29.11.2017 - Zum Beratungsthema: Magen / Darm

Verdauungsbeschwerden

© Eva-Katalin / Getty Images / iStock (Symbolbild mit Fotomodell)

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von Petra Schicketanz

Schon eine Liste aller möglichen Verdauungsbeschwerden würde dieses Vorwort sprengen. Das zeigt, welchen hohen Stellenwert das Thema in der Apotheke hat. Beratungsintensiv ist es au ß erdem.

  • Bei der Digestion wird die Nahrung mechanisch und chemisch in resorptionsfähige Bestandteile zerlegt.
  • Zur Zerkleinerung von Kohlenhydraten dient das Enzym α-Amylase.
  • Die Eiweißverdauung erfolgt durch Proteinasen wie Trypsin, Chymotrypsin und Carboxypeptidase. Zum Schutz der Bauchspeicheldrüse und ihrer Ausführungsgänge werden sie erst im Dünndarm aktiviert.
  • Lipasen dienen in der Fettverdauung dazu, die Fettsäuren vom Glycerinrest zu trennen. Die Fettsäuren müssen für die Resorption mit Gallensäuren emulgiert werden.

Die Verdauung ist ein lebensnotwendiger Prozess, mit dem der Organismus nicht nur die benötigte Arbeitsenergie aufnimmt, sondern auch alle Substanzen, die er braucht, um das lebendige Gewebe auszubilden und regelmäßig zu erneuern. Gleichzeitig müssen dabei viele Stoffe für die speziellen Anforderungen zerlegt und umgebaut werden. Nicht verwertbare Restprodukte, Körperfremdes und Abfallstoffe aus verschiedensten Stoffwechselvorgängen werden dagegen aussortiert und ausgeschieden. Wie ein gut funktionierendes Uhrwerk müssen dafür alle Verdauungsorgane zusammenspielen. Doch das System ist kompliziert und dementsprechend anfällig für vielfältige Störungen.

Fragebogen

Wenn Sie sich in den Fragebogen zur Fortbildung einlesen möchten, können Sie ihn sich hier herunterladen und ausdrucken.

Der Weg der Nahrung

Damit die Nahrung optimal verwertet werden kann, muss sie sowohl mechanisch als auch chemisch zerlegt werden. Erst dann können die resorptionsfähigen Nährstoffmoleküle über die Schleimhäute des Verdauungstraktes aufgenommen werden. Alle dafür notwendigen Prozesse werden als Verdauung (Digestion) bezeichnet. Nicht jedes Substrat lässt sich auf dieselbe Weise verarbeiten, daher gibt es spezialisierte Enzyme. Für die Verdauung von Kohlenhydraten sind das die Amylasen, für die Eiweißverdauung Peptidasen und Proteinasen, und Fette werden von Lipasen zerlegt.

Der Magen

© (M) tsz / Getty Images /iStock

Mundhöhle

Schematisch kann man sich die Organe, die mit dem Speisebrei und späteren Faeces in Berührung kommen, als Verdauungsrohr vorstellen. Dieses Verdauungsrohr beginnt mit der Mundhöhle. Breite Schneidezähne zum Zerschneiden pflanzlicher Fasern und spitze Eckzähne, mit denen sich Fleisch besser abreißen lässt, präsentieren den Menschen als Gemischtköstler. Das Gebiss eines Erwachsenen hat üblicherweise 32 Zähne. Beim Zerkauen des Bolus wird die Nahrung eingespeichelt. Der Speichel bewahrt die Mundschleimhaut vor dem Austrocknen, härtet den Zahnschmelz, schützt Zähne vor Säuren und erhöht die Gleitfähigkeit des Bolus. Mit Hilfe der Speichelenzyme wird bereits in der Mundhöhle die enzymatische Verdauung eingeleitet. Die α-Amylase Ptyalin zerlegt Stärkeketten in kleinere Oligosaccharide. Unspezifische Lipasen nehmen sich grob der Fette an. Die Hydrolase Lysozym spaltet das Murein in den Zellwänden von Bakterien auf. Das tötet viele der Bakterien im Speisebrei.

Der Magen leistet Schwerstarbeit: Bis zu einer Tonne Nahrung knetet er mit Hilfe seiner Muskeln pro Jahr zu Brei.

Die Schluckbewegung wird von gezielter Zungenarbeit unterstützt. Gleichzeitig wird die willkürliche Schluckbewegung von unwillkürlichen Reflexbewegungen begleitet, die dafür sorgen, dass der Bolus weder in den Nasen-Rachen-Raum, noch in die Luftröhre geschoben wird – immerhin kreuzen sich am Kehldeckel Atem- und Verdauungswege. Beim Schlucken wird zudem die Stimmritze verschlossen und die Atmung reflektorisch unterdrückt.

Die Speiseröhre

Durch den etwa 20 bis 30 Zentimeter langen, dehnbaren Schlauch der Speiseröhre (Ösophagus) sackt der Nahrungsbolus nicht einfach nach unten in den Magen. Vielmehr wird er regelrecht dorthin gepresst und muss dabei drei physiologische Engstellen (Ringknorpelenge, Aortenenge und Zwerchfellenge) passieren, an denen zu große Bissen oder auch trocken geschluckte Arzneimittel stecken bleiben können, weshalb sich hier bevorzugt Entzündungen und Tumoren bilden.

Nach dem Schlucken entlässt der obere Schließmuskel der Speiseröhre (Ösophagussphinkter) den Speisebrei aus der Mundhöhle in die Speiseröhre. Den Rest erledigt eine wellenförmige Muskelarbeit, die als Peristaltik bezeichnet wird. Indem jeweils oberhalb des Bolus Ringmuskelfasern kontrahieren und unterhalb des Bolus längs verlaufende Muskelfasern das Lumen innerhalb der Speiseröhre vergrößern, wird die Nahrung Schritt für Schritt in Richtung Magen befördert. Nun muss sich nur noch der untere Ösophagussphinkter reflektorisch öffnen und die Nahrungsportion in den Magen entlassen.

Im Magen

Mit einem Fassungsvermögen von etwa 1,5 Litern speichert der Magen die Speisen, zermahlt sie und durchmischt sie mit dem Magensaft. Im nüchternen Zustand durchläuft der Magen anfangs eine Ruhephase, nach der er sich eine Zeit lang in unregelmäßigen Abständen zusammenzieht. Befinden sich danach noch größere, unzersetzte Partikel im Mageninneren, so werden sie mit großer motorischer Aktivität entfernt. Da dies an ein Durchputzen erinnert, bezeichnen Fachleute diese Phase als Housekeeperwaves oder Putzwellen. Sie sind für die Aufnahme von Arzneiformen wichtig, die im Magen nicht zersetzt werden und erst mit den Putzwellen ins Darmlumen und damit zur Resorption gelangen. Die heftigen Bewegungen in dieser Phase komprimieren die vorhandene Luft im Magen, was zu den typischen Geräuschen des Magenknurrens führt. Nach dem Essen benötigt die Nahrung je nach Zusammensetzung bis zu sieben Stunden, bis sie in den Darm abgegeben werden kann. Flüssigkeiten werden deshalb auf einer Abkürzung über die kleine Magenkrümmung (kleine Kurvatur) zum Magenausgang befördert.

Magensaft-- Die Drüsen in der Magenwand von Magengewölbe (Fundus) und Magenkörper (Korpus) produzieren pro Tag etwa zwei Liter Magensaft. Dazu liefern die Belegzellen Salzsäure. Sie dient dazu, den pH-Wert des Speisebreis auf pH 2 bis 4 abzusenken, Eiweiße zu denaturieren und möglichst alle Viren und Bakterien unschädlich zu machen. Zudem setzen die Belegzellen den Intrinsic-Faktor frei. Dieser bildet mit dem Vitamin B12 aus der Nahrung einen für die Dünndarmresorption des Vitamins essenziellen Komplex. Die Hauptzellen der Magenschleimhaut sezernieren neben geringen Mengen von Lipase vor allem Pepsinogen, aus dem sich durch das Einwirken der Salzsäure bei pH 3 das eiweißspaltende Enzym Pepsin abteilt. Die Nebenzellen produzieren den Schleim, der die Magenschleimhaut vor der Selbstzerstörung durch den Magensaft bewahrt.

Detail

Darmflora: Im Gegensatz zum Dünndarm ist der Dickdarm stark mit Bakterien besiedelt. Die Darmflora spielt eine wichtige Rolle im Immungeschehen. Eine ungünstige Zusammensetzung (Dyssbakterie) kann dazu führen, dass die Besiedelung zugunsten krankmachender Erreger verschoben wird und Entzündungsprozesse gefördert werden. Dies ist häufig nach der Einnahme von Antibiotika der Fall. Meist kommt es zu Durchfall und Fäulnisprozessen. Bei diesen entstehen vermehrt Darmgase sowie die unangenehm riechenden Substanzen Skatol und Indol, die für den typischen Fäkaliengeruch verantwortlich sind.

Im Dünndarm

Sobald der Speisebrei im Magen auf pH 2 bis 4 eingestellt ist, entlässt ihn der Magenpförtner (Pylorus) in kleinen Portionen in den Dünndarm (Intestinum tenue). Dieser ist vier bis sechs Meter lang und gliedert sich in die drei Abschnitte Zwölffingerdarm, Leerdarm und Krummdarm (Duodenum, Jejunum, Ileum). Die für die Resorption notwendige, große Oberfläche von 200 Quadratmetern wird durch ringförmige Falten (Kerckring-Falten) in der Dünndarmschleimhaut erzeugt. Darauf befinden sich Ausstülpungen (Zotten) und Einstülpungen (Krypten). Die für die Resorption verantwortlichen Zellen (Enterozyten) tragen zum Darmlumen hin fadenförmige Fortsätze, die Mikrovili genannt werden. In den Krypten liegen Drüsen, die einen Teil des Darmsaftes produzieren, der den Kontakt zwischen Nährstoffen und Mikrovili optimiert. Die Produktion und Freisetzung der notwendigen Enzyme wird zum Teil vom vegetativen Nervensystem und zum anderen Teil durch Hormone gesteuert.

Duodenum-- Der Zwölffingerdarm liegt halbmondförmig um den Kopf der Bauchspeicheldrüse. In ihn münden die Ausführungsgänge von Gallenblase und Bauchspeicheldrüse (Pankreas). Die Neutralisation des sauren Speisebreis erfolgt durch Bicarbonat aus dem Pankreassaft. Dieser enthält zudem zahlreiche Enzyme, die aus ihren Vorstufen erst aktiviert werden müssen, da sie sonst das Gewebe der Bauchspeicheldrüse zersetzen würden. Die Eiweißverdauung erfolgt über die Enzyme Trypsin, Chymotrypsin und Carboxypeptidase. Kohlenhydrate werden durch α-Amylase und Fette durch Lipase aufgespalten. Letztere trennt Fettsäuren vom Glycerinrest. Für die Resorption der Fettsäuren müssen diese erst mit Gallensäuren emulgiert werden. Gallensäuren werden in der Leber aus Cholesterin gebildet, über die Galle in den Darm gespült und mit Hilfe von Bakterien im Dünndarm in ihre aktive Form, die sekundären Gallensäuren, umgewandelt.

Jejunum-- Der Leerdarm ist der Ort der Hauptresorption für die im Dünndarm aufgespaltenen Nährstoffe. Die Dünndarmzotten sind mit dem Lymph- und dem Pfortadersystem verbunden. Elektrolyte werden teils aktiv, teils passiv direkt rückresorbiert, was unter gleichzeitiger Aufnahme von Wasser erfolgt. Kleinere Moleküle wie Zucker, Aminosäuren aus dem Eiweißabbau sowie kurz- bis mittelkettige Fettsäuren werden über das Kapillarnetz aufgenommen und über die Pfortader zur Leber transportiert. Fette wie Monoglyceride, langkettige Fettsäuren, Cholesterin, Phospholipide und fettlösliche Vitamine (Vit. A, D, E, K) werden mit Hilfe von Gallensäuren in Mizellen verpackt, damit sie die Dünndarmschleimhaut passieren können. In den Zellen des Schleimhautepithels werden sie mit einer Proteinhülle versehen und als Chylomikronen über die Lymphe durch den Milchbrustgang (größtes Lymphgefäß des Menschen) in den Blutkreislauf geschleust. Auf diese Weise umgehen sie in der ersten Runde die Leber.

Ileum-- Der Krummdarm dient mehr oder weniger als Resorptionsreserve. Lediglich Vitamin B12 wird gezielt hier aufgenommen. Da die Produktion von Gallensäuren ziemlich aufwändig ist, werden sie zu rund 90 Prozent im letzten Abschnitt des Ileums rückresorbiert und über die Pfortader zur Leber transportiert. Zusammen mit der Produktion der Gallensäuren, die im Abschnitt über das Duodenum beschrieben wurde, wird der leberentlastende Prozess als enterohepatischer Kreislauf bezeichnet.

Faktum

  1. Manche Gewürze haben einen so starken Effekt auf die Verdauung, dass sie therapeutisch eingesetzt werden.
  2. Amara sind Bittermittel. Dazu gehören Drogen wie Bittere Schleifenblume oder Wermutkraut. Sie steigern reflektorisch die Magensaftsekretion und erhöhen Appetit und Resorption.
  3. Karminativa sind blähungstreibende, spasmolytische Drogen wie Pfefferminzblätter, Fenchel-, Anis- oder Kümmelfrüchte.

Im Dickdarm

Dem Dickdarm (Intestinum crassum) kommt die Aufgabe zu, Wasser und Elektrolyte zurück zu resorbieren und das Ausscheidungsvolumen auf etwa 150 bis 200 Milliliter pro Tag zu reduzieren. Dafür wird der Darminhalt kräftig durchgeknetet. Der obere Dickdarmabschnitt ist so gebaut, dass der zurück- gedrückte Darminhalt nicht in den Dünndarm gepresst werden kann. Dies verhindert zum einen die Ileozäkalklappe, die mit Hilfe von Schleimhautfalten den Endabschnitt des Dünndarms wie ein Ventil verschließt. Zum anderen bildet der Blinddarm (Caecum) eine Art Pufferzone, in die der Kot an der Ileozäkalklappe vorbei hineingeschoben wird. Am unteren Ende des Blinddarms hängt ein etwa zehn Zentimeter langer Wurmfortsatz (Appendix vermiformis). In diesem sind zahlreiche Lymphfollikel untergebracht, die besonders im Kindesalter wichtig für die Infektabwehr sind.

Kolon-- Der nächste Dickdarmabschnitt heißt Kolon oder Grimmdarm. Er besteht aus vier Abschnitten: dem aufsteigenden Grimmdarm (Colon ascendens), dem querverlaufenden Grimmdarm (Colon transversum), dem absteigenden Grimmdarm (Colon descendens) und dem s-förmigen Grimmdarm oder Sigma (Colon sigmoideum).

Rektum-- Der Mastdarm ist der letzte Teil, der das Verdauungsrohr mit dem Anus abschließt. Dieser besitzt gleich zwei Schließmuskeln: Der äußere Schließmuskel kann im Gegensatz zum inneren willkürlich gesteuert werden, sodass die Darmentleerung nicht nur der Steuerung des autonomen Nervensystems unterliegt.

TIPP!

Bei krampfartigen Magen-Darm- oder Gallebeschwerden sind Zubereitungen aus Pfefferminzblättern eine gute Wahl. Sie helfen auch bei Übelkeit, Erbrechen und Völlegefühl, mindern Schmerzen und Blähungen, selbst beim Reizdarmsyndrom.

Verdauungsstörungen

Wer sich den Verdauungsapparat anschaut, kann unzählige Angriffspunkte entdecken, an denen die Verdauung gestört werden kann. Das fängt bereits im Mund an. Die Zerkleinerungsarbeit der Zähne liefert die Ausgangsbasis für eine gesunde Verdauung, ist aber bei Zahnerkrankungen und -fehlstellungen nicht selbstverständlich. Ebenso steht es mit der Sekretion der Speicheldrüsen, die durch anticholinerge Medikamentennebenwirkungen, Steinbildung oder Infektionskrankheiten wie Mumps beeinträchtigt sein kann. Weiter geht es mit dem Schluckvorgang, der unter anderem von psychischen und neuronalen Gegebenheiten abhängt.

Die nachfolgend beschriebenen Erkrankungen und Beschwerden stellen daher nur einen kleinen Ausschnitt der möglichen Verdauungsstörungen dar. Wichtig bei allen aufgeführten Beschwerden ist es, im Beratungsgespräch nicht nur das vordergründige Symptom zu erfassen. Bei länger bestehenden Beschwerden, erfolglosen Selbstmedikationsversuchen, auftretendem Fieber, Blutungen und ungeklärten Schmerzen sollte immer der Arzt aufgesucht werden. Nicht zuletzt führen Verdauungsprobleme zu einer unausgewogenen Nährstoffbilanz – und die wiederum bringt den Stein für neue Probleme ins Rollen.

Ösophagus-Probleme

Auch wenn die Speiseröhre „nur“ ein Transportweg für die Nahrung ist, kann eine Dysfunktion massive Störungen verursachen. Schluckstörungen (Dysphagie) in diesem Bereich werden meist durch mechanische Blockaden hervorgerufen, die den Weg des Bissens einschränken. Mögliche Ursachen sind unter anderem Ausstülpungen der Speiseröhrenwand (Ösophagusdivertikel), Speiseröhrenkrebs, Verlegung durch Narbengewebe (Stenose) sowie eine durch Krankheitserreger, chemische oder physikalische Reize ausgelöste Entzündung der Speiseröhre (Ösophagitis).

Sodbrennen-- Wenn der untere Ösophagussphinkter den Weg zum Magen nicht ausreichend abdichtet, kann saurer Magensaft in die Speiseröhre übertreten und die dortige Schleimhaut verätzen. Typische Beschwerden sind Sodbrennen, saures Aufstoßen, Schluckschmerzen und brennende Schmerzen hinter dem Brustbein. Leichtere Beschwerden lassen sich häufig durch ein angepasstes Verhalten lindern. Dazu gehören: Gewichtsreduktion, sich nicht direkt nach dem Essen hinlegen (oder zu spät zu Abend essen) und beim Liegen auf erhöhten Oberkörper achten. Auch das Was spielt eine Rolle: Säurelocker wie Alkohol, Kaffee und Nikotinkonsum sollten gemieden werden. Bei den Nahrungsmitteln merkt der Betroffene selbst, welche ihm nicht guttun. Meist sind es fettige Speisen, saure Obstsorten oder ein Zuviel an Süßigkeiten, die den Reflux triggern und besser nicht oder nur in geringen Maßen konsumiert werden sollten.

Gastritis muss behandelt werden, damit sie nicht chronifiziert.

Therapie-- Akutsymptome lassen sich kurzfristig mit säurebindenden Antazida wie Hydrotalcit und Magaldrat bekämpfen. Protonenpumpeninhibitoren (PPI) wie Omeprazol und Pantoprazol hemmen dauerhaft die Sekretion der Magensäure. Etwas milder ist dieser Effekt bei H2-Rezeptorantagonisten wie Ranitidin.

Gastritis

Zu schnell, zu viel, zu heiß, zu kalt oder das Falsche gegessen, Alkohol- und Kaffeekonsum, Rauchen, Stress und Medikamente wie unter anderem NSAR und Zytostatika – die Liste der Gastritisauslöser ist vielseitig und lang. Auch Keime können eine Rolle spielen. Neben Stäbchenbakterien wie Helicobacter pylori und Salmonellen kommen auch Pilze und Viren in Frage.

Eine akute Magenschleimhautentzündung macht sich durch Schmerzen in der Magengegend bemerkbar, eventuell kommen Erbrechen, Schwindel, Völlegefühl, Appetitlosigkeit und saures Aufstoßen hinzu. Magenblutungen können durch blutiges Erbrechen oder Teerstühle sichtbar werden. Die Beschwerden sollten innerhalb weniger Tage abklingen. Es empfiehlt sich, schnell für Abhilfe zu sorgen, denn entzündliche Stellen können in massive Schleimhautdefekte übergehen (erosive Gastritis). Die Abgrenzung zu Magengeschwüren ist schwierig, da ein fließender Übergang besteht. Zudem kann das Geschehen chronifizieren, was ebenfalls Geschwüren Vorschub leistet.

Therapie-- Neben den bei Sodbrennen aufgelisteten Substanzen kommen auch Prokinetika wie Metoclopramid (Rp) zum Einsatz. Sie fördern den Weitertransport im Verdauungstrakt und lindern dadurch Erbrechen und langes Verweilen der Nahrung in Magen oder Darm.

Reizmagen

Es gibt Menschen, denen schlägt einfach alles auf den Magen. Und der reagiert gereizt mit Übelkeit, Brechreiz, Erbrechen, Magenkrämpfen, Völlegefühl, Sodbrennen und Appetitlosigkeit. Eine solche funktionelle Dyspepsie, so der Fachausdruck, beschreibt im Grunde alle Arten von Magenbeschwerden, für die keine Ursache gefunden wird. Eine Störung der Magenmotilität wird angenommen. Ein Zusammenhang mit psychischem Stress, Angst und Depressionen ist wahrscheinlich. Die Symptome können sehr belastend sein. Da sie auch bei anderen Krankheiten (u. a. Speiseröhren- oder Magenkrebs, Gastritis durch Helicobacter pylori) auftreten können, empfiehlt sich eine ärztliche Abklärung.

Therapie-- Neben einer Anpassung der Ernährungsgewohnheiten können symptomatisch die bei Gastritis gelisteten Therapeutika verwendet werden. Häufig sprechen die Beschwerden gut auf pflanzliche Arzneimittel an.

TIPP!

Bei zahlreichen Verdauungsbeschwerden können Sie Ihren Kunden Zubereitungen aus Kamillenblüten emp- fehlen. Das ätherische Öl wirkt entzündungshemmend, krampflösend, blähungstreibend, antibakteriell und schützt vor Geschwürbildung.

Reizdarmsyndrom

Dumpfe Bauchschmerzen mit Blähungen, Völlegefühl sowie Durchfall oder Verstopfung sind die Kennzeichen eines Reizdarmsyndroms. Es gilt wie der Reizmagen als Ausschlussdiagnose und wird mit psychosomatischen Ursachen begründet. Frauen sind häufiger betroffen als Männer. Die Therapie erfolgt symptomatisch.

Obstipation

Stuhlverstopfung zeichnet sich durch trockenen, harten Stuhl aus, der nur verzögert abgesetzt wird. Sie zählt zu den Zivilisationskrankheiten, die auf ungünstige Ernährungs- und Bewegungsgewohnheiten zurückzuführen sind. Weitere Auslöser sind Flüssigkeits- oder Kaliummangel, Stoffwechselstörungen, neurologische Störungen und unerwünschte Arzneimittelwirkungen, beispielsweise bei Opiaten, Sedativa und Psychopharmaka. Der Darm kann auch mechanisch blockiert sein. Entweder, indem Divertikel, Narben oder Tumoren das Darmlumen einschränken, oder indem ein anderer raumfordernder Prozess, wie beispielsweise eine fortgeschrittene Schwangerschaft, von außen auf den Darm drückt.

Vor allem männliche Babys, aber auch nervöse Erwachsene, leiden gelegentlich unter einer spastisch bedingten Verstopfung. Das Symptom kann auch psychisch verursacht sein, besonders bei Ekelgefühlen. Oder es liegt ein Sensibilitätsverlust vor, der sich durch langen Laxanzienmissbrauch oder ständiges Stuhleinhalten anbahnt. Es gibt verschiedene Ansätze, um mit Hilfe von Laxanzien die Darmentleerung zu beschleunigen. Die Wirkstoffe vergrößern das Volumen des Darminhalts und regen damit die Peristaltik und die Darmentleerung an.

Quellstoffe-- Nicht resorbierbare Quellstoffe wie Lein- oder Flohsamen nehmen Wasser auf. Das setzt eine ausreichende Trinkmenge voraus, da die Quellstoffe sonst im Darm verkleistern.

Osmolaxanzien-- Salinische Abführmittel, Polyethylenglykole und Zuckeralkohole wie Mannit sind Osmolaxanzien. Durch ihren osmotischen Effekt verhindern sie bereits als normotone Lösung die Resorption von Wasser aus dem Dickdarm. Als hypertone Lösung begünstigen sie den Zustrom von Körperwasser ins Dickdarmlumen.

Antiresorptiva/Hydragoga-- Anthraglykoside aus Sennesblättern, Aloe, Rhabarber oder Faulbaumrinde, ebenso das Rizinusöl hemmen die Darmresorption von Wasser und Natriumionen (antiresorptiver Effekt). Zudem erhöhen sie die Durchlässigkeit des Darmepithels, wodurch vermehrt Wasser ins Darmlumen einströmt (hydragoger Effekt).

Diphenole-- Bisacodyl wird in der Leber verstoffwechselt und anschließend wie das kaum resorbierbare Natriumpicosulfat durch Bakterien in die freie Wirkform, das Diphenol, überführt.

Durchfall

Bei mehr als drei Stuhlentleerungen pro Tag, die auf ein Gesamtgewicht von mehr als 250 Gramm kommen, spricht man von einer Diarrhö. Diese ist nur als Symptom zu werten und kann bei vielen Erkrankungen und Gesundheitsstörungen auftreten. Hier nur ein paar der wichtigsten: Infektiöse Auslöser sind beispielsweise Noroviren, Rotaviren, Salmonellen, Clostridien und Campylobakter. Ein Mangel an Gallensäuren oder bestimmten Enzymen, Nahrungsmittelintoleranzen oder ein verkürzter Darm können dazu führen, dass die Nahrung nicht genügend aufgeschlossen und resorbiert wird, was zur Stuhlverflüssigung führt. Und natürlich können psychische Einflüsse oder Störungen des vegetativen Nervensystems die Darmpassage so weit ankurbeln, dass aufgeweichte Stühle den Enddarm verlassen.

Therapie-- Neben einer Behandlung der Auslöser muss vor allem auf einen Ausgleich des Flüssigkeits- und Elektrolytverlustes geachtet werden, am besten mit oralen Rehydratationslösungen. Stuhlmenge und -frequenz können durch das synthetische Opioid Loperamid oder den Enkephalinhemmer Racecadotril reduziert werden.


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