbluten führen.

Nicht verwechseln!

Natürlich kann auch der Durchfluss arterieller Gefäße aufgrund arteriosklerotischer Prozesse verlegt sein. Eine solche arterielle Verschlusskrankheit tritt überwiegend bei männlichen Rauchern auf und ist eine der häufigsten Gefäßerkrankungen in den Industrieländern. Sie führt zu einem Sauerstoffmangel im versorgten Gewebe. Sind die Extremitäten betroffen, spricht der Fachmann von peripherer Arterieller Verschlusskrankheit (pAVK). Sie führt zu einem intermittierenden Hinken, das auch als Schaufensterkrankheit bezeichnet wird.

Therapie der CVI

Treten Venenbeschwerden auf, sollten stets die Auslöser ermittelt werden. Wer gelegentlich nach längerem Stehen ein Schweregefühl in den Beinen hat, kann leicht selbst etwas dagegen tun, sei es mit physikalischen Anwendungen oder Produkten aus der Selbstmedikation. Ein Arztbesuch ist dagegen angezeigt bei schmerzenden Waden, insbesondere, wenn ein harter Gewebestrang tastbar ist, der auf eine Venenthrombose hinweist. Liegen bereits ausgeprägte Krampfadern oder Geschwüre an Knöcheln oder Unterschenkeln vor, so ist eine medizinische Abklärung unerlässlich.

Physikalische Anwendungen

Schwere und Spannungsgefühle in den Venen kennt bestimmt jeder, der beruflich viel stehen muss. Ein direktes Mittel dagegen ist das Zurücklehnen und Hochlagern der Beine, am besten bei jeder sich bietenden Gelegenheit. Es erleichtert den Blutrückfluss zum Herzen und beugt Stauungsproblemen vor, allerdings nur, wenn der Körper dabei nicht in der Hüfte scharf abknickt, denn das blockiert den Durchfluss im Lendenbereich.

Venensport-- Da Venen keine eigene Pumpaktivität entfalten können, ist es wichtig, die benachbarten Muskeln als Muskelpumpe zu aktivieren. Besonders gut sind natürlich Sportarten, die den Schwerpunkt eher auf Bewegung legen als auf Kraft, wie Wandern, Radfahren und Schwimmen. Doch auch im Alltag lassen sich einige Übungen integrieren, die sogar während der Arbeitszeit oder beim Sitzen im Zug oder Flugzeug den Blutrückfluss in Gang bringen. Hierzu zählen das Auf- und Abwippen auf den Zehenspitzen, das Fuß- und Zehenkreisen sowie Greif- und Streckbewegungen der Zehen oder Füße.

Hydrotherapie-- Balneophysikalische Maßnahmen wie Kneipp-güsse und Wechselduschen tonisieren das Gefäßsystem. Eine weitere Methode, die sowohl Venen als auch Lymphsystem unterstützt, ist das Bürstenbad in körperwarmem Wasser (36 bis 38 °C). Dabei werden Füße und Beine mit einer Bürste in rhythmisch-kreisenden Bewegungen herzwärts massiert. Für eine vollständige Anregung von Kreislauf und Immunsystem können nach Beinen und Gesäß auch Arme, Nacken und Bauch mit spiralförmigen Bürstenstrichen behandelt werden.

Kompressionsbehandlung-- Bei Krampfadern und geschwollenen Beinen, ebenso beim langen Sitzen auf Reisen, ist eine Kompressionsbehandlung mittels Strümpfen oder Verbänden eine wichtige Therapieoption. Das Vermessen der Beine für die Bestellung von Kompressionsstrümpfen sollten PTA in entsprechenden Seminaren lernen, denn der fertige Strumpf muss am Ende gleichmäßig straff anliegen ohne einzuschnüren.

Auch der Kompressionsverband braucht beim Anlegen ein wenig Geschick und Know-how, um seine Funktion erfüllen zu können. Er wird morgens, gleich nach dem Aufstehen angelegt, wenn das Bein noch keine Stauungsbeschwerden aufweist. Das Wickeln beginnt am Fuß in Richtung Wade und sollte unter gleichmäßigem Zug ausgeführt werden. Dabei darf keine Stelle freigelassen werden, an der sich das Blut stauen könnte.

Aus der Apotheke

Zur Behandlung von Venenproblemen steht in der Selbstmedikation ein umfangreiches OTC-Sortiment zur Verfügung, das sowohl Interna als auch Externa umfasst. Neben pflanzlichen Extrakten, Einzelstoffen und Heparin-Zubereitungen gibt es auch Enzympräparate und homöopathische Kombinationen.

Rosskastaniensamen-- Sie wirken ödemprotektiv, antiexsudativ und venentonisierend. Wirksamkeitsbestimmend ist das Saponingemisch Aescin, das in Form von Trockenextrakten zum Einsatz kommt. Die Einnahme führt zu einer deutlichen Abnahme des Unterschenkelvolumens und Besserung von Symptomen wie Schweregefühl und Schmerzen in den Beinen, nächtliche Wadenkrämpfe sowie Juckreiz. Zu den gelegentlichen Nebenwirkungen zählen Schleimhautreizungen mit Übelkeit, Durchfall und Erbrechen. Allergien sind möglich.

Rote Weinrebenblätter-- Äußerlich aufgetragen, dient Rotes Weinlaub traditionell zur Linderung von Schweregefühl in den Beinen im Zusammenhang mit leichten venösen Durchblutungsstörungen. Bei innerlicher Anwendung kommen als Indikationen nächtliche Wadenkrämpfe, Juckreiz, Varizen und Beinödeme hinzu. Schwangere und Stillende sollten wegen fehlender Studienlage auf die Anwendung verzichten, ebenso Kinder und Jugendliche unter 18 Jahren. Gelegentlich kann es unter der Therapie zu Übelkeit, Magen- und anderen Beschwerden des GI-Traktes kommen sowie zu juckenden Hautausschlägen, Urtikaria und Kopfschmerzen.

Mäusedorn-- Traditionell wird Mäusedorn eingesetzt bei venösen Durchblutungsstörungen mit Schweregefühl in den Beinen sowie zur Linderung von Juckreiz und Brennen bei Hämorrhoiden. Schwangere und Stillende sollten wegen fehlender Studienlage auf die Einnahme verzichten, ebenso Kinder und Jugendliche unter 18 Jahren. Zu den möglichen Nebenwirkungen zählen Übelkeit, GI-Beschwerden und Durchfall. Zudem können allergische Reaktionen auftreten.

Troxerutin-- Das Bioflavonoid wird traditionell eingenommen als mild wirksames Arzneimittel zur Besserung von Beinbeschwerden wie Schweregefühl in den Beinen und empfindlichen Kapillaren (Kapillarfragilität). Selten können Nebenwirkungen auftreten wie allergische Hautreaktionen, leichte Magen-Darm-Störungen, Flush oder Kopfschmerzen. Für Schwangerschaft und Stillzeit gilt eine strenge Indikationsstellung.

Heparin-- Akute Schwellungszustände sind das Einsatzgebiet von Heparin in Form von Gel oder Creme, ebenso die Venenentzündung, sofern diese nicht durch Kompression behandelt werden kann. Die Anwendung darf nicht auf den Augen, Schleimhäuten, entzündeter Haut oder offenen Wunden erfolgen. In Einzelfällen können allergische Reaktionen auftreten mit Hautrötung und Juckreiz. Bei gleichzeitiger Gabe von Arzneimitteln, die in die Blutgerinnung eingreifen, muss mit Wechselwirkungen gerechnet werden, wie dem Auftreten von Hämatomen.

Enzyme-- Die Einnahme des Ananasenzyms Bromelain (auch in Kombination mit Trypsin und Rutosid) wirkt bei Schwellungen, Entzündungen sowie Thrombophlebitis der Ödembildung entgegen und hilft, die Entzündungsreaktion zu normalisieren. Es sollte nicht bei einer Ananasallergie angewendet werden. Bei Schwangerschaft oder Stillzeit ist eine strenge Indikationsstellung gefordert.

Homöopathika-- Die geschälten Samen der Rosskastanie (Aesculus) sind im Einsatz bei Stasen der peripheren Venen, Kleinbeckenvenen und bei Pfortaderrückstau, der zu Hämorrhoiden führt. Der Wurzelstock der Bergwohlverleih (Arnica montana) passt zu allgemeiner Bindegewebe- und Gefäßschwäche. Die Zweige der Zaubernuss (Hamamelis virginiana) dienen als blutstillendes Mittel und helfen bei venösen Problemen wie Stauungsdruck in den Beinen sowie juckenden, brennenden Hämorrhoidalknoten. Die genannten Mittel sind in unterschiedlichen Kombinationspräparaten zur Behandlung venöser Probleme enthalten.

Faktum

  1. Pro Jahr bekommt jeder 500. bis 1000. Mensch eine tiefe Venenthrombose.
  2. Die Sterblichkeit liegt bei sechs Prozent.
  3. Eine akute Thrombose in den tiefen Bein- und Beckenvenen kann dazu neigen, sich durch Gerinnselanlagerungen zu vergrößern, sich weder spontan aufzulösen, noch auf die Standardtherapie anzusprechen.
  4. Bis zu 50 Prozent entwickeln danach ein Posttrhombotisches Syndrom (PTS).

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