31.07.2019

Warzen: Heilen gern spontan

von Stefanie Fastnacht

Die Auswüchse auf der Haut sehen wirklich nicht schön aus. Therapieresistent sind sie leider oft auch. Weshalb das pharmazeutische Personal Kunden im Beratungsgespräch immer auf eine Geduldsprobe einstimmen sollte.

© Getty Images (Symbolbild mit Fotomodellen)

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Verursacher von Warzen sind humanpathogene Papillomviren (HPV). Die gegen Austrocknung oder das Einwirken von Detergenzien sehr widerstandsfähigen Viren werden durch direkten Haut- und Schleimhautkontakt übertragen. Indirekt infizieren sich Menschen zum Beispiel über kontaminierte Flächen in Schwimmbädern, Sport- oder Freizeiteinrichtungen. Ob eine Ansteckung und Ausbreitung erfolgt, hängt unter anderem von der aktuellen Immunsituation der Betroffenen ab.

Je nachdem, mit welchem HPV-Typ Menschen in Kontakt kommen, sehen die Hautwucherungen unterschiedlich aus und sprießen auch an unterschiedlichen Körperstellen.

Warzen

In diesem Artikel werden lediglich die in der Selbstmedikation behandelbaren vulgären Warzen (Verrucae vulgares) und die Flachwarzen (Verrucae planae juvenilis) näher vorgestellt.

Verrucae vulgares

Vulgäre Warzen wuchern bevorzugt an schlecht durchbluteten Händen und Füßen. Kinder und Erwachsene leiden gleichermaßen unter ihnen, mit einem Erkrankungsgipfel zwischen dem zehnten und 15. Lebensjahr. Nach der Infektion bildet sich die Mutterwarze, ein scharf begrenzter Knoten mit zunächst glatter, später zerklüfteter Oberfläche. Im weiteren Verlauf wächst sie und kann Tochterwarzen bilden. Durch thrombosierte Kapillaren und Schmutzpartikel sieht die Oberfläche vulgärer Warzen oft schwarz gepunktet aus. Zu den vulgären Warzen gehören auch die Verrucae plantares und die filiformen Verrucae.

Verrucae plantares

Plantarwarzen wachsen einzeln oder in Beeten unter den Fußsohlen. Aufgrund ihrer Lokalisation und des Drucks des Körpergewichts werden sie in tiefere Hautschichten gedrückt. Was schmerzt und ihnen auch den Namen „Dornwarze“ eingebracht hat. Plantarwarzen gelten als sehr ansteckend. In Schwimmbädern, Turnhallen oder Hotelzimmern, wo viele Menschen barfuß laufen, ist die Infektionsgefahr besonders hoch. Im Beratungsgespräch ist es wichtig, Plantarwarzen von Schwielen (Calli) und Hühneraugen (Clavi) abgrenzen.

Filiforme Verrucae

Die zapfen- oder fadenförmigen Pinselwarzen sprießen häufig im Gesicht und am Hals. Durch Rasieren können sie sich großflächig aussäen. Therapeutisch bewährt hat sich das flache Herausschneiden oder das Abtragen mittels Laser. beim Hautarzt.

Verrucae planae juvenilis

Flachwarzen sind, wie der Name schon sagt, wenig erhaben. Die ovalen oder runden gelbbraunen Papeln haben eine stumpfe Oberfläche und zeigen sich oft auf der Haut von älteren Schulkindern und Jugendlichen. Dabei bilden sie sich meist plötzlich und in großer Zahl an der Stirn, auf den Handrücken oder den Beugeseiten der Unterarme. Meistens heilen sie von selbst ab. Vor solchen Spontanheilungen können sich die Warzen schubartig vermehren und vergrößern.

Wussten Sie, dass ...

  • Dellwarzen nicht durch humanpathogene Papillomviren, sondern durch ein Pockenvirus verursacht werden?
  • plantare Warzen beim Barfußgehen abgeklebt werden sollten, um die Übertragung von humanen Papillomviren auf andere zu vermeiden?
  • tägliche, warme Bäder die Durchblutung der von Warzen betroffenen Hautareale fördern und so das Abheilen unterstützen können?
  • auch Zubereitungen aus dem Lebensbaum Thuja occidentalis äußerlich und innerlich zur Warzenbehandlung eingesetzt werden können?

Die Therapie

Vulgäre Warzen und Flachwarzen sind in der Regel harmlos und müssen eigentlich nicht behandelt werden. Schmerzen sie allerdings, breiten sich aus oder beeinträchtigen das ästhetische Empfinden, stehen für die Selbstmedikation verschiedene OTC-Präparate zur Verfügung. Diese wirken nicht antiviral, sondern enthalten abschälende (keratolytisch) wirksame oder ätzende Substanzen zum Abbau der Warzenmasse. Daneben gibt es Produkte zum Vereisen. Nicht immer ist der Behandlungserfolg garantiert. Darauf sollten Sie Kunden im Gespräch hinweisen. Genauso wie auf die Tatsache, dass Warzen häufig spontan abheilen. Gerade bei Kindern gehen Fachleute von einer Spontanheilungsrate von 65 Prozent aus. Weshalb immer gut überlegt werden sollte, ob eine Behandlung tatsächlich nötig ist.

Abschälen

Dafür stehen in der Selbstmedikation Keratolytika in Form von Pflastern und Tinkturen zur Verfügung. Diese Mittel zerstören das Keratin in der obersten Hautschicht der Epidermis. Das Warzengewebe lässt sich so Schicht um Schicht abtragen. Was Zeit in Anspruch nimmt und von den Patienten viel Geduld verlangt. In der Regel enthalten die Präparate Salicylsäure (z. B. Guttaplast ®). Angeboten werden zudem Mischungen mit Salicylsäure und anderen hornhautaufweichenden Wirkstoffen wie Milchsäure (z. B. Clabin ® plus Lösung) und Essigsäure (z. B. Verrucid ®). Damit Keratolytika die gesunde Haut um die Warze möglichst wenig schädigen, sollte diese vor der Therapie mit Zinkpaste oder einer fetthaltigen Salbe abgedeckt werden.

Vereisen

Für die Kryotherapie gibt es rezeptfrei Produkte mit Flüssiggasgemischen aus Dimethylether, Propan und weiteren Kohlenwasserstoffen (z. B. Wortie Intens gegen Warzen u. Dornwarzen, Verrukill ® ratiopharm Spray). Sie werden mit einem Schaumstoffapplikator oder einem Einmalschwamm auf die Warze aufgebracht. Die Applikation dauert je nach Größe der Warze 20 bis 40 Sekunden. Dabei bildet sich eine kleine unsichtbare Blase an der Warzenwurzel. Diese soll das Ablösen der Warze nach etwa zehn bis 14 Tagen begünstigen. Meist reicht eine Behandlung aus. Falls nicht, finden Sie in der Gebrauchsanweisung Angaben zum einzuhaltenden Anwendungsabstand – in der Regel zwei Wochen. Cave: Auf vorgeschädigten, zum Beispiel aufgekratzten Warzen, dürfen Sie Vereisungsmittel nicht anwenden.

Verätzen

Bei dieser Methode wird das Warzengewebe mit Ameisensäure (z. B. Endwarts ® Pen), Monochloressigsäure (z. B. Acetocaustin ® Pen), Trichloressigsäure (z. B. Wartner ® Stift gegen Warzen) abgetötet. Das entsprechende Präparat sollte, wie bei der Vereisungsmethode, nicht bei vorgeschädigten Warzen eingesetzt werden. Bis die Warze komplett beseitigt ist, kann es mehrere Wochen dauern. Je nach Produkt gibt es unterschiedliche Anwendungsintervalle, weshalb die Packungsbeilage genau beachtet werden muss.


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